Die Zärtlichkeit der Wölfe

Die Zärtlichkeit der Wölfe

Die Zärtlichkeit der Wölfe

Originaltitel: Die Zärtlichkeit der Wölfe – Regie: Ulli Lommel – Drehbuch: Kurt Raab – Kamera: Jürgen Jürges – Schnitt: Thea Eymèsz, Rainer Werner Fassbinder alias Franz Walsch – Musik: Peer Raben (Johann Sebastian Bach) – Darsteller: Kurt Raab, Jeff Roden, Margit Carstensen, Ingrid Caven, Wolfgang Schenck, Brigitte Mira, Rainer Hauer, Barbara Bertram, Rainer Werner Fassbinder, Heinrich Giskes, Friedrich Karl Praetorius, Karl von Liebezeit u.a. – 1973; 95 Minuten

Inhaltsangabe

In "Die Zärtlichkeit der Wölfe" mordet Fritz Haarmann nicht um 1920 in Hannover, sondern 30 Jahre später im Ruhrgebiet. Lange Zeit hält Kommissar Braun den Serienmörder, der junge Männer in seine Dachkammer lockt, ihnen den Hals zerfleischt und die Leichen zerstückelt, für einen Kleinganoven und setzt ihn als Spitzel gegen Diebe und Betrüger ein. Nur einer Nachbarin kommt Haarmann verdächtig vor ...
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Kritik

In "Die Zärtlichkeit der Wölfe" geht es weder um Authentizität oder die Frage, wie jemand zum Serienmörder wird, sondern der Film der Fassbinder-Clique orientiert sich am expressionistischen Vampirfilm.
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Eine Stadt im Ruhrgebiet in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg.

Als die Polizei kommt, um ihn zu verhaften, liegt der arbeitslose Metzger Fritz Haarmann (Kurt Raab) mit einem nackten jungen Mann im Bett. Kommissar Braun (Wolfgang Schenck) ist jedoch nicht daran interessiert, Haarmann wegen einiger kleiner Delikte vor Gericht zu bringen, sondern er will sich die Kontakte Haarmanns in der Unterwelt zunutze machen. Als Haarmann sich bereit erklärt, für ihn Spitzeldienste zu leisten, lässt er ihn laufen.

Fritz Haarmann und sein Mitbewohner Hans Grans (Jeff Roden) setzen ihre Gaunereien fort. Beispielsweise gibt Haarmann sich als Priester aus, und sie ziehen von Haustüre zu Haustüre, um für angeblich wohltätige Zwecke abgelegte Kleidung zu sammeln, die sie dann einem korrupten französischen Soldaten (El Hedi ben Salem) gegen Konserven verhökern. Weil ihnen das Klinkenputzen auf Dauer zu mühsam erscheint, stehlen sie zum Trocknen aufgehängte Wäsche von der Leine. Außerdem handelt Fritz Haarmann mit Fleisch. Das verkauft er der Wirtin Louise Engel (Brigitte Mira). Als ihr ein junger Mann vermutlich gestohlenes Fleisch anbietet, ruft sie Haarmann. Der gibt sich als Kommissar aus, „beschlagnahmt“ das Fleisch und jagt den Dieb davon.

Auch am Bahnhof mimt Haarmann allabendlich einen Kriminalbeamten. Jugendliche Ausreißer, die ihm gefallen, nimmt er mit nach Hause und schläft mit ihnen.

Frau Lindner (Margit Carstensen), eine Nachbarin, beäugt Haarmann argwöhnisch. Ihr fällt auf, dass er häufig junge Männer mitbringt, aber nur selten welche zu sehen sind, die das Haus verlassen. Einmal schleicht sie ihm nach und beoachtet, wie er zwei große Bündel in die Ruhr wirft. Nachts hört sie aus seiner Dachwohnung immer wieder Geräusche, die so klingen, als zerhacke er Fleisch.

Tatsächlich erwürgt Haarmann die jungen Männer, zerbeißt ihnen die Halsschlagader und saugt Blut. Aus dem Fleisch macht er Sülze und Wurst.

