Das Feuerschiff

Das Feuerschiff

Das Feuerschiff

Originaltitel: Das Feuerschiff – Regie: Florian Gärtner – Drehbuch: Lothar Kurzawa, nach der Erzählung "Das Feuerschiff" von Siegfried Lenz – Kamera: Achim Poulheim – Schnitt: Regina Bärtschi – Musik: Jörg Lemberg – Darsteller: Jan Fedder, Tobias Schenke, Axel Milberg, Christian Tasche, Margarita Broich, Henning Peker, Alexander Simon, Werner Wölbern, Alexander Grünberg, Siegfried Lenz u.a. – 2008; 90 Minuten

Inhaltsangabe

Bevor das Feuerschiff "Borkum Riff" ausgemustert wird, nimmt Kapitän Johann Freytag seinen Sohn Fred zur letzten Wache mit. Mit dem "schönen Lenz", den sich die Männer machen wollen, ist es vorbei, als sie drei Schiffsbrüchige aufnehmen und sich herausstellt, dass es schwer bewaffnete Verbrecher sind. Während Fred und die Mitglieder der Besatzung die Gangster überwältigen wollen, befiehlt Freytag, nichts gegen sie zu unternehmen und wird deshalb für feige gehalten ...
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Kritik

In "Das Feuerschiff", einer Verfilmung der gleichnamigen Erzählung von Siegfried Lenz, geht es um gewaltfreien Widerstand gegen eine Tyrannei. Ein kluger Kapitän und ein schlauer Verbrecher liefern sich ein spannendes Psychoduell.
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Johann Freytag (Jan Fedder) ist der Kapitän des Feuerschiffes „Borkum Riff“, das in Kürze ausgemustert und durch eine unbemannte Boje mit Positionslicht ersetzt werden soll. Bevor er die letzte Wache antritt, holt er seinen Sohn Fred (Tobias Schenke) vom Krankenhaus ab. Der Jugendliche war mit dem Auto verunglückt, weil er 2 Promille Alkohol im Blut hatte. Freytag weiß, dass Fred von ihm fort will und sich ein Ticket nach Wellington in Australien gekauft hat. Um seinem Sohn zu zeigen, was sein Vater in seinem Berufsleben gemacht hat, nimmt er ihn zur letzten Wache mit auf das Feuerschiff. Unterwegs schaut er bei seiner neuen Lebensgefährtin Inga (Margarita Broich) vorbei und gratuliert ihr zum Geburtstag.

Am Kai sitzt Siegfried Lenz (Siegfried Lenz) neben einem Poller, raucht seine Pfeife und angelt. „Moin Lenz“, grüßt Freytag im Vorübergehen. Eine Barkasse bringt ihn und seinen Sohn zum Feuerschiff. Fred ruft noch einmal seine Freundin Mona an, aber auf dem Wasser bricht die Handy-Verbindung ab. An Bord werden der Kapitän und sein Sohn von der Mannschaft begrüßt, von Rethorn (Christian Tasche), Gombert (Henning Peker), Zumpe (Alexander Simon), dem Funker Philippi und dem Koch Karl. Sie wollen sich während der letzten Wache einen „schönen Lenz“ (!) machen.

Als Fred mit einem Fernglas Ausschau hält, entdeckt er drei Männer, die mit ihrem Motorboot in Seenot geraten sind. Kapitän Freytag lässt das Boot einholen und am Feuerschiff festmachen. Dr. Caspary (Axel Milberg) und die beiden Brüder Edgar („Eddie“) und Eugen Kühl (Werner Wölbern, Jörg Ratjen) werden von ihm an Bord willkommen geheißen. Rasch stellt sich heraus, dass die drei Männer schwer bewaffnet sind. Den Nachrichten im Fernsehen ist zu entnehmen, dass sie einen Geldtransporter überfallen und zwei junge Augenzeuginnen erschossen haben. Caspary gibt sich höflich und besonnen, aber seine beiden Handlanger sind debil und jähzornig.

Caspary verlangt die Reparatur des Motorboots. Nachdem Freytag den Schaden untersuchen ließ, erklärt er den Gangstern, die Welle sei kaputt und die Reparatur werde bis zum nächsten Tag dauern. Daraufhin will Caspary das Rettungsboot des Feuerschiffs, aber ein Besatzungsmitglied hat inzwischen mit einem Vorschlaghammer die Winde beschädigt, damit es nicht ins Wasser gelassen werden kann. Die Verbrecher müssen sich wohl gedulden, bis das Motorboot wieder funktioniert.

