Malin Schwerdtfeger : Café Saratoga

Café Saratoga

Malin Schwerdtfeger

Café Saratoga

Café Saratoga Originalausgabe: Verlag Kiepenheuer & Witsch, Köln 2001 ISBN: 3-462-03018-3, 287 Seiten, 38 DM Taschenbuch: Kiepenheuer und Witsch, Köln 2003 ISBN: 3-462-03242-9, 287 Seiten, 8.90 € (D)
Buchbesprechung

Inhaltsangabe

Zwei pubertierende Mädchen entdecken ihren Körper und verlieren gleichzeitig ihre Heimat in der Danziger Bucht, weil ihr egozentrischer Vater 1987 mit ihnen nach Bremen auswandert. Entwurzelt und desillusioniert versuchen sie, mit dem Leben in der ihnen fremden Konsumgesellschaft zurechtzukommen, während ihr Vater immer stärker zur tragikomischen Figur verkommt ...
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Kritik

Malin Schwerdtfeger hat die unspektakuläre Handlung ihres lakonischen Debütromans "Café Saratoga" zwischen Komik und Tragik, Ironie und Humor ausbalanciert.
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Kazik Herrmann, der von seinen beiden Töchtern Sonja und Majka „Tata“ gerufen wird, setzt sich in den Kopf, das seiner greisen Tante Apolonia gehörende Café auf der Halbinsel Hel in der Danziger Bucht zu übernehmen, denn er wittert einen großen „Biznes“. Das Café heißt eigentlich Zatoka – das bedeutet Bucht –, aber Tata schreibt auf das neue Schild „Café Saratoga“.

Seine Frau Lilka, die in Danzig Slawistik studierte, folgt ihm widerwillig mit den Töchtern von Gdingen nach Hel und quartiert sich im Gartenhaus der in der Dachkammer des Hauptgebäudes untergebrachten Tante ein. In der kälteren Jahreszeit wohnt sie allerdings weiterhin mit Sonia und Majka in Gdingen.

Tata freundet sich auf Hel ausgerechnet mit dem verrückten, ständig betrunkenen Bocian an, der von der aus Deutschland stammenden Besitzerin des Cafés als „Nazihexe“ spricht und behauptet, sie habe es mit den deutschen Soldaten zunächst in den Bunkern am Strand getrieben und dann im Schlafzimmer seiner von ihr denunzierten und von den Nazis in ein Lager gesperrten Eltern.

Als Bocian und zwei Mädchen eines Abends die letzten Gäste im Café Saratoga sind, schickt Tata seine Töchter ins Bett. Dann gehen die vier Erwachsenen zum Strand. Dort ziehen Tata und Bocian sich aus und tanzen nackt, bis die Mädchen ihrem Beispiel folgen.

Tata ist ein Egomane und Schürzenjäger. Niemand kann ihm die Überzeugung nehmen, dass er mit dem Café Saratoga genügend Geld verdienen wird, um in das Land auswandern zu können, das er „Bundes“ nennt und fürs Paradies hält. Ebenso unbeirrbar vertritt er seine verqueren Lebensweisheiten.

„Das Leben der Frau ist so einfach, so zyklisch! In der Zyklizität liegt der Schlüssel zur Zufriedenheit. Das mit der Erbsünde hat man den Frauen erzählt, damit sie nicht alles schleifen lassen, aber eigentlich ist es Unsinn: Eine Frau ist ein zyklisches Geschöpf und lebt aus sich selbst, das heißt, sie kann gar keinen großen Schaden anrichten. Wir Männer dagegen leben linear: Vorwärts und vorwärts katapulierten wir uns von einer Welt in die nächste, die Frauen aber sind ihre eigene Welt. Könnte ich doch auch still und zufrieden vor mich hin inkarnieren, könnte ich so sehr in dieser Welt verwurzelt sein, gebären und Nahrung geben in einem ewigen Kreislauf!“ (Seite 273f)

