Robert Harris : Imperium

Imperium

Robert Harris

Imperium

Originalausgabe: Imperium Hutchinson, London 2006 Imperium Übersetzung: Wolfgang Müller Wilhelm Heyne Verlag, München 2006 ISBN: 978-3-453-26538-7, 475 Seiten, 19.95 € (D) Heyne-Taschenbuch, München 2008 ISBN: 978-3-453-47083-5, 475 Seiten, 8.95 € (D)

Inhaltsangabe

In "Imperium" geht es um den Aufstieg des römischen Politikers Marcus Tullius Cicero während des Niedergangs der Römischen Republik: Im ersten Teil macht Cicero sich als Ankläger gegen Gaius Verres einen Namen. Hauptthema des zweiten Teils ist Ciceros Streben nach dem Konsulat. Robert Harris beschreibt Politik als komplexes Geschehen, das von Eitelkeit, Rache und Machtgier, Finten, Intrigen und Korruption, Opportunismus, Öffentlichkeitsarbeit und Theatralik getrieben wird.
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Kritik

In "Imperium", einer Mischung aus Politthriller und historischem Roman, lässt Robert Harris Ciceros Privatsekretär Tiro erzählen. Während die meisten Figuren nur als Intriganten dargestellt sind, wirkt das Porträt von Cicero lebendig und vielschichtig.
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Marcus Tullius Cicero (Kurzbiografie)

Mein Name ist Tiro. Ich war sechsunddreißig Jahre lang Privatsekretär des römischen Staatsmannes Cicero – eine anfangs aufregende, dann überraschende, später mühsame und schließlich äußerst gefährliche Aufgabe. Ich glaube, dass Cicero während dieser Jahre mehr Zeit mit mir verbrachte als mit jedem anderen Menschen, seine Familie eingeschlossen. Ich war Zeuge privater Zusammenkünfte und Überbringer geheimer Botschaften. Ich brachte seine Reden zu Papier, schrieb seine Briefe und seine literarischen Arbeiten, sogar seine Gedichte. Um dem Strom seiner Worte Herr zu werden, musste ich eine allgemein als Kurzschrift bekannte Technik ersinnen, mit der noch immer die Beratungen des Senats protokolliert werden und für deren Erfindung mir kürzlich eine bescheidene Pension bewilligt wurde. Dieser Summe, einigen Erbschaften und mir wohlgesinnten Freunden verdanke ich meinen auskömmlichen Ruhestand. Ich brauche nicht viel. Die Alten leben von Luft, und ich bin sehr alt – fast hundert, heißt es. (Seite 11)

Im Alter von vierundzwanzig Jahren kommt Tiro als Haussklave in den Dienst des jungen, leicht stotternden Juristen Marcus Tullius Cicero, der in Arpinum aufwuchs und eine politische Karriere in Rom anstrebt. Um sich darauf vorzubereiten, reist Cicero mit Tiro nach Griechenland, und nachdem er ein halbes Jahr lang bei Antiochos aus Askalon an der Akademie in Athen Philosophie studierte, lässt er sich von Menippos aus Stratonikeia, Dionysios aus Magnesia, Aischylos aus Knidos und Xenokles aus Adramyttion in Rhetorik unterweisen. Den letzten Schliff als Redner erhält er von Apollonius Molon auf Rhodos.

Nach einem Jahr als Quästor in der römischen Provinz Sizilien zieht Cicero endgültig nach Rom, und zwar in ein Haus seines weiterhin in Arpinum lebenden Vaters. Zu den Bewohnern zählen außer Cicero, seiner Ehefrau Terentia und ihrer Tochter Tullia der blinde Philosoph Diodotos und rund ein Dutzend Sklaven: Tiro und seine beiden Schreiber Sositheus und Laurea, der Hausverwalter Eros, Terentias Privatsekretär Philotimus, zwei Haus- und ein Kindermädchen, ein Koch, ein Diener und ein Türwächter.

