Jean-Baptiste Lully


Jean-Baptiste Lully (eigentlich: Giovanni Battista Lulli) wurde am 28. November 1632 in Florenz geboren. Ein Franziskanermönch brachte dem Bauernkind das Gitarrespiel bei. Im Frühjahr 1646 reiste Roger de Lorraine, Chevalier de Guise, durch Italien, um für seine Nichte Anne Marie Louise d’Orléans, die Herzogin von Montpensier („La Grande Mademoiselle“), einen jungen Italiener als Garçon de la chambre zu suchen. In Florenz fiel ihm der dreizehnjährige Giovanni Battista auf, und er einigte sich mit dessen Eltern darauf, dass er ihn mit nach Paris nahm. Am königlichen Hof setzte Jean-Baptiste Lully seinen Musikunterricht fort und ließ sich zugleich zum Ballett-Tänzer ausbilden.

Im Lauf der Zeit befreundete sich Jean-Baptiste Lully mit dem fast sechs Jahre jüngeren König Ludwig XIV., der mitten unter den anderen Kindern herumlief und nicht besser angezogen war als die Sprösslinge der Dienstboten, weil der raffgierige Kardinal Mazarin, der für die Regentin Anna von Österreich und den unmündigen Monarchen die Regierungsgeschäfte führte, nicht wollte, dass die kostbaren Gewänder für die offiziellen Anlässe schmutzig wurden.

Jean-Baptiste Lully brachte dem König das Tanzen bei. Aufgrund seines außergewöhnlichen musikalischen Talents wurde Lully in die Hauskapelle aufgenommen, wo er dem berühmten Komponisten Michel Lambert auffiel.

Er blieb auch am Hof, als La Grande Mademoiselle in Ungnade fiel und Paris verlassen musste. Jean-Baptiste Lully setzte nun alles auf seine enge Beziehung zum König, der im Frühjahr 1653 erstmals selbst zusammen mit ihm in einem Ballett auftrat,

und zwar als aufgehende Sonne im „Ballet royal de la nuit“. In seiner Begeisterung ernannte Ludwig XIV. den Musiker Jean-Baptiste Lully am 16. März 1653 zum Hofkomponisten („Compositeur de la musique instrumentale“). Anlässlich der prunkvollen Hochzeit Ludwigs XIV. mit der Infantin Maria Theresa von Spanien am 9. Juni 1660 [Frankreich unter König Ludwig XIV.] durfte Jean-Baptiste Lully ein Balletentrée und weitere Tanzeinlagen zur Festoper „Serse“ (Xerxes) des von Kardinal Mazarin eigens nach Paris geholten italienischen Komponisten Francesco Cavalli (1602 – 1676) beisteuern.

Kurze Zeit später trat Ludwig XIV. erneut in einem Ballett auf, und zwar als Apollo in von Jean-Baptiste Lully komponierten Entrées für die am 7. Februar 1662 uraufgeführte Oper „Hercule amoureux“ von Francesco Cavalli.

Nach dem Tod des leitenden Ministers Kardinal Mazarin am 9. März 1661 erklärte der inzwischen zweiundzwanzig Jahre alte König Ludwig XIV., er werde keinen Nachfolger ernennen und von nun an selbst regieren. Jean-Baptiste Lully ernannte er zum „Maître de la musique de la famille royale“. Der ehrgeizige und geschäftstüchtige Musiker, der seit der Machtübernahme des Königs die französische Staatsbürgerschaft besaß und sein Geld gewinnbringend in Immobilien anlegte, vermählte sich daraufhin mit der Tochter von Michel Lambert.

Während Michel Lambert den Hofkomponisten von Anfang an gefördert hatte, intrigierten andere Hofmusiker wie Jean de Cambefort und Guillaume Dumanoir gegen den Günstling des Königs, aber sie konnten nichts gegen ihn ausrichten – und Jean-Baptiste Lully schlug mit eigenen Intrigen zurück.