„Schlachtung und Zucht“, sagte Tata im Café Saratoga zu Bocian, „Schlachtung und Zucht sind die einzigen Berufszweige mit Zukunft. Auf jeden Fall im Sozialismus. Und beides hält die Weltgene in Schwung.“
„Dein scheiß-buddhistisch-biologisches Weltbild ist einfach zum Kotzen“, sagte Bocian.
„Das Wichtigste sind die Gene“, sagte Tata, „die müssen zirkulieren. Wenn die Gene nicht mehr zirkulieren, ist das schlecht. Deswegen werden die Nazis das Spiel verlieren und die Zionisten auch; weil die Nazis ihre Gene genausowenig mischen wollen wie die Juden. Der ganze andere Kram ist unwichtig, Politik, Religion, Moral. Es gibt kein Gut und kein Schlecht, außer in den Genen. Warum haben die Russen den Krieg gewonnen? Warum sind sie eine Weltmacht? Weil sie rumvögeln! Die vögeln wie wild in ihrem Reich herum, die vögeln mit Kaukasiern, Tataren, Eskimos und Mongolen, und das ist das Geheimnis der Sowjetunion. Was wollen die denn sonst von den ganzen Republiken, Bodenschätze hin oder her? Die Gene!“ (Seite 49f)

In diesem Zusammenhang hält Tata es auch für richtig, seine Töchter zu schlagen.

Schläge machten die Gene stark, sie brachten das Blut zum Kreisen, und das war gut. (Seite 53)

Als Tante Apolonia in der Dachkammer stirbt, verheimlicht Tata ihren Tod, denn die Schankerlaubnis für das Café Saratogo lautet auf ihren Namen. Bocian riecht die Leiche jedoch nach einer Weile und kommt hinter das Geheimnis. In der folgenden Nacht beobachtet Sonja, wie die beiden Männer die Tote in Tatas Fiat Mirafiori zerren, aber sie erfährt nicht, wohin sie Tante Apolonia bringen.

Ilonka Gutgraf, die Betreiberin der einzigen Eisdiele auf Hel, vermittelt Tata „Kellnerinnen“, die er im Gartenhaus unterbringt, nachdem Lilka und die Töchter unters Dach gezogen sind.

Unsere Kellnerinnen waren anders als alle anderen Kellnerinnen auf Hel. Sie trugen Pumps und keine Sandalen. Sie steckten sich keine Watte in die Schuhe. Sie waren immer müde und rauchten viel, und keine von ihnen konnte rechnen. (Seite 93)

Seit es die Kellnerinnen gab, war es hinter dem Haus nachts nicht mehr so dunkel, denn dann bekamen die Kellnerinnen Besuch von ihren Bekannten und ließen das Licht im Gartenhaus brennen, bis es dämmerte. (Seite 92)

Hania, eine dieser wechselnden Kellnerinnen, studiert Theaterwissenschaften in Krakau. In den Sommerferien besucht sie ihre Eltern in Rumia nordwestlich von Gdingen. Sonja schlüpft morgens gern zu ihr ins Bett.

Hania stopfte das eine Ende der Bettdecke unter sich, ich legte mich auf Hania, Bauch an Bauch, und Hania wickelte uns ein, bis wir im Bett lagen wie eine fette Raupe […] „Wir sind Engerlinge“, sagte Hania. „Mach die Augen zu! Wir sind blind. Wir warten auf unsere Transformation zum schönen Schmetterling.“ (Seite 96)

Beim Engerling-Spiel verspürt Sonja plötzlich einen Schmerz in der Brust und gerät in Panik, weil sie glaubt, einen Herzinfarkt zu erleiden.

„Zeig her! Zeig her!“, schrie Hania. Sie zerrte meine Arme auseinander, riss mir das Unterhemd hoch und schaute sich meine Brust an. Dann fuhr sie mit dem Finger über die linke Brustwarze. Da war eine kleine Beule, als bohre sich mein Herz mit der Spitze zuerst durch die Rippen. (Seite 97)

Eines Morgens, als Sonja zum Gartenhaus hinüberläuft, kommt ihr Vater gerade heraus, und Hanias Bett ist ganz warm.

Nachdem Tata das Gartenhaus zum Bordell umfunktioniert hat, lässt Lilka sich von ihm scheiden. Aber sie bleibt bei ihm – wegen der Kinder, wie sie Sonja erklärt und sich zugleich darüber beschwert, dass Tata sie in der Nacht nach der Scheidung schon wieder vergewaltigt habe.

Tata blättert gern im Gardena-Katalog.

