Joseph McCarthy


Joseph Raymond McCarthy wurde am 14. November 1908 in Grand Chute, Wisconsin, als fünftes von neun Kindern einer streng katholischen Farmerfamilie geboren. 1922 brach er die Schule ab, aber sechs Jahre später holte er den High-School-Abschluss nach, und nach seinem Jura-Studium war er ab 1935 als Anwalt tätig. 1942 legte Joseph McCarthy das Amt des Bezirksrichters von Wisconsin nieder, das er seit 1939 bekleidet hatte, und meldete sich zum Kriegseinsatz.

Nach dem Zweiten Weltkrieg machte er seinem republikanischen Parteifreund Robert M. La Follette jr. (1895 – 1953) den Sitz für Wisconsin im US-Senat streitig und wurde 1946 gewählt. (1952 ließ er sich wiederwählen.)

Am 9. Februar 1950 behauptete Joseph R. McCarthy in einer Rede vor dem Republican Women’s Club in Wheeling, West Virginia, er verfüge über eine Liste mit den Namen von über zweihundert Mitgliedern der kommunistischen Partei,

die im Außenministerium beschäftigt seien. Außenminister Dean G. Acheson (1893 – 1971) wisse zwar darüber Bescheid, unternehme jedoch nichts dagegen. Diese Lüge schlug wie eine Bombe ein – und Senator McCarthy wurde über Nacht bekannt. Als ihn die Medien aufforderten, seine Behauptungen zu beweisen, erklärte er sich bereit, dem Senat detailliertes Informationsmaterial zur Verfügung zu stellen. Der Senats-Ausschuss für auswärtige Angelegenheiten rief daraufhin das „Subcommittee on the Investigation of Loyalty of State Department Employees“ ins Leben und betraute Senator Millard Tydings mit der Leitung („Tydings-Ausschuss“). Am 17. Juli 1950 veröffentlichte der Ausschuss das Ergebnis seiner monatelangen Untersuchungen: Bei den von Joseph McCarthy am Ende doch noch genannten Mitarbeitern des Außenministeriums handelte es sich nicht einmal um Sympathisanten des Kommunismus, geschweige denn um Mitglieder der KP oder KGB-Agenten.

Unbeirrt setzte Senator Joseph McCarthy seine Hexenjagd auf Kommunisten fort und beschuldigte im Juni 1951 George C. Marshall (1880 – 1959), der von 1947 bis 1949 Außenminister gewesen war und den Marshall-Plan durchgesetzt hatte, mit Kommunisten zu kooperieren („conspiracy of infamy“).

Zu dieser Zeit neigten Amerikaner dazu, die Sowjetunion zu verteufeln; es war die Zeit des Kalten Krieges. Viele US-Bürger beobachteten mit Sorge, dass die UdSSR ebenfalls Atomwaffen entwickelte. Nur so ist die hysterische Furcht vor dem Kommunismus zu verstehen. Joseph McCarthy galt bald als Wächter gegen die Unterwanderung durch die „fünfte Kolonne“ Moskaus und Bewahrer amerikanischer Werte.

1952 kamen Gerüchte über homosexuelle Neigungen des Senators McCarthy auf, und als er seine Sekretärin Jeannie Kerr heiratete, spekulierten seine politischen Gegner, er versuche damit, die Gerüchte entkräften. (Das Ehepaar bekam keine eigenen Kinder, adoptierte jedoch ein Waisenmädchen.)

Nach dem Amtsantritt des republikanischen Präsidenten Dwight D. Eisenhower im Frühjahr 1953 gelang es Senator Joseph McCarthy, den Vorsitz des „Permanent Subcommittee on Investigations“ zu bekommen und dieses Gremium des Senats in Washington nach dem Vorbild des „House on Un-American Activities Committee“ (HUAC, Ausschuss für unamerikanische Umtriebe) des Repräsentantenhauses zum zentralen Instrument bei der Verfolgung politisch Verdächtiger zu machen.

In seiner kurzen Amtszeit von 1953/54 mussten 653 Personen vor dem Ausschuss aussagen. Dabei fungierte Joseph McCarthy als Richter und Ankläger in einer Person. (Die Protokolle sind der Öffentlichkeit seit 2003 zugängig.)