Die Besatzung des Feuerschiffs fühlt sich den drei Männern gegenüber trotz der Schusswaffen überlegen und will sie überwältigen, aber der Kapitän lehnt jede Gewalt ab. Er hält den Funker Philippi auch davon ab, in seine regelmäßigen Meldungen einen verschlüsselten Hilferuf einzubauen. Nachts ertappt er seinen Sohn und zwei Besatzungsmitglieder, die sich mit schweren Werkzeugen an die Gangster heranpirschen und sie erschlagen wollen. Noch einmal befiehlt er ihnen, nichts gegen die unerwünschten Gäste zu unternehmen.

Von Stunde zu Stunde steigt die Spannung auf dem Feuerschiff. Zumpe gerät mit Eddie aneinander und wird von ihm zusammengeschlagen. Kurze Zeit später erschießt Eddie Gomberts zahmen Raben. Immer wieder mahnt der Kapitän zu Ruhe und Besonnenheit.

Die Mannschaft beginnt zu murren. Fred sagt seinem Vater ins Gesicht, was die Männer denken: Sie halten ihn für einen Feigling. Ließ er nicht vor einiger Zeit auch seinen Kameraden Ole (Alexander Grünberg) im Stich, als sie zusammen mit Lobesch Einbrecher in einem Lagerhaus überraschten? Freytag erklärt ihm, Ole habe damals versucht, die Räuber zu stellen, obwohl er und Lobesch ihn davon abhalten wollten, weil die Männer bewaffnet waren. Wie befürchtet, schossen die Verbrecher Ole nieder. Während er sterbend am Boden lag, stürzte sich Lobesch auf einen der Gangster, wurde aber auch überwältigt. Es hatte keinen Sinn. „Lobesch hat wenigstens ‚was riskiert!“, wendet Fred ein. Sein Vater antwortet: „Ich war nie ’n Held und nie ’n Märtyrer. Beide sind mir immer verdächtig gewesen. Sie machen es sich zu einfach.“

Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.

Im dichten Morgennebel stellt sich heraus, dass die Vertäuung des Motorboots in der Nacht durchgeschnitten wurde: Es ist weg. Damit wurde Freytags Plan durchkreuzt: Er hatte Anweisung gegeben, das Motorboot so zu reparieren, dass die Gangster höchstens 20 Meilen weit gekommen wären. Er verdächtigt zunächst den Steuermann Rethorn, aber Caspary klärt ihn darüber auf, dass er selbst das Boot losgemacht habe, weil er befürchtete, dass die Reparatur nur zum Schein vorgenommen werden sollte und sie nach einer Viertelstunde erneut in Seenot geraten wären.

Er erzählt Freytag, sein Vater sei Unternehmer gewesen, habe bei der Ahnenforschung festgestellt, dass alle vierzig Jahre in der Familie ein schwarzes Schaf auftauche und ihn daraufhin angeblickt. Dabei hatte er einen Zwillingsbruder, aber der galt immer als vorbildlich. Caspary studierte zwar Jura, aber statt mitzuhelfen, die gesellschaftliche Ordnung aufrechtzuerhalten, bereichert er sich durch Raubüberfälle.

Gombert schlägt Caspary nieder. Zumpe hilft ihm, den Gangster zu fesseln und zu knebeln. Aber es dauert nicht lang, bis Eddie und Eugen ihn suchen und befreien. Dabei erschießen sie Zumpe. Der Koch, der mit Zumpe ein homosexuelles Verhältnis hatte, rächt seinen Freund, ersticht Eugen und wirft die Leiche über Bord. Die Situation droht außer Kontrolle zu geraten.

Caspary will nun durchsetzen, dass Freytag ihn mit dem Feuerschiff an Land bringt. Aber das lehnt der Kapitän entschieden ab, denn durch die Positionsveränderung würden andere Schiffe die Orientierung verlieren und auf Sandbänke laufen. Auch als Caspary ihm 20 000 Euro bietet, lehnt er ab. Um den Kapitän zu erpressen, lässt Caspary Fred gefesselt und geknebelt an den Mast binden. Freytag bittet ihn, seinem Sohn nichts anzutun, und Caspary gibt ihn tatsächlich frei: Er benötigt Freytag nicht mehr, denn inzwischen ließ Rethorn sich von ihm bestechen. Freytag hat auf dem Schiff nichts mehr zu sagen. Sein Sohn und die Besatzung stellen sich gegen ihn.