Mit Hanias Hilfe hatte Tata einen Gemüsegarten hinter dem Café Saratoga angelegt. Seit Onkel Tubas letztem Besuch war Tata von der sagenhaften Qualität der Gartenwerkzeuge in Bundes besessen.
„Scharf wie Rasierklingen“, hatte Onkel Tuba gesagt. „Meine Heckenschere … – die könntest du hier einem Chirurgen in die Hand drücken, und er würde damit sauberere Schnitte machen als mit einem polnischen Skalpell.“ (Seite 109)

Tatas Bruder Tuba lebt mit seiner Frau Danuta und dem Sohn Henryk in Bremen. Dort arbeitet er bei Mercedes am Fließband.

Majka verliebt sich in den Schiffsjungen Edek auf der zwischen Gdingen und Hel verkehrenden Fähre „Rubin“. Der Achtzehnjährige zieht ihr die ein Jahr ältere Schwester vor, aber Sonja erwidert seine Gefühle nicht.

Allmählich wächst auch Sonjas zweite Brust. Aber es ist Majka, die ihr zeigt, wie man sich lustvoll in die Brustwarzen kneift und mit einem Kissen zwischen den Beinen masturbiert.

Mit einem drei Monate gültigen Touristenvisum für „Bundes“ reist Tata zu seinem Bruder nach Bremen. Das Café Saratoga verkauft er Witek, dem Besitzer eines Kutters und einer Tankstelle in Jastarnia. Und weil er die Schankerlaubnis nun nicht mehr benötigt, gibt er bekannt, seine Tante Apolonia sei gestorben.

1987 folgen ihm Lilka, Sonja und Majka mit dem Fiat Mirafiori. Tata kommt ihnen mit dem silbergrauen Mercedes seines Bruders bis zur Tankstelle an der Grenze entgegen. Sonja wundert sich über die Papierkrone, die er trägt und erfährt, dass man so etwas in einer bestimmten Fastfood-Kette bekommt. Dann darf sie den glühenden Zigarettenanzünder der Limousine an eine „Majbojo“ für ihren Vater halten. Ob ihr inzwischen eine zweite Brust gewachsen sei, fragt Tata, und ob sie bereits ihre Menarche gehabt habe.

Die erlebt Sonja bei der Ankunft im Grenzdurchgangslager Friedland.

In meinem Rücken pochte es. Ich wollte mich krümmen, um den Schmerz aus meinen Nieren zu pressen, ich knickte in der Mitte ein, und der Schmerz wurde gegen meine Wirbelsäule getrieben, er lief das Steißbein hinab, kroch mir zwischen die Pobacken, umfasste meine cipka mit einer großen, heißen Hand und streckte sich nach meinem Unterleib aus. (Seite 145)

Stolz fotografiert Tata die Fünfzehnjährige daraufhin mit einer Monatsbinde in der Hand vor dem Heimkehrer-Denkmal in Friedland.

Einige Zeit später beziehen Tata, Lilka, Sonja und Majka eine Zwei-Zimmer-Wohnung in Bremen. Tante Danuta wundert sich darüber, dass Lilka trotz der Scheidung noch immer bei ihrem Mann lebt. Sie selbst hat sich von ihrem Mann Tuba getrennt. Als Henryk, der ein halbes Jahr jünger als Majka ist, in die fünfte Klasse kam, fing Danuta bei Zahnarzt Dr. Köster in Worpswede als Sprechstundenhilfe an, und dessen Ehefrau vermittelte ihr eine Dachwohnung in der Nähe der Praxis. Kurz darauf freundete sich Danuta mit der geschiedenen Ärztin Dr. Brigitte Göbbels an. Seither geht sie ihre eigenen Wege.

Nachdem Lilka Danutas Beispiel gefolgt ist und eine eigene kleine Wohnung gemietet hat, pendelt Sonja zwischen ihr und Tata hin und her, während Majka bei der Mutter bleibt und ihren Vater nur hin und wieder kurz besucht.

Tata, der wie sein Bruder bei Mercedes arbeitet, wird entlassen. Für eine Zeitarbeitsfirma jobbt er daraufhin in verschiedenen Fabriken, die Schokolade, Frühstücksflocken bzw. Gewürze herstellen. Als er mit Muskatnüssen in den Hosenaufschlägen ertappt wird, soll er in eine Kaffeerösterei wechseln, doch stattdessen lässt er sich von einem Dermatologen eine Lebensmittel- und Stauballergie bescheinigen und meldet sich arbeitslos.

