Oben ist es still

Oben ist es still

Oben ist es still

Oben ist es still – Originaltitel: Boven is het stil – Regie: Nanouk Leopold – Drehbuch: Nanouk Leopold nach dem Roman "Oben ist es still" von Gerbrand Bakker – Kamera: Frank van den Eeden – Schnitt: Katharina Wartena – Musik: Paul M. van Brugge – Darsteller: Jeroen Willems, Wim Opbrouck, Henri Garcin, Martijn Lakemeier, Lies Visschedijk u.a. – 2013; 90 Minuten

Inhaltsangabe

Helmer ist Mitte 50. Mit seinem verwitweten, bettlägerigen Vater lebt er allein auf einem Bauernhof in Zeeland. Sein Leben besteht nur aus Arbeit. Der Fahrer des Milchautos redet freundlich mit ihm, aber Helmer bleibt worgkarg und beobachtet den anderen Mann lieber durch ein schmutziges Fenster. Unvermittelt quartiert Helmer den verhassten Vater ins Obergeschoss um und richtet sich im Erdgeschoss neu ein ...
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Kritik

Bei ihrer Verfilmung des Romans "Oben ist es still" von Gerbrand Bakker geht Nanouk Leopold frei mit der Vorlage um. Ihr Film ist karg und lakonisch. Umso eindrucksvoller ist die schauspielerische Leistung vor allem von Jeroen Willems.
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Helmer van Wonderen (Jeroen Willems) ist Mitte 50. Mit seinem greisen, bettlägerigen Vater (Henry Garcin) lebt er allein auf einem Bauernhof in Zeeland. Die Mutter ist schon lange tot. Helmers Leben besteht nur aus Arbeit: Kühe melken, Stall ausmisten, Schafe füttern, dem Vater etwas zu essen bringen, ihn duschen, sein Bett frisch beziehen. Jeden Tag kommt der Fahrer des Milchautos (Wim Opbrouck) vorbei und pumpt die Milch ab. Er redet freundlich mit Helmer, aber der bleibt wortkarg und distanziert, beobachtet den anderen Mann lieber heimlich durch ein schmutziges Fenster. Körperliche Nähe gibt es für Helmer nur, wenn er den Vater aus dem Bett hebt. Über die Vorgeschichte erfahren wir kaum etwas, aber es ist unübersehbar, dass Helmer seinen Vater hasst, der seinen Zwillingsbruder bevorzugte, bis dieser tödlich verunglückte.

Obwohl der Greis protestiert, räumt Helmer sein eigenes Zimmer im Obergeschoss aus, trägt das Doppelbett der Eltern hinauf und dann auch seinen Vater. Er räumt auf, wirft die Zimmerpflanzen weg, entrümpelt das Haus, tüncht die Wände im Erdgeschoss neu, lässt neue Möbel aufstellen und verschafft sich einen Freiraum.

Hin und wieder kommen die beiden kleinen Söhne vom einzigen anderen Hof in der Nähe herüber und schauen nach den beiden Eseln. Ihre Mutter Ada (Lies Visschedijk) bietet Helmer an, ihm bei der Pflege des Vaters zu helfen, aber das lehnt er ab. Er komme zurecht, sagt er.

Dann taucht ein junger Mann namens Henk (Martijn Lakemeier) auf, und Helmer stellt ihn als Knecht ein. Eines Nachts schlüpft Henk nackt zu Helmer ins Bett, schluchzt und klammert sich an ihn. Helmer wehrt ihn zunächst ab, dann umarmt er ihn und hält ihn fest. Kurz darauf packt Henk seine Sachen und verlässt den Hof. Helmer versucht nicht, ihn zurückzuhalten.

Der Fahrer des Milchautos teilt ihm mit, dass er gekündigt habe und zu seiner Schwester in Mechelen ziehen werde. Der Viehhändler, dem Helmer kürzlich Schafe verkaufte, ist inzwischen nach Neuseeland ausgewandert.

Im Stall zieht Helmer ein Lamm zu sich und nimmt es in die Arme.

Endlich stirbt der Vater. Bei der Beerdigung sieht Helmer den Fahrer des Milchautos wieder. Er ist zurückgekommen und begleitet Helmer zu dessen Hof.

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Die niederländische Filmregisseurin und Drehbuchautorin Nanouk Leopold (* 1968) hat den Roman „Oben ist es still“ ihres Landsmannes Gerbrand Bakker (* 1962) verfilmt. Aber sie hält sich nicht eng an die literarische Vorlage, sondern geht frei damit um. Beispielsweise fehlt im Film die Romanfigur Riet, und wir erfahren so gut wie nichts über die Vorgeschichte, also über die Gründe für den Hass des Sohnes auf den Vater. Andererseits rückt Nanouk Leopold die im Roman von Gerbrand Bakker allenfalls angedeutete Homosexualität Helmers in den Mittelpunkt.

Die Lakonie des Romans „Oben ist es still“ hat Nanouk Leopold in ihren Film übernommen, aber keines der tragikomischen Elemente. Sie macht es den Zuschauern nicht leicht, denn sie zeigt ruhig und unverschnörkelt den ebenso mühseligen wie trostlosen Alltag eines Bauernsohnes, den der Vater zwang, sein eigenes Leben aufzugeben. (Die Erklärung kennen wir aus dem Buch; im Film fehlt sie.)

„Oben ist es still“ ist ein karger Film. Das Wetter ist zumeist trübe. Nanouk Leopold verzichtet nicht nur auf Effekte jedweder Art, sondern auch auf Scheinwerfer. Die Farben sind deshalb eher grau als bunt. Hin und wieder erklingen ein paar Takte Klaviermusik, doch oft hört man nur die Standuhr ticken. Gesprochen wird sowieso nicht viel.

Umso eindrucksvoller ist die schauspielerische Leistung vor allem von Jeroen Willems. Die Hauptrolle in „Oben ist es still“ war seine letzte. Er starb am 3. Dezember 2012, dreieinhalb Wochen nach seinem 50. Geburtstag, während einer Theaterprobe an einem Herzinfarkt.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2014

Gerbrand Bakker: Oben ist es still

Sylvia Richard-Färber - Leicht Nähen lernen
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