Enigma

Enigma

Enigma

Enigma - Originaltitel: Enigma - Regie: Michael Apted - Drehbuch: Tom Stoppard, nach einem Roman "Enigma" von Robert Harris (1995) - Kamera: Seamus McGarvey - Schnitt: Rick Shaine - Musik: John Barry (Mack Gordon und Harry Warren: "You'll Never Know") - Darsteller: Dougray Scott, Kate Winslet, Saffron Burrows, Jeremy Northam, Nikolaj Coster-Waldau, Tom Hollander, Donald Sumpter, Matthew MacFadyen, Richard Leaf, Ian Felce, Robert Pugh u.a. - 2001; 120 Minuten

Inhaltsangabe

Im April 1943 ändern die Deutschen plötzlich ihren von den Briten bereits entschlüsselten U-Boot-Code. Um auch den neuen Code zu knacken und herauszufinden, was die Deutschen gegen einen alliierten Nachschubkonvoi vorhaben, holt der britische Geheimdienst den brillanten Mathematiker Tom Jericho zu Hilfe. Der sucht gleichzeitig Claire Romilly, seine verschwundene und als Spionin verdächtigte Geliebte.
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Kritik

Grandiose Verfilmung eines Romans von Robert Harris. – Während der Versuch Toms, den verbesserten Enigma-Code der deutschen Marine zu dechiffrieren, chronologisch gezeigt wird, setzt sich die unglückliche Liebesgeschichte zwischen ihm und Claire nach und nach aus Rückblenden zusammen.
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Tom Jericho (Dougray Scott) kehrt im April 1943 in die Station X der britischen Dechiffrierzentrale in dem viktorianischen Anwesen Bletchley Park, 60 Kilometer nördlich von London, zurück. Dem jungen, eigenwilligen Mathematiker war es gelungen, die mit der berühmten „Enigma„-Maschine verschlüsselten Funksprüche der Deutschen zu dechiffrieren. Vor vier Wochen schickte man ihn jedoch wegen eines Nervenzusammenbruchs nach Cambridge, wo er seine theoretischen Arbeiten fortsetzen konnte. Aus dringenden Gründen rief man ihn jetzt nach Bletchley Park zurück.

Die deutsche Kriegsmarine stellte am Vortag auf eine neue Generation von Enigma-Maschinen mit vier statt drei Walzen um („Shark“). Die Briten sind deshalb nicht mehr in der Lage, den Funkverkehr zu entschlüsseln. Dabei sind gerade drei amerikanische Nachschubkonvois auf dem Atlantik unterwegs, und die Alliierten wissen, dass mehrere deutsche U-Boot-Rudel Kurs auf diese außergewöhnlich große Ansammlung von Handelsschiffen genommen hat. In vier Tagen werden die U-Boote den ersten Konvoi erreichen. Wenn der deutsche Funkverkehr bis dahin nicht wieder dechiffriert werden kann, ist mit enormen Verlusten zu rechnen. Alle blicken auf Tom: Er ist der Einzige, der es schaffen könnte, aber er weist darauf hin, dass er beim ersten Mal Monate benötigte, um die Enigma-Codierung zu knacken. Außerdem ist damit zu rechnen, dass die U-Boote bis zum geplanten Angriff eine Funkstille vereinbart haben.

Tom brach nicht wegen der Arbeitsbelastung zusammen, sondern als sich seine Geliebte, Claire Romilly (Saffron Burrows), von ihm trennte. Claire, eine von allen Männern umschwärmte Blondine, gehört ebenfalls zum Personal von Bletchley Park. Sie hatten sich bei einem Brahms-Konzert kennen gelernt und vier glückliche Wochen miteinander verbracht, bis Tom eines Nachts aufwachte und merkte, wie sie seine Sachen durchsuchte und einen Satz Notizen über Dechiffriermaschinen einsteckte. Nur mit Gewalt gelang es ihm, Claire die wichtigen Papiere wieder abzunehmen. Nach dieser Auseinandersetzung verließ ihn Claire und machte ihm schonungslos klar, dass er nicht ihr einziger Geliebter gewesen war. Um Claire nicht zu verlieren, bot er verzweifelt an, ihr alle Geheimnisse über Enigma zu verraten, aber sie lachte ihn nur verächtlich aus und ließ ihn stehen.

