Cold Blood

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Cold Blood

Cold Blood. Kein Ausweg. Keine Gnade – Originaltitel: Deadfall – Regie: Stefan Ruzowitzky – Drehbuch: Zach Dean – Kamera: Shane Hurlbut – Schnitt: Arthur Tarnowski, Dan Zimmerman – Musik: Marco Beltrami – Darsteller: Eric Bana, Olivia Wilde, Charlie Hunnam, Kris Kristofferson, Sissy Spacek, Kate Mara, Treat Williams, John Robinson, Tom Jackson u.a. – 2012; 90 Minuten

Inhaltsangabe

Addison hat seine jüngere Schwester schon beschützt, als sie noch Kinder waren, damals vor dem alkoholkranken und gewalttätigen Vater. Liza ist ihm dankbar dafür, aber nun möchte sie anfangen, ihr eigenes Leben zu führen. – Chet Mills verachtet seinen Sohn Jay als Versager, weil der junge Boxer sich überreden ließ, einen Kampf zu manipulieren und deshalb zu einer Haftstrafe verurteilt wurde. – Die junge Polizistin Hanna wird von ihrem Vater, der zugleich ihr Chef ist, unterdrückt. Sheriff Marshall T. Becker hätte lieber einen Sohn gehabt, einer Frau traut er nichts zu ...
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Kritik

"Cold Blood" ist ein Action-Thriller mit Western-Elementen. Drei Handlungsstränge werden von Stefan Ruzowitzky parallel und temporeich entwickelt, bis sie am Ende zusammenlaufen. Die Brutalität wird weder durch Humor noch Ironie gebrochen.
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Addison (Eric Bana) und seine jüngere Schwester Liza (Olivia Wilde) haben mit einem Komplizen zusammen ein Kasino ausgeraubt. Jetzt sind sie mit der Beute in einem Auto unterwegs zur kanadischen Grenze. Irgendwo auf einer glatten Straße in der tief verschneiten Landschaft von Michigan verliert der Fahrer die Kontrolle über den Wagen, und sie überschlagen sich mehrmals. Liza und Addison klettern unverletzt aus dem Wrack. Ihr Komplize, der sich nicht angeschnallt hatte, ist tot. Kurz darauf hält ein State Trooper mit seinem Streifenwagen, gibt über Funk eine Unfallmeldung durch und fragt dann Addison, ob er helfen könne. Addison erschießt ihn kurzerhand. Dann fordert er Liza auf, das Gros der in dem schleudernden Fahrzeug herumgewirbelten Geldscheine in einen Müllsack zu packen und stapft mit ihr los durch den Schnee. Weil die Polizei wegen des Kasino-Überfalls und der Ermordung des State Troopers nach einem Pärchen suchen wird, wollen sie sich getrennt nach Kanada durchschlagen.

Es fällt Liza schwer, sich von ihrem Bruder zu trennen, denn er beschützte sie schon, als sie noch Kinder waren, vor ihrem alkoholkranken und gewalttätigen Vater.

Addison trifft auf einen Jäger (Tom Jackson). Um ihm das Schneemobil zu rauben, überfällt er ihn. Der Angegriffene wehrt sich mit einem Messer und trennt Addison den kleinen Finger der linken Hand ab. Aber am Ende gelingt es dem Verbrecher, ihm das Messer zu entwinden und ihn damit zu erstechen.

Am Abend bleibt Addison mit dem Motorschlitten liegen. Zufällig beobachtet er, wie ein Betrunkener namens Bobby (Al Goulem) seine Frau Amy (Sarah Booth Hansen) mit dem Säugling trotz Kälte und Schneetreiben aus einer Waldhütte in die Nacht hinaus jagt. Addison geht hin, reißt die Tür auf und bedroht Bobby mit dem Gewehr des getöteten Jägers. In der Hütte hält sich auch noch Bobbys Stieftochter Lisa (Teale Hansen) auf. Addison schickt sie hinaus, bevor er den gewalttätigen Familienvater erschießt. Dann holt er mit Lisas Hilfe deren kranke Mutter und das Baby in die geheizte Hütte, in der er auch selbst die Nacht verbringen will.

Liza wird in dem Schneetreiben beinahe von einem Auto angefahren. Hinter dem Lenkrad sitzt Jay (Charlie Hunnam).

Jay gewann als junger Boxer bei den olympischen Spielen 2008 in Peking eine Silbermedaille. Aber er wurde zu einer Haftstrafe verurteilt, weil er sich bei einem Boxkampf auf Anweisung seines Trainers Ronnie (John Robinson) geschlagen gab, damit die Auftraggeber ihre Wetten gewannen. Wegen guter Führung wurde er an diesem Morgen vorzeitig aus der Haft entlassen. Als Erstes suchte er Ronnie in Detroit auf und verlangte das für den manipulierten Kampf versprochene Geld. Da schlug Ronnie plötzlich mit einem Baseballschläger auf ihn ein. Jay wehrte sich, Ronnie stürzte und blieb liegen. Jay hielt ihn für tot und rannte weg. Jetzt ist er unterwegs zu seinen Eltern Chet und June Mills (Kris Kristofferson, Sissy Spacek), um sich die Schlüssel für deren Hütte zu besorgen, in der er sich vor der Polizei verstecken will. Er kündigte seinen Besuch bereits telefonisch an, aber sein Vater, der ihn wegen des manipulierten Boxkampfes und der Haftstrafe für einen Versager hält, wollte nicht mit ihm reden.

