Lichter der Vorstadt

Lichter der Vorstadt

Lichter der Vorstadt

Lichter der Vorstadt – Originaltitel: Laitakaupungin valot / Lights in the Dusk – Regie: Aki Kaurismäki – Drehbuch: Aki Kaurismäki – Kamera: Timo Salminen – Schnitt: Aki Kaurismäki – Musik: Melrose – Darsteller: Janne Hyytiäinen, Maria Järvenhelmi, Maria Heiskanen, Ilkka Koivula, Sergei Doudko, Andrei Gennadiev, Arturas Pozdniakovas, Matti Onnismaa, Sulevi Peltola u.a. – 2006; 80 Minuten

Inhaltsangabe

Der wortkarge Wachmann Koistinen ist einsam und wird von seinen Kollegen ausgegrenzt. Als sich die Blondine Mirja mit ihm einlässt, glaubt er, sein Geschick werde sich doch noch wenden. Er ahnt zunächst nicht, dass sie die Geliebte eines Gangsters ist und den Auftrag hat, über Koistinen an den Zugangscode und die Schlüssel für ein Juweliergeschäft heranzukommen, das ausgeraubt werden soll. Koistinen muss dafür ins Gefängnis. Stoisch erträgt er das Unrecht ...
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Kritik

Der deutsche Titel "Lichter der Vorstadt" spielt passenderweise auf Charlie Chaplins Film "Lichter der Großstadt" an: Etwas von der Melancholie des Stummfilms ist auch in der Tragikomödie von Aki Kaurismäki zu spüren.
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Koistinen (Janne Hyytiäinen) arbeitet seit drei Jahren als Wachmann in einem Einkaufszentrum im Stadtteil Ruoholahti von Helsinki. Obwohl der wortkarge Eigenbrötler niemandem etwas angetan hat, grenzen seine Kollegen ihn aus. Nur Aila (Maria Heiskanen), die Betreiberin einer Imbissbude, wechselt hin und wieder ein paar Worte mit ihm. Er träumt davon, ein eigenes Sicherheitsunternehmen aufzumachen und besucht einen Kurs für Existenzgründer – bis ein Bankangestellter seinen Kreditantrag höhnisch zurückweist.

Daraufhin verfällt Koistinen seiner Lethargie noch stärker als zuvor. Nur das Leiden eines Hundes veranlasst ihn zum Handeln: Obwohl es sich bei dem Hundebesitzer (Panu Vauhkonen) um einen Hünen handelt und er mit zwei ebenso rauflustigen Kumpanen (Jukka Ropponen, Jukka Uhlgren) zusammensteht, stellt Koistinen ihn zur Rede – und wird prompt zusammengeschlagen.

Eines Abends, als er in einer leeren Kneipe einen Kaffee trinkt, setzt sich eine Blondine zu ihm: Mirja (Maria Järvenhelmi). Koistinen ist verblüfft. Sie geht mit ihm ins Kino; er lädt sie zum Essen ein, und nach ein paar Verabredungen glaubt Koistinen, dass seine Einsamkeit vorbei ist. Er ahnt nicht, dass Mirja die Geliebte des Gangsters Lindström (Ilkka Koivula) ist, der vorhat, ein Juweliergeschäft auszuräumen. Ihre Aufgabe ist es, den Zahlencode auszuspähen, den Koistinen auf seinen Rundgängen benutzt, um die Ladentür zu öffnen. Nachdem ihr das gelungen ist, schüttet sie Koistinen am 16. Mai 2005 ein Schlafpulver in den Kaffee und nimmt ihm den Schlüsselbund ab.

Zwei Kriminalkommissare, die den Einbruch in dem Juweliergeschäft aufklären sollen (Pertti Sveholm, Juhani Niemelä), vernehmen Koistinen. Er sagt aus, er sei eingeschlafen und habe den Schlüsselbund vermutlich verloren. An mehr könne er sich nicht erinnern. Mirja erwähnt er mit keinem Wort. Die Kommissare verdächtigen ihn zwar der Mittäterschaft, können ihm aber nichts nachweisen und müssen ihn freilassen.

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überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.

Kurz darauf besucht Mirja ihn in seiner Wohnung, angeblich, um sich mit ihm zu versöhnen. In einem Spiegel beobachtet Koistinen, wie sie einen Stoffbeutel unter einer Wolldecke versteckt. Nachdem sie gegangen ist, entnimmt er dem Beutel seinen Schlüsselbund und ein paar der geraubten Schmuckstücke. Fatalistisch lässt er alles auf dem Tisch liegen, zieht seine Jacke an und wartet auf die Polizei, die denn auch wenige Minuten später eintrifft und ihn erneut festnimmt.