Eines Morgens sucht Sthenius aus Thermae den inzwischen in den Senat gewählten Politiker auf. Er bittet ihn um seinen Beistand, denn Gaius Verres, der römische Statthalter von Sizilien, raubte ihm nicht nur seine in dreißig Jahren zusammengetragene Kunstsammlung, sondern ließ ihn auch noch wegen Aufsässigkeit zu Peitschenhieben verurteilen. Darüber hinaus klagte er Sthenius wegen Spionage an. Im Fall eines Schuldspruchs in diesem zweiten Verfahren droht Sthenius die Todesstrafe.

Cicero bringt den Fall im Senat zur Sprache und verlässt sich auf die Zusage des Senators Gaius Verres, er werde seinen gleichnamigen Sohn dazu überreden, die Anklage gegen Sthenius fallen zu lassen.

Die Gerichtsverhandlung in Syrakus findet dennoch statt und endet mit einem Todesurteil gegen Sthenius. Daraufhin versteckt Cicero den Bedrängten und wendet sich ans Volkstribunat. Der Diktator Sulla sorgte zwar vor zehn Jahren dafür, dass die Volkstribune ihre Gesetzesinitiativen im Voraus mit dem Senat abzustimmen haben und im Anschluss an das Amt keine weitere Magistratur bekleiden dürfen, aber sie besitzen noch immer die Befugnis, sich um Opfer ungerechter Entscheidungen von Amtspersonen zu kümmern. Als Gegenleistung für den Schutz Sthenius‘ verlangt der Volkstribun Lollius Palicanus von Cicero, dass er Gnaeus Pompeius Magnus unterstützt. Der siegreiche Feldherr will in Kürze aus Spanien zurückkehren und zum Konsul gewählt werden, obwohl er erst in neun Jahren das vorgeschriebene Alter erreichen würde. Entsprechend seiner Zusage argumentiert Cicero im Senat, man solle Pompeius erlauben, an der Spitze seiner Truppen nach Rom zu kommen, damit er unverzüglich die von Spartacus im Norden der Republik mobilisierten Sklaven niederschlagen könne. In Wirklichkeit geht es Pompeius darum, durch die Anwesenheit seiner Armee seine Wahl zum Konsul zu erzwingen.

Pompeius‘ Konkurrent Marcus Licinius Crassus Dives, der aus eigenen Mitteln sechs Legionen gegen Spartacus aufstellte, will den Ruhm für die Niederschlagung des Sklavenaufstandes nicht mit anderen teilen. Deshalb wartet er nicht auf das Eintreffen der Feldherren M. Terentius Lucullus und Gnaeus Pompeius, sondern setzt bei Paestum alles auf eine Karte. Spartacus fällt in der Schlacht. Und Crassus lässt sechstausend Gefangene entlang der Via Appia zwischen Rom und Capua kreuzigen.

Als Crassus wieder in Rom ist, bestellt er Cicero zu sich und fordert ihn auf, seine Kandidatur für das Amt des Konsuls zu unterstützen. Weil er weiß, dass der Senator zu den Parteigängern seines Konkurrenten Pompeius zählt, wäre er mit einer der beiden Stimmen zufrieden, die Cicero bei der Wahl hat. Cicero lehnt das Ansinnen jedoch ab.

Um so entsetzter ist er, als Pompeius sich im Wahlkampf unerwartet mit Crassus verbündet.

Sthenius aus Thermae wird erneut bei Cicero vorstellig. Diesmal bringt er Heraclius aus Syrakus und Epicrates aus Bidis mit, die ebenfalls von Gaius Verres ausgeraubt wurden. Cicero beschließt, den Statthalter von Sizilien vor Gericht zu bringen, sobald dessen Amtsperiode abgelaufen ist und er keine Immunität mehr geltend machen kann. Mit der Anklage des korrupten Statthalters will Cicero sich für das Amt eines Ädils qualifizieren.

