Barfuß

Barfuß

Barfuß

Originaltitel: Barfuß - Regie: Til Schweiger - Drehbuch: Til Schweiger, Jann Preuss, Steven Zotnowsky, Dina Marie Chapman und Nika von Altenstadt - Kamera: Christof Wahl - Schnitt: Til Schweiger und Constantin von Seld - Musik: Max Berghaus, Stefan Hansen und Dirk Reichardt - Darsteller: Til Schweiger, Johanna Wokalek, Steffen Wink, Michael Mendl, Paula Paul, Janine Kunze, Mark Keller, Nadja Tiller, Jürgen Vogel, Armin Rohde u.a. - 2005; 105 Minuten

Inhaltsangabe

Nick ist ein Taugenichts, der die Mädchen noch häufiger als die Jobs wechselt. Als er in einer psychiatrischen Klinik putzt, rettet er die Patientin Leila, die sich im Waschraum erhängen will. Kurz darauf steht sie barfuß und im Nachthemd vor seiner Wohnungstür. Sie ist fest entschlossen, für immer bei ihrem Retter zu bleiben. Es gelingt ihm nicht, sie loszuwerden, und er nimmt sie notgedrungen mit zur Hochzeitsfeier seines versnobten Bruders ...
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Kritik

"Barfuß" ist eine unterhaltsame Mischung aus Romanze, Roadmovie, Großstadtmärchen und Klamauk, auch wenn es sich bei den Nebenfiguren um Klischees handelt. Charakter zeigen nur Nick und Leila, die mit Til Schweiger und Johanna Wokalek auch perfekt besetzt sind.
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Nick Keller (Til Schweiger) ist das schwarze Schaf seiner reichen Familie. In den letzten Monaten hatte er sechs Arbeitsplätze und wurde jedes Mal rausgeworfen. Nicht nur sein karrieregeiler Bruder Viktor (Steffen Wink), sondern auch sein dünkelhafter Stiefvater Heinrich (Michael Mendl) halten ihn für einen Versager. Nur seine Mutter (Nadja Tiller) hält zu ihm, aber er hat sie seit acht Monaten nicht mehr angerufen. Vom Arbeitsvermittler (Christoph Müller) bekommt er eine weitere Adresse: Er soll sich in einer psychiatrischen Klinik vorstellen, die eine Putzhilfe sucht. Als er sich zu Hause umzieht, bemerkt er in seinem Bett eine nackte Frau (Stefanie Stappenbeck), kann sich aber nicht mehr an ihren Namen erinnern, weil er offenbar zu betrunken war, als er sie am Vorabend mit nach Hause nahm.

In der psychiatrischen Anstalt wird Nick vom Hausmeister (Jürgen Vogel) rasch eingewiesen. Als seine Mutter ihn auf dem Handy anruft und bittet, die Einladung zur Hochzeit seines Bruders Viktor mit Nicks früherer Freundin Janine (Alexandra Neldel) anzunehmen, lügt er, er sei in seinem Büro und deutet eine steile Karriere im Management eines Unternehmens an. Da währenddessen einer der Geistesgestörten eine halbe Flasche Reinigungsmittel trinkt, weil Nick nicht aufpasst, wird er von der Anstaltsleiterin Dr. Blöchinger (Imogen Kogge) gleich wieder entlassen. Zerknirscht setzt er sich in eine Ecke des Baderaums und überlegt, was er als Nächstes tun soll. Der Vermittlungsbeamte im Arbeitsamt hatte ihm gesagt, er bräuchte gar nicht wiederzukommen, wenn er diese Stelle auch wieder verlöre.

