Monsieur Klein

Monsieur Klein

Monsieur Klein

Originaltitel: Monsieur Klein – Regie: Joseph Losey – Drehbuch: Franco Solinas, Fernando Morandi – Kamera: Gerry Fisher – Schnitt: Marie Castro-Vasquez, Henri Lanoë, Michèle Neny – Musik: Egisto Macchi, Pierre Porte – Darsteller: Alain Delon, Jeanne Moreau, Suzanne Flon, Michel Lonsdale u.a. – 1976; 120 Minuten

Inhaltsangabe

Im Zweiten Weltkrieg profitiert der Pariser Kunsthändler Robert Klein davon, dass die Juden von den Nationalsozialisten bzw. deren Kollaborateuren verfolgt werden und ihre letzten Wertsachen verkaufen müssen. Schamlos diktiert Monsieur Klein die Preise. 1942 wird er mit der Existenz eines gleichnamigen Juden in Paris konfrontiert und beginnt, nach dem Mann zu suchen ...
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Kritik

"Monsieur Klein" ist ein beklemmendes, aber auch etwas langatmiges Porträt eines aus der Bahn geworfenen Profiteurs und eine kafkaeske Parabel über dessen Identitätsverlust.
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Robert Klein (Alain Delon) lebt seit sieben Jahren als Kunst-und Antiquitätenhändler in Paris. Als die Deutschen im Zweiten Weltkrieg Paris besetzen, kommen Juden zu ihm, die Geld für ihre Emigration benötigen und gezwungen sind, ihre letzten Erinnerungsstücke zu Geld zu machen. Monsieur Klein nutzt ihre Zwangslage schamlos aus und diktiert höflich die Ankaufpreise.

Am 16. Januar 1942 findet er vor seiner Wohnungstüre eine an ihn adressierte jüdische Zeitung. Monsieur Klein ist weder Jude noch hat er das Blatt abonniert. Bei der Zeitung erfährt er, dass die Abonnentenliste gerade bei der Präfektur liegt. Also sucht Monsieur Klein den Generalkommissar für Judenfragen auf (Michel Aumont) und findet heraus, dass es noch einen Robert Klein in Paris zu geben scheint, einen Juden.

Er sucht die Adresse des Doppelgängers auf. Die Concierge (Suzanne Flon) wird gerade von zwei Polizeibeamten über Robert Klein befragt. Der ist nicht da, und am Fenster seiner Wohnung hängt ein Schild, sie sei zu vermieten. Unter dem Vorwand, Interesse daran zu haben, lässt Monsieur Klein sich das schäbige Apartment zeigen und steckt ein Foto ein, auf dem der andere Klein mit einer jungen Frau abgebildet ist.

Ein Brief, den Monsieur Klein bekommt, obwohl offenbar sein Doppelgänger gemeint ist, veranlasst ihn, zu einem Schloss außerhalb von Paris zu fahren, wo er von dem Besitzer Charles (Massimo Girotti) und dessen Ehefrau Florence (Jeanne Moreau) willkommen geheißen wird. Obwohl Florence vermutlich eine Affäre mit dem anderen Robert Klein hatte, tut sie so, als wisse sie kaum etwas über ihn.

Kurz nach Monsieur Kleins Besuch verschwinden die Schlossbewohner. Es heißt, sie seien nach Mexiko emigriert. Handelt es sich um Juden?

Inzwischen gerät Monsieur Klein selbst in den Verdacht, ein Jude zu sein, und die Polizei ermittelt gegen ihn. Deshalb fährt er zu seinem Vater (Louis Seigner) nach Straßburg und fragt nach Geburtsurkunden seiner Eltern und Großeltern. Aber die Papiere müssen bei den Behörden in Marseille angefordert werden.