Kurze Zeit später wendet sich Marcus Porcius Cato der Jüngere an Cicero: Er benötigt einen Rechtsanwalt, denn er hat Ärger mit seiner achtzehnjährigen Cousine Aemilia Lepida. Sie wurde vor fünf Jahren von ihrem damaligen Verlobten Scipio Nasica sitzen gelassen, mit vierzehn verlor sie die Mutter, ein Jahr später den Vater, und als sie sechzehn war, starb ihr Bruder. Dass Aemilia Lepida ein beträchtliches Vermögen erbte, lockte Scipio Nasica wieder an, und das versöhnte Paar will sich nun vermählen. In der Zwischenzeit übernahm jedoch Cato die Vormundschaft für Aemilia und verlobte sich mit ihr.

Ein Besuch bei Scipio Nasica zeigt Cicero, dass er für seinen Klienten nichts mehr unternehmen kann, denn das Paar ist seit ein paar Tagen verheiratet. Unter den Hochzeitsgästen waren Gaius Verres und Gnaeus Pompeius Magnus. Unterstützt der künftige Konsul den korrupten Statthalter von Sizilien?

Zu Beginn der Amtszeit der Konsuln Pompeius und Crassus bewirbt Cicero sich als Ädil und kündigt eine Klage gegen Gaius Verres an. Daraufhin veranlasst Verres‘ Anwalt Quintus Hortensius Hortalus den Senator Caecilius Niger, ebenfalls einen Strafantrag gegen Verres zu stellen, um neben der Verteidigung auch die Anklage in den Griff zu bekommen. Der Senat wählt jedoch mit knapper Mehrheit Cicero zum Sonderermittler im Fall Gaius Verres.

Cicero reist nach Sizilien, um dort Nachforschungen anzustellen. Er findet Belege dafür, dass der Statthalter Schiffe samt Ladungen beschlagnahmen und die Besatzungen wegen angeblicher Spionage zur Zwangsarbeit in die Steinbrüche bringen ließ. Der Piratenkapitän Heraclio konnte sich dagegen freikaufen. Gavius und Herennius, zwei Männer, die Gaius Verres gefährlich hätten werden können, weil sie seine Machenschaften durchschaut hatten, wurden hingerichtet.

Zurück in Rom, wundert Cicero sich darüber, dass Hortensius sich bei jeder Begegnung in der Öffentlichkeit freundlich mit ihm unterhält. Erst nach einiger Zeit begreift Cicero, was der gegnerische Anwalt damit bezweckt: Hortensius will Gerüchte über ein verräterisches Zusammenspiel Ciceros mit ihm hervorrufen.

Als Nächstes versucht Hortensius, den Prozess gegen seinen Mandanten zu verschleppen, aber Cicero unterläuft die Verzögerungstaktik. Die Beweise gegen den Angeklagten sind so erdrückend, dass sein Verteidiger um seine eigene Reputation fürchtet, Verres die Aussichtslosigkeit weiterer Bemühungen klarmacht und ihm zur Flucht verhilft. Während Gaius Verres in Massilia im Exil ist, drängt Pompeius persönlich Cicero, eine Verurteilung des früheren Statthalters zu einer verhältnismäßig geringen Geldstrafe zu akzeptieren.

Der Volkstribun Aulus Gabinius bringt ein Gesetz ein, das Pompeius im Rahmen eines imperium extraordinarium ermächtigen würde, die kilikischen Piraten im Mittelmeer zu bekämpfen, die nicht nur Roms Handel, sondern auch die Getreideversorgung der Stadt gefährden (lex Gabinia). Als sich abzeichnet, dass es dafür keine Mehrheit geben würde, weil viele befürchten, Pompeius könne die außergewöhnliche Machtfülle missbrauchen, um die Alleinherrschaft an sich zu reißen, denkt Cicero sich eine List aus: Gabinius fragt Pompeius öffentlich, ob er bereit wäre, sich als Oberbefehlshaber gegen die Seeräuber zur Verfügung zu stellen. Darauf antwortet Pompeius, er habe genug für sein Land getan und werde sich deshalb auf seinen Landsitz zurückziehen. Auf diese Weise gerät der Senat in eine Zwangslage: Entweder wird nichts gegen die Seeräuber unternommen, oder man vertraut Crassus den Oberbefehl an. Keine der beiden Möglichkeiten ist akzeptabel.

