Max Ernst


Max Ernst wurde am 2. April 1891 in Brühl als drittes von neun Kindern des Taubstummenlehrers Philipp Ernst und dessen Ehefrau Luise geboren. Nach dem Abitur (1908) studierte er an der Universität Bonn Philosophie, Psychologie und Kunstgeschichte (1909 – 1914). In dieser Zeit lernte er den Maler Robert Delaunay kennen, befreundete sich mit August Macke und Hans Arp, beteiligte sich an der Ausstellung „Rheinische Expressionisten“ in Bonn und schrieb sowohl Kunst- als auch Theaterkritiken.

Als der Erste Weltkrieg ausbrach, meldete sich Max Ernst im August 1914 zum Militär.

Nach dem Krieg kehrte er ins Rheinland zurück und wohnte in Köln. Dort heiratete er Ende 1918 die jüdische Kunsthistorikerin, Journalistin und Künstlerin Luise Strauß (1893 – 1944). Das Ehepaar bekam 1920 den Sohn Hans-Ulrich. (Hans-Ulrich Ernst wählte nach seiner Emigration in die USA den Künstlernamen Jimmy Ernst. Luise Strauß-Ernst wurde 1944 in Auschwitz ermordet.)

Mit Luise Strauß-Ernst, Hans Arp, Johannes Theodor Baargeld und anderen gründete Max Ernst in Köln die Dada-Gruppe „Zentrale W/3“, und in Düsseldorf entstand die Künstlervereinigung „Das Junge Rheinland“, in der Max Ernst ebenfalls Mitglied wurde.

1921 hatte Max Ernst eine Einzelausstellung in Paris und brachte mit Paul Éluard gemeinsam den Gedichtband „Répétitions“ heraus. Im Jahr darauf zog er nach Paris und nahm von da an regelmäßig an den Treffen und Ausstellungen der Surrealisten teil.

Mit Paul Éluard reiste er 1924 nach Indochina.

Die Ehe von Max und Luise Strauß-Ernst wurde 1926 geschieden. Gleich darauf heiratete der Fünfunddreißigjährige heimlich die sehr viel jüngere Französin Marie-Berthe Aurenche. (Auch diese Ehe scheiterte. Die Scheidung erfolgte 1935.)

Der gebildete Autodidakt Max Ernst revolutionierte die Malerei. Für entscheidend hielt er nicht die Maltechnik, sondern die Fähigkeit des Künstlers, zu sehen und und das Gesehene sichtbar zu machen. Erst durch die Auseinandersetzung des Betrachters damit entsteht das Kunstwerk. In der zweiten Hälfte der Zwanzigerjahre entwickelte Max Ernst die „Frottage“, indem er auf einem Bogen Papier die Struktur der Unterlage mit dem Abrieb eines Bleistifts sichtbar machte. Bei der „Grattage“ trug er zwei oder mehr Farbschichten auf und kratzte dann die untere Lage bzw. die unteren Lagen frei. Wenn er mit einer Glasplatte auf einer mit Farbe getränkten Leinwand Strukturen erzeugte, nannte er das „Decalcomanie“. Max Ernst malte nicht nur, sondern schuf auch eine Reihe von Collagen und Skulpturen.

In dem umstrittenen surrealistischen Film „Das goldene Zeitalter“ von Luis Buñuel und Salvador Dalí spielte Max Ernst 1930 einen Räuberhauptmann.

Den Sommer 1934 verbrachte Max Ernst mit Alberto Giacometti in dessen Sommeratelier in Maloja.

Das NS-Regime verfemte Max Ernst von Anfang an. Zwei seiner Werke gehörten 1937 zur Ausstellung „Entartete Kunst“ in München.

1938/39 lebte Max Ernst mit der Künstlerin Leonora Carrington (1917 – 2011), die er bei der Surrealismusausstellung vom 11. Juni bis 4. Juli 1936 in den New Burlington Galleries in London kennengelernt hatte, in Saint-Martin-d’Ardèche.