Liza friert, ist erschöpft und stapft halb besinnungslos durch den Schnee. Den Müllsack mit dem Geld hat sie längst verloren. Jay holt sie ins Auto und dreht die Heizung höher. Eigentlich will er sie nur bis zur nächsten Raststätte mitnehmen, aber dort erfahren sie von der Barbesitzerin Mandy (Allison Graham), dass die Durchgangsstraße soeben wegen eines Blizzards gesperrt wird. Jay und Liza müssen in der Raststätte übernachten. Dabei kommen sie sich näher und schlafen miteinander.

Als Jay am nächsten Morgen aufwacht, liegt Liza nicht mehr neben ihn. Durchs Fenster sieht er, dass sie auf dem Parkplatz neben einem Lastwagen steht und mit dem Fahrer redet. Augenscheinlich will sie mitgenommen werden. Jay schlüpft schnell in eine Hose und rennt trotz der Kälte mit nacktem Oberkörper hinaus, um Liza zurückzuholen. Er hat sich ernsthaft in sie verliebt, möchte sie nicht gleich wieder verlieren, sondern seinen Eltern vorstellen.

An diesem Morgen macht der verwitwete Sheriff Marshall T. Becker (Treat Williams) sich mit seinen Männern auf die Suche nach dem Mörder des State Troopers. Seine Tochter Hanna (Kate Mara), die ebenfalls in seiner Dienststelle arbeitet, nimmt er nicht mit. Für eine Frau sei das zu gefährlich, meint er. Hanna ist enttäuscht. Als die Männer fort sind, überbringt Beckers Sekretärin Doris (Jocelyne Zucco) der jungen Polizistin die Nachricht, dass Hanna die Aufnahmeprüfung für das FBI bestanden habe. Sie werde also nicht mehr lange hier bleiben müssen.

Mrs Woodworth meldet sich bei Hanna. Sie macht sich Sorgen um ihre Tochter Amy, die sich von ihrem gewalttätigen Ehemann Bobby scheiden lassen will und es ihm am Vortag in seiner Waldhütte sagen wollte. Seither hat Mrs Woodworth nichts mehr von ihr gehört, und eine Telefonverbindung gibt es nicht. Ob Hanna kurz hinfahren und nachsehen könne, fragt sie. Hanna ist froh, den Schreibtisch doch noch verlassen zu können.

Mit einem Schneemobil bricht sie auf. Zwei Deputys, denen sie im Wald begegnet, begleiten sie auf dem Rest des Weges. Hanna fällt ein liegengebliebenes Schneemobil auf. Dadurch gewarnt, will sie in Sichtweite der Hütte ihren Vater anrufen und um Verstärkung bitten. Aber die Männer wollen selbstständig handeln. Einer reißt ihr das Handy aus der Hand und wirft es weg, der andere klopft an der Hüttentür. Addison, der gerade Frühstück machte und ein Bündel Banknoten für die kranke Mutter in ein Körbchen legte, erschießt ihn, rennt zu den Motorschlitten und flieht.

Hanna und der andere Deputy hetzen ihm nach. Als der Deputy stürzt, reißt er Hanna von ihrem Schneemobil und verfolgt Addison weiter. Dabei rast er in einen Stacheldraht-Zaun, reißt sich den Hals auf und verblutet.

Becker ist wütend, als er vom Tod der beiden Deputys hört, und er gibt seiner Tochter die Schuld. Dabei verhielt sie sich im Gegensatz zu den Männern vernünftig.


Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.


Addison überfällt eine Frau, die sich allein im Haus aufhält. Es handelt sich um Jays Mutter June Mills. Die Adresse bekam Addison per SMS von seiner Schwester. June bleibt ruhig und freundlich, obwohl der Verbrecher sie mit einem Gewehr bedroht. Inzwischen ist er auch am Bein verletzt. Während June die Wunde säubert und verbindet, taucht ihr Mann hinter dem Eindringling auf und fordert ihn mit vorgehaltenem Gewehr auf, sich zu ergeben. Addisons Gewehr liegt auf dem Tisch, aber er hat den Finger am Abzug, und der Lauf ist auf June gerichtet. Chet bleibt nichts anderes übrig, als seine Waffe wegzulegen.

Weil an diesem Tag Thanksgiving gefeiert wird und June ihren Sohn erwartet, hat sie eine Gans gebraten und Kürbiskuchen gebacken. Addison setzt sich mit dem Ehepaar zu Tisch. Da fährt ein Auto vor. Es ist Jay. Addison ist verblüfft, als er auch seine Schwester aussteigen sieht. Aber er tut so, als kenne er sie nicht, und Liza spielt mit. Die beiden müssen sich ebenfalls setzen, denn Addison will nun endlich das Festmahl genießen.