In der Volksversammlung sitzen die von Pompeius bezahlten Volkstribune Gabinius und Cornelius und die von Crassus bestochenen Volkstribune Trebellius und Roscius. Aulus Gabinius verkündet, Pompeius könne das Leid der Nation nicht mit ansehen und habe deshalb seine Meinung geändert; er sei nun doch bereit, die Seeräuber zu bekämpfen. Gegen die Ernennung Pompeius‘ zum Oberbefehlshaber legt Trebellius sein Veto ein, aber das Volk brüllt ihn nieder, und Gabinius beantragt, Trebellius wegen Missachtung seines Amtseides abzusetzen. Es kommt zu einem Tumult. Als sich bei der Abstimmung über Gabinius‘ Antrag eine Mehrheit abzeichnet, zieht Trebellius seinen Einspruch zurück. Daraufhin wird die lex Gabinia verabschiedet.

Nach Ausübung der beiden niedrigsten senatorischen Ämter (Quästor, Ädil) lässt Cicero sich zum Prätor wählen und übernimmt den Vorsitz des Gerichtshofs für Erpressungen.

Metellus Pius, der Pontifex maximus, bestellt Cicero zu sich und fordert ihn auf, Lucius Sergius Catilina gerichtlich zur Rechenschaft zu ziehen. Catilina war vor sieben Jahren wegen Unzucht mit der Vestalin Fabia – Terentias Halbschwester – angeklagt, aber der damalige Konsul Quintus Lutatius Catulus sorgte für einen Freispruch. Nun kehrt er aus der römischen Provinz Africa zurück, in der er sich als Proprätor mit beispielloser Brutalität bereicherte. Metellus Pius will verhindern, dass Catilina, den er beschuldigt, Frauen vergewaltigt und Gegner ermordet zu haben, Konsul wird.

Als auch Publius Clodius Pulcher Klage gegen Catilina einreicht, versucht Cicero nicht, ihn daran zu hindern, sondern beabsichtigt, stattdessen Catilinas Verteidigung zu übernehmen. Dabei lässt er sich von folgendem Kalkül leiten: Das Gerichtsverfahren wird Catilinas Bewerbung um das Amt des Konsuls mindestens um ein Jahr verzögern. Im nächsten Jahr will sich jedoch auch Cicero zur Wahl stellen. Im Falle eines Schuldspruchs würde Catilina ins Exil gehen müssen und als Konkurrent ausscheiden. Bei einem Freispruch wäre er seinem Verteidiger zu Dank verpflichtet und müsste mit ihm gemeinsam um die Doppelspitze im Staat kandidieren.

Also streut Cicero das Gerücht, er sei bereit, Catilina zu verteidigen. Es dauert nicht lang, bis Catalina ihn holen lässt. Zur Verblüffung Ciceros nimmt jedoch auch Clodius an der Unterredung teil. Clodius und Catilina legen Cicero ihren Plan vor, bei dem sie alle drei gewinnen können: Clodius punktet durch die mutige Anklage, Cicero erhöht sein Ansehen durch eine glänzende Verteidigung und Catilina wird von den bestochenen Geschworenen freigesprochen. Am Ende weigert Cicero sich dann doch, bei dem infamen Vorhaben mitzumachen, und er lässt sich auch nicht durch Drohungen einschüchtern.

