Komm näher

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Komm näher

Originaltitel: Komm näher – Regie: Vanessa Jopp – Drehbuch: Adrienne Bortoli – Kamera: Rainer Klausmann – Schnitt: Brigitta Tauchner – Musik: Loy Wesselburg – Darsteller: Meret Becker, Stefanie Stappenbeck, Heidrun Bartholomäus, Marek Harloff, Fritz Roth, Marie Luise Schramm, Hinnerk Schönemann, Jana Pallaske, Bruno Schubert, Hans-Jürgen Pabst, Carmen Maja Antoni u.a. – 2006; 95 Minuten

Inhaltsangabe

Aufgrund ihrer Erfahrungen nimmt die Küchenhilfe Mathilda an, dass Männer nur an schnellem Sex interessiert seien. Damit stößt sie einen schüchternen Polizisten vor den Kopf, der sich für sie interessiert. – Die ehrgeizige Architektin Ali drängt ihren Ehemann in die Rolle des Hausmanns, bis er es nicht mehr aushält. – Die Putzfrau Johanna leidet unter ihrer Einsamkeit und erträgt es kaum, aus dem Zimmer ihrer Tochter Bettgestöhn zu hören. Sie ahnt nicht, dass Mandy ebenso allein ist.
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Kritik

Drei lose verknüpfte Geschichten, in denen es um Einsamkeit, Freundschaft und Liebe geht, werden von Vanessa Jopp in dem Großstadtfilm "Komm näher" nüchtern, realitätsnah und unprätentiös erzählt.
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Inhalt:

Als die Küchenhilfe Mathilda (Meret Becker) Lust auf Sex hat, bringt sie ihren Kollegen dazu, es mit ihr in einem Vorratsraum im Stehen zu machen. Rasch kommt er zum Orgasmus. Mathilda fordert ihn auf, sie auch noch zum Höhepunkt zu bringen, aber er mag nicht mehr. Und in der Küche wartet der Chef auf die beiden und wirft Mathilda hinaus.

Einige Zeit später wird sie von der Besitzerin einer Imbissbude (Carmen Maja Antoni) angestellt, in der die meisten Würste verbraten, weil kaum Kunden kommen.

Weil Mathilda in ihrer Wohnung zu laut Musik hört, rufen die Nachbarn die Polizei. Einer der beiden Beamten – Bronski (Hinnerk Schönemann) – erleidet in ihrer Diele einen Schwächeanfall und bricht zusammen. Ein paar Tage später klingelt er noch einmal bei ihr, um sich zu entschuldigen, aber Mathilda fertigt ihn barsch ab. Später bereut sie es und dreht die Stereoanlage auf, damit die Nachbarn wieder die Polizei rufen, und hofft, den netten Streifenpolizisten auf diese Weise wiederzusehen. Es funktioniert, und sie lächelt ihn an. Bronski versteht und kommt nach Dienstschluss zurück. Aufgrund ihrer Erfahrungen mit Männern nimmt Mathilda an, er wolle nichts anderes, als eine schnelle Nummer mit ihr. Damit stößt sie den schüchternen Polizisten vor den Kopf, und sie trennen sich im Streit.

Ali Berger (Stefanie Stappenbeck) ist das genaue Gegenteil ihrer Schwester Mathilda: Sie hat einen lieben Ehemann und einen kleinen Sohn – die Namen lauten David (Marek Harloff) und John (Bruno Schubert) – und strebt als ehrgeizige Architektin nach oben. Als ihr ein Großprojekt anvertraut wird, hat sie für nichts anderes mehr Zeit und klappt den Laptop sogar auf, während sie nach einem langen Arbeitstag einen Teller Salat isst. Ihren Mann, der als freiberuflicher Fotograf tätig ist, drängt sie in die Rolle des Hausmanns, aber er kann ihr nichts recht machen, und so wie sie es im Geschäftsalltag gewohnt ist, delegiert sie mit knappen Anordnungen die Pflichten gegenüber John an ihn.

Schließlich hält David es nicht mehr aus, von seiner Frau nur noch als Haushaltshilfe beachtet zu werden. Unbemerkt verlässt er die Wohnung, und nach einer mit dem einsamen Taxifahrer Andreas (Fritz Roth) durchzechten Nacht findet er bei der in ihn verliebten Familienfreundin Hanna (Jana Pallaske) Zuflucht.

Johanna (Heidrun Bartolomäus) arbeitet als Putzfrau, um den Lebensunterhalt für sich und ihre sechzehnjährige Tochter Mandy (Marie Luise Schramm) zu bestreiten. Die schon etwas ältere Frau leidet unter ihrer Einsamkeit und erträgt es kaum, wenn sie aus dem Zimmer ihrer Tochter nicht nur laute Musik, sondern auch Bettgestöhn hört. Sie ahnt nicht, dass Mandy ihr das rege Liebesleben nur vorspielt und die Kondome, die sie im Mülleimer findet, mit Joghurt gefüllt sind. Mandy lässt sich von ihrer Mutter nichts mehr vorschreiben und verwahrt sich auch dagegen, dass diese ihr Zimmer aufräumt oder auch nur betritt.

