Katharina von Medici


Katharina de‘ Medici (Katharina von Medici) wurde am 13. April 1519 als Tochter des Regierungschefs der Republik Florenz geboren. Als ihre Mutter im Kindbett und ihr Vater vier Tage später starben, kam sie zunächst in die Obhut ihres Großonkels, des Papstes Leo X. (1475 / 1513 – 1521). Später kümmerte sich ein weiterer Onkel um sie: Papst Klemens VII. (1478 / 1523 – 1534). Dieser verheiratete das dreizehnjährige Mädchen am 28. Oktober 1533 mit Heinrich, dem einige Monate älteren Sohn des französischen Königs Franz I. (1494 / 1515 – 1547).

Kurz nach der Eheschließung starb Heinrichs älterer Bruder und er rückte zum Dauphin auf. Nach dem Tod seines Vaters Franz I. folgte ihm Heinrich II. 1547 auf den Thron. Katharina von Medici gebar in rascher Folge zehn Kinder, von denen drei sehr früh starben.

Als Heinrich II. am 30. Juni 1559 bei einem Turnier in Paris schwer verwundet wurde und elf Tage später seinen Verletzungen erlag, bestieg der älteste, seit einem Jahr mit Maria Stuart verheiratete Sohn Franz II. (1544 / 1559 – 1560) den französischen Thron. Der Fünfzehnjährige war zwar bereits volljährig, aber seine offenkundige körperliche und geistige Schwäche ließen es sinnvoll erscheinen, dass sich seine kluge, gebildete und ehrgeizige Mutter um die Regierungsgeschäfte kümmerte. Am 5. Dezember 1560 starb der Sechzehnjährige an Tuberkulose.

Nachfolger wurde sein sechs Jahre jüngerer Bruder Karl IX. (1550 / 1560 – 1574). Katharina von Medici, die für ihn die Regentschaft übernahm, schickte Maria Stuart, die Witwe des verstorbenen Königs, im Juli 1561 zurück nach Schottland und erreichte, dass Karl bereits mit dreizehn, am 17. August 1563, für großjährig erklärt wurde. Nun war sie zwar nicht mehr offiziell Regentin, musste aber auch nicht mehr befürchten, dass jemand ihrem Sohn das Thronerbe streitig machte. Faktisch leitete sie auch weiterhin die Regierung, zumal Karl IX. faul war und kaum Interesse an Staatsgeschäften zeigte. Aufgrund einer Nervenkrankheit hatte er an Wahnsinn grenzende Anfälle. Katharina von Medici verhehlte nicht, dass sie dem König ihren jüngeren Sohn Heinrich vorzog. Von Ende 1564 bis Anfang 1566 bereiste sie mit ihren Söhnen und einem 15 000 Menschen umfassenden Hofstaat das Land, um es kennen zu lernen und zugleich dem Volk die königliche Macht zu demonstrieren. Bei den zahlreichen Empfängen stand Katharina von Medici stets bescheiden und in schwarzen Kleidern ohne Putz hinter ihrem Sohn. Kaum jemand ahnte, welche Energie und Heftigkeit diese sich zurückhaltend gebende Frau bewegten, wie hart und diszipliniert sie arbeitete, um die Fäden in der Hand zu behalten.

Einmal allerdings verlor sie die Beherrschung. Als sie erfuhr, dass ihre Tochter Margarete („Margot“) heimlich eine Romanze mit Heinrich von Guise begonnen hatte, stürzte sie sich auf das Mädchen, zerfetzte ihr die Kleider, riss sie an den Haaren und verprügelte sie. Sie zwang die neunzehnjährige Katholikin, am 18. August 1572 den Hugenotten Heinrich von Navarra zu heiraten, weil sie sich davon einen Ausgleich in der Auseinandersetzung zwischen den Konfessionen erhoffte. Aus dem gleichen Grund holte sie Admiral Gaspard Coligny (1519 – 1572), einen sittenstrengen und hochangesehenen Führer der Hugenotten, in den Kronrat.