Als die Wehrmacht am 1. September 1939 Polen überfiel und Frankreich am übernächsten Tag dem Deutschen Reich den Krieg erklärte, wurde Max Ernst als „feindlicher Ausländer“ interniert. Paul Éluard erreichte zwar, dass er an Weihnachten freigelassen wurde, aber 1940 sperrte man Max Ernst erneut in ein Lager.

1941 gelang ihm die Flucht, und er setzte sich mit Hilfe der wohlhabenden Kunstsammlerin Peggy Guggenheim (1898 – 1979) über Madrid und Lissabon in die USA ab – wo er nach Pearl Harbor und dem Kriegseintritt der Amerikaner ebenfalls als „feindlicher Ausländer“ galt. Die Eheschließung mit Peggy Guggenheim im Dezember 1941 bewahrte ihn davor, nach Europa abgeschoben zu werden.

Die Zeitschrift „VVV“, die Max Ernst ab 1942 mit Marcel Duchamp, André Breton und anderen Exilanten herausgab, brachte den Surrealismus von Frankreich nach Amerika.

1943 begegnete Max der jungen Malerin, Bildhauerin und Schriftstellerin Dorothea Tanning (* 1910). Sie wurde seine neue Geliebte. Nach dem Zweiten Weltkrieg, 1946, heirateten Max Ernst und der amerikanische Fotograf, Filmregisseur, Maler und Objektkünstler Man Ray in einer Doppelhochzeit in Beverly Hills Dorothea Tanning und Juliet Browner. Das Ehepaar Max Ernst und Dorothea Tanning siedelte sich in Sedona, Arizona, an.

Zwei Jahre später wurde Max Ernst amerikanischer Staatsbürger.

1953 kehrte er nach Frankreich zurück und lebte zuerst in Paris und ab 1955 in Huismes bei Tours. 1958 bekam er einen französischen Pass. Im selben Jahr nahm ihn die Akademie der Künste in Berlin auf.

Das Museum of Modern Art in New York zeigte 1961 Werke von Max Ernst in einer Retrospektive.

Peter Schamoni und Carl Lamb drehten 1963 den Kurzfilm „Max Ernst. Entdeckungsfahrten ins Unbewusste“. (1991 entstand der Dokumentarfilm „Max Ernst. Mein Vagabundieren – Meine Unruhe“ von Peter Schamoni.)

Im Jahr darauf zog Max Ernst von Huismes nach Seillans in der Provence.

1975 zeigte das Solomon R. Guggenheim Museum in New York Werke von Max Ernst in einer Retrospektive.

Am 1. April 1976, in der Nacht vor seinem 85. Geburtstag, starb Max Ernst in Paris. Seine Urne wurde auf dem Friedhof Père Lachaise in Paris bestattet.

Die Max Ernst Gesellschaft wurde im Jahr 2000 gegründet. Fünf Jahre später öffnete das Max Ernst Museum in Brühl die Pforten.

Literatur über Max Ernst (Auswahl):

  • Jimmy Ernst: Nicht gerade ein Stilleben. Erinnerungen an meinen Vater Max Ernst (Kiepenheuer & Witsch, Köln 1985)
  • Lothar Fischer: Max Ernst (Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek 1969)
  • Werner Spies: Max Ernst. Retrospektive zum 100. Geburtstag (Prestel-Verlag, München 1991)
  • Jürgen Wilhelm (Hg.): Über Max Ernst. Gespräche (Greven Verlag, Köln 2010)
  • Das Liebesverhältnis von Max Ernst und Leonora Carrington inspirierte Peter Prange zu dem Roman „Himmelsdiebe“

© Dieter Wunderlich 2011

Leonora Carrington (Kurzbiografie)
Peter Prange: Himmelsdiebe

Hanns-Josef Ortheil - Der Stift und das Papier
"Der Stift und das Papier" ist ein leiser, weitgehend autobiografischer Roman von Hanns-Josef Ortheil, der sich durch ebenso akribische wie fein­sinnige Beobachtungen aus­zeich­net. Angereichert wird die Darstel­lung durch eingestreute Orginaltexte, die der Autor als Kind schrieb.
Der Stift und das Papier

Hanns-Josef Ortheil

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