Sie haben Knut

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Sie haben Knut

Originaltitel: Sie haben Knut - Regie: Stefan Krohmer - Drehbuch: Daniel Nocke - Kamera: Benedict Neuenfels - Schnitt: Stephan Krumbiegel - Musik: Nick Drake, Bert Jansch, Donna Summer, Heaven 17, Pack Jam - Darsteller: Valerie Koch, Hans-Jochen Wagner, Pit Bukowski, Alexandra Neldel, Ingo Haeb, Stephan Hornung, Jimi Lee King, Daniel Nocke, Anneke Kim Sarnau, Markus Sieber, Rainer Strecker, Devid Striesow, Nina Weniger, Marc Zwinz u.a. - 2003; 105 Minuten

Inhaltsangabe

Eigentlich wollte Ingo mit Nadja in der Abgeschiedenheit einer Tiroler Berghütte über ihre in die Krise geratene Beziehung reden, aber sie werden von einem Dutzend Skifahrern überrascht, Freunden von Nadjas Bruder Knut, die sich hier mit ihm verabredet haben. Doch Knut kommt nicht. Wolfgang fährt ins Dorf zum Telefonieren und kehrt mit der Nachricht zurück: "Sie haben Knut!" Nun wird endlos darüber geredet, wie die Gruppe Solidarität beweisen kann ...
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Kritik

Die Figuren in der Satire "Sie haben Knut" repräsentieren typische Rollenmuster. Durch ihr Zusammensein ergeben sich gruppendynamische Prozesse, die sich in Dialogen niederschlagen und den Reiz des Films ausmachen.
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Ingo (Hans-Jochen Wagner) fährt im Winter 1982/83 mit Nadja (Valerie Koch) in eine Berghütte im Tiroler Hochtal Wildschönau. Die beiden sind seit acht Jahren ein Paar, aber die Beziehung ist längst in eine Krise geraten, und Ingo will das alles mit Nadja besprechen, um sie nicht zu verlieren. Bisher galten Seitensprünge als Zeichen von Freiheit, aber Ingo hat genug von den Affären; ihm ist inzwischen bewusst geworden, wie wichtig Nadja für ihn ist. Während Ingo nach Argumenten und Erklärungen ringt, stottert und sich verhaspelt, isst Nadja ruhig weiter und antwortet nur lakonisch.

Gerade als Ingo angefangen hat, über die Beziehung zu reden, fliegt die Tür auf und eine Horde von Leuten kommt herein. Die Hütte gehört den geschiedenen Eltern von Nadja. Als Ingo den Schlüssel von ihrem Vater holte, hieß es, sie sei leer, aber nun stellt sich heraus, dass sich Nadjas Bruder Knut mit einem Dutzend Freunden verabredet hat, die hier zusammen Skiferien machen wollen.

Frustriert sieht Ingo zu, wie die unerwünschten Mitbewohner in der Hütte ihre Schlafsäcke ausbreiten. In diesem Tohuwabohu sieht er kaum noch eine Chance für ein klärendes Gespräch mit Nadja unter vier Augen. Nadja dagegen freut sich auf die Gesellschaft und vor allem das Wiedersehen mit ihrem Bruder.

Aber Knut kommt nicht. Wolfgang (Daniel Nocke) fährt mit Knuts Freundin Sylvia (Alexandra Neldel) hinunter ins Dorf, um nach Deutschland zu telefonieren. Als sie zurückkommen, machen die anderen in der Hütte gerade Skigymnastik. Mit ernster Miene unterbricht Wolfgang das Gehopse: „Sie haben Knut!“ Man hat ihn verhaftet. Den Grund hat Wolfgang zwar noch nicht herausgefunden. Bestimmt hat es etwas mit Knuts Engagement gegen das politische System zu tun. Eines scheint klar zu sein: Die Freunde können nicht unbeschwert Skiferien machen, während Knut im Gefängnis sitzt, womöglich in „Isohaft“. Sollen sie gleich wieder abreisen und sich um ihn kümmern? Wolfgang lässt abstimmen. Eine kleine Mehrheit ist dafür, zu bleiben. Auf jeden Fall muss die Gruppe jetzt Solidarität beweisen. Wolfgang zerbricht sich den Kopf darüber, wie man „irgendwas in Knuts Sinne auf die Beine stellen“ könnte. Soll man Handzettel verschicken und darauf aufmerksam machen, was mit Knut passiert ist? Alle paar Stunden fährt Wolfgang ins Dorf, um telefonisch neue Nachrichten einzuholen. Er überredet die Gruppe, trotz des schönen Wetters und der guten Schneeverhältnisse früh am Nachmittag in die Hütte zurückzukehren, um ausführlich über denkbare Aktionen zu diskutieren. Für Leute, die sich in dieser Situation noch amüsieren, hat er kein Verständnis.

