Molière


Jean-Baptiste Poquelin wurde im Januar 1622 als ältester Sohn des wohlhabenden Pariser Tuchhändlers Jean Poquelin und dessen Ehefrau Marie, der Tochter eines Zunftgenossen, in Paris geboren. Seine Mutter starb, als er zehn Jahre alt war. Nach dem Besuch eines vornehmen Jesuitenkollegs (Collège de Clermont) studierte er in Orléans Jura und erhielt nach dem erfolgreichen Abschluss eine Zulassung als Rechsanwalt in Paris. Im Alter von einundzwanzig Jahren begegnete er der zwei Jahre älteren Schauspielerin Madeleine Béjart, die ihn in seiner Absicht bestärkte, eine Komödiantentruppe aufzustellen. Das tat er noch im selben Jahr (1643) gegen den Willen seines entsetzten Vaters. Von da an nannte er sich „Molière“.

Nach zwei Jahren war das „Illustre Théâtre“ bankrott, und Molière hatte damit auch bereits einen Teil seines Erbes verbraucht. Daraufhin schlossen er und seine Geliebte Madeleine Béjart sich der Wandertruppe des Schauspielers Charles Dufresne an. Nachdem Molière es 1652 erneut zum Prinzipal gebracht hatte, gewann er einen früheren Mitschüler am Jesuitenkolleg, den inzwischen einflussreichen Prince de Conti, als Mäzen für die Truppe. Bald darauf fing er an, auch selbst Komödien zu schreiben.

In Rouen fiel er 1658 dem jüngeren Bruder König Ludwigs XIV. auf. Philipp (1640 – 1701) lud ihn nach Paris ein, und Molière durfte am königlichen Hof außer der Tragödie „Nicomède“ von Pierre Corneille auch ein eigenes Stück aufführen: die Farce „Le médecin amoureux“ (Der verliebte Arzt), die dem jungen König sehr gut gefiel. Im Jahr darauf erzielte Molière mit seiner Prosakomödie „Les précieuses ridicules“ (Die lächerlichen Präziösen) einen weiteren Erfolg in Paris.

Als der korrupte Finanzminister Nicolas Fouquet am 17. August 1661 seinen von Louis Le Vau (Architektur), André Le Nôtre (Gartenanlage) und Charles Le Brun (Innendekoration)

gebauten Palast mit einem Fest für den König und 6000 Gäste einweihte, sollte Molière eine Komödie schreiben („Les Fâcheux“ – Die Lästigen), aber er bekam nicht rechtzeitig alle Rollen besetzt. Damit die Schauspieler sich umziehen und nacheinander mehrere Rollen spielen konnten, schob Jean-Baptiste Lully, der Maître de la musique de la famille royale, zwischen den Szenen Balletttänze ein. Das Publikum war begeistert – und das „Comédie Ballet“ erfunden. Damit hatte eine jahrelange erfolgreiche Zusammenarbeit von Jean-Baptiste Lully und Molière begonnen.

Im Alter von vierzig Jahren heiratete Molière die neunzehnjährige Armande Béjart, bei der es sich vermutlich um eine Tochter seiner langjährigen Weggefährtin Madeleine Béjart handelte.

Am 12. Mai 1664 fand die Uraufführung der Verskomödie „Tartuffe ou L’imposteur“ (Tartuffe oder Der Betrüger) statt. Weil es in der Erstfassung um einen scheinheiligen Geistlichen ging, der in Wirklichkeit ein raffgieriger, lüsterner Betrüger war, fühlten sich die Frömmler herausgefordert. Empört setzten die fromm-katholische Königinmutter Anna von Österreich und eine Gruppe von ihr nah stehenden, zumeist älteren Höflingen König Ludwig XIV. so unter Druck, dass er sich gezwungen sah, weitere Aufführungen des Stücks zu verbieten.

Molière brachte das Theaterstück 1667 unter einem anderen Titel („Panulphe ou L’imposteur“) auf die Bühne im Palais Royal, aber der Erzbischof von Paris drohte jedem, der das Stück auch nur las, die Exkommunikation an. Erst nachdem Molière den Inhalt entschärft hatte, durfte er den „Tartuffe“ in der neuen Fassung am 5. Februar 1669 erstmals wieder aufführen. Der „Klüngel der Frommen“ (cabale des dévots) ließ Molière jedoch nicht mehr in Ruhe und organisierte sich in der „Compagnie du Saint-Sacrement“, der sich auch der nach einer Syphilisinfektion fromm gewordene Prince de Conti anschloss. 1668 wurde der „Tartuffe“ endgültig verboten.

Mit der am 4. Juni 1666 uraufgeführten Verskomödie „Le misanthrope“ (Der Menschenfeind) nahm Molière die geheuchelte Freundlichkeit am Hof satirisch aufs Korn. Es war das besondere Verdienst Molières, der Komödie eine gesellschaftskritische Funktion gegeben zu haben: Immer wieder griff er überholte Einstellungen an.

1672 starb Madeleine Béjart, und im selben Jahr überwarf er sich mit Jean-Baptiste Lully, der daraufhin gegen ihn zu intrigieren begann.

Eine Woche nach der Uraufführung seiner Komödie „Le malade imaginaire“ (Der eingebildete Kranke) starb Molière am 17. Februar 1673 während der vierten Vorstellung im Theater. Wenige Tage zuvor war er einundfünfzig Jahre alt geworden. Nur mit Mühe erreichte seine Witwe Armande, dass die Kirche ein ehrbares Begräbnis zuließ. Der Erzbischof bestand allerdings darauf, dass es nach Einbruch der Dunkelheit ohne besondere Feier stattfand.

Aus der Theatertruppe Molières, die zunächst von Armande weitergeführt, aber 1680 mit der des Hôtel de Bourgogne zusammengelegt wurde, ging die Comédie Française hervor.

Literatur über Molière

  • Renate Baader (Hg.): Molière (1980)
  • Gabriele Blaikner-Hohenwart: Der deutsche Molière.
    Molière-Übersetzungen ins Deutsche (2001)
  • Nicola Denis: Tartuffe in Deutschland. Molières Komödie in Übersetzungen, in der Wissenschaft und auf der Bühne vom 17. bis zum 20. Jahrhundert (2002)
  • Jean Firges: Molière. Der Menschenfeind.
    Plädoyer gegen eine verlogene Gesellschaft (2003)
  • Jürgen Grimm: Molière (2002)
  • Friedrich Hartau: Molière in Selbstzeugnissen und Bilddokumenten (1976)
  • Johannes Hösle: Molière. Sein Leben, sein Werk, seine Zeit (1987)
  • Thomas A. Keck: Molière auf Deutsch. Eine Bibliographie deutscher Übersetzungen und Bearbeitungen der Komödien Molières (1996)
  • Jürgen von Stackelberg: Molière. Eine Einführung (2005)
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