In der Kantine von Bletchley Park sucht Tom vergeblich nach Claire und wendet sich dann an Hester Wallace (Kate Winslet), die mit ihr zusammen ein Cottage bewohnt. Claire ist seit zwei Tagen nicht mehr nach Hause gekommen und fehlt auch bei der Arbeit. Das lässt ihm keine Ruhe: Er fährt zu dem Cottage, und obwohl niemand da ist, holt er den Haustürschlüssel aus dem Versteck, sperrt auf und sucht in Claires Zimmer nach Hinweisen, die ihm bei der Suche nach ihr helfen können. An einer Stelle fällt ihm ein Läufer auf, der früher nicht hier lag. Darunter befindet sich ein loses Fußbodenbrett, und als Tom es herausnimmt, findet er vier noch nicht dechiffrierte deutsche Funksprüche vom 17. April. An der Art der Codierung erkennt Tom, dass es sich um Nachrichten des Heeres oder der Luftwaffe handelt. Die Kennung „ADU“ sagt ihm jedoch nichts. Warum hat Claire die aufgefangenen aber noch nicht entschlüsselten Funksprüche aus Bletchley Park herausgeschmuggelt und hier versteckt? Das gilt als Hochverrat! Steht das im Zusammenhang mit ihrem Verschwinden? Hester, die Tom mit den Geheimdokumenten in der Hand überrascht, ist nach anfänglichem Zögern bereit, ihm bei der Entschlüsselung der drei Nachrichten und der Suche nach Claire zu helfen.

Als Tom müde in sein Zimmer zurückkehrt, wird er von einem Abwehragenten namens Wigram (Jeremy Northam) erwartet, der ihn nach Claire fragt, denn er vermutet, dass die Deutschen von einem Verräter in Bletchley Park von den Erfolgen in der Enigma-Entschlüsselung erfuhren und fragt sich, ob zwischen Claires Verschwinden und der Umstellung des deutschen Codiersystems am Tag darauf ein Zusammenhang besteht. Wigram durchsucht zwar Toms Mantel- und Anzugtaschen, aber die inzwischen versteckten Geheimpapiere findet er nicht. Panisch vor Angst, wegen Hochverrats angeklagt zu werden, verbrennt Tom die vier Blätter.

Hester findet heraus, dass die Kennung ADU für „Angels Dance Upwards“ steht und zu einer in der Ukraine stationierten deutschen Nachrichteneinheit gehört. Außerdem versucht sie, an sieben bereits entschlüsselte ADU-Funksprüche zu kommen, aber die entsprechende Akte in der Registratur ist leer, enthält nur einen handschriftlichen Zettel vom 17. April, demzufolge die Dokumente auf höchste Anordnung hin entfernt wurden. Mehr Erfolg hat Hester bei der heimlichen Beschaffung von Unterlagen, die zur Dechiffrierung von ADU-Funksprüchen erforderlich sind. Sie glaubt, damit die vier in dem Versteck unter dem Fußbodenbrett gefundenen vier Funksprüche entschlüsseln zu können und ist enttäuscht, als Tom ihr gesteht, sie in seiner Panik verbrannt zu haben. Sie fahren deshalb zusammen zu einer Außenstelle, in der die feindlichen Funksprüche abgefangen, nach Bletchley Park weitergegeben und Kopien davon archiviert werden. Während sie sich dort herumführen lassen, gelingt es Tom, die Akte mit den fraglichen elf ADU-Meldungen zu stehlen.

Auf der Rückfahrt werden sie von der Polizei verfolgt, aber sie schütteln den Streifenwagen ab und verstecken sich in einer abgelegenen Scheune. Dort baut Tom eine tragbare Dechiffriermaschine auf und beginnt mit Hesters Hilfe, die deutschen Funksprüche zu entschlüsseln. Da taucht Wigram mit Kriminalinspektor Leveret (Donald Sumpter) und zwei Polizisten auf. Tom und Hester tun so, als hätten sie sich in der Scheune versteckt, um sich ungestört lieben zu können. Wigram glaubt ihnen nicht und lässt alles durchsuchen, aber die Beamten finden nichts Verdächtiges.