Als Hans Grans ihn mit der Leiche eines nackten jungen Mannes ertappt, behauptet Haarmann, als er nach Hause gekommen sei, habe er den unbekannten Toten in seinem Bett vorgefunden. Kurz darauf kommt Dora (Ingrid Caven), um bei Haarmann zu putzen. Sie wundert sich über den Nackten im Bett, aber Haarmann redet ihr ein, der Fremde schlafe nur.

Hans Grans, der sich gern mit Frauen vergnügt, nutzt sein Wissen, um Geld von Fritz Haarmann zu erpressen – bis ihm der Umgang mit dem Mörder zu heiß wird und er sich von ihm trennt.

Aus der Ruhr wird ein menschlicher Schädel geborgen. Mütter melden ihre Söhne als vermisst. Ein Major der Besatzungsmacht, der von einer Mordserie ausgeht, fordert Kommissar Braun auf, der Sache nachzugehen. Da lässt Braun sich endlich von Frau Lindner berichten, was sie Verdächtiges beobachtet hat und bittet sie, die Fotos in der Vermisstenkartei durchzublättern. Einige der jungen Männer glaubt sie im Haus gesehen zu haben.

Um Fritz Haarmann zu überführen, arbeitet Braun mit Hans Grans und dessen Freund Wittkowski (Rainer Werner Fassbinder) zusammen.

Als Fritz Haarmann mit einem Jungen, den er auf dem Jahrmarkt angesprochen hat, nach Hause kommt, belauern ihn Grans, Wittkowski, die Nachbarn und die Polizei. Ahnungslos nimmt er sein Opfer mit in die Dachwohnung. Er zieht dem Jungen das Hemd aus und liebkost ihn. Dann beißt er ihm in den Hals. Der Schrei des Jungen ist für die Polizei das Fanal für die Erstürmung der Mansarde. Fritz Haarmann wird festgenommen.

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Fritz Haarmann wurde 1924 in Hannover zum Tod verurteilt. Er soll mindestens vierundzwanzig Jungen und Männer ermordet haben.

In „Die Zärtlichkeit der Wölfe“ haben Kurt Raab (Drehbuch, Hauptrolle), Ulli Lommel (Regie) und Rainer Werner Fassbinder (Produktion, Schnitt, Nebenrolle) die Handlung in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg und ins Ruhrgebiet verlegt. Ihnen geht es weder um Authentizität noch um die Frage, wie jemand zum Serienmörder wird. Psychologie und Soziologie sind nicht ihr Thema. Während in „Der Totmacher“ Fritz Haarmanns Charakter ausgelotet wird, orientiert sich „Die Zärtlichkeit der Wölfe“ am Genre des melancholischen Vampirfilms und greift expressionistische Stilelemente beispielsweise von „Nosferatu“ auf. Unverkennbar hat Kurt Raab sich für die Rolle Peter Lorre in „M. Eine Stadt sucht einen Mörder“ als Vorbild genommen.

Obwohl „Die Zärtlichkeit der Wölfe“ von Rainer Werner Fassbinder geprägt ist und viele aus der Clique mitspielen (außer den in der Inhaltsangabe genannten Darstellern zum Beispiel auch Irm Hermann und Rosel Zech), hat nicht er, sondern der zu seinem Kreis gehörende Schauspieler Ulli Lommel Regie geführt.

Gedreht wurde im Herbst 1972 im Ruhrgebiet (Gelsenkirchen), während Rainer Werner Fassbinder am Schauspielhaus Bochum mit Wolfgang Schenck, Hanna Schygulla, Irm Hermann, Margit Carstensen, Jutta Wachsmann, Kurt Raab, Ingrid Caven, Rudolf W. Brem, Peter Kern, Rainer Hauer, Ulli Lommel, Karl von Liebezeit, El Hedi ben Salem und anderen das Bühnenstück „Liliom“ von Ferenc Molnár inszenierte. Weil Kurt Raab sich für „Liliom“ das Kopfhaar abrasieren ließ, spielt er auch Fritz Haarmann mit Glatze.

Für die Musik sowohl in „Liliom“ als auch in „Die Zärtlichkeit der Wölfe“ zeichnet Peer Raben verantwortlich.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2011

Fritz Haarmann (Kurzbiografie)

Rainer Werner Fassbinder (Kurzbiografie, Filmografie)

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