Coligny gewann den König für eine protestantenfreundliche Außenpolitik und träumte bereits von einem Bündnis mit England. Auch eine Invasion Flanderns erwog er, und zwar unter dem Vorwand, den unterdrückten reformierten Untertanen des spanischen Königs beistehen zu müssen. Als Katharina von Medici merkte, dass Coligny durch seinen Einfluss auf Karl IX. ihre eigene Machtstellung gefährdete, beschloss sie, ihn töten zu lassen.

Doch bei dem Anschlag am 23. August 1572 wurde er nur am Arm verletzt. Weil Katharina daraufhin einen Aufruhr befürchtete, trat sie die Flucht nach vorne an und überredete den König, die anlässlich der Hochzeit Margaretes mit Heinrich von Navarra nach Paris gereisten Hugenottenführer umzubringen. Zur Rechtfertigung des Blutbads (Bartholomäusnacht, 23./24. August 1572) behauptete sie, die Hugenotten hätten einen Aufstand geplant. Nur wenige von ihnen überlebten das tagelange Morden, darunter Katharinas Schwiegersohn Heinrich von Navarra, der jedoch seinem Glauben abschwören musste und das Schloss zunächst nicht mehr verlassen durfte. Margarete hasste Heinrich von Navarra und fühlte sich zweifach von ihrer Mutter verraten, der sie unterstellte, die Hochzeit nur arrangiert zu haben, um die Hugenotten nach Paris in die Falle locken zu können.

Mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln versuchte Katharina von Medici, ihrem Sohn Heinrich (1551 – 1589) zur polnischen Krone zu verhelfen. Tatsächlich wurde er am 10. Mai 1573 zum König von Polen gewählt. Kurz darauf begann der an Tuberkulose erkrankte König Blut zu spucken. Subkutane Blutungen röteten seinen Schweiß. Nach seinem Tod am 30. Mai 1574 rief Katharina von Medici dessen ein Jahr jüngeren Bruder aus Polen zurück. In der Nacht auf den 18. Juni schlich Heinrich sich über Geheimtreppen aus dem Schloss in Warschau. Über Wien, Venedig und Savoyen reiste er nach Frankreich, wobei er sich in Venedig wochenlang auf Bällen vergnügte. Erst am 5. September konnte ihn seine Mutter, die ihm entgegengereist war, in Bourgoin bei Lyon begrüßen. Obwohl Heinrich III. beim Regierungsantritt bereits dreiundzwanzig Jahre alt war, behielt seine Mutter das Heft in der Hand.

Während einer Jagd gelang Heinrich von Navarra 1576 die Flucht. Dem Hugenottenführer stellten sich vor allem die Katholiken unter Heinrich von Guise entgegen. Wegen der kriegerischen Auseinandersetzungen (1585 – 1589) floh der König nach Chartres. Seine Mutter blieb in Paris. Die Schwächung Spaniens durch den Untergang der spanischen Armada im Jahr 1588 wirkte sich auch auf die katholische Partei in Frankreich aus. Um die Niederlage abzuwenden, beschloss der König kurz vor Weihnachten 1588, Heinrich von Guise töten zu lassen. Er lockte ihn am 23. Dezember unter einem Vorwand ins Schloss und ließ ihn dort hinterrücks erdolchen.

Katharina von Medici reagierte entsetzt auf die in ihren Augen törichte Mordtat ihres Sohnes. Sie starb kurz darauf, am 5. Januar 1589. Gefühllos stand Heinrich III. an ihrem Totenbett. Wegen der Unruhen in Paris wurde der Leichnam vorläufig in Blois beigesetzt.

Der König überlebte seine Mutter nur um acht Monate: Am 2. August 1589 wurde der Achtunddreißigjährige von einem Dominikanermönch ermordet. Dadurch erlosch das Haus Valois im Mannesstamm.

© Dieter Wunderlich 2005

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