Fritz Haarmann


Friedrich („Fritz“) Haarmann wurde am 25. Oktober 1879 in Hannover geboren. Nach einer Schlosserlehre ließ er sich 1895 von einer Unteroffiziersschule aufnehmen. Aber er brach die Ausbildung vorzeitig ab. Aus einer Heil- und Pflegeanstalt in Hildesheim, in die er wegen Debilität eingewiesen worden war, floh er mehrmals.

Nach einem längeren Aufenthalt in der Schweiz lebte Fritz Haarmann 1899 wieder in Hannover. Im Jahr darauf wurde er zum Militär eingezogen und in Colmar stationiert. Aufgrund von Ohnmachtsanfällen lag er vier Monate lang in einem Lazarett, wo die Ärzte bei ihm Schizophrenie diagnostizierten.

Vom Militär entlassen, kehrte Fritz Haarmann nach Hannover zurück. Dort verklagte er seinen Vater Friedrich Harmann (nur ein a!) auf Unterhaltszahlung. Das Geld, das er bekam, investierte er in ein Fischgeschäft, mit dem allerdings nach kurzer Zeit pleiteging.

Um 1905 zog sich Fritz Haarmann eine Geschlechtskrankheit zu. Daraufhin verzichtete er auf sexuelle Kontakte mit Frauen und wandte sich stattdessen jugendlichen Ausreißern und entlaufenen Heimkindern zu. Wegen Diebstählen und Einbrüchen, Betrügereien und Unterschlagungen wurde er siebzehnmal zu geringfügigen Strafen verurteilt. Zugleich arbeitete er als Spitzel für das Diebstahlskommissariat der Polizei in Hannover. Und mit einem ehemaligen Kriminalbeamten zusammen betrieb er eine Privatdetektei.

Nach dem Ersten Weltkrieg handelte er mit Altkleidern und Fleischkonserven. Der Vierzigjährige freundete sich mit dem zweiundzwanzig Jahre jüngeren Kleinkriminellen Hans Grans (1901 – 1975) an, der im Oktober 1919 zu ihm in die Dachkammer zog, die er im Rotlichtviertel von Hannover bewohnte.

Am 17. Mai, 20. Mai und 13. Juni 1924 fanden spielende Kinder am Leine-Ufer fünf Schädel von jungen Männern bzw. männlichen Jugendlichen. Die Polizei ging davon aus, dass ein homosexueller Serienmörder sein Unwesen trieb. Fritz Haarmann, gegen den bereits 1918 in zwei Mordfällen ermittelt worden war – allerdings ohne Ergebnis –, geriet erneut in Verdacht. Die Polizei begann am 17. Juni 1924, ihn zu observieren.

Nach fünf Tagen bedrohte Fritz Haarmann am Hauptbahnhof den Jugendlichen Kurt Fromm. Daraufhin wurde er festgenommen. Bei einer Hausdurchsuchung am 23. Juni stieß die Polizei auf Blutspuren und Kleidungs- bzw. Wäschestücke von jungen Männern. Durch tagelange Vernehmungen, aber auch Schläge und illegale Einschüchterungen wurde Fritz Haarmann dazu gebracht, am 29. Juni einige Morde einzuräumen. Kurz darauf widerrief er jedoch die Aussage.

Durch Zufall begegnete die zu einer weiteren Vernehmung einbestellte Mutter des seit April 1924 vermissten Robert Witzel am 1. Juli im Polizeipräsidium Frau Engel, einer Wirtin, und deren Stiefsohn. Der Anzug, den der junge Mann trug und den Frau Engel von Haarmann gekauft hatte, stammte von Robert Witzel. Das wusste dessen Mutter mit Bestimmtheit. Mit der Frage konfrontiert, woher er den Anzug des Vermissten hatte, gab Haarmann zu, Robert Witzel ermordet zu haben. Am 2. Juli gestand er insgesamt sieben Morde vor dem Untersuchungsrichter.

Im Zuge der Ermittlungen senkte man am 5. Juli 1924 den Wasserstand der Leine. Dadurch wurden fast dreihundert menschliche Skelettteile sichtbar, die von mindestens zweiundzwanzig verschiedenen jungen Männern bzw. männlichen Jugendlichen stammten.

Am 4. Dezember 1924 begann der Prozess gegen Fritz Haarmann vor dem Landgericht Hannover. Siebenundzwanzig Morde wurden dem Angeklagten zur

Last gelegt. Die ausschließlich männlichen Opfer waren zwischen zehn und zweiundzwanzig Jahren alt. Der psychiatrische Gutachter Prof. Dr. Ernst Schultze hatte Haarmann am 1. Oktober nach sechswöchiger Untersuchungszeit in einer Heil- und Pflegeanstalt in Göttingen für voll zurechnungsfähig erklärt. Die meisten Morde gab Haarmann zu. Er habe die „Puppenjungs“ durch einen Biss in den Hals getötet oder erwürgt, sagte er, die Leichen zerstückelt und in die Leine geworfen.

Weil Fritz Haarmann mit Fleischkonserven handelte, wurde darüber spekuliert, dass der „Vampir von Hannover“ Menschenfleisch verkauft haben könnte. Aber das ist nicht erwiesen.

Das Gericht kam zu der Überzeugung, dass Fritz Haarmann zwischen September 1918 und Juni 1924 mindestens vierundzwanzig Menschen ermordet hatte. Am 19. Dezember 1924 wurden er und sein als Mittäter angeklagter Freund Hans Grans zum Tod verurteilt.

Fritz Haarmann wurde am 15. April 1925 im Hof des Gerichtsgefängnisses in Hannover von dem Magdeburger Scharfrichter Carl Gröpler mit dem Fallbeil enthauptet.

Das Todesurteil gegen Hans Grans wurde im Januar 1926 aufgehoben. Das neue Urteil lautete auf zwölf Jahre Haft. 1937 wurde er vom Zuchthaus Celle ins KZ Sachsenhausen überstellt. Dort blieb er auch nach Verbüßung seiner Strafe eingesperrt, bis das Konzentrationslager im April 1945 von der Roten Armee befreit wurde.

Romuald Karmakar drehte mit Götz George in der Titelrolle den Film „Der Totmacher“ über Fritz Haarmann. Auch die Filme „M – eine Stadt sucht einen Mörder“ und „Die Zärtlichkeit der Wölfe“ knüpfen an die Biografie des Serienmörders an.

© Dieter Wunderlich 2011

Fritz Lang: M – eine Stadt sucht einen Mörder
Ulli Lommel: Die Zärtlichkeit der Wölfe
Romuald Karmakar: Der Totmacher

Alissa Walser - Am Anfang war die Nacht Musik
Alissa Walser lässt in "Am Anfang war die Nacht Musik" keinen auktorialen Erzähler auftreten, sondern versetzt sich stattdessen abwechselnd in eine der beiden Hauptfiguren. Dabei bleibt vieles ungesagt, lässt sich jedoch erahnen.
Am Anfang war die Nacht Musik

Alissa Walser

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