Der Richter und sein Henker

Der Richter und sein Henker

Der Richter und sein Henker

Der Richter und sein Henker - Regie: Maximilian Schell - Drehbuch: Maximilian Schell, nach dem Roman "Der Richter und sein Henker" von Friedrich Dürrenmatt - Kamera: Roberto Gerardi, Ennio Guarnieri und Klaus König - Schnitt: Dagmar Hirtz - Musik: Ennio Morricone - Darsteller: Jon Voight, Jacqueline Bisset, Martin Ritt, Robert Shaw, Helmut Qualtinger, Rita Calderoni, Friedrich Dürrenmatt, Willy Hügli, Norbert Schiller, Guido Cerniglia, Otto Ryser, Margarete Schell Noé, Rudolf Hunsperger, Edy Hubacher, Pinchas Zukerman, Lil Dagover, Donald Sutherland u.a. - 1975; 90 Minuten

Inhaltsangabe

Im Alkoholrausch wettet ein junger Abenteurer 1948 in Istanbul mit seinem Freund, einem Schweizer Polizisten, er könne vor seinen Augen einen Mord begehen, ohne dafür bestraft zu werden. Auch als er wieder nüchtern ist, hält er daran fest und stößt die gemeinsame Freundin von einer Brücke in den Tod ...
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Kritik

Auch wenn man Friedrich Dürrenmatts Roman "Der Richter und sein Henker" gelesen hat, wirkt die filmische Adaptation ungeachtet einiger Abweichungen gegenüber der literarischen Vorlage insgesamt spannend und überzeugend.
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Handlung:

Der junge Schweizer Polizist Hans Bärlach befreundet sich 1948 in Istanbul mit einem gleichaltrigen Abenteurer, und sie verlieben sich in eine lebensfrohe junge Frau namens Nadine (Rita Calderoni). Betrunken diskutieren die beiden Männer darüber, ob der Zufall die Verbrecher eher begünstige oder nicht. Während Bärlach überzeugt ist, dass die Unkalkulierbarkeit menschlichen Verhaltens ein perfektes Verbrechen unmöglich macht, bietet sein Freund ihm eine Wette an: Er werde vor Bärlachs Augen einen Mord begehen und straffrei ausgehen. Als sie kurz darauf mit Nadine eine Brücke überqueren, stößt der Abenteurer die junge Frau über die Brüstung in die Tiefe. Bärlach springt zwar hinterher, kann aber die Ertrinkende nicht retten und gerät stattdessen selbst in Not. Weil Nadine unverheiratet, schwanger und mittellos war, gehen die Ermittler von einem Selbstmord aus, und der Mörder kommt ungestraft davon.

Dreißig Jahre später steht der Schweizer Schriftsteller Friedrich Dürrenmatt (Friedrich Dürrenmatt) außerhalb von Twann hinter einem Baum und beobachtet, wie dem Dorfpolizisten Clenin (Willy Hügli) ein am Straßenrand stehender blauer Mercedes auffällt, dessen Fahrer (Donald Sutherland) über dem Lenkrad eingeschlafen zu sein scheint. Als Clenin den Mann aufwecken will, stellt er fest, dass er erschossen wurde. Es handelt sich um Robert Schmied, einen Polizeileutnant der Stadt Bern; das geht aus den Ausweispapieren in seiner Brieftasche hervor.

Kommissar Hans Bärlach (Martin Ritt) ist gerade bei seinem Hausarzt Dr. Hungertobel (Norbert Schiller), der ihm wegen seines Magenleidens dringend zu einer Operation rät, als er telefonisch über den Mordfall informiert wird.

Robert Schmied war sein Assistent. Bärlach sucht Frau Schoenler (Margarete Schell Noé) auf, die Vermieterin des Toten, erzählt ihr von einer plötzlichen Dienstreise seines Mitarbeiters und nimmt einen roten Schnellhefter aus dessen Zimmer mit. Bei der Besichtigung des Tatorts lässt er das Projektil fallen, das die Gerichtsmediziner aus der Leiche entfernten und tut dann vor dem Kriminalbeamten Blatter (Otto Ryser) so, als habe er es gerade erst im Gras entdeckt. Walter Tschanz (Jon Voight), der den alten, schwer kranken Kommissar nach seiner Rückkehr aus dem Urlaub in Grindelwald bei der Aufklärung des Mordes unterstützen soll, ist verblüfft, als er erfährt, dass am Tatort zwei Kugeln sichergestellt wurden.