Hanna erhält einen Anruf von der Polizei in Detroit. Ein Boxtrainer liegt nach einer gewalttätigen Auseinandersetzung mit Jay Mills mit einer Gehirnerschütterung im Krankenhaus, und Jay soll dazu vernommen werden. Also fährt Hanna zu den Mills und betritt ahnungslos das Haus. Addison zwingt sie, ihm ihren Waffengürtel zu übergeben und sich zu ihm und den anderen zu setzen.

Liza sagt, sie sei immer von ihrem Bruder beschützt worden. Er habe sogar den gewalttätigen Vater erschossen, als sie noch Kinder waren, damit dieser ihr nichts mehr tun konnte. Sie sei ihrem Bruder dankbar und sie liebe ihn, aber jetzt bitte sie ihn darum, ein eigenes Leben führen zu dürfen. Die anderen am Tisch begreifen, dass Addison ihr Bruder ist. Als er sie ohrfeigt, springt Jay auf, aber Addison hält Chet die Mündung des Gewehrs an den Kopf, zwingt Jay, sich zu setzen und nagelt ihm mit einem Messer eine Hand auf die Tischplatte.

In diesem Augenblick ist von draußen Beckers Stimme zu hören. Er fordert Verstärkung an. Dann dringt er ins Haus ein. Addison schießt ihn nieder, und weil der Sheriff entgegen seiner eigenen Anweisung keine Schutzweste trägt, wird er schwer verletzt. Jay kämpft mit Addison und ringt ihn nieder. Liza hält ihn davon ab, ihren Bruder zu erwürgen, aber als Addison wieder Luft bekommt, zielt er mit einer Pistole auf Jay. Da erschießt Liza ihren Bruder, um Jay zu retten.

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Bei „Deadfall“ (Originaltitel) bzw. „Cold Blood. Kein Ausweg, keine Gnade“ (deutscher Titel) handelt es sich um einen Action-Thriller. Zach Dean (Drehbuch) und Stefan Ruzowitzky (Regie) greifen aber auch auf das Western-Genre zurück. Nur reiten die Guten und Bösen in „Cold Blood“ nicht, sondern rasen auf Motorschlitten durch die verschneite Landschaft.

Addison hat seine jüngere Schwester schon beschützt, als sie noch Kinder waren, damals vor dem alkoholkranken und gewalttätigen Vater. Liza ist ihm dankbar dafür, und sie liebt ihren Bruder, aber nun möchte sie anfangen, ihr eigenes Leben zu führen.

Bobby ist ebenfalls alkoholkrank und gewalttätig. Er jagt seine kranke Frau Amy mit dem Säugling trotz Kälte und Blizzard in die Nacht hinaus, als sie ihm sagt, sie wolle sich von ihm scheiden lassen.

Chet Mills verachtet seinen Sohn Jay als Versager, weil der junge Boxer sich überreden ließ, einen Kampf zu manipulieren und deshalb zu einer Haftstrafe verurteilt wurde.

Die junge Polizistin Hanna wird von ihrem Vater, der zugleich ihr Chef ist, unterdrückt. Sheriff Marshall T. Becker hätte lieber einen Sohn gehabt, einer Frau traut er nichts zu.

Von diesen Familienkonflikten wird in „Cold Blood“ im ständigen Wechsel zwischen den Handlungssträngen parallel erzählt, und am Ende laufen drei davon zusammen. Die Vorgeschichte der Figuren wird nur jeweils kurz angerissen; Zach Dean und Stefan Ruzowitzky leuchten die Charaktere auch nicht psychologisch aus. Der Konflikt zwischen Hanna Becker und ihrem patriarchalischen Vater bleibt klischeehaft, und wie sich Jay und Liza innerhalb von Stunden so ernsthaft verlieben, dass er sie am nächsten Tag seinen Eltern vorstellt, lässt sich nicht nachvollziehen. Addison fasziniert zunächst vor allem wegen seiner Widersprüchlichkeit, aber gegen Ende zu missrät die Figur: da entpuppt Addison sich einfach als Psychopath.

Die einzelnen Handlungsstränge in „Cold Blood. Kein Ausweg, keine Gnade“ werden geradlinig und temporeich entwickelt. Dabei gibt es weder Humor noch Ironie.

„Cold Blood. Kein Ausweg, keine Gnade“ ist der erste Hollywood-Film des österreichischen „Oscar“-Preisträgers Stefan Ruzowitzky (* 1961).

Weder der Original- noch der deutsche Titel ist neu: „Deadfall“, ein Film von Christopher Coppola, kam 1993 ins Kino, und ein Film von Mumtaz Yildirimlar aus dem Jahr 2012 lief ebenfalls unter dem Titel „Cold Blood“.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2013

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Sybille Bedford - Ein Vermächtnis
Sybille Bedford ist es in "Ein Vermächtnis" gelungen, die deutsche Gesellschaft im Zeitraum von 1871 bis 1914 aufschlussreich zu beleuchten. Eine gepflegte Sprache, genaue Beobachtungen, humorvolle und ironische Passagen lassen den atmosphärisch dichten Textes funkeln.
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