Als der korrupte Finanzminister Nicolas Fouquet am 17. August 1661 seinen von Louis Le Vau (Architektur), André Le Nôtre (Gartenanlage) und Charles Le Brun (Innendekoration) gebauten Palast mit einem Fest für den König und 6000 Gäste einweihte, waren Michel Lambert und Jean-Baptiste Lully für Musik und Tanz zuständig. Molière (1622 – 1673) sollte eine Komödie schreiben („Les Fâcheux“ – Die Lästigen), aber er bekam nicht rechtzeitig alle Rollen besetzt. Damit die Schauspieler sich umziehen und nacheinander mehrere Rollen spielen konnten, schob Lully zwischen den Szenen Balletttänze ein. Das Publikum war begeistert – und das „Comédie Ballet“ erfunden. Damit hatte eine jahrelange erfolgreiche Zusammenarbeit von Jean-Baptiste Lully und Molière begonnen.

König Ludwig XIV. trat 1669/70 in zwei weiteren Stücken auf („Ballet Royal de Flore“, „Les amants magnifiques“), aber danach nie wieder, möglicherweise, weil er sich durch die schwierigen Schrittfolgen überfordert fühlte.

„Le bourgeois gentilhomme“ (1670) hieß die erfolgreichste Ballettkomödie von Jean-Baptiste Lully und Molière. Aber sie gaben sich nicht damit zufrieden, sondern schufen zusammen und unter Mitwirkung Philippe Quinault und anderen Librettisten „Les Fêtes de l’Amour et de Bacchus “ (1672), ein „tragédie ballet“. Es war ihre letzte gemeinsame Arbeite, denn bevor Molière am 17. Februar 1673 starb, überwarf Jean-Baptiste Lully sich mit ihm.

Das 1672 erteilte königliche Privileg zur Gründung einer Académie royale de musique ermöglichte es Jean-Baptiste Lully, die Mitglieder der Académie d’opéras auszustechen. Im Jahr darauf führte er seine erste „tragédie lyrique“ (Oper) auf: „Cadmus et Hermione“. Bis 1686 folgten weitere zwölf Opern, darunter „Alceste ou Le triomphe d’Alcide“ (1674) und „Atys“ (1676).

Ludwig XIV., der „Sonnenkönig“, ernannte Jean-Baptiste Lully 1680 zum königlichen Sekretär (secrétaire du roi) und erhob ihn in den Adelsstand.

Bei der Aufführung der Oper „Roland“ am 8. Januar 1685 soll sich der König gelangweilt haben. Das ging vielleicht auf den Einfluss von Françoise d’Aubigné, Madame de Maintenon, zurück, mit der er nach dem Tod Maria Theresias von Spanien 1683 eine morganatische Ehe geschlossen hatte. Madame de Maintenon schätzte nämlich weder Jean-Baptiste Lully noch seine Musik. Als Lullys homosexueller Verkehr mit einem Pagen ruchbar wurde, sank sein Stern endgültig, und schließlich empfing Ludwig XIV. ihn nicht mehr.

1687 wollten die Ärzte dem König einen Zahn ziehen, aber dabei brachen sie ihm ein Stück des Oberkiefers heraus. Man rechnete mit dem Schlimmsten, aber Ludwig XIV. erholte sich wieder. Für die Feierlichkeiten zur Genesung des Königs bearbeitete Jean-Baptiste Lully sein 1678 komponiertes „Te Deum“. Bei der Aufführung am 8. Januar 1687 in der Église des Pères Feuillants rammte er sich versehentlich die Spitze seines zwei Meter langen Taktstocks in den Fuß. Die Wunde entzündete sich. Am 22. März 1687 starb der Fünfundfünfzigjährige daran.

Henning Mankell - Die rote Antilope
Aus viel versprechenden Ansätzen macht Henning Mankell zwar einen spannenden, unterhaltsamen und lebendig erzählten Roman, aber – gemessen an dem anspruchsvollen Thema – hat er sich dabei stilistisch und inhaltlich übernommen: "Die rote Antilope".
Die rote Antilope

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