In ihrer Verzweiflung gibt Johanna eine Kontaktanzeige auf und lernt auf diese Weise den dreiundvierzigjährigen Taxifahrer Andreas kennen. Sie gehen mehrmals zusammen aus. Als er sie küssen will, wehrt Johanna ihn erschrocken ab, und sie entschuldigen sich beide für ihr Verhalten.

Wenn Andreas bei Johanna anruft und Mandy abhebt, sagt er nichts weiter, weil Johanna nicht möchte, dass ihre Tochter von der neuen Bekanntschaft erfährt. Mandy wird jedoch neugierig, fragt ihn schließlich nach seinem Namen, erklärt ihm, sie finde seine Stimme sympathisch und fängt ein Gespräch mit ihm an. Obwohl Andreas weiß, wer Mandy ist, lässt er sich darauf ein, häufiger mit ihr zu telefonieren.

Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.

Alis Entwurf wird von Hoffmann (Hans-Jürgen Pabst), dem Auftraggeber, verworfen. Und von Hanna erfährt sie, wo David ist. Als Mathilda kurz darauf vorbeikommt, wirft Ali sich schluchzend in die Arme ihrer sonst immer unterlegenen Schwester.

Obwohl sie Hoffmanns Vorstellungen unschön findet, gibt sie nicht auf, sondern arbeitet einen neuen Entwurf aus, trifft sich mit ihm in einem Restaurant und geht mit ihm in ein Hotel. Sie lässt sich ausziehen, doch dann besinnt sie sich und rennt schluchzend nach Hause. Dort wird sie von David, der kurz zuvor zurückgekehrt ist, getröstet.

Am anderen Morgen eröffnet Ali ihrem Mann, sie werde sich von ihm trennen.

Als Johanna Andreas erstmals in ihre Wohnung einlädt und ihrer Tochter vorstellt, erkennt Mandy ihn rasch an der Stimme. Wütend wirft sie ihrer Mutter vor, ihr den Freund weggenommen zu haben. Johanna, die daraufhin annimmt, Andreas habe ein Verhältnis mit ihrer Tochter gehabt, wirft ihn hinaus.

Weil sie danach beide verzweifelt sind, schlafen Johanna und Mandy in einem Bett. Durch die leidvolle Erfahrung kommen Mutter und Tochter sich wieder näher.

Mathilda erkundigt sich schließlich auf der Polizeiwache nach dem Polizeibeamten, dessen Namen sie nicht weiß, und weil man ihr keine Auskunft gibt, wartet sie an der Einfahrt so lange, bis er auftaucht. Sobald sie ihn sieht, läuft sie jedoch fort. Erst beim zweiten Anlauf verabreden sie sich für den Abend.

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„Komm näher“ ist ein im winterlichen Berlin spielender Großstadt-Episodenfilm. Drei lose verknüpfte Geschichten, in denen es um die Unerträglichkeit der Einsamkeit, den Wert der Freundschaft und die Sehnsucht nach Liebe geht, werden von Vanessa Jopp parallel entwickelt.

Ursprünglich sollte es nur um Einsamkeit und Sex gehen, erzählt Vanessa Jopp, aber dann hätten sich die Figuren selbständig gemacht, erst in einem zweiten Arbeitsschritt entstand das Drehbuch, am Set wurden die meisten Szenen von den Schauspielern improvisiert. (Andreas Kilb, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16. Februar 2006)

Obwohl bei den Dreharbeiten, die im Februar 2005 in Berlin stattfanden, improvisiert wurde, hat man als Zuschauer den Eindruck einer sorgfältig überlegten Inszenierung. Da gibt es Metaphern (Johanna und Andreas knien vor den Bruchstücken eines selbst gebackenen Kuchens wie vor den Scherben ihres Lebens), Übereinstimmungen (Mathilda und Mandy drehen die Musik gern laut), Gegensätze (die Rebellin Mathilda und ihre karrieregeile Schwester Ali), Umbrüche (Ali weint sich an der Schulter ihrer sonst unterlegenen Schwester aus) und vieles mehr.

„Komm näher“ ist […] kein Dogma-Film, seine Struktur und sein Rhythmus verraten ein hohes Formbewußtsein, und in dieser Spannung zwischen Disziplin und Freiheit liegt seine besondere Qualität. Er kommt uns nah, aber er drängt sich nicht auf. (Andreas Kilb a. a. O.)

Vanessa Jopp erzählt knapp, nüchtern und stringent. Die Bilder wirken unprätentiös und gerade deshalb realitätsnah.

Wie man die Realität sieht, ist natürlich immer subjektiv. Ich teile den Anspruch nicht, dass ein Film sein muss wie das Leben, damit er gut ist. Ich wollte vermitteln, dass das Leben einerseits sehr hart ist, aber dass es immer wieder die Möglichkeit gibt, es aufzubrechen; es immer wieder Momente gibt, wo man lachen kann, auch wenn alles ganz schrecklich ist. Dass es auch immer wieder jemanden gibt, der doch für einen da ist und sagt: ich geb dir eine Hand und zieh dich hoch. Der Film ist schon so, wie ich das Leben empfinde.
(Vanessa Jopp im Interview mit Carsten Heidböhmer, Stern, 16. März 2006)

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2008

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