Fremde Haut

Fremde Haut

Fremde Haut

Originaltitel: Fremde Haut – Regie: Angelina Maccarone – Drehbuch: Angelina Maccarone, Judith Kaufmann – Kamera: Judith Kaufmann – Schnitt: Bettina Böhler – Musik: Hartmut Ewert, Jacob Hansonis – Darsteller: Jasmin Tabatabai, Anneke Kim Sarnau, Navid Akhavan, Hinnerk Schönemann, Jens Münchow, Jevgenij Sitochin, Nina Vorbrodt, Annette von Klier u.a. – 2005; 95 Minuten

Inhaltsangabe

Die 29-jährige iranische Dolmetscherin Fariba Tabrizi wird in Teheran bei einer lesbischen Beziehung ertappt. Um der zu befürchtenden Todesstrafe zu entgehen, fliegt sie mit gefälschten Papieren nach Frankfurt, wo sie am Flughafen ins Auffanglager gebracht wird. Nach dem Suizid eines Flüchtlings nimmt sie dessen Identität an, erhält so eine vorläufige Aufenthaltserlaubnis und wird in ein Asylantenheim in Schwaben gebracht. Um nicht aufzufallen, muss sich die kultivierte Großstädterin, die Germanistik studiert hat, wie ein ungebildeter Mann verhalten ...
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Kritik

In "Fremde Haut" geht es v. a. um Identität und Unterdrückung, weniger um das politische Thema Asyl. Der Plot hat viel Potenzial, aber das wird nicht ausgeschöpft. Sehenswert ist das düstere Drama wegen der schauspielerischen Leistung von Jasmin Tabatabai.
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Die neunundzwanzigjährige iranische Dolmetscherin Fariba Tabrizi (Jasmin Tabatabai) wird in Teheran bei einer lesbischen Beziehung ertappt. Um der zu befürchtenden Todesstrafe zu entgehen, fliegt sie mit gefälschten Papieren nach Deutschland. Kurz nach dem Start legt sie in der Toilette den Tschador ab. Bei der Passkontrolle auf dem Frankfurter Flughafen wird sie festgenommen und einer Leibesvisitation unterzogen. Man bringt sie ins Auffanglager. Bei den Verhören behauptet sie, im Iran politisch verfolgt worden zu sein, aber die Beamten glauben ihr nicht. Sie muss mit der Abschiebung rechnen.

Der Suizid des ebenfalls aus dem Iran stammenden Flüchtlings Siamak Mustafai (Navid Akhavan) im Auffanglager verschafft Fariba eine Chance: Sie umwickelt ihren Oberkörper straff mit einem Tuch, zieht Siamaks Sachen an, schneidet ihr Haar kurz und versteckt die Leiche in ihrem Reisekoffer. Kurz darauf erhält sie in der neuen Identität eine vorläufige Aufenthaltserlaubnis und wird in ein Asylantenheim in Schwaben gebracht. Dort muss sie sich ein Zimmer mit dem Russen Maxim (Jevgenij Sitochin) teilen. Den Koffer mit der Leiche vergräbt sie.

Um nicht aufzufallen, muss sich die kultivierte Großstädterin, die Germanistik studiert hat, wie ein ungebildeter Mann vom Land verhalten.

Sie benötigt neue gefälschte Papiere, und die sind nur gegen viel Geld von dem Kriminellen Lächle (Simon Schwarz) zu bekommen. „Siamak“ hat zwar keine Arbeitserlaubnis, aber „er“ beginnt in einer Sauerkrautfabrik zu arbeiten. Obwohl „er“ von den Kollegen wegen des Körpergeruchs angepöbelt wird, weigert „er“ sich aus guten Gründen, nach der Schicht mit ihnen zu duschen.

Die Arbeiterin Anne (Anneke Kim Sarnau) – eine allein erziehende Mutter – findet den neuen Mitarbeiter interessant, weil er völlig anders als die anderen Männer ist. Sehr zum Missfallen ihres Verehrers Uwe (Hinnerk Schönemann) verabredet Anne sich mit „Siamak“, und die beiden kommen sich näher.

Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.