Danuta, die inzwischen ein Verhältnis mit Tata hat, überredet Dr. Köster, ihren Schwager als Putzmann einzustellen.

In der Praxis von Dr. Köster war der Boden aus perlgrauem, blankem Granit. Tata putzte mit Schwung und Begeisterung und nur mit Markenputzmitteln. „Der General!“, sagte er. „Das Beste vom Besten! Was für Profis! Damit putzt ein Mann!“ (Seite 201)

Großen Wert legt Tata darauf, dass seine Töchter die deutsche Sprache lernen. Beinahe ebenso schwer fällt es ihnen, sich in der völlig fremden Welt einer reichen Konsumgesellschaft zurechtzufinden.

Seinen Geburtstag feiert Tata mit einer Grillparty im Garten des Ehepaares Köster. Sonja folgt der Einladung, Tuba bringt seinen Freund Romek mit, Danuta kommt mit Henryk, ihrer Freundin Brigitte Göbbels und deren drei Töchtern. Obwohl Tata bereits betrunken ist, bevor Dr. Köster den Grill in Betrieb nimmt, lässt er sich nicht davon abhalten, mit dem Fiat Mirafiori loszufahren, um Lilka, Majka und seine Freundin Monika zu holen.

„Ich will meinen Geburtstag mit der Familie feiern“, sagte er, „mit den Frauen, die mir soviel Gutes getan haben. Und wir trinken auf die, die nicht hier sein können, denn jede einzelne ist meine rechtmäßige Frau! Alle zusammen sind meine Familie! Meine vielen, vielen Familien! Jede Kopulation ist der Beginn einer Familie, ob daraus ein Kind entsteht oder nicht, es ist ein spirituelles Band, ein ewiges, es bleibt bestehen, wenn nicht hier, dann in einer anderen Dimension, denn Fruchtbarkeit und Wollust sind ewig, und Kinder sind ihre Manifestation. Wer Kinder macht, sät neue Galaxien.“ (Seite 205)

Er redet immer ungehemmter.

„Ich habe viele Frauen gehabt. Ich habe diese hier gehabt und diese, und ich werde auch noch diese haben“, er zeigte auf Monika, Danuta und Frau Göbbels. „Es ist besser für einen Mann mit meiner Energie, viele Frauen zu haben […]“
„Danuta, bitte, bring uns nach Hause“, sagte Mama und griff nach Majka, die Tata hasserfüllt zusah.
„Ja, bring sie nach Hause, Danuta, und erzähl ihr, wie ich dich gefickt habe!“, schrie Tata. (Seite 211f)

Sonja will ihren Vater überreden, mit ihr nach Hause zu fahren, aber er schlägt sie mit seinem Wodka-Glas ins Gesicht.

Zuflucht sucht Sonja bei ihrer Mitschülerin Corinna, die „Jane“ gerufen werden möchte und bei ihrer geschiedenen Mutter wohnt. Zweimal übernachtet sie bei Jane und legt Plastiktüten auf die Matratze, weil sie noch immer Bettnässerin ist.

Am dritten Tag ruft Sonja in der Praxis von Dr. Köster an. Danuta hebt ab. Sonja erkundigt sich nach Tata, aber die Tante setzt sie erst einmal davon in Kenntnis, dass Lilka seit der missglückten Party mit einer Depression im Bett liegt. Von Tata hat Danuta genug. Sie wird ihn nicht mehr in ihre Nähe lassen, und er darf auch die Praxis nicht mehr putzen.

Besorgt fährt Sonja mit Jane zu ihrem Vater. Auf ihr Klingeln antwortet niemand, und ihren Schlüssel vergaß sie bei Jane. Ein Nachbar öffnet ihnen die Tür mit einer Scheckkarte. Tata liegt angezogen in der halb gefüllten Badewanne. Drei Zwei-Liter-Flaschen Rotwein stehen in seiner Reichweite. Das Wasser ist kalt. Tata bewegt sich nicht. Die Mädchen zerren ihn aus der Wanne und ziehen ihm die nassen Sachen aus. Jane wundert sich über Tatas kleinen taubenblauen Penis. Sonja erinnert sich, dass der sisiak ihres Vaters früher fast schwarz war („brombeerfarben, fast schwarz, mit einem bläulichen Hut, wie ein giftiger Pilz“, Seite 120). Dann findet Sonja einen an sie gerichteten Abschiedsbrief. Tata schluckte offenbar eine Handvoll Paracetamol-Tabletten. Aufgregt ruft sie Danuta an. Als die Tante mit Brigitte Göbbels zusammen eintrifft, hat Tata sich bereits übergeben.

