Vertrag mit meinem Killer

Vertrag mit meinem Killer

Vertrag mit meinem Killer

Vertrag mit meinem Killer – Originaltitel: I Hired a Contract Killer – Regie: Aki Kaurismäki – Drehbuch: Aki Kaurismäki, nach dem Roman "Die Leiden eines Chinesen in China" von Jules Verne – Kamera: Timo Salminen – Schnitt: Aki Kaurismäki – Darsteller: Jean-Pierre Léaud, Margi Clarke, Kenneth Colley, Trevor Bowen, Serge Reggiani, Peter Graves, Walter Sparrow u.a. – 1990; 80 Minuten

Inhaltsangabe

Als Henri Boulanger seinen Arbeitsplatz verliert, versucht er sich das Leben zu nehmen, aber es gelingt ihm nicht. Deshalb beauftragt er einen Bandenchef mit seiner Ermordung. Während er auf den Killer wartet, lernt er die Blumenverkäuferin Margaret kennen und sieht wieder einen Sinn in seinem Leben. Er will den Auftrag zurückziehen, findet aber den Bandenchef nicht mehr. Stattdessen gerät er durch Zufall in Verdacht, an einem Raubmord beteiligt gewesen zu sein und muss sich nun vor dem Auftragsmörder und der Polizei gleichermaßen verstecken ...
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Kritik

Aki Kaurismäki verwendet die Grundidee des Plots eines Romans von Jules Vernes für eine aberwitzige, tragikomische Groteske. Stilsicher setzt er in "Vertrag mit meinem Killer" auf eine minimalistische Inszenierung.
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Henri Boulanger (Jean-Pierre Léaud) ist Franzose, lebt jedoch in England und arbeitet seit 15 Jahren bei den Wasserwerken in London. Als das Unternehmen privatisiert und Personal eingespart wird, gehört er zu den Entlassenen. Statt einer Abfindung erhält Henri von seinem Abteilungsleiter (Trevor Bowen), der nicht einmal seinen Namen kennt, eine goldene Uhr.

Daraufhin kauft Henri sich einen festen Strick und einen Mauerhaken, kündigt seine Wohnung und gibt der Vermieterin (Angela Walsh) die noch ausstehende Miete. Aber der Haken hält nicht, als Henri sich zu erhängen versucht. Als er das Gas aufdreht und sich mit dem Kopf im Backrohr hinlegt, beginnt ein Streik der Mitarbeiter der Gaswerke. Das Gas wird abgestellt.

In seiner Verzweiflung versetzt Henri die Uhr, hebt sein Geld ab und lässt sich von einem Taxifahrer (Cyril Epstein) in einen von der Unterwelt beherrschten Stadtteil bringen. Die beiden Ganoven Pete und Al (Nicky Tesco, Charles Cork), die er in einer Kneipe anspricht, bringen ihn zu ihrem Bandenchef (Michael O’Hagan). Der ist bereit, für 1000 Pfund einen Auftragsmord zu übernehmen. Henri gibt ihm ein Foto von sich und einen Zettel mit der Adresse.

Danach wartet er zu Hause auf den Auftragskiller. Als ihm langweilig wird, geht er in den Pub gegenüber, hängt aber an seine Haustüre einen Zettel, auf dem steht, wo er zu finden ist.

Ganz gegen seine Art trinkt er einen Whisky nach dem anderen. Als die Blumenverkäuferin Margaret (Margi Clarke) hereinkommt, lädt er sie an seinen Tisch ein und gibt ihr einen Drink aus. Weil weder sie noch er ein Telefon besitzen, schreibt Margaret ihm ihre Adresse auf, bevor sie geht.

Aufgrund der Bekanntschaft mit Margaret möchte Henri nicht mehr sterben, und er flieht deshalb vor dem Killer, den er vor seiner Haustür entdeckt.

Margaret, bei der er Zuflucht sucht, rät ihm, zu dem Bandenchef zu gehen und den Vertrag zu annullieren. Aber das von der Unterwelt beherrschte Viertel wurde inzwischen abgerissen. Während Henri unterwegs ist, holt Margaret ein paar Kleidungsstücke für ihn aus seiner Wohnung. Dabei wird sie von dem Auftragskiller Harry (Kenneth Colley) beobachtet. Er folgt ihr. Als er sich Zutritt zu ihrem Apartment verschafft, ist Henri fort, um Zigaretten zu besorgen. Harry wartet auf Henri, aber als er ihn erschießen will, schlägt Margaret ihn von hinten mit einer Blumenvase nieder.

Das Paar lässt den Bewusstlosen in Margarets Wohnung liegen und nimmt sich ein Hotelzimmer.

Harry hat zwar den Schlag auf den Kopf ohne größere Verletzungen überstanden, erfährt jedoch von seinem Arzt, dass er wegen seines Lungenkarzinoms höchstens noch einen Monat leben wird.

