Die Siebtelbauern

Die Siebtelbauern

Die Siebtelbauern

Originaltitel: Die Siebtelbauern - Regie: Stefan Ruzowitzky - Drehbuch: Stefan Ruzowitzky - Kamera: Peter von Haller - Schnitt: Britta Nahler - Musik: Erik Satie - Darsteller: Sophie Rois, Simon Schwarz, Lars Rudolph, Ulrich Wildgruber, Tilo Prückner, Julia Gschnitzer, Elisabeth Orth, Susanne Silverio, Kirstin Schwab, Dietmar Nigsch, Werner Prinz u.a. - 1998; 90 Minuten

Inhaltsangabe

In einem österreichischen Dorf in den 20er-Jahren wird ein Bauer ermordet. Statt der Gemeinde hat er seinen Besitz den zehn Knechten und Mägden vermacht. Drei von ihnen wollen ein Kaufangebot des Großbauern Danninger annehmen, aber die restlichen sieben weigern sich, zahlen die drei aus und werden so zu "Siebtelbauern". Während das Gesinde bisher die Anweisungen des Bauern ausführte, müssen die Siebtelbauern jetzt selbst entscheiden, was zu tun ist und sich in der neuen Ordnung zurechtfinden ...
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Kritik

"Die Siebtelbauern" ist ein unsentimentaler, mitunter tragikomischer "Alpenwestern" von Stefan Ruzowitzky, der von hervorragenden Schauspielern wie Sophie Rois, Simon Schwarz und Lars Rudolph getragen wird.
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In einem österreichischen Dorf in den Zwanzigerjahren liegt ein Bauer mit aufgeschlitzter Kehle auf seinem Hof. Die Mörderin, die alte Magd Rosalind (Elisabeth Orth), sitzt im Hühnerstall, hält das blutige Messer noch in der Hand und schweigt. Sie wird festgenommen und eingesperrt.

Bei der Testamentseröffnung stellt sich heraus, dass der Bauer seinen Besitz nicht, wie erwartet, der Kirchen- oder Dorfgemeinde vermacht hat, sondern seinen zehn Knechten und Mägden, und zwar in der unchristlichen Hoffnung, dass sie dadurch in Streit geraten und sich gegenseitig die Köpfe einschlagen.

Nach dieser Überraschung nimmt der Großbauer Danninger (Ulrich Wildgruber) einen der Erben, den Großknecht (Tilo Prückner), auf die Seite, um dem Gesinde, dem jetzt ein Bauernhof gehört, ein Kaufangebot zu machen. Ohne sich mit den anderen abzusprechen, stimmt der Großknecht zu – und wird deshalb von den sieben Knechten und Mägden, die ihre Anteile nicht verkaufen wollen, vom Hof gejagt.

Um die drei Knechte und Mägde, die nicht auf dem Hof geblieben sind, auszahlen zu können, müssen die neuen Besitzer schwer arbeiten – und sich dabei in der neuen Ordnung zurechtfinden. Während bisher der Bauer unumschränkter Herr auf seinem Hof war und das Gesinde nur seine Anweisungen ausführte, müssen die „Siebtelbauern“ jetzt selbst entscheiden, was zu tun ist. Dabei gilt es, neue Machtansprüche einzelner Knechte gar nicht erst aufkommen zu lassen und die durch das Testament de jure geschaffene Gleichberechtigung von Knechten und Mägden, Jungen und Alten auf dem Hof in der Praxis zu bewahren. Argwöhnisch beobachten die anderen Dorfbewohner das gesellschaftliche Experiment. Es ist ein großer Augenblick für Emmy (Sophie Rois), als sie mit den anderen Siebtelbauern erstmals in der Kirche in den vorderen, den Bauernfamilien vorbehaltenen Bänken Platz nimmt und dort lauthals mitsingt.

Die selbstbewusste, intelligente und tatkräftige Emmy ist dem unbekümmerten Lukas (Simon Schwarz) besonders zugetan. Schon zu Lebzeiten des Bauern haben sie es miteinander im Heu getrieben.

Der Großknecht, der inzwischen zu Danningers Gesinde gehört, mag sich nicht mit dem Erfolg der Siebtelbauern abfinden. Er erschießt eine Kuh der Siebtelbauern, lässt deren Hirtenjungen (Christoph Gusenbauer) verprügeln und eine Scheune anzünden. Eines Nachts gerät er mit Lukas aneinander, der ihn im Streit totschlägt. Während Danninger eine Belohnung für die Ergreifung von Lukas aussetzt und die Dorfbewohner auf ihn hetzt, versteckt die alte Nane (Julia Gschnitzer) Lukas in einer Höhle im Wald.

Lukas wurde von der alten Nane als Findelkind auf den Hof gebracht. Damit der Bauer ihn bleiben ließ, musste sie zweimal in der Woche zu ihm ins Bett. Erst jetzt erfährt Lukas, dass er von Rosalind geboren wurde, nachdem sie von Danninger vergewaltigt worden war. Er hat vor, die Gegend zu verlassen und nach Amerika auszuwandern, will sich aber noch von seiner Mutter verabschieden. Also schleicht er sich ins Dorf, schlägt den Gendarm nieder, der Rosalind im Gefängnis bewacht, öffnet ihre Zelle und bewaffnet sich mit den Flinten und Revolvern, die er auf der Wache findet. Rosalind bleibt stoisch in ihrer Zelle sitzen und stirbt kurz darauf.

Danninger und seine Anhänger verfolgen Lukas und dringen auf den Hof der Siebtelbauern vor, wo es zu Mord- und Totschlag kommt. Lukas wird dabei erschossen.

Die übrigen Siebtelbauern verladen ihre Habseligkeiten auf einen Ochsenkarren und ziehen fort. Als sie durchs Dorf kommen, ersticht Severin (Lars Rudolph) noch rasch den Großbauern Danninger.

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Stefan Ruzowitzky nannte seinen Film „Die Siebtelbauern“ einen „Alpenwestern“. Tatsächlich handelt es sich um eine eigenwillige Mischung aus Elementen des kritischen Heimatfilms der Siebzigerjahre und des Westerngenres. Severin (Lars Rudolph), einer der Siebtelbauern, kommentiert das Geschehen mit einer unvergleichlichen Stimme aus dem Off. „Die Siebtelbauern“ ist ein unsentimentales, mitunter tragikomisches Drama, das von hervorragenden Schauspielern wie Sophie Rois, Simon Schwarz und Lars Rudolph getragen wird.

Neben der von Erik Satie stammenden Musikuntermalung von „Die Siebtelbauern“ ist einmal Enrico Caruso mit „La donna è mobile“ auf einer Schallplatte zu hören.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2006

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