Deutsches Wörterbuchvon Jacob Grimm und Wilhelm Grimm


1838 begannen Jacob und Wilhelm Grimm mit der Arbeit an einem Wörterbuch der deutschen Sprache seit Martin Luther (Neuhochdeutsch). Zwar gab es bereits vor den Brüdern Grimm Wörterbücher von Justus Georg Schottel (Stammwörter der deutschen Sprache ,1663), C. E. Steinbach (Vollständiges deutsches Wörter-Buch, 1734) und Johann Christoph Adelung (Grammatisch-kritisches Wörterbuch der hochdeutschen Mundart, 1793 – 1801), aber Jacob und Wilhelm Grimm wollten ein auf Vollständigkeit angelegtes Belegwörterbuch schaffen, das über die Herkunft jedes Wortes Auskunft gibt und den korrekten Gebrauch erläutert. Auch Schimpfwörter und derbe Bezeichnungen für Geschlechtsteile wurden aufgenommen.

Am 10. Oktober 1838 schlossen Jacob und Wilhelm Grimm mit Karl Reimer und Salomon Hirzel, dem Sohn bzw. Schwiegersohn von Georg Andreas Reimer – Inhaber der Weidmannschen Verlagsbuchhandlung – einen Vertrag über das geplante deutsche Wörterbuch. Die Artikel schrieben sie selbst, aber beim Sammeln von Belegstellen halfen anfangs zwanzig, am Ende sechzig Mitarbeiter.

Das Projekt war die größte Herausforderung, der sich die Brüder stellten. Sie unterschätzten den Aufwand beträchtlich, denn sie rechneten mit sechs oder sieben Bänden und bis zu fünfzehn Jahren Arbeit. Tatsächlich waren sie erst bei dem Wort „Durst“, als Wilhelm Grimm am 16. Dezember 1859 starb, und bei Jacob Grimms Tod am 20. September 1863 bildete „Frucht“ das letzte Wort.

Rudolf Hildebrand und Moriz Heyne setzten die Arbeit am Deutschen Wörterbuch fort. 1908 übernahm die Preußische Akademie der Wissenschaften das Projekt. In einer in Göttingen eingerichteten Zentralsammelstelle trugen bis zu dreihundert Mitarbeiter innerhalb von fünf Jahren 2 Millionen Belege aus viertausend Quellen zusammen.

Im Zweiten Weltkrieg wurden schätzungsweise zweieinhalb Millionen Belege in ein Kalibergwerk bei Bernburg an der Saale transportiert, und die Fachbibliothek des Akademie-Instituts lagerte man ins Schloss Fredersdorf in Brandenburg aus. Als die Rote Armee näher kam, wurden vier Kisten Material von Fredersdorf auf ein Gut in Blumental bei Magdeburg gebracht. Nach dem Krieg holte man alles wieder zurück nach Berlin.

Der 1852 fertiggestellte erste Band war 1854 in dem ein Jahr zuvor von Salomon Hirzel in Leipzig gegründeten Verlag erschienen: „Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm“. 1961 veröffentlichte der S. Hirzel Verlag den 32. und letzten Band des eigentlichen Wörterbuchs, dem zehn Jahre später noch ein Quellenband folgte. Das Deutsche Wörterbuch (auch: Grimms Deutsches Wörterbuch, der Grimm) umfasst etwa 300 000 Stichwörter auf 34 824 Seiten und wiegt 84 Kilo.

Zu Lebzeiten der Brüder Grimm bestand Deutschland aus einer Unzahl von Kleinstaaten. Von 1871 bis 1945 existierte das Deutsche Reich. Und als 1957, also noch vor dem Abschluss des Gesamtwerks, beschlossen wurde, den ältesten Teil (A bis F) neu zu bearbeiten, gab es zwei deutsche Staaten. Bei der Neuausgabe wollten Einrichtungen in der DDR und in der Bundesrepublik zusammenarbeiten: Die Akademie der Wissenschaften der DDR in Ostberlin (heute: Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften) übernahm die Buchstaben A bis C, und die Akademie der Wissenschaften zu Göttingen bearbeitete die Buchstaben D bis F. 1965 erschien der erste Band der Neuausgabe. Mit der Fertigstellung der Reihe von A bis F rechnet man im Jahr 2012. Eine Neubearbeitung der Bände G bis Z des Deutschen Wörterbuchs ist derzeit nicht geplant.

1998 bis 2004 ließ das Kompetenzzentrum für elektronische Erschließungs- und Publikationsverfahren in den Geisteswissenschaften an der Universität Trier das Deutsche Wörterbuch unter der Projektleitung des Germanistik-Professors Kurt Gärtner digitalisieren. Weil die Seiten wegen der kleinen Schriftgröße nicht per Scanner und Texterkennungs-Software bearbeitet werden konnten, ließ man sie in China manuell abschreiben, und zwar zweimal, um durch den Abgleich die Fehlerhäufigkeit minimieren zu können. Auf dieser Grundlage bietet der Verlag Zweitausendeins seit 2004 das Deutsche Wörterbuch auf zwei CD-ROMs an („Der Digitale Grimm“), und die Universität Trier hat die Dateien ins Internet gestellt (http://urts55.uni-trier.de:8080/Projekte/DWB).

Günter Grass schildert die Entstehung des Wörterbuchs von Jakob und Wilhelm Grimm in „Grimms Wörter. Eine Liebeserklärung“.

© Dieter Wunderlich 2010

Jakob Grimm und Wilhelm Grimm (Kurzbiografie)
Günter Grass: Grimms Wörter. Eine Liebeserklärung

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