Alle versammeln sich vor dem Ankerspill. Rethorn setzt den Elektromotor in Betrieb, mit dem der Anker eingeholt wird. Kapitän Freytag geht ruhig zum Ankerspill, obwohl Eddie mit der Maschinenpistole auf ihn zielt. Bevor Eddie ihn erschießt, schaltet er den Motor aus. Fred ersticht Eddie, und die Mannschaft überwältigt Caspary.

Bestürzt kniet Fred sich neben seinen sterbenden Vater. Freytag will wissen, ob das Feuerschiff auf seiner Position bleibt, und Fred versichert es ihm. Erst dann schließt Freytag für immer die Augen.

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Die 1960 von Siegfried Lenz veröffentlichte Erzählung „Das Feuerschiff“ (Hoffmann und Campe, Hamburg 1960; dtv, München 2008) wurde bereits 1963 von Ladislao Vajda und 1986 von Jerzy Skolimowski verfilmt:

Originaltitel: Das Feuerschiff – Regie: Ladislao Vajda
– Drehbuch: Curt Siodmak, nach der Erzählung „Das Feuerschiff“ von Siegfried Lenz – Kamera: Heinz Pehlke – Schnitt: Hermann Ludwig – Musik: Peter Sandloff – Darsteller: Dieter Borsche, Helmut Wildt, Michael Hinz, Pinkas Braun, James Robertson Justice, Georg Lehn, Sieghardt Rupp u.a. – 1963; 85 Minuten

Originaltitel: Das Feuerschiff – Regie: Jerzy Skolimowski – Drehbuch: William Mai, David Taylor, nach der Erzählung „Das Feuerschiff“ von Siegfried Lenz – Kamera: Charly Steinberger – Schnitt: Scott Hancock, Barrie Vince – Musik: Stanley Myers – Darsteller: Klaus Maria Brandauer, Tom Bower, Robert Costanzo, Badja Djola, Robert Duvall, William Forsythe, Arliss Howard, Michael Lyndon, Tim Phillips u.a. – 1986; 90 Minuten

2008 adaptierten Lothar Kurzawa (Drehbuch) und Florian Gärtner (Regie) die Erzählung „Das Feuerschiff“ für einen Fernsehfilm. (Lothar Kurzawa schrieb auch das Drehbuch für die Verfilmung des Romans „Der Mann im Strom“ von Siegfried Lenz.)

Der Film und die literarische Vorlage handeln vom gewaltfreien Widerstand gegen eine Tyrannei. Johann Freytag ist kein strahlender Held, sondern der pflicht- und verantwortungsbewusste, prinzipientreue und besonnene Kapitän eines Feuerschiffs, das anderen Schiffern Orientierung geben soll. Weil er sinnlosen Aktionismus ablehnt, gerät er bei seinem Sohn und seiner Mannschaft in den Verdacht, feige zu sein. Allein gelassen, fällt es dem Kapitän noch schwerer, die Ordnung aufrechtzuerhalten. Der kluge Kapitän Freytag und der schlaue Verbrecher Caspary liefern sich in „Das Feuerschiff“ ein spannendes Psychoduell.

Lothar Kurzawa und Florian Gärtner halten sich eng an die literarische Vorlage. Nur die Figur Inga wurde eigens für den Film erfunden. Und Siegfried Lenz hat einen kleinen Gastauftritt als Pfeife rauchender Angler. Die Handlung wurde allerdings um ein halbes Jahrhundert verlagert. Das ist ein wenig fragwürdig, denn Handys und Euros passen nicht zu einem Feuerschiff: Das letzte bemannte deutsche Feuerschiff, die „Borkumriff IV“, wurde am 15. Juli 1988 außer Betrieb genommen. Ein flächendeckendes Mobilfunknetz entstand erst in den Jahren danach in Deutschland, und den Euro gibt es seit 1. Januar 2002 als Bargeld.

Die klaustrophobe Atmosphäre in „Das Feuerschiff“ entsteht nicht zuletzt, weil sich die Handlung fast ausschließlich an Bord eines im Meer verankerten Schiffes abspielt. Ruhige Einstellungen, lakonische Dialoge und der Verzicht auf jede Effekthascherei entsprechen dem Stil der Erzählung von Siegfried Lenz. Die Rollen sind exzellent besetzt. (Jan Fedder überzeugte bereits in „Der Mann im Strom“.)

Es heißt, dass Bernd Eichinger plant, Siegfried Lenz‘ Roman „Schweigeminute“ (2008) zu verfilmen.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2008

Siegfried Lenz: Das Feuerschiff
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