Barfuß und im Nachthemd trippelt Leila (Johanna Wokalek) durch den Korridor der geschlossenen psychiatrischen Anstalt, in der sie untergebracht ist. Schuhe trägt die Neunzehnjährige nicht, denn sie möchte ihre Füße nicht einsperren. Sie selbst kennt die Freiheit nicht. Ihre Mutter hatte sie neunzehn Jahre lang nicht aus dem Haus gelassen. Als die Mutter dann im Sterben lag und um Hilfe schrie, blieb Leila in ihrem Zimmer, bis sie tot war. Danach schob sie einen Zettel mit der Frage, was sie jetzt tun solle, unter der Wohnungstür hindurch. Am nächsten Tag wurde sie von der Polizei geholt und in die Anstalt gebracht. Jetzt ist sie auf dem Weg zum Baderaum. Sie hat den Gürtel ihres Morgenmantels dabei und stellt sich einen Stuhl zurecht, um sich an einem der Heizungsrohre zu erhängen.

Nick hört Geräusche, und als er nachsieht, will Leila gerade den Stuhl wegstoßen, auf dem sie steht. Er fängt sie auf und löst die Schlinge um ihren Hals.

Als Nick dann nach Hause geht, folgt sie ihm heimlich – vorbei an der schlafenden Torwache. Ohne Leila zu bemerken, zieht Nick sich in seine armselige Souterrain-Wohnung zurück. Da klopft es an der Tür. Er kann es kaum fassen, als Leila barfuß und im Nachthemd vor ihm steht. Er will sie in die Anstalt zurückbringen, aber sie überredet ihn, sie wenigstens eine Nacht hier schlafen zu lassen. Am anderen Morgen weigert sie sich, aufzustehen, bis er ihr verspricht, mit ihr spazieren zu gehen und ihr ein Eis zu kaufen. Gutgläubig folgt sie ihm, aber er fährt sie stattdessen zur Anstalt. Dort gelingt es ihm nicht, sie loszuwerden, und schließlich gibt Nick klein bei: Er fährt mit ihr zur Hochzeit seines Bruders Viktor.

Unterwegs bleiben sie mit einem Motorschaden liegen. Großtuerisch will Nick seiner verschüchterten Begleiterin vor einem Bankautomaten zeigen, wie einfach es sei, 300 Euro zu bekommen – aber statt Geldscheine auszugeben zieht der Automat Nicks EC-Karte ein. Sie nehmen einen Bus, und Nick erklärt Leila, was ein Fahrschein ist. Den Busfahrschein präsentiert Leila dann auch stolz dem Schaffner in dem Zug, in den sie umgestiegen sind. Weil Nick und Leila sich keine Bahnfahrkarte leisten können, müssen sie im nächsten Bahnhof aussteigen.

Während Nick an den geparkten Autos entlanggeht, um eines zu stehlen, soll Leila auf einer Bank auf ihn warten. Von dort wird sie allerdings durch einen Penner (Armin Rohde) vertrieben, der auf seiner angestammten Bank schlafen möchte. Leila geht ein Stück weiter und wird von den am Straßenrand auf Freier wartenden Prostituierten (Gerit Kling u. a.) verscheucht. Ein Mann (Eric Judor) hält mit seinem Geländewagen neben Leila und fordert sie zum Einsteigen auf. Als er ihre Schulter berührt, bekommt sie einen Herzanfall, aber der Freier, der nicht ahnt, dass Leila jedes Mal, wenn sie angefasst wird, mit einer Panikattacke reagiert, hält das Gekeuche für die Vorstufe eines Orgasmus und ist begeistert – bis Nick ihn aus dem Wagen zerrt, sich ans Steuer setzt und mit Leila losfährt.

Als Nick in seinem Elternhaus anruft, meldet sich sein Stiefvater Heinrich und rät ihm, als Hochzeitsgeschenk einen Designer-Kühlschrank für 5000 Euro mitzubringen. Um an das Geld zu kommen, will Nick den gestohlenen Wagen verkaufen. Er versucht es im Autohaus der Gebrüder Huhn. Stefan Huhn (Markus Maria Profitlich) bastelt an einem Buddelschiff und zeigt wenig Interesse, um den Preis zu drücken. Währenddessen fordert sein Bruder Dieter (Axel Stein), der gerade mit einem Lastwagen kommt, Leila auf, den die Einfahrt blockierenden Wagen zurückzusetzen. Leila, die noch nie am Steuer saß, tut, was man ihr sagt – und knallt in die Scheiben des Verkaufsgebäudes. Das verbeulte Fahrzeug werden sie dann bei dem Autohändler Ehrmann (Mark Keller) los, aber aufgrund von Leilas naiver Ehrlichkeit bekommen sie gerade mal 480 Euro dafür, obwohl Ehrmann anfangs bereit gewesen wäre, 5000 Euro dafür zu bezahlen. Am Abend nehmen sie sich ein billiges Zimmer und besuchen die Kirmes auf dem Platz davor. Zum ersten Mal in ihrem Leben fährt Leila Karussell. Glücklich kuschelt sie sich danach im Doppelbett an Nicks Brust und hört sein Herz schlagen.