Bei einem der Verhöre geriet Joseph McCarthy im Herbst 1953 mit einem General aneinander, der als Zeuge vernommen wurde. Das und die Behauptung, auch die Armee sei von Kommunisten unterwandert, brachte das Militär gegen den fanatischen Senator auf. Bei einem im Fernsehen übertragenen Disput mit dem für die Armee tätigen Rechtsanwalt Joseph Welch behauptete McCarthy, dessen Kanzlei in Boston beschäftige mit Fred Fisher ein Mitglied einer der Kommunistischen Partei nahe stehenden Juristenorganisation. Empört fragte ihn Joseph Welch daraufhin: „Have you no sense of decency, Sir, at long last? Have you left no sense of decency?“ Kommentatoren in den Medien griffen den Vorwurf auf.

Der kritische Bericht des Moderators Edward R. Murrow in der wöchentlichen Fernsehsendung „See It Now“ am 20. Oktober 1953 über den offenbar zu Unrecht als Sicherheitsrisiko eingestuften und entlassenen Air-Force-Piloten Milo Radulovich schlug ebenfalls Wellen. Als Nächstes berichtete Ed Murray über den Fall der afroamerikanischen Angestellten Annie Lee Moss, die sich in einer von Joseph McCarthy geleiteten Ausschusssitzung wegen des Vorwurfs verantworten musste, sie habe sich als kommunistische Spionin ins Pentagon einschleusen lassen. In der „See-It-Now“-Sendung vom 9. März 1954 setzte sich Ed Murray kritisch mit dem Senator auseinander und spielte Originalaufnahmen ein, um die zweifelhaften Methoden des Kommunistenjägers aufzuzeigen. Joseph McCarthy erhielt in der Sendung vom 6. April 1954 Gelegenheit, sich zu der Kritik in „See It Now“ zu äußern. Dabei versuchte er, Edward R. Murray zu diskreditieren, indem er behauptete, der Journalist habe zumindest früher den Kommunisten nahegestanden. Mit der unzutreffenden Darstellung konnte er seinen Kritiker jedoch nicht mundtot machen.

Die schlechte Presse ließ auch Regierungsvertreter aufhorchen, die bis dahin hinter Senator McCarthy gestanden hatten, obwohl dieser inzwischen selbst den Patriotismus des Präsidenten Eisenhower in Zweifel zog.

Der republikanische Senator Ralph E. Flanders (1880 – 1970) stellte im Juli 1954 den Antrag im Senat, Joseph McCarthy zu rügen. Daraufhin wurde Senator Arthur V. Watkins (1886 – 1973) an die Spitze eines Ausschusses gewählt, der die Vorwürfe gegen McCarthy untersuchen sollte. Dass dieser das Komitee beschuldigte, ungewollt den Kommunisten in die Hände zu arbeiten, war nicht besonders klug. Am 2. Dezember 1954 empfahl der Ausschuss, Senator Joseph McCarthy zu rügen.

McCarthy blieb zwar bis zu seinem Tod Senator von Wisconsin, aber den Vorsitz des „Permanent Subcommittee on Investigations“ musste er dem Demokraten John L. McClellan (1896 – 1977) überlassen.

Joseph Raymond McCarthy wurde am 28. April 1967 ins Naval Medical Center in Bethesda, Maryland, eingeliefert. Dort starb er am 2. Mai an einer Leberzirrhose.

Senator McCarthy wurde zu einer Symbolfigur für die Kommunistenjagd in den USA nach dem Zweiten Weltkrieg. Der Begriff „McCarthyismus“ war bereits am 29. März 1950 in einer Karikatur der „Washington Post“ aufgetaucht; später bürgerte sich für die zweite Hälfte der Vierziger- und die erste Hälfte der Fünftigerjahre die Bezeichnung „McCarthy-Ära“ ein.

George Clooney drehte darüber den Film „Good Night, and Good Luck“.

© Dieter Wunderlich 2009

Edward R. Murrow (Kurzbiografie)

George Clooney: Good Night, and Good Luck

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