William Golding : Der Felsen des zweiten Todes

Der Felsen des zweiten Todes

William Golding

Der Felsen des zweiten Todes

Originalausgabe: Pincher Martin Faber & Faber, London 1956 Der Felsen des zweiten Todes Übersetzung: Hermann Stiehl Fischer Bücherei, Frankfurt/M 1960 ISBN 3-596-25043-9, 175 Seiten

Inhaltsangabe

Im Zweiten Weltkrieg wird ein britisches Kriegsschiff im Atlantik von einem Torpedo getroffen. Ein über Bord gegangener Offizier spürt, wie der Rettungsgürtel aufgeblasen wird. Ungeachtet seiner Schmerzen und Verletzungen versucht er, logisch zu denken. Sein Ziel ist es, gerettet zu werden. Die Voraussetzung dafür ist es, zu überleben ...
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Kritik

Weil wir als Leser so gut wie nichts über die Vorgeschichte des Protagonisten erfahren, fällt es schwer, Mitgefühl für ihn zu entwickeln. Dabei handelt es sich bei "Der Felsen des zweiten Todes" um eine erschütternde Studie über einen Ertrinkenden.
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Christopher Hadley Martin ist Oberleutnant zur See der Reserve. Das Kriegsschiff, auf dem er im Zweiten Weltkrieg Dienst tut, wird im Atlantik von einem feindlichen U-Boot angegriffen und von einem Torpedo getroffen. Er geht über Bord und spürt noch, wie der Rettungsgürtel aufgeblasen wird. Dann kommt er wieder zu sich, als er sich an einen Felsen klammert.

Er untersuchte seine Arme. Der rechte Ellbogen war geschwollen und steif und wies weitere Quetschungen auf. Hier und dort auf seinem Körper waren Flecken, nicht rohes Fleisch, sondern blutunterlaufene Hautstellen. Er fühlte zart über die Stoppeln auf seinem Gesicht. Das rechte Auge war umnebelt, und die rechte Wange war heiß und steif. (Seite 60f)

Ungeachtet seiner Schmerzen und eines verletzten Auges versucht er, logisch zu denken. Sein Ziel ist es, gerettet zu werden. Die Voraussetzung dafür ist es, zu überleben. Also benötigt er Wasser und Nahrung. Fast noch wichtiger ist es, seine Gedanken unter Kontrolle zu halten, damit die Halluzinationen nicht überhand nehmen. Außerdem muss er zufällig vorbeikommende Menschen auf sich aufmerksam machen. Zu diesem Zweck schleppt er drei Gesteinsbrocken auf die Spitze des Felsens, stellt sie aufeinander und umwickelt den obersten mit Silberpapier: Wenn jemand von einem passierenden Schiff aus das Gebilde sieht, wird er wissen, dass sich ein Mensch auf der Insel befindet. Von einer die Felseninsel überfliegenden Maschine aus wäre die Gesteinsformation jedoch nicht zu erkennen. Deshalb legt Martin gerade Streifen aus Seetang auf den Felsen aus, denn dieses Muster ist auch aus 10 000 Meter Höhe gut zu erkennen. Er ernährt sich von Muscheln und gallertartigen Anemonen. In einer Höhle findet er einen Tümpel und ist zuversichtlich, dass es rechtzeitig regnen wird, wenn das Trinkwasser aufgebraucht ist. Bis dahin will er nach einem geeigneten Auffangbecken suchen und Rinnen in die umgebenden Felsen kratzen. Schließlich benennt Martin die einzelnen Felsen: Wacht, Rettungsfelsen, Nahrungsklippe usw.

Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.

Mr Campbell wartet am Strand, bis Captain Davidson mit einem Minensuchboot eintrifft. Es hat einen toten englischen Offizier von einem versenkten Kriegsschiff angetrieben, der noch in seinem Rettungsgürtel steckt. Davidson fragt nach der Erkennungsmarke, aber Campbell hat nichts angefasst. Zwei Matrosen bergen die Leiche auf einer Bahre. Es handelt sich um Oberleutnant Christopher Hadley Martin. Er ist nach der Torpedierung seines Kriegsschiffes im Meer ertrunken.

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Als Leser ist es mir nicht leicht gefallen, Mitgefühl für den Protagonisten zu entwickeln, denn William Golding stellt Christopher Hadley Martin nicht weiter vor. Gleich zu Beginn treibt er im Meer, und wir erfahren so gut wie nichts über ihn. Erst im letzten Kapitel des Romans „Der Felsen des zweiten Todes“ begreifen wir, dass der Ertrinkende bis zuletzt seine Identität zu bewahren versuchte und sich deshalb eine Welt halluzinierte.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2005
Textauszüge: © Fischer Bücherei

William Golding: Bibliografie

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