Steglitzer Schülertragödie


Zwei seit langem eng befreundete neunzehnjährige Berliner Oberprimaner schwärmen von Liebe und Tod: der Gedichte schreibende Arbeitersohn Paul Krantz und der in wohlhabenden Verhältnissen aufgewachsene, impulsive, homosexuelle Günther Scheller.

Paul Krantz ist seit einigen Wochen in Schellers drei Jahre jüngere Schwester Hildegard („Hilde“) verliebt. Sie schlafen zusammen, und er macht sich Hoffnungen, dass sie seine stürmischen Gefühle erwidert. Während die Eltern der Geschwister nach Kopenhagen gefahren sind, verbringen sie das Wochenende vom 25./26. Juni 1927 mit Krantz im Sommerhaus der Familie in Mahlow.

Am frühen Dienstagmorgen nimmt Günther Scheller seinen Freund mit in die Wohnung seiner Eltern in der Albrechtstraße in Steglitz. Dort ertappen sie Hilde mit ihrem Liebhaber Hans Stephan. Scheller soll eine Affäre mit dem gleichaltrigen Kochlehrling aus Friedenau gehabt haben; auf jeden Fall sind die beiden seit einiger Zeit zerstritten. Krantz hat einen Revolver bei sich. Damit will Scheller zuerst Hans Stephan erschießen, dann soll Krantz ihn, Hilde und zuletzt sich selbst töten. Diese Absicht halten die beiden langjährigen Freunde in einem Abschiedsbrief fest [erweiterter Suizid].

Doch nachdem Günther Scheller Hans Stephan getötet hat, reicht er die Waffe nicht Krantz weiter, sondern hält sich den Lauf an die Schläfe und drückt ein zweites Mal ab.

Hilde Scheller alarmiert den Hausarzt Dr. Erich Freund, aber der kann ihrem Bruder nicht mehr helfen.

Die Zeitungen prägen den Begriff „Steglitzer Schülertragödie“. Das Medieninteresse und der Besucherandrang sind groß, als Paul Krantz sich ab 9. Februar 1928 vor dem Moabiter Schwurgericht verantworten muss. Er ist wegen Mordes angeklagt. Auch wenn er selbst nicht schoss, wurden mit seinem Revolver zwei Menschen getötet, und er hatte mit Günther Scheller die Tötung von vier Personen verabredet. Am 20. Februar wird Krantz nur wegen unerlaubten Waffenbesitzes

zu einer dreiwöchtigen Freiheitsstrafe verurteilt, die durch die Untersuchungshaft als verbüßt gilt.

Die „Steglitzer Schülertragödie“ wurde 1929 unter dem Titel „Geschminkte Jugend“ von Carl Boese verfilmt. Zwei Jahre später veröffentlichte Paul Krantz alias Ernst Erich Noth den autobiografischen Roman „Die Mietskaserne“. 1959/60 wollte Max Nosseck einen weiteren Film über die Ereignisse 1927 in Steglitz drehen, aber das Vorhaben scheiterte am Einspruch der Freiwilligen Selbstkontrolle der Filmwirtschaft. Arno Meyer zu Küingdorf befasste sich mit der „Steglitzer Schülertragödie“ in seinem Roman „Der Selbstmörder-Klub“ (Reclam Verlag, Leipzig 1999, 219 Seiten). Der Film „Was nützt die Liebe in Gedanken“ von Achim von Borries kam am 12. Februar 2004 ins Kino.

© Dieter Wunderlich 2007

Suizid

Achim von Borries: Was nützt die Liebe in Gedanken

Albert Ostermaier - Schwarze Sonne scheine
Der zu lang geratene pathetische Künstlerroman "Schwarze Sonne scheine" von Albert Ostermaier dreht sich um den Missbrauch kirchlicher Autorität. Die Sprache ist barock und ambitioniert.

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