In einer Kneipe entdeckt Henri zufällig Pete und Al. In der Hoffnung, durch sie den Bandenchef wiederzufinden und den Auftrag zurückziehen zu können, folgt er ihnen – auch als sie ein Juweliergeschäft betreten. Es handelt sich um einen Überfall. Ein Schuss löst sich ungewollt und streckt den Juwelier (Peter Graves) nieder. Daraufhin drücken die beiden Ganoven Henri die abgefeuerte Pistole in die Hand und flüchten. Zeugen sehen Henri durchs Fenster, und er wird auch von der Überwachungskamera aufgenommen. Nun muss er sich nicht nur vor dem Auftragskiller, sondern auch vor der Polizei verstecken.


Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.


Bald darauf begegnet Margaret zufällig dem Killer. Doch als Harry ins Hotel kommt, sind Henri und Margaret nicht mehr da.

Henri arbeitet inzwischen in der Küche eines Schnellimbisses am Friedhof. Margaret verabredet sich mit ihm am Bahnhof: Sie wollen zusammen London verlassen und sich ins Ausland absetzen. „Die Arbeiterklasse hat kein Vaterland“, meint Margaret. Nachdem sie die Fahrkarten gekauft hat, liest sie in der Zeitung, dass die beiden Raubmörder, die den Juwelier überfallen hatten, gefasst wurden. Aufgrund der Aussagen wird Henri nicht länger verdächtigt, an dem Verbrechen beteiligt gewesen zu sein. Er braucht also nicht mehr zu fliehen!

Während Margaret mit einem Taxi zu dem Schnellimbiss eilt, um Henri die freudige Nachricht zu überbringen, spürt der Killer ihn dort auf. Aber statt Henri zu erschießen, richtet der Todkranke die Pistole gegen sich und verübt Selbstmord. Kurz darauf wird Henri beinahe von dem Taxi überfahren, in dem Margaret sitzt.

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Der Film basiert auf dem 1879 von Jules Verne veröffentlichten Roman „Les Tribulations d’un Chinois en Chine“ (deutsche Titel: „Die Leiden eines Chinesen in China“, „Die Drangsale eines Chinesen in China“, „Die seltsamen Leiden des Herrn Kin-Fo“). Das Buch handelt von einem jungen Chinesen, den das Leben anödet. Als er durch den befreundeten Philosophen und früheren Rebellen Wang die Witwe Lé-U kennenlernt, sieht er endlich einen Sinn in seinem Leben. Aber da erfährt Kin-Fo, dass sein Vermögen durch den Bankrott einer Bank verloren ist. Daraufhin schließt er zugunsten von Wang und Lé-U eine Lebensversicherung ab und fordert seinen Freund auf, ihn zu töten. Es stellt sich allerdings heraus, dass die Bank gar nicht pleite und Kin-Fo also auch nicht finanziell ruiniert ist. Er will den Mordauftrag zurückziehen, kann Wang jedoch nicht finden. Die geplante Hochzeit von Kin-Fo und Lé-U muss erneut abgesagt werden, als die Mutter des Kaisers stirbt und Staatstrauer verordnet wird. Kin-Fo erhält die Nachricht, dass Wang den Mordauftrag an den früheren Anführer einer Rebellengruppe weitergegeben hat. Schließlich wird er zum Tod verurteilt, weil er das Leben verachtete. Kin-Fo fügt sich seinem Schicksal. Erst jetzt erfährt er, dass alles von Wang inszeniert war, um ihn auf den rechten Weg zurückzuführen.

Das Motiv des Lebensmüden, der einen Killer mit seiner eigenen Ermordung beauftragt, wurde in mehr als einem Dutzend Filmen aufgegriffen, so zum Beispiel in „Flirting with Fate“ (1916, Regie: Christy Cabanne, Hauptdarsteller: Douglas Fairbanks), „Der Mann, der seinen Mörder sucht“ (1931, Regie: Robert Siodmak, Hauptdarsteller: Heinz Rühmann), „Man lebt nur einmal“ (1952, Regie: Ernst Neubach, Hauptdarsteller: Theo Lingen), „Balduin, der Selbstmörder“ (1957, Regie: Maurice Régamey, Hauptdarsteller: Louis de Funès), „Die tollen Abenteuer des Monsieur L.“ (1965, Regie: Philippe de Broca, Hauptdarsteller: Jean-Paul Belmondo).

Aki Kaurismäki verfilmte die Grundidee des Plots unter dem Titel „I Hired a Contract Killer“ / „Vertrag mit meinem Killer“. Das Ergebnis ist eine aberwitzige Groteske über Unglücksraben bzw. Verlierertypen. Im Mittelpunkt steht eine kafkaeske Figur, die in ihrer lakonischen Tragikomik auch an Buster Keaton erinnert. Henri Boulanger bewegt sich in einer Welt, in der es wenig Schönes gibt. Stilsicher setzt Aki Kaurismäki in „Vertrag mit meinem Killer“ auf eine minimalistische Inszenierung, in der er die Bilder durch rote und blaue Farbtöne akzentuiert.

In einem Gastauftritt in „Vertrag mit meinem Killer“ ist Joe Strummer (bürgerlich: John Graham Mellor, 1952 – 2002) zu sehen, der Mitbegründer, Sänger und Gitarrist der britischen Punkrock-Gruppe „The Clash“.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2014

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