Als einige den Eindruck haben, Rolf (Stephan Hornung) nütze die Abwesenheit Knuts aus, um sich an Sylvia heranzumachen, kommt es zum Streit und zu einer Prügelei. Danach reist Rolf zornig ab.

Den beiden Kindern in der Gruppe – dem vierzehnjährigen Niklas (Pit Bukowski) und dem drei Jahre jüngeren Lars (Jimi Lee King) – fallen die ewigen Diskussionen und Solidaritätsbeschwörungen auf die Nerven. Die Eltern wiederum sind damit so beschäftigt, dass sie nicht mitbekommen, was ihre Sprösslinge treiben, beispielsweise, dass sie bei einem Ausflug zum nächsten Bauernhof mit einem Prügel auf die Kühe im Stall einschlagen.

Dann taucht plötzlich Knut (Ingo Haeb) auf. Er wurde aufgrund einer Verwechslung festgenommen und am nächsten Tag wieder freigelassen. Das fand er alles nicht so schlimm. Warum seine Freunde das so ernst nehmen, versteht er nicht.

Nadja fühlt sich zu Jens (Marc Zwinz) hingezogen, und er erwidert ihre Gefühle. Sie küssen sich, und Nadja beginnt, Jens die Hose zu öffnen, aber dann besinnt sie sich und hört damit auf. Sie überrascht Ingo mit der Mitteilung, dass sie in den acht Jahren nie mit einem anderen Mann schlief, aber jetzt Lust hätte, es mit Jens zu tun. Ingo ist entsetzt, gibt sich jedoch tolerant und meint, er habe kein Recht, es ihr zu verbieten. Als Jens und Nadja kurz darauf an einem von Niklas und Lars gebauten Iglo vorbeikommen, schlüpfen sie hinein und fallen übereinander her. Zurück in der Hütte, holt Nadja ihren Schlafsack, sagt Ingo, sie wolle sich von ihm trennen und legt sich zu Jens.

Traurig fährt Ingo nach Hause.

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„Sie haben Knut“ ist das Kinodebüt von Stefan Krohmer. Daniel Nocke schrieb das Drehbuch und übernahm die Rolle des Wortführers Wolfgang. Vor dem Hintergrund einer Persiflage auf das aktionistische Gefasel, die hohlen Solidaritätsbekundungen und das endlose Diskutieren der erlahmten Achtundsechziger erzählen Daniel Nocke und Stefan Krohmer Ingos Geschichte. Der durchlebt in seiner kaputten Beziehung mit Nadja einen Klärungsprozess und ist ebensowenig wie Wolfgang fähig, zu handeln statt zu reden.

Die Figuren in dieser Tragikomödie repräsentieren typische Rollenmuster. Durch ihr Zusammensein ergeben sich gruppendynamische Prozesse, die sich in Dialogen niederschlagen und den Reiz des Films ausmachen. Obwohl das Getue und die Konflikte in dieser Gruppe satirisch gemeint sind, lässt Stefan Krohmer das Geschehen authentisch aussehen. Vielleicht hätte er „Sie haben Knut“ etwas straffer inszenieren sollen.

Darsteller und Rollen, die in der Inhaltsangabe nicht erwähnt wurden:

  • Anneke Kim Sarnau (Birgit)
  • Markus Sieber (Jan)
  • Rainer Strecker (Michael)
  • Devid Striesow (Lutz)
  • Nina Weniger (Petra)
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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2006

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