Bei der Beerdigung des Mordopfers spricht Walter Tschanz der aus Irland stammenden Freundin Robert Schmieds, Anna Crawley (Jacqueline Bisset), sein Beileid aus. Unmittelbar danach folgt er ihr ins Haus, und sie lässt es geschehen, dass der Mann, den sie gerade erst kennen lernte, ihren schwarzen Schleier anhebt. Als sie am nächsten Morgen aufsteht, während er noch im Bett liegen bleibt, muss sie vom Schlafzimmer bis in die Diele gehen, um ihre schwarze Unterwäsche und die Teile ihrer Trauerkleidung vom Boden aufzusammeln.

In Schmieds Taschenkalender ist am Mordtag ein „G“ eingetragen. Dieser Buchstabe taucht mehrmals an vergangenen und zukünftigen Tagen auf, und weil man den Toten in einem guten Anzug auffand, lässt sich vermuten, dass es sich bei den Terminen um vornehme Gesellschaften handelt. Am nächsten mit einem „G“ markierten Abend fahren Tschanz und Bärlach zu der Villa des Geschäftsmannes Gastmann (Robert Shaw) – er ist einer der drei Einwohner, deren Name mit „G“ anfängt – und schleichen um das Haus herum, während im Inneren gefeiert wird und der Geiger Pinchas Zukerman Mozart spielt. Tschanz versucht, in eines der hellen Fenster hineinzuschauen. Plötzlich wird Bärlach von einem riesigen Hund angefallen. Mit einem gezielten Schuss streckt Tschanz das Tier nieder. Anerkennend äußert Bärlach sich über die Treffsicherheit seines Mitarbeiters. Inzwischen werden Fenster aufgerissen, und chinesische Gäste beugen sich heraus. Herr von Schwendi (Helmut Qualtinger) – Oberst, Nationalrat und Anwalt des Gastgebers – entrüstet sich über das Vorgehen der Polizei. Als Tschanz sich noch einmal umgesehen hat, geht er zurück zu dem Brunnen, vor dem der erschossene Hund lag, aber an der Stelle ist nur noch ein Blutfleck zu sehen; der Kadaver wurde bereits entfernt. Zwei Leibwächter (Rudolf Hunsperger, Edy Hubacher) fordern Tschanz auf, endlich das Grundstück zu verlassen.

Am nächsten Morgen sucht von Schwendi den Untersuchungsrichter Dr. Lutz (Gabriele Ferzetti) auf und beschwert sich darüber, dass man Robert Schmied auf seinen Mandanten angesetzt habe. Der Polizeibeamte gab sich als Dr. Prantl und Professor für byzantische Geschichte an der Universität München aus, um bei den Abendgesellschaften Gastmanns dabei sein zu können. Der Untersuchungsrichter beteuert, Schmied müsse auf eigene Faust gehandelt haben, denn er wisse nichts von einem Auftrag. Von Schwendi verlangt, dass die Polizei Herrn Gastmann in Ruhe lässt und deutet an, dass es sich bei dessen Abendgesellschaften um geheime, durch die Anwesenheit von Künstlern getarnte Treffen zwischen Schweizer Industriellen und Waffenhändlern der Volksrepublik China gehandelt habe.

Als Tschanz den Kommissar in dessen Wohnung abholt, um den Schriftsteller Friedrich Dürrenmatt aufzusuchen, der vermutlich mehr über Gastmann weiß, findet er den alten Mann schlafend vor. Auf dem Schreibtisch liegen der rote Schnellhefter aus Schmieds Zimmer und ein türkisches Messer. Bärlach erwacht und tut so, als leide er unter großen Schmerzen, damit Tschanz allein zu Friedrich Dürrenmatt fährt. Der spielt gerade Schach gegen sich selbst und als Tschanz auf die Frage, ob man ihn wegen des Mordes verdächtige, verständnislos lacht, klagt er, er werde „auf das Traurigste unterschätzt von den Kritikern und der Polizei“. In Form einer hypothetischen Geschichte („nehmen wir an …“) erzählt Dürrenmatt seinem Besucher von der Wette, die Gastmann vor dreißig Jahren mit Bärlach geschlossen haben könnte.