Als man „Siamak“ in der Ausländerbehörde erklärt, „sein“ Asylantrag sei abgelehnt worden und „er“ müsse Deutschland innerhalb von zwei Wochen verlassen, hat „er“ das Geld für die gefälschten Papiere noch nicht beisammen, und Lächle lässt sich auf keine Kompromisse ein. In dieser fast ausweglosen Lage gibt Fariba nicht auf, sondern weiht Anne in ihr Geheimnis ein, damit diese ihr hilft, bei einer Leihwagen-Agentur ein Auto zu stehlen. Dafür bekommt Fariba von Lächle endlich den gefälschten Ausweis.

Nach diesem Abenteuer lieben sich die beiden Frauen.

Fariba sitzt in einem Top mit Spaghetti-Trägern in Annes Wohnung, als unerwartet Uwe und dessen Freund Andi (Jens Münchow) auftauchen. Es kommt zu einer heftigen Auseinandersetzung, denn von einer Frau will Uwe sich schon gar nicht bei Anne ausbooten lassen. Annes erschrockene Tochter ruft die Polizei. Hilflos muss Anne zusehen, wie ihre neue Freundin unter dem Verdacht, sich illegal in Deutschland aufzuhalten, festgenommen wird.

Man schiebt Fariba ab.

Kurz vor der Landung in Teheran schließt sie sich in der Toilette des Flugzeugs ein, zieht den neuen Pass aus dem Stiefel, legt die Frauensachen ab und kehrt als Mann verkleidet zu ihrem Sitz zurück.

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Was mich interessiert, ist das Unveränderliche und die Veränderung der eigenen Identität. Die Tatsache, dass Fariba gezwungen ist, eine andere Identität anzunehmen, sich in einen fremden Körper zu verwandeln, verleiht dem Zustand des Exils noch mehr Schwere. Sie muss sich unterwerfen, nicht nur einem externen Exil, sondern auch einem internen. (Angelina Maccarone über ihren Film „Fremde Haut“)

In „Fremde Haut“ geht es vor allem um die Themen Identität und Unterdrückung: Die Iranerin Fariba, die in Deutschland so tun muss, als sei sie ein Mann namens Siamak und sich den Oberkörper straff umwickelt, um ihren Busen zu verbergen, ist in die falsche Identität – in „fremde Haut“ – regelrecht eingezwängt. Bereits in Teheran musste sie ihre eigentliche Identität verbergen, denn sie ist lesbisch, und auf Homosexualität steht im Iran die Todesstrafe.

Vollzogen wird sie aber praktisch nur an Männern, weil es die weibliche Sexualität ja gar nicht geben darf, und diese schon gar nicht.
(Jasmin Tabatabai in einem Interview, Kieler Nachrichten, 23. März 2006)

Obwohl „Fremde Haut“ von Asylanten handelt, gehen die Regisseurin Angelina Maccarone und die Kamerafrau Judith Kaufmann, die zusammen auch das Drehbuch schrieben, nicht näher auf die politische Problematik ein.

Der Plot hat eine Menge Brisanz und Potenzial, aber das wird in „Fremde Haut“ nicht ausgeschöpft. Stattdessen wurde die Geschichte mit vergleichsweise einfallslosen Szenen gedehnt. Dazu kommt, dass einige entscheidende Wendungen unplausibel sind, beispielsweise Faribas Entkommen aus dem streng bewachten Auffanglager am Frankfurter Flughafen: Wie kommt sie zu dem sauberen Kurzhaarschnitt? Woher hat sie das lange Tuch? Und wie gelingt es ihr, mit einer Leiche im Koffer durch die Kontrolle zu kommen?

Fazit: „Fremde Haut“ ist ein düsteres Drama über das Thema Identität. Sehenswert ist es vor allem wegen der schauspielerischen Leistung von Jasmin Tabatabai.

„Fremde Haut“ steht und fällt mit seiner Protagonistin Jasmin Tabatabai. Ihre Metamorphosen zwischen den Identitäten, zwischen den Geschlechtern, zwischen den Zugehörigkeiten – das ist es, was „Fremde Haut“ weitgehend trägt. Es ist ein kleiner Film, unprätentiös in seiner (auch visuellen) Form, unbequem in seiner Haltung, in dem, was er erzählt. (Thilo Wydra, Bayerischer Rundfunk)

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2008

Philip Roth - Das sterbende Tier
Philip Roth erzählt die beklemmende Geschichte in "Das sterbende Tier" schnörkellos und sarkastisch in Form eines Monologs: Der Protagonist wendet sich in einer Art Lebensbeichte an einen nicht weiter greifbaren Zuhörer.
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