Georges Méliès


Georges Méliès wurde am 8. Dezember 1861 in Paris als Sohn des Schuhfabrikanten Jean-Louis-Stanislas Méliès und dessen Ehefrau Johannah Catherine (Schuering) geboren. Nach dem Abschluss des Lyceums (1880) leistete er ein Jahr lang Wehrdienst (1881/82). Aufgrund seiner künstlerischen Neigungen wollte Georges Méliès nun die École des Beaux-Arts in Paris besuchen, aber sein Vater bestand auf seiner Mitarbeit im Familienunternehmen und schickte ihn 1884 zu einem Geschäftsfreund nach London, wo er geschäftliche Erfahrungen sammeln und seine englischen Sprachkenntnisse verbessern sollte. Anschließend (1885) übernahm Georges Méliès die Aufsicht über den Maschinenpark in der Schuhmanufaktur – und bewies dabei großes Geschick.

Noch im selben Jahr heiratete er Eugénin Genin.

Während seines Aufenthalts in London hatte Georges Méliès Vorführungen des englischen Bühnenzauberers John Nevil Maskelyne (1839 – 1917) besucht. Zurück in Paris, baute er in seiner Freizeit Automaten des bereits verstorbenen französischen Magiers Jean Eugène Robert-Houdin (1805 – 1871) nach und entwickelte sie weiter. Schon bald trat er im Musée Grévin und der Galerie Vivienne auf.

Als Jean-Louis-Stanislas Méliès sich 1888 aus der Leitung des Familienunternehmens zurückzog, verkaufte Georges seinen Erbteil an die beiden älteren Brüder und verwendete den Erlös, um das Illusionstheater Robert-Houdin zu erwerben. Dort trat er nicht nur selbst hin und wieder auf, sondern holte auch Pantomimen und andere Bühnenzauberer auf die Bühne, darunter Jeanne d’Alcy (1865 – 1956). Außerdem führte er Automaten vor.

Am 28. Dezember 1895 erlebte Georges Méliès im Grand Café am Boulevard des Capucines in Paris die erste öffentliche Vorführung des Kinematographen der Gebrüder Auguste und Louis Lumière (1862 – 1954; 1864 – 1948) – und war

begeistert. Weil die beiden ihre Erfindung nicht verkaufen wollten, erwarb er von Robert W. Paul (1869 – 1943) in London einen Projektor und führte damit im Théâtre Robert-Houdin Filme unter anderem der Edison Manufacturing Company vor, die er Robert Paul ebenfalls abgekauft hatte. Im September 1896 meldete er zusammen mit seinen Geschäftspartnern Lucien Reulos und Lucien Korsten einen eigenen Kinematographen zum Patent an (Méliès-Reulos Cinétographe).

Schon kurz zuvor hatte er angefangen, mit einem zur Kamera umgebauten Kinematographen Filme zu drehen, die er nicht nur in seinem eigenen Theater vorführte, sondern auch als Jahrmarktsattraktion an Schausteller verkaufte. Im Winter 1896/97 ließ er auf einem seiner Familie gehörenden Grundstück in Montreuil ein Filmstudio bauen. Es war neben dem 1892 von William K. L. Dickson auf dem Gelände des Edison-Labors in West Orange/New Jersey eröffneten („Black Maria“) weltweit eines der ersten Filmateliers. 1905 wurde es erweitert.

In der Zeit von 1897 bis 1912 drehte Georges Méliès mit seiner Produktionsgesellschaft Star Film mehr als 500 Filme, darunter den 16 Minuten langen Streifen „Le Voyage dans la Lune“ (1902; „Die Reise zum Mond“) nach dem Roman „Von der Erde zum Mond“ von Jules Verne, mit dem er das Genre des Science-Fiction-Films begründete.

Méliès bedient sich einer raffinierten Tricktechnik. Dabei werden alle Mittel der Illusionsbühne – Falltüren, Attrappen und unsichtbare Leinen, mittels derer die Darsteller durch die Luft schweben –, aber auch filmtechnische Mittel eingesetzt, etwa die Doppelbelichtung, das Stop-motion-Verfahren und der Kasch, bei dem ein Teil des Films abgedeckt und später belichtet wird. In anderer Hinsicht bleibt Méliès dagegen der Theaterästhetik verhaftet: Er dreht die Tableaux seiner Filme in einer einzigen Einstellung, macht Kamerafahrten nur für einen Trickeffekt und behält immer die gleiche Entfernung zwischen Kamera und abgefilmtem Objekt bei. Auch wenn Méliès‘ Filme mit den wild gestikulierenden Darstellern und den gemalten Pappkulissen ein wenig unbeholfen erscheinen, strahlen sie doch einen einzigartigen Charme aus. Da er als einer der ersten Regisseure Filme mit einer fiktiven Handlung inszeniert, hat sein Werk großen Einfluss auf andere Regisseure der Frühzeit, wie es u. a. viele Plagiate belegen. (Die Chronik des Films, Chronik Verlag, Gütersloh / München 1994, S. 16)

Das 1903 in New York eröffnete Büro leitete sein Bruder Gaston. Aber es dauerte nicht lang, bis ihm die 1896 von den vier Brüdern Charles, Émile, Théophile und Jacques Pathé in Paris gegründete Société Pathé Frères, die 1902 die Patentrechte der Gebrüder Lumière erwarb, das Wasser abgrub. Statt die fertigen Filme zu verkaufen, verlieh Pathé sie. Dieses Vertriebssystem setzte sich durch. Deshalb musste Georges Méliès das Filmgeschäft 1912 aufgeben.

Im Jahr darauf starb seine erste Ehefrau. Und im Ersten Weltkrieg verlor er sein Vermögen.

1925 heiratete Georges Méliès die Schauspielerin Jeanne d’Alcy. Kurz zuvor hatte er einen Spielzeugladen in der Metrostation Montparnasse übernommen. Den führte er bis 1932.

Ende der Zwanzigerjahre erinnerten sich einige Journalisten wieder an den Filmpionier. 1931 wurde Georges Méliès mit dem Kreuz der Ehrenlegion ausgezeichnet. Und man ermöglichte ihm und Jeanne ab 1932 einen Aufenthalt in einem Seniorenheim in Orly.

Dort starb Georges Méliès am 21. Januar 1938. Er wurde auf dem Prominentenfriedhof Père Lachaise beerdigt.

© Dieter Wunderlich 2012

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