Die Tänzerin Lola (Magali Clément), der Monsieur Klein das aus der Wohnung seines Doppelgängers mitgenommene Foto zeigt, sagt ihm, die abgebildete junge Frau (Francine Racette) sei seit zwei Monaten nicht mehr bei der Truppe, sondern arbeite jetzt in einer Fabrik und nenne sich Cathi statt Isabelle. Eine von Monsieur Klein in der Fabrik befragte Arbeiterin glaubt, auf der Aufnahme ihre Kollegin Françoise zu erkennen, aber eine andere namens Michelle (Dany Kogan) erklärt kategorisch, Françoise sei nicht mit der abgebildete Frau identisch.

Vergeblich protestiert Monsieur Klein dagegen, dass sein Auto und alle seine Wertsachen beschlagnahmt werden. Ein streunender Schäferhund lässt sich von ihm nicht verscheuchen, und schließlich nimmt Monsieur Klein ihn bei sich auf. Kurz darauf verlässt ihn seine Geliebte Jeanine (Juliet Berto).

Der befreundete Rechtsanwalt Pierre (Michel Lonsdale), mit dessen Ehefrau Nicole (Francine Bergé) Monsieur Klein früher ein Verhältnis hatte, beschafft ihm einen gefälschten Pass, eine Zugfahrkarte nach Marseille und eine Schiffskarte nach Übersee. Dafür verkaufte er Kleins letzte Habseligkeiten, angeblich für die Hälfte des Wertes. Der Kunsthändler verdächtigt seinen Freund, die andere Hälfte selbst eingesteckt zu haben, aber er vertraut Pierre den Hund an, bevor er in den Zug einsteigt.

Im Zugabteil sitzt ihm eine Dame gegenüber, die er aufgrund des Fotos erkennt, die jedoch bestreitet, Isabelle, Cathi oder Françoise zu sein und ihm einen Ausweis zeigt, in dem der Name Nathalie steht.

Unvermittelt steigt Monsieur Klein aus, kehrt nach Paris zurück und taucht mitten in der Nacht bei zu Pierre und Nicole auf. Er will nur rasch telefonieren und ruft in der angeblich leer stehende Wohnung des anderen Klein an, denn er vermutet, dass der Jude sich dort nachts verbirgt. Tatsächlich hebt sein Doppelgänger ab und ist mit einem sofortigen Besuch des Kunsthändlers einverstanden.

Doch als Monsieur Klein hinkommt, sieht er gerade noch, wie der Jude abgeführt wird. Pierre, der auch da ist, erklärt ihm, er habe die Polizei alarmiert, um seine Pflicht zu erfüllen und seinen Freund von einer Dummheit abzuhalten.

Am nächsten Morgen wird Monsieur Klein zusammen mit anderen Personen in einem Bus zu einem Sammellager gebracht. Zuerst zeigt er den Beamten noch seinen falschen Pass und beteuert, nicht Robert Klein zu heißen, aber dann fügt er sich, und als sein Name aufgerufen wird, meldet er sich, obwohl in diesem Augenblick Pierre erscheint, mit Papieren wedelt und ruft, er habe die Ariernachweise bekommen. Ohne sich nach seinem Anwalt umzusehen, klettert Monsieur Klein in einen Viehwaggon, der ihn nach Auschwitz bringen wird.

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„Monsieur Klein“ ist das beklemmende, aber auch etwas langatmige Porträt eines Pariser Kunsthändlers, der während der deutschen Besetzung die Notlage von Juden ausnutzt und Wertsachen zu Spottpreisen aufkauft, der dann aber aus seiner scheinbar glücklichen und ungefährdeten Situation unvermittelt herausgerissen wird. Es handelt sich um eine kafkaeske Parabel über den Identitätsverlust eines Profiteurs. Damit thematisieren Franco Solinas (Drehbuch) und Joseph Losey (Regie) zugleich die Schuld von Mitläufern an politischen Verbrechen.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2007

Andrea Maria Schenkel - Bunker
Andrea Maria Schenkel entwickelt die Handlung in ihrem Roman "Bunker" im Wechsel von drei Perspektiven. Der Aufbau sorgt für ein Höchstmaß an Spannung, und die Inszenierung ist so konkret, farbig und lebendig, dass man glaubt, dabei zu sein.
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Andrea Maria Schenkel

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