Nick hat noch nie erlebt, dass ihm jemand blind vertraut. Bald hat er das naive, schüchterne und unverdorbene Mädchen ins Herz geschlossen, und es weckt seinen Beschützerinstinkt.

Mit einem Taxi fahren Nick und Leila bei dem herrschaftlichen Anwesen seiner Eltern vor. Die pompöse Hochzeitsfeier ist bereits in vollem Gang. Nick stellt seine barfüßige Begleiterin als Ärztin vor und schwadroniert von einem erfolgreichen Internet-Unternehmen, das er angeblich gerade aufbaut. Statt des gewünschten Designer-Kühlschranks bringt er dem versnobten Brautpaar eine Gartenschere mit. Und seine Lügen werden rasch durchschaut. Trotzdem zerrt die dominante Blondine Sarah (Janine Kunze) ihn mit in eines der Zimmer, reißt sich die Bluse vom Leib, wirft ihn auf das Bett und fällt über ihn her. Er kann sie gerade noch in einen Schrank sperren. Zur Katastrophe kommt es, als der beschwipste Bräutigam sich an Leila heranmacht und sie ahnungslos anfasst. Im nächsten Augenblick schreit sie gellend auf und fällt bewusstlos um. Nick steckt ihr die letzte ihrer Tabletten zwischen die Zähne und bringt sie mit Viktors Wagen fort.

Als Leila wieder zu sich gekommen ist, versucht Nick vergeblich, ihr klarzumachen, dass er sie in die Anstalt zurückbringen müsse, nicht zuletzt, weil die Tabletten ausgegangen sind, auf die sie bei ihren Panikattacken angewiesen ist. Schließlich lässt er sie auf einer Bank im Bahnhof sitzen, ruft Dr. Blöchinger an und teilt ihr mit, wo Leila zu finden ist. Dann setzt er sich wieder ins Auto. Nach ein paar Kilometern überlegt er es sich und wendet. Doch inzwischen ist die Polizei am Bahnhof eingetroffen. Bei dem Versuch, mit Leila ins Auto zu steigen, wird Nick festgenommen, während zwei Pfleger die kreischende Leila in ein Sanitätsauto zerren.

Durch eine von seinem Stiefvater hinterlegte Kaution kommt Nick wieder auf freien Fuß, aber per Gerichtsbeschluss ist es ihm verboten, sich der psychiatrischen Anstalt zu nähern.

Leila versucht noch einmal, sich zu erhängen, aber im letzten Augenblick schlüpft sie aus der Schlinge und kauert sich schluchzend auf den Boden. So wird sie von Schwester Dorothee (Paula Paul) und Dr. Blöchinger gefunden. Das unglückliche Mädchen stammelt von seiner Liebe zu Nick und dass es ohne ihn nicht weiterleben möchte.

Inzwischen folgt Nick einer Einladung seines Stiefvaters Heinrich zu einem festlichen Abendessen aus Anlass der Fusion des Familienunternehmens mit dem der blonden Sarah. In der neuen Firma soll auch Nick eine Chance bekommen. Sarah versichert ihm bei der Begrüßung, dass sie ihm sein Verhalten bei der Hochzeitsfeier verziehen habe und sich auf eine sehr enge Zusammenarbeit mit ihm freue. Bei Tisch wird Nick von dem angeberischen Management-Gerede ganz wirr im Kopf – und plötzlich schreit er lauthals.