Statt von Cicero wird Catilina im Repetundenprozess von Lucius Manlius Torquatus verteidigt, dem Oberhaupt eines der angesehensten Patriziergeschlechter Roms. Das Gericht spricht ihn frei.

Nach seiner Amtsperiode als Prätor verzichtet Cicero auf das Recht, eine Provinz zu verwalten. Statt sich zu bereichern, zieht er es vor, in Rom zu bleiben und die politischen Intrigen aus der Nähe zu beobachten. So entgeht ihm auch nicht, dass Crassus vorhat, alle einflussreichen Staatsämter mit eigenen Leuten zu besetzen: Er kauft nicht nur Stimmen für Gaius Antonius Hybrida und Lucius Sergius Catilina, die Konsuln werden sollen, sondern will auch noch Publius Cornelius Lentulus Sura zum Amt des Prätors verhelfen und hat außerdem zwölf Kandidaten für das Volkstribunat ausgesucht: Cosconius, Pomptinus, Balbus, Caecilius, Labienus, Faberius, Gutta, Bulbus, Calidius, Tudicius, Valgius und Rullus.

Als Konsuln bewerben sich schließlich sieben Männer: Marcus Tullius Cicero, Lucius Sergius Catilina, Gaius Antonius Hybrida, Gaius Licinius Sacerdos, Gaius Cassius Longinius und noch zwei weitere. Wie befürchtet, rührt Pompeius keinen Finger für Cicero.

Marcus Caelius Rufus unterrichtet Cicero von einem konspirativen Treffen in Crassus‘ Villa und erklärt sich bereit, seinen Privatsekretär Tiro in ein Versteck zu bringen, von dem aus er die Unterredung verfolgen kann. Crassus, Catilina, Hybrida, Sura und Julius Caesar nehmen daran teil. Unbemerkt stenografiert Tiro mit. Noch in derselben Nacht geht er mit Cicero seine Aufzeichnungen durch. Dass Crassus eigene Kandidaten in die Staatsämter bringen will, weiß Cicero bereits. Doch die Verschwörer planen auch eine Landreform, ein Besiedelungsprogramm und die Eroberung Ägyptens. Das ist nichts anderes als ein Staatsstreich!

Cicero diktiert Tiro ein paar Zeilen an Quintus Hortensius Hortalus und beauftragt ihn, den Brief zusammen mit einer Abschrift der wichtigsten Passagen seiner Aufzeichnungen dem hoch angesehenen Kollegen zu überbringen. Bald darauf wird Cicero mit einer Kutsche Hortensius‘ abgeholt, doch zu seiner Verwunderung bringt man ihn zu einem Palast, in dem nicht nur der Jurist, sondern auch Quintus Metellus, Catulus, Publius Servilius Isauricus sowie Marcus und Lucius Lucullus auf ihn warten.

Als Gegenleistung für die Unterstützung gegen Catilina und Hybrida verspricht Cicero, den Widerstand gegen die von Crassus und seinen Mitverschworenen geplante Landreform zu organisieren.

Demonstrativ zeigt Hortensius am nächsten Tag, dass er Ciceros Wahl zum Konsul unterstützt. Der gewinnt denn auch die meisten Stimmen. Gaius Antonius Hybrida wird ebenfalls gewählt, aber Lucius Sergius Catilina bleibt außen vor.