Tom und Hester werden zu einer Stelle gebracht, wo Schuhe und Kleidungsstücke von Claire gefunden wurden, die Hester identifizieren soll. Polizisten durchkämmen die Gegend, und Taucher suchen den nahen See ab, denn es sieht nach einem Mord aus.

Im Cottage bauen Tom und Hester die tragbare Dechiffriermaschine erneut auf, die zusammen mit der Geheimakte unter dem zurückgeklappten Verdeck ihres Cabriolets versteckt war. Tom gelingt es jedoch nicht, die Kryptogramme zu entschlüsseln.

Er muss zurück nach Bletchley Park, denn aus dem Atlantik wurde der Funkspruch eines deutschen U-Boots aufgefangen, das offenbar auf die amerikanischen Konvois stieß und daraufhin Position, Kurs und Geschwindigkeit verschlüsselt durchgab, um die anderen U-Boote herbeizurufen. Auch die nächsten U-Boote, die hinzukommen, melden sich. Fieberhaft versucht Tom, anhand dieser Kurzmeldungen den neuen Enigma-Code zu knacken. Gerade als die U-Boot-Rudel angreifen, vier Treffer landen, zwei Schiffe versenken und die Funkstille aufheben, um die Angriffe koordinieren zu können, knackt Tom das verbesserte Enigma-System. Es kommt zwar noch zu weiteren Verlusten bei den Alliierten, weil sie aber nun wieder im Voraus über die deutschen Absichten informiert sind, können sie das Schlimmste verhindern.

Währenddessen hat Hester unermüdlich weiter versucht, die deutschen Meldungen aus der Ukraine zu entschlüsseln. Schließlich begreift sie, dass es sich um Listen mit polnischen Namen handelt. Die Deutschen berichteten von einem grausigen Fund: An einer Stelle im Wald bei Katyn, 20 Kilometer südwestlich von Smolensk, stießen sie Anfang April auf Massengräber mit den Leichen von mehr als viertausend zum Teil noch gefesselten polnischen Offizieren, die offenbar von den Sowjets erschossen worden waren (Massaker von Katyn). Nachdem die ersten ADU-Meldungen in Bletchley Park dechiffriert worden waren, sorgte jemand von ganz oben dafür, dass die geheimen Unterlagen verschwanden und keine weiteren ADU-Meldungen mehr bearbeitet wurden, denn die britische Regierung wollte die von den russischen Verbündeten begangene Massenexekution vertuschen. Als Tom in den Listen auf den Namen Pukowski stößt, denkt er an einen aus Polen stammenden Kollegen in Bletchley Park: Jozef („Puck“) Pukowski (Nikolaj Coster-Waldau). Handelt es sich bei dem ermordeten Offizier um seinen Bruder? Wollte Puck den Massenmord an seinen Landsleuten rächen, indem er den Deutschen verriet, was die Alliierten über Enigma wussten? Puck ist der Verräter, den Wigram in Bletchley Park sucht! Claire besorgte ihm die ADU-Meldungen! Hat er sie anschließend ermordet, um eine Mitwisserin zu beseitigen?

Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.

Tom beobachtet Puck und folgt ihm in einen Zug nach Manchester. Wigram ist ebenfalls im Zug und wartet darauf, wohin Puck ihn führen wird. Während der Fahrt erzählt Wigram, dass Claire für ihn arbeitete und er sie auf Puck angesetzt hatte. Aus Mitleid verriet sie Puck dann allerdings, dass er observiert wurde.

Plötzlich kreischen die Bremsen des Zugs. Jemand hat die Notbremse gezogen, weil Puck aus dem Zug gesprungen ist.

In Bletchley Park wundert man sich, als man Funksprüche eines vor Schottland georteten deutschen U-Boots auffängt. Tom erinnert sich an eine Ansichtskarte, die er von Claire erhielt; darauf war eine Hütte an der schottischen Küste abgebildet. Sofort fährt er hin. Als er sich nähert, sieht er Puck über den zur Hütte gehörenden Landungssteg zu einem Motorboot gehen. Tom rennt los und springt auf das Motorboot, das bereits abgelegt hat. Es kommt zum Kampf zwischen ihm und Puck, dem es schließlich gelingt, Tom über Bord zu stoßen.