Dr. Blöchinger untersucht Nick in der psychiatrischen Anstalt und durchschaut, dass er simuliert. Als sie begreift, dass er Leila wirklich liebt und ihr ernsthaft helfen will, erfüllt sie seine Bitte und nimmt ihn in die geschlossene Anstalt auf, damit er mit Leila zusammen sein kann.

Acht Monate später werden die beiden entlassen, und Nick geht mit Leila in einen Supermarkt, um ihr zu zeigen, wie man einen Einkaufswagen durch die Gänge zwischen den Regalen schiebt und die gewünschten Waren auswählt.

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1998 kaufte Til Schweiger in den USA das Drehbuch für „Barfuß“. In der ursprünglichen Fassung geht es um einen jungen Gauner, der eine Patientin aus einer psychiatrischen Klinik entführt und sie unter einer erfundenen Identität gegenüber seinen reichen Eltern als Braut ausgibt, um an Geld zu kommen, mit dem er seine Schulden in der Unterwelt begleichen will. Til Schweiger und seine Mitautoren ließen das Kriminelle fort, verlegten die Handlung nach Deutschland und konzentrierten sich auf die Beziehung zwischen der verstörten Patientin Leila und ihrem Lebensretter Nick. Dieser Versager, ein Egoist, der in seinem Leben noch nie Verantwortung übernommen hat, wird durch das bedingungslose Vertrauen des verletzlichen und starrköpfigen Mädchens geläutert (ähnlich wie der Yuppie Charlie Babbit durch seinen Bruder Raymond in „Rain Man“).

In der Werbung wird „Barfuß“ als „Romantic Comedy“ bezeichnet, aber es ist auch ein Großstadtmärchen und ein Roadmovie mit Sketch-Elementen. So wechseln sich denn auch Klamauk, rührende und ernsthafe Szenen ab. Die Geschichte wirkt ein wenig konstruiert, und bei den Nebenfiguren handelt es sich um Klischees: die lieblose Psychiaterin, der versnobte Stiefvater, der karrieregeile Bruder, der gerissene Gebrauchtwagenhändler usw. Charakter zeigen nur Nick und Leila, die mit Til Schweiger und Johanna Wokalek auch perfekt besetzt sind.

Offenbar legten Til Schweiger, Christof Wahl (Kamera) und Erik Steingröver (Beleuchtung) besonderes Augenmerk auf die Farbregie und das Lichtkonzept. Die blassfarbigen Innenaufnahmen entstanden bei sehr schwacher Beleuchtung und voll geöffneter Blende. Kräftige Farben und Grüntöne wurden vermieden. Vor allem die in der psychiatrischen Anstalt spielenden Szenen wirken, als seien die Räume voller Zigarettenqualm. Ich fand das eher störend und überambitioniert.

Darsteller und ihre Rollen in „Barfuß“:

  • Til Schweiger (Nick Keller)
  • Johanna Wokalek (Leila)
  • Steffen Wink (Viktor Keller)
  • Michael Mendl (Heinrich Keller)
  • Nadja Tiller (Frau Keller)
  • Imogen Kogge (Dr. Blöchinger)
  • Paula Paul (Schwester Dorothee)
  • Alexandra Neldel (Janine)
  • Janine Kunze (Sarah)
  • Mark Keller (Ehrmann)
  • Markus Maria Profitlich (Stefan Huhn)
  • Axel Stein (Dieter Huhn)
  • Fanny Staffa (Nele)
  • Christoph Müller (Herr Richard)
  • Jürgen Vogel (Hausmeister)
  • Erdal Yildiz (Polizist)
  • Armin Rohde (Penner)
  • Michael Gwisdek (Bahnangestellter)
  • Tyron Ricketts (Manager)
  • Eric Judor (Freier)
  • Gerit Kling (Prostituierte)
  • Florian Fitz (Beamter)
  • Stefanie Stappenbeck (One-Night-Stand)
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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2005

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