Cicero war einzigartig in der Geschichte der Römischen Republik, weil ihm beim Griff nach der Macht nichts als sein eigenes Talent zur Verfügung stand. Er entstammte nicht, wie Metellus oder Hortensius, einer der bedeutenden, seit Generationen in der Politik tätigen Adelsfamilien, von deren Reputation er am Wahltag profitieren konnte. Hinter ihm stand nicht, wie bei Pompeius oder Caesar, eine mächtige Armee, die seine Kandidatur unterstützte. Er verfügte nicht wie Crassus über ein gewaltiges Vermögen, das ihm den Weg ebnete. Er hatte nur eines – seine Stimme. Und mit der schieren Kraft seines Willens machte er aus dieser die berühmteste Stimme der Welt. (Seite 12f)

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In „Imperium“, einer Mischung aus Politthriller und historischem Roman, beschäftigt sich Robert Harris mit dem Aufstieg des römischen Politikers Marcus Tullius Cicero während des Niedergangs der Römischen Republik: Im ersten Teil („Senator. 79 v. Chr. – 70 v. Chr.“) macht Cicero sich als Ankläger gegen Gaius Verres einen Namen. Hauptthema des zweiten Teils („Prätor. 68 v. Chr. – 64 v. Chr.“) ist Ciceros Streben nach dem Konsulat.

Robert Harris gibt uns einen Einblick in die damaligen politischen Verhältnisse. Er beschreibt Politik als komplexes Geschehen, das von Eitelkeit, Rache und Machtgier, Finten, Intrigen und Korruption, Opportunismus, Öffentlichkeitsarbeit und Theatralik getrieben wird. Auch Ethik und Moral werden für politische Zwecke instrumentalisiert. Robert Harris stellt die führenden Politiker als skrupellose Intriganten dar und nimmt Cicero dabei nicht aus. Während die meisten Charaktere in „Imperium“ eher eindimensional geraten sind, wirkt das Porträt, das Robert Harris von Cicero zeichnet, widersprüchlich und vielschichtig.

Der Titel bezieht sich übrigens nicht auf den Begriff Imperium, wie wir ihn heute verwenden, also nicht auf ein Herrschaftsgebiet bzw. ein Weltreich, sondern auf die Bedeutung, die das Wort im antiken Rom hatte: Damals verstand man darunter die Amtsgewalt und politische Macht eines Staatsbeamten.

Statt als auktorialer Erzähler aufzutreten, lässt Robert Harris Ciceros Privatsekretär Tiro als Romanfigur in der Ich-Form zu Wort kommen. Auf der Grundlage eines gründlichen Faktenwissens ist Robert Harris mit „Imperium“ eine ebenso detailreiche wie lebendige Darstellung gelungen.

Auch wenn es sich bei Imperium um einen Roman handelt, so schildert er doch überwiegend Begebenheiten, die sich wirklich ereignet haben. Der Rest könnte sich zumindest so ereignet haben. Hoffentlich […] ist nichts darunter, das sich nachweisbar nicht ereignet hat. (Seite 475)

„Imperium“ ist der erste Teil einer Trilogie von Robert Harris über Marcus Tullius Cicero. Der beiden anderen Bände tragen die Titel „Titan“ (2009) und „Dictator“.

Den Roman „Imperium“ von Robert Harris gibt es auch in einer gekürzten Fassung als Hörbuch, gelesen von Christian Berkel (Regie: Bernadette Joos, Bearbeitung: Tanja Weimer, Köln / Hamburg 2006, 6 CDs, ISBN: 978-3-86604-327-5).

Robert Harris wurde am 7. März 1957 in Nottingham geboren. Nach dem Geschichtsstudium in Cambridge war er als BBC-Reporter, Redakteur beim „Observer“ und Kolumnist sowohl bei der „Sunday Times“ als auch beim „Daily Telegraph“ tätig. 1962 veröffentlichte Robert Harris seinen ersten Roman: „Fatherland“ („Vaterland“, 1992). Seine Ehefrau Gill Hornby ist die Schwester des Schriftstellers Nick Hornby.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2009
Textauszüge: © Wilhelm Heyne Verlag

Marcus Tullius Cicero (Kurzbiografie)

Robert Harris: Enigma (Verfilmung)
Robert Harris: Pompeji
Robert Harris: Ghost
Robert Harris: Angst
Robert Harris: Intrige
Robert Harris: Dictator
Robert Harris: Konklave
Robert Harris: München

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