Vladimir Nabokov : Pnin

Pnin

Vladimir Nabokov

Pnin

Originalausgabe: Pnin, New York 1953 Pnin Übersetzung: Curt Meyer-Clason Rowohlt Verlag, Reinbek 1960 Taschenbuch: 2004 ISBN 3-499-23921-3, 304 S., 7 € (D)
Buchbesprechung

Inhaltsangabe


Professor Pnin ist von Russland nach Amerika ausgewandert, so um 1920 herum. Von der amerikanischen Kultur bzw. deren Nichtvorhandensein ist er verstört. Er lehrt an einer Provinzuniversität etwas, das im weitesten Sinne mit russischer Literatur zu tun hat; meistens wird sein Seminar von ein bis zwei Studenten besucht ...


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Kritik

Der Roman "Pnin" macht demjenigen Freude, der Spaß an Wortspielen,
-verrätselungen, Andeutungen und Etymologie hat. Der Autor stellt an seine Leser ausdrücklich die Forderung, aufmerksam und gründlich zu lesen (das gleiche Buch womöglich mehrmals) und sich nicht nur mit dem beschriebenen Geschehen zufrieden zu geben.

Der Roman „Pnin“ macht Freude, wenn man Spaß an Wortspielen, -verrätselungen, Andeutungen und Etymologie hat. Der Autor stellt an seine Leser ausdrücklich die Forderung, aufmerksam und gründlich zu lesen (das gleiche Buch womöglich mehrmals) und sich nicht nur mit dem beschriebenen Geschehen zufrieden zu geben.

Ein Freund des Protagonisten erzählt die Handlung, die er eigentlich gar nicht so genau kennen kann, denn er hat Pnin 40 Jahre nicht gesehen. Er spielt in der Geschichte selbst eine Rolle, war z.B. ein ehemaliger Liebhaber von Pnins Frau, und wacht im Text darüber, dass der Leser auch immer schön aufpasst. Am Schluss stellt er seinen alten Bekannten sogar noch in ein falsches Licht.

Professor Pnin ist von Russland nach Amerika ausgewandert, so um 1920 herum. Von der amerikanischen Kultur bzw. deren Nichtvorhandensein ist er verstört. Er lehrt an einer Provinzuniversität etwas, das im weitesten Sinne mit russischer Literatur zu tun hat;

meistens wird sein Seminar von ein bis zwei Studenten besucht. Pnin ist klein, hat im Verhältnis zu seinem dicklichen Rumpf einen zu großen Kopf und zu dünne Beine. Wegen seiner starken Brillengläser wirkt er hilflos. Seine körperliche Statur macht es ihm nicht gerade einfach, soziale Kontakte zu knüpfen. Und da ist außerdem noch sein schlechtes Englisch; wo soll er denn auch die richtige Aussprache lernen, wenn er immer nur in Bibliotheken herumsitzt! Es mag ihm nichts so recht gelingen; er hat dauernd mit den Wirren des Alltags zu kämpfen und die Intrigen am Campus durchschaut er nicht.

Lisa muss noch erwähnt werden, sie war immerhin mal seine Frau, wenn auch nur kurz. Schon bald nach der Hochzeit fängt sie mit einem Kollegen, einem Psychiater, ein Verhältnis an und bekommt von ihm ein Kind. Pnin würde ihren Sohn adoptieren, doch Lisa heiratet den Liebhaber. Auch diese Verbindung geht auseinander, und Lisa, die Flatterhafte, wird noch mehrere Männer verschleißen. Lisas Sohn Victor wächst in einem Internat auf. Eines Tages kommt ihr in den Sinn, dass Pnin für ihn finanziell aufkommen könnte. Sie hat ihn immer schon schamlos ausgenützt.

Pnins Leben ist eine Aneinanderreihung von Verlusten. Heute würde man sagen, er ist ein „Loser“. Eine Maxime des Autors ist: „Man muss sich dem Schicksal stellen.“ Nach diesem Motto handelt Pnin. Obwohl er sich als Außenseiter und Fremdkörper in der Gesellschaft fühlt, versucht er, den Anfeindungen zu trotzen. Seine Heimatlosigkeit zeigt sich darin, dass er fortwährend umzieht und seit jeher als Untermieter in einem möblierten Zimmer lebt. Als sich endlich eine Gelegenheit ergibt, dass er ein kleines Haus kaufen könnte, erfährt er, dass sein Lehrstuhl wegrationalisiert wird. Er muss sich neu orientieren, „… und welche Wunder dort warten mochten, hätte kein Mensch zu sagen gewusst.“

Auf seine Umwelt wirkt unser russischer Gelehrter schon ein wenig kauzig. Aber die Art und Weise, wie er seine Unsicherheit und den Mangel an Eingebundenheit zu bewältigen versucht, macht mir Pnin liebenswert.

2002 erschien im Audio Verlag ein Hörbuch (6 CDs, 423 Minuten): Ulrich Matthes liest „Pnin“ in der Übersetzung von Dieter E. Zimmer.

Vladimir Nabokov wurde 1899 in St. Petersburg geboren und wuchs in einem liberalen, westlich orientierten Elternhaus auf. Er lernte schon als Kind Englisch und Französisch. Seine Familie emigrierte 1919 nach Deutschland. Vladimir Nabokov studierte in Cambridge russische Sprache und Literatur. Von 1922 bis 1937 lebte er in Berlin (ohne der deutschen Sprache mächtig geworden zu sein, wie er behauptet), dann ging er nach England, USA und zurück nach Europa. 1977 ist er in Montreux gestorben.

Erwähnenswert ist, dass Nabokov außerdem ein anerkannter Schmetterlingskundler war (27 Arten sind nach ihm benannt). Seine Leidenschaften Tennisspielen und Schach tauchen auch immer wieder in seinen Büchern auf. Wer den Namen Nabokov hört, denkt vermutlich zuerst an „Lolita“, das Buch, mit dem er 1955 weltbekannt wurde. „Pnin“ hat er 1953 in englischer Sprache geschrieben.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Irene Wunderlich 2002

Vladimir Nabokov: Lolita

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