Von einer Anhöhe aus beobachten Wigram und einige andere Geheimdienstleute das Geschehen. In unmittelbarer Nähe taucht ein deutsches U-Boot auf, um Puck an Bord zu nehmen. Aber da kommen englische Kampfflugzeuge und bombardieren das U-Boot. Es explodiert in dem Augenblick, als Puck von seinem Motorboot aus hinüberspringen will.

Tom ist überzeugt, dass Claire lebt und einfach „weitergezogen“ ist.

London 1946. Tom wartet am Trafalgar Square auf Hester. Sie ist schwanger.

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Nach Jonathan Mostow („U-571“) und Stefan Ruzowitzky („Die Männer Ihrer Majestät“) beschäftigte sich auch Michael Apted mit der legendären deutschen Chiffriermaschine Enigma, und zwar verfilmte er den Bestseller „Enigma“ von Robert Harris, der sich von dem ehemaligen Geheimdienstmitarbeiter (MI5) Tony Sale hatte beraten lassen. Der Bühnenautor Tom Stoppard, der für das Drehbuch des Films „Shakespeare in Love“ mit einem „Oscar“ ausgezeichnet worden war, adaptierte die literarische Vorlage sehr sorgfältig.

Es ist Tom Stoppard gelungen, in „Enigma. Das Geheimnis“ die richtige Balance zu finden zwischen der komplizierten Welt der Dechiffrier-Experten, einer gefühlvollen Romanze und einem spannenden Spionage-Thriller. Während der Versuch Tom Jerichos, den verbesserten Enigma-Code der deutschen Marine zu dechiffrieren, chronologisch gezeigt wird, setzt sich die unglückliche Liebesgeschichte zwischen ihm und Claire Romilly nach und nach aus Rückblenden zusammen. Die Zeitsprünge sind leicht zu erkennen, weil die Bilder aus der Vergangenheit im Gegensatz zur Gegenwart leicht weichgezeichnet und in hellen Ockertönen gehalten sind. Außerdem tritt zu Beginn einer Rückblende meistens Claire auf.

Die gegen Ende zu nicht ganz unkomplizierte Geschichte wird sachlich, bedächtig, schlüssig und gut nachvollziehbar entwickelt. Effekthascherische Actionszenen kommen nicht vor,und es gibt nicht einmal einen Helden (Tom Jericho ist eher ein Antiheld). Die Charaktere der hervorragend besetzten Hauptfiguren, ihre Motive und Skrupel sind ebenso wie das Milieu nuanciert dargestellt.

„Enigma“ ist der erste Film, den die von Mick Jagger und Victoria Pearman gegründete Gesellschaft „Jagged Films“ produzierte. Nachdem Mick Jagger die Filmrechte an Robert Harris‘ Roman „Enigma“ erworben hatte, ersteigerte er für die Aufnahmen bei Sotheby’s eine der überaus seltenen Vier-Walzen-Enigmas. (Es wurden aber auch Nachbauten eingesetzt.)

Weil das britische Dechiffrierzentrum in Bletchley Park für die Dreharbeiten nicht zur Verfügung stand, wurde das Anwesen Chicheley Hall nördlich von London als Location gewählt. Bemerkenswert sind die sechs raumhohen Dechiffriermaschinen, die John Beard mit seinem Ausstattungsteam nachgebaut hatte.

In Polen reagierten viele empört auf den Film „Enigma“, weil Michael Apted einen Polen als Kollaborateur der Nationalsozialisten zeigt und nur im Nebensatz eines Dialogs darauf eingeht, dass die Experten in Bletchley Park ohne die Vorarbeit des polnischen Geheimdienstes länger gebraucht hätten, um die Enigma-Chiffrierungen zu entschlüsseln. Tatsächlich knüpft der Film zwar an tatsächliche Ereignisse im Zweiten Weltkrieg an (Enigma, Bletchley Park, Massaker von Katyn), stellt diese aber nicht wirklichkeitsgetreu dar: Es handelt sich um reine Fiktion.

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Peter Härtling - Niembsch oder Der Stillstand

Die Biografie des Dichters Nikolaus Lenau regte Peter Härtling zu "Niembsch oder Der Stillstand" an, einem ambitionierten, poetischen Roman, den er "Suite" nennt. Präludium, Rondo, Gigue, Menuett-Gavotte, Allemande, Bourrée, Sarabande, Burlesca-Air lauten denn auch die Kapitelüberschriften.

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Peter Härtling

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