Nicht einmal vor Gericht verrät Koistinen Mirja. Die Richterin (Anna-Maria Klintrup) verurteilt ihn wegen Beihilfe zum Einbruchdiebstahl zu zwei Jahren Haft und ordnet an, dass nach zwölf Monaten die Reststrafe zur Bewährung ausgesetzt werden kann.

Den Brief, den Aila ihm ins Gefängnis schickt, zerreißt Koistinen ohne auch nur das Kuvert zu öffnen.

Nach seiner Entlassung auf Bewährung quartiert er sich im Obdachlosenasyl ein und findet einen Job als Tellerwäscher. Er träumt inzwischen davon, eine Autowerkstatt zu eröffnen, unternimmt aber nichts, um den Plan zu verwirklichen.

Als Koistinen eines Abends einen Stapel gespülter Teller aus der Küche ins Restaurant bringt, entdeckt er an einem der Tische Mirja und Lindström. Die beiden sehen ihn auch. Der Gangster ruft den Oberkellner und klärt ihn darüber auf, dass der Tellerwäscher vorbestraft ist. Daraufhin wird Koistinen auf der Stelle von der Besitzerin des Restaurants entlassen.

Das ist selbt für Koistinen zu viel: Um sich für die Gemeinheit zu rächen, lauert er auf der Straße, bis Mirja und der Gangster aus dem Restaurant kommen. Mit einem Messer in der Hand stürzt er sich auf Lindström, wird aber von zwei Leibwächtern abgefangen. Kurz darauf werfen sie ihn halb tot aus dem Auto.

Ein afroamerikanischer Junge (Joonas Tapola), der beobachtete, wie Koistinen sich für den malträtierten Hund einsetzte, läuft zu Aila und führt sie zu Koistinen. Als sie nach der Hand des Schwerverletzten greift, umschließt er sie mit seinen Fingern.

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Auch als Koistinen durchschaut, dass Mirja ihn nicht liebt, sondern nur betrügt und missbraucht, unternimmt er nichts dagegen. Statt sie zu verraten, lässt er sich zu einer Gefängnisstrafe verurteilen. Stoisch erträgt er das Unrecht. Psychologische Erklärungen liefert Aki Kaurismäki dazu nicht. Die Dialoge in der melancholischen Tragikomödie „Lichter der Vorstadt“ („Lights in the Dusk“) sind wortkarg; minimalistisch ist die Inszenierung. Wir spüren die Aussichtslosigkeit. Einen winzigen Hoffnungsschimmer lässt Aki Kaurismäki erst ganz am Ende aufglimmen.

Bemerkenswert ist die Szene, in der Koistinen von den drei Hünen zusammengeschlagen wird: Sie existiert nur in unserem Kopf. Wir sehen, wie die drei Männer mit Koistinen hinausgehen. Dann verharrt die Kamera mit einer Aufnahme der Tür von innen, bis die drei Männer ohne Koistinen wieder hereinkommen und sich triumphierend angrinsen.

„Lichter der Vorstadt“ gehört mit „Wolken ziehen vorüber“ (1996) und „Der Mann ohne Vergangenheit“ (2002) zu einer Trilogie von Aki Kaurismäki über Verlierer. In „Wolken ziehen vorüber“ geht es um Arbeitslosigkeit, in „Der Mann ohne Vergangenheit“ um Obdachlosigkeit und in „Lichter der Vorstadt“ um Vereinsamung.

Der deutsche Titel spielt auf den Film „Lichter der Großstadt“ von Charlie Chaplin an. Das passt, denn etwas von der Melancholie in dem Stummfilm ist auch in „Lichter der Vorstadt“ zu spüren.

Ohne sich mit Aki Kaurismäki abzusprechen, reichte das Finnische Film-Institut den Film „Lichter der Vorstadt“ für eine „Oscar“-Nominierung ein. Aki Kaurismäki, der bereits der „Oscar“-Preisverleihung 2003 ferngeblieben war, obwohl man seinen Film „Der Mann ohne Vergangenheit“ nominiert hatte, verwahrte sich dagegen. Damit protestierte er gegen die Außenpolitik der USA.

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Inhaltsangabe und Filmkritik: © Dieter Wunderlich 2008

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