Sehr zum Missfallen Danutas beschäftigt die Ärztin Tata als Putzmann in ihrem Haus in Verlüßmoor. Bald darauf ist Brigitte Göbbels noch einmal schwanger.

Henryk springt von einer Brücke in den Tod.

Sonja emanzipiert sich von ihrem Vater, lässt sich von einem nach Alkohol und Pfefferminz riechenden Jungen deflorieren und treibt es auch mit Tubas Freund Romek, der aus dem schrottreifen Fiat Mirafiori einen Rasenmäher machen wollte, ihn nun aber wieder zusammenbaut, denn Sonja möchte damit nach Hel fahren.

Majka und Jane begleiten sie. Widerwillig kommt auch Lilka mit, bei der bereits das Klimakterium begonnen hat, obwohl sie erst neununddreißig ist.

Als der Wagen unterwegs nicht mehr anspringt, nimmt ein LKW-Fahrer die drei Frauen mit. Vor der polnischen Grenze geraten sie in einen langen Stau. Weil der Mann übermüdet ist, will er eine Pause einlegen und erst am nächsten Morgen weiterfahren, aber Sonja hat es eilig. Während die anderen schlafen, setzt sie sich hinters Steuer. Als der Harndrang unerträglich wird, weckt sie Jane. Bei einem Baum hockt sie sich hin. „So habe ich noch nie ein Mädchen pinkeln sehen!“, sagt eine Stimme aus dem Dunkeln. Sonja will schreien und fortlaufen, aber sie kann sich nicht bewegen, bis sie sich ganz erleichtert hat. Der Fremde ist mit dem Fahrrad da und wollte schlafen. Sonja meint, sie müsse zum Lastwagen zurück, aber er küsst sie, und sie bleibt bei ihm.

Und mir ist es gleich, dass in diesem Augenblick irgendwo im Universum eine neue Galaxie entsteht. (Seite 287)

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In ihrem Debütroman „Café Saratoga“ erzählt Malin Schwerdtfeger von zwei Mädchen in der Pubertät, die ihren Körper entdecken und zur gleichen Zeit ihre Heimat in der Danziger Bucht verlieren, weil ihr egozentrischer Vater 1987 mit ihnen nach Bremen auswandert. Entwurzelt und desillusioniert versuchen sie, mit dem Leben in der ihnen fremden Konsumgesellschaft zurechtzukommen, während ihr Vater immer stärker zur tragikomischen Figur verkommt. Dass er es schaffte, seine Familie ins vermeintliche Paradies zu führen, wird durch den Fall des Eisernen Vorhangs bedeutungslos.

Malin Schwerdtfeger hat die Handlung in einen Rahmen eingepasst: „Café Saratoga“ beginnt und endet mit der Rückreise der Ich-Erzählerin Sonja, ihrer Mutter, ihrer Schwester und ihrer Freundin zur Halbinsel Hel, wo sie als Kind glücklich war. Die lakonische, unspektakuläre Darstellung ist zwischen Komik und Tragik, Ironie und Humor ausbalanciert.

Den Roman „Café Saratoga“ von Malin Schwerdtfeger gibt es auch in einer gekürzten Fassung als Hörbuch, gelesen von Anne Moll (Bearbeitung: Kerstin Kaiser, Bergisch Gladbach 2003, 3 CDs, ISBN: 3-7857-1281-2).

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2009
Textauszüge: © Kiepenheuer & Witsch

Tom Wolfe - Ich bin Charlotte Simmons
Tom Wolfe bläst eine im Grunde banale Handlung zu einem 950 Seiten dicken Roman auf. "Ich bin Charlotte Simmons" fehlt es zwar an Stringenz, aber die pointierte, überspitzte Wiedergabe gut beobachteter menschlicher Schwächen macht das Buch zu einer fulminanten, unterhaltsamen Satire.
Ich bin Charlotte Simmons

Tom Wolfe

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