Der schwarze Falke

Der schwarze Falke

Der schwarze Falke

Der schwarze Falke - Originaltitel: The Searchers - Regie: John Ford - Drehbuch: Frank S. Nugent, nach einem Roman von Alan LeMay - Kamera: Winton C. Hoch - Schnitt: Jack Murray - Musik: Max Steiner, Stan Jones - Darsteller: John Wayne, Jeffrey Hunter, Natalie Wood, Vera Miles, Ward Bond, John Qualen, Olive Carey, Henry Brandon, Ken Curtis, Harry Carey jr, Antonio Moreno, Hank Worden, Walter Coy, Dorothy Jordan, Pippa Scott, Lana Wood u.a. - 1956; 120 Minuten

Inhaltsangabe

Drei Jahre nach dem Sezessionskrieg kehrt Ethan Edwards einsam und verbittert zurück zu seinem Bruder Aaron, der mit seiner Familie und dem Pflegesohn Martin Pawley auf einer Ranch in Texas lebt. Kurz darauf brennt Häuptling Schwarzer Falke die Farm nieder. Aaron, seine Frau und sein Sohn werden von den Komantschen umgebracht, die beiden kleinen Töchter verschleppt und die ältere der beiden unterwegs ermordet. Fünf Jahre lang verfolgen Ethan und Martin Häuptling Schwarzer Falke ...
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Kritik

Der episch breit erzählte, aus vielen Einzelheiten komponierte Film ist ein halbes Jahrhundert alt, und die damals noch aus der Stummfilmzeit überkommenen theatralischen Gesten stören heute eher, aber "Der schwarze Falke" von John Ford gilt im Western-Genre als Klassiker.
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1868, drei Jahre nach dem amerikanischen Bürgerkrieg, kehrt Ethan Edwards (John Wayne) zurück zu seinem Bruder Aaron (Walter Coy), der mit seiner Familie und dem Pflegesohn Martin Pawley (Jeffrey Hunter) auf einer Ranch in Texas lebt. Martin, der zur Hälfte Cherokee ist, wurde als Kind von Ethan gefunden, kurz nachdem Indianer seine Eltern massakriert hatten. Nicht nur deshalb hasst Ethan die Rothäute. Aber er hat auch ihre Riten studiert und ihre Sprache erlernt. Was er in den letzten drei Jahren machte, verrät er nicht. Ethan verhält sich wortkarg, selbstgerecht und leugnet alle Empfindungen, die seine Unabhängigkeit in Frage stellen könnten. So lässt auch nur eine heimliche Geste ahnen, dass Ethan und seine Schwägerin nicht nur verwandtschaftliche Gefühle füreinander haben.

Am nächsten Morgen pocht Sam Clayton (Ward Bond), der zugleich Pastor und Captain der Bürgerwehr ist, an die Tür und fordert Aaron auf, sich seiner Gruppe von Freiwilligen anzuschließen: Sie sind auf der Jagd nach Viehdieben. Statt seines Bruders reitet Ethan mit, und Martin lässt es sich nicht nehmen, ihn zu begleiten.

Als Ethan begreift, dass die Viehdiebstähle nur den Zweck hatten, die Männer fortzulocken, ist es zu spät. Er reitet zurück, aber die Ranch seines Bruders wurde bereits von Komantschen niedergebrannt. Aaron Edwards, seine Frau Martha (Dorothy Jordan) und sein Sohn Ben (Robert Lyden) sind tot. Von den Töchtern Lucy (Pippa Scott) und Debbie (Lana Wood) fehlt jede Spur: Offenbar haben die Indianer sie verschleppt.

Noch einmal reitet die Bürgerwehr unter Claytons Kommando los, um die beiden Mädchen zu retten, aber ein Feuergefecht mit den von Häuptling Schwarzer Falke (Henry Brandon) geführten Komantschen muss unentschieden abgebrochen werden. Während Clayton mit der Bürgerwehr umkehrt, um einen Verwundeten nach Hause zu bringen, will Ethan allein weiterreiten. Aber er lässt es zu, dass Martin und Lucys Verlobter Brad Jorgensen (Harry Carey jr) sich ihm anschließen.

Nachdem Ethan Lucys Leiche gefunden hat, ist Brad nicht mehr zu halten: Zornig und verzweifelt galoppiert er auf das Indianerlager zu – und wird erschossen.

Monatelang verfolgen Ethan und Martin die Indianer, um wenigstens das kleine Mädchen Debbie zu befreien. Ohne etwas erreicht zu haben, reiten sie schließlich nach Hause. Die Jorgensens (Olive Carey, John Qualen) trauern um ihren Sohn. Ihre Tochter Laurie (Vera Miles) freut sich, ihren Verlobten Martin wiederzusehen und hofft, dass er nun bei ihr bleibt. Am nächsten Morgen ist der Einzelgänger Ethan bereits fort, als die anderen aufstehen. Obwohl Martin seine Braut liebt, bringt er es nicht fertig, Ethan allein zu lassen: Enttäuscht überlässt Laurie ihm ihr Pferd, damit er Ethan folgen kann.