Während Tschanz mit dem Schriftsteller redet, dringt Bärlach in Gastmanns Villa ein, wird in einem leeren Saal von einem Geparden überrascht, gelangt aber unbeschadet an den beiden Leibwächtern vorbei ins Obergeschoss, wo er Anna vorfindet, die ihm erzählt, Gastmann habe sich während einer Irland-Reise in sie verliebt. Seither sei sie mit ihm zusammen. Gegen ihre Affäre mit Robert Schmied habe er nichts einzuwenden gehabt und selbstsicher angenommen, sie werde danach wieder zu ihm zurückkehren. Als Bärlach behauptet, Gastmann sei ein Verbrecher und habe Schmied ermordet, erwidert sie, das könne nicht sein, denn zum Tatzeitpunkt sei er mit ihr im Bett gewesen.

Als Bärlach nach Hause kommt, sitzt Gastmann am Schreibtisch und blättert in der roten Mappe, in der Robert Schmied aufgrund eines vertraulichen Auftrags des Kommissars Beweismaterial gegen den Geschäftsmann sammelte. Bärlach und Gastmann erinnern sich an die Wette vor dreißig Jahren und an Nadine, die sie beide geliebt hatten. Bärlach weiß bis heute nicht, ob sie von ihm oder von Gastmann schwanger gewesen war. Der Verbrecher fordert den Kommissar auf, am nächsten Tag zum Abflug der Swissair-Maschine nach Madrid zu kommen. Dann verlässt er mit dem Schnellhefter in der Hand die Wohnung. Kopien der Schriftstücke besitzt Bärlach nicht.

Am Flughafen beobachten Bärlach und Tschanz, der ebenfalls gekommen ist, wie Gastmann seinen Anwalt zum Flugsteig bringt. Kurze Zeit später rutscht ein Toter vom Kofferband: Die Leiche von Schwendis! Von Gastmann, der ihnen gerade noch zugelächelt hatte, fehlt jede Spur.

Anna erzählt Tschanz, Bärlach wisse offenbar, wer Robert Schmied umgebracht habe.

Nachts um 2 Uhr wacht Bärlach auf und hört Geräusche. Jemand schleicht in seiner Wohnung herum. Er greift nach seinem Revolver und steht auf, aber der Einbrecher wirft im Dunkeln das türkische Messer vom Schreibtisch nach ihm und entkommt.

Am Morgen packt Bärlach seine Sachen und ruft ein Taxi, das ihn zum Bahnhof bringen soll, denn er will nach Grindelwald fahren. Im Fond des Wagens trifft er auf Gastmann; der Taxifahrer lehnt tot auf dem Beifahrersitz, und am Steuer sitzt einer der beiden Leibwächter. Gastmann gibt zu, von Schwendi umgebracht zu haben, weil dieser es nicht schaffte, ihn vor polizeilichen Ermittlungen zu schützen. „Es ist mir nicht gelungen, dich der Verbrechen zu überführen, die du begangen hast“, droht Bärlach, „nun kriege ich dich für ein Verbrechen, das du nicht begangen hast.“ Und er fährt fort: „Ich habe dich gerichtet, Gastmann, ich habe dich zum Tode verurteilt. Du wirst den morgigen Vormittag nicht mehr überleben. Der Henker, den ich ausersehen habe, wird zu dir kommen. Er wird dich töten, denn das muss nun eben einmal in Gottes Namen getan werden.“

Um seiner Tötung zu entgehen, schleicht Gastmann im Morgengrauen aus seinem Schlafzimmer, doch Anna erwacht und fragt, was er vorhabe. Er kündigt ihr an, der Anästhesist werde dafür sorgen, dass Bärlach nach der bevorstehenden Magenoperation nicht mehr erwacht. Inzwischen dringt Tschanz in die Villa ein. In dem leeren Saal trifft er auf Gastmann und dessen Leibwächter. „Sie sind es also“, sagt Gastmann etwas verwundert. Als ein Leibwächter zur Waffe greift, erschießt Tschanz die drei Männer und vertauscht dann rasch den Revolver eines Leibwächters mit seinem eigenen.

Anna hört die Schüsse, während sie zu ihrem Auto geht und wegfährt.

Gastmanns an den Rollstuhl gefesselte Mutter (Lil Dagover) kommt mit dem Geparden in den Saal und starrt auf die Leiche ihres Sohnes.

Die Unterlagen, die bei der Durchsuchung der Villa sichergestellt werden – darunter Robert Schmieds Mappe –, beweisen, dass es sich bei Gastmann um einen Verbrecher handelte. Dr. Lutz nimmt an, dass damit auch der Mordfall Robert Schmied gelöst ist: Offenbar war der Polizeileutnant dem Großkriminellen auf der Spur, und der ließ ihn deshalb aus dem Weg räumen.

Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.

Angeblich um den Erfolg zu feiern, lädt Bärlach seinen jungen Mitarbeiter Tschanz zum Essen ein. Während er selbst isst und trinkt, als sei er gar nicht magenkrank, bringt Tschanz kaum einen Bissen hinunter. Er begreift, dass der erfahrene Kommissar ihn längst durchschaut hat. Tschanz stand immer im Schatten anderer und wurde bei Beförderungen übergangen. Als er auf Schmieds Schreibtisch die Mappe mit dem Belastungsmaterial gegen Gastmann entdeckte, beschloss er, seinen Kollegen zu töten, um endlich selbst einen großen Ermittlungserfolg vorweisen zu können. Zaghaft weist Tschanz seinen Gastgeber darauf hin, dass Schmied mit der Waffe eines der beiden Leibwächter erschossen wurde. Das ergaben die polizeilichen Untersuchungen. Bärlach entgegnet verächtlich, natürlich habe Tschanz nach dem Schusswechsel in Gastmanns Villa dem Leibwächter seinen eigenen Revolver in die Hand gedrückt. Bärlach verrät seinem Besucher, er habe bei dem Angriff von Gastmanns Hund einen Armschutz wie ein Hundetrainer getragen und den Vorfall absichtlich herbeigeführt, um an ein Projektil aus der Waffe des Untergebenen heranzukommen, das er mit dem in der Leiche gefundenen vergleichen konnte. Bärlach weiß auch, dass Tschanz der nächtliche Einbrecher in seiner Wohnung war. Dem wird bewusst, dass der Kommissar mit ihm gespielt hat. Bärlach bestätigt es: Er hat nicht mehr lang zu leben und hielt Schmied für seine letzte Chance, Gastmann zu überführen. Nachdem Tschanz den Polizeileutnant ermordet hatte, machte er ihn zum Henker des noch größeren Verbrechers.

Bärlach hat nicht vor, Tschanz festzunehmen oder zu verraten, aber er will ihn nur nicht mehr sehen und schickt ihn fort.

Tschanz trifft sich mit Anna und fährt mit ihr im Auto weg. Dabei erzählt er ihr, dass er als Jugendlicher häufig vom Fliegen geträumt habe. Auf einer im Bau befindlichen hohen Autobahnbrücke hält er an und gesteht Anna, Schmieds Mörder zu sein. Er habe es getan, um mit ihr zusammen sein zu können. Dann springt er wieder in den Wagen und rast mit Vollgas über die Brückenkante hinaus.

Bevor Anna nach Irland heimkehrt, warnt sie Bärlach vor dem geplanten Mordanschlag während der Operation, aber der weiß bereits Bescheid.

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In seiner Verfilmung des Romans „Der Richter und sein Henker“ von Friedrich Dürrenmatt hält Maximilian Schell sich zwar an die Grundlinien der literarischen Vorlage, aber an vielen Stellen weicht er mehr oder weniger stark davon ab, und einige Szenen sind völlig neu hinzugekommen. Dabei ist es verständlich, dass Maximilian Schell nicht nur den in Istanbul ermordeten deutschen Kaufmann durch eine junge Frau ersetzte, sondern auch die Rolle Annas stark ausbaute, denn die Kinobesucher wollten nicht eineinhalb Stunden lang bloß Männer sehen. Es sind jedoch gerade die zu diesem Zweck eingefügten Szenen, die gegenüber denen aus dem Roman abfallen, während andere Modifikationen und Ergänzungen durchaus gelungen sind. Den Schriftsteller mit Friedrich Dürrenmatt zu besetzen, war eine hervorragende Idee, denn es ist unverkennbar, wen der Romanautor in der selbstironischen Szene meinte und er spielt die Filmrolle verblüffend gut. Auch wenn man Friedrich Dürrenmatts Roman „Der Richter und sein Henker“ gelesen hat, wirkt die filmische Adaptation insgesamt spannend und überzeugend.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2004

Julia Franck - Liebediener
Schnörkellos beschreibt die Erzählerin ihre Erlebnisse und Eindrücke mit ihrem Geliebten, dessen Verhalten sie immer mehr irritiert. Verdient er ihr Vertrauen?
Julia Franck schreibt frisch und unverkrampft; das macht "Liebediener" zu einer unterhaltsamen Lektüre.
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