Jerem Futterman (Peter Mamakos), ein betrügerischer Ladenbesitzer, bringt sie wieder auf die Spur des Häuptlings Schwarzer Falke. Als Futterman sich nachts zum Lagerfeuer der beiden Fremden schleicht und sie ausrauben will, erschießt Ethan ihn.

Um mit einem Komantschenstamm in Kontakt zu kommen und zu erfahren, wohin Häuptling Schwarzer Falke mit Debbie gezogen ist, tauschen Ethan und Martin ein paar Trapperhüte gegen Pferdedecken. Danach reitet ihnen eine Komantschenfrau (Beulah Archuletta) nach, und Ethan begreift als Erster, dass Martin für die Hüte nicht nur eine Decke, sondern auch eine Indianerfrau bekommen hat. Doch als sie die Squaw nach Häuptling Schwarzer Falke fragen, läuft sie davon.

Ethan und Martin finden ihre Leiche in einem von Soldaten überfallenen Indianerlager. Zwei bei dem militärischen Einsatz befreite weiße Frauen sitzen nur kichernd herum, und Ethan meint: „Das sind keine Weißen mehr!“ Damit meint er, sie seien von den Indianern verdorben worden und keine Menschen mehr. Ohne darüber zu reden, hat er seine Absicht bereits geändert: Er hofft nicht mehr darauf, seine Nichte Debbie befreien zu können, sondern er will sie „erlösen“, also töten. Im Gegensatz zu ihm, würde Martin das Mädchen, mit dem er wie ein Bruder zusammen aufwuchs, bei den Indianern lassen, wenn sie es freiwillig möchte.

Fünf Jahre nach dem Überfall der Indianer auf die Ranch lernen Ethan und Martin einen Mexikaner namens Emilio Gabriel Fernandez y Figueroa (Antonio Moreno) kennen, der sie zu Häuptling Schwarzer Falke bringt. Unter den Frauen in dessen Zelt ist auch eine junge Weiße: Debbie (Nathalie Wood). Obwohl Schwarzer Falke weiß, wer Ethan und Martin sind und was sie vorhaben, achtet er die Gastfreundschaft und lässt sie unbeschadet aus dem Zeltlager reiten.

Erst kurz danach greifen die Indianer an. Ethan wird zwar durch einen Schuss verletzt, aber er entkommt mit Martin.

Um sich von der Verletzung zu erholen, reitet er mit Martin nach Hause. Sie geraten mitten in eine Hochzeitsfeier: Laurie wollte nicht länger auf Martin warten und nahm deshalb den Antrag ihres Verehrers Charlie McCorry (Ken Curtis) an. Sobald Ethan und Martin auftauchen, bricht Sam Clayton die Trauung ab.

Gemeinsam gelingt es Clayton, Ethan, Martin und ein paar Freiwilligen, Debbie aus dem Indianerlager zu befreien und nach Hause zu bringen.

Erst jetzt erkennt Ethan, wie einsam und verbittert er ist und dass er sich fünf Jahre lang weniger von der Sorge um das Mädchen als von seinem Rassenhass leiten ließ. Die Zukunft gehört Männern wie Martin, die auf Rache verzichten, um die Spirale der Gewalt zu durchbrechen. Allein geht Ethan fort, auf der Suche nach sich selbst.

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Zu Beginn des Films „Der schwarze Falke“ kommt Ethan Edwards aus der Ferne geritten, und am Ende reitet er ebenso einsam wieder davon. Er gehört nicht in die Welt der Farmer, die auf dem Land, das sie den Indianern geraubt haben, etwas anpflanzen und ernten, sondern er ist ein heimatloser Einzelgänger, dem nichts wichtiger ist als seine Unabhängigkeit. Darin ähnelt er dem Indianerhäuptling Schwarzer Falke (im Original: Scar), auf den sich sein blinder Rassenhass konzentriert. John Wayne spielt diese Ikone des einsamen Antihelden, der am Ende einsieht, dass er sich jahrelang etwas vorgemacht hat.

John Ford hat „Der schwarze Falke“ im Monument Valley gedreht. Die Landschaftsaufnahmen sind denn auch sehr eindrucksvoll. Der episch breit erzählte, aus vielen Einzelheiten komponierte Film ist ein halbes Jahrhundert alt, und die damals noch aus der Stummfilmzeit überkommenen theatralischen Gesten stören heute eher, aber „Der schwarze Falke“ gilt im Western-Genre als Klassiker.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2006/2007

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