Die Perlenstickerinnen

Die Perlenstickerinnen

Die Perlenstickerinnen

Originaltitel: Brodeuses – Regie: Eléonore Faucher – Drehbuch: Eléonore Faucher, Gaëlle Macé – Kamera: Pierre Cottereau – Schnitt: Joële Van Effenterre – Musik: Michael Galasso – Darsteller: Lola Naymark, Ariane Ascaride, Marie Félix, Thomas Laroppe, Arthur Quehen, Jackie Berroyer, Anne Canovas, Marina Tomé, Elisabeth Commelin, Christophe Hatey, François Noël, Yasmine Modestine, Annie-Claude Sauton, Nathalie Kirzin, Ludivine Morissonaud u.a. – 2004; 90 Minuten

Inhaltsangabe

Die 17-jährige Claire lebt in einem Dorf und arbeitet im Supermarkt an der Kasse. Als sie schwanger wird, beschließt sie, das Kind zwar nicht abzutreiben, aber sofort nach der anonymen Geburt zur Adoption freizugeben. Nicht einmal ihre Eltern sollen etwas davon erfahren. Um ihr Geheimnis wahren zu können, meldet sie sich krank und fängt als Hilfskraft bei der einsamen Perlenstickerin Madame Mélikian an, die um ihren einzigen Sohn trauert, der bei einem Motorradunfall ums Leben kam ...
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Kritik

"Die Perlenstickerinnen" ist ein ernster, hoffnungsvoll endender Film. Eléonore Faucher erzählt einfühlsam, bedächtig und konzentriert, betont das Schweigen und verlässt sich auf ausdrucksstarke Bilder.
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Die siebzehnjährige Claire Moutiers (Lola Naymark) lebt in einem französischen Dorf und arbeitet im Supermarkt an der Kasse. Als sie schwanger wird, weil beim Koitus mit einem Kollegen das Kondom platzte, beschließt sie, das Kind zwar nicht abzutreiben, aber anonym zur Welt zu bringen und sofort nach der Geburt zur Adoption freizugeben. Nicht einmal ihre Eltern sollen etwas davon erfahren: Claire verbirgt ihren wachsenden Bauch unter Pullovern, Jacken und Mänteln. Nur ihrer Freundin Lucile (Marie Félix) schreibt sie, was geschehen ist und was sie vorhat. Als die Kolleginnen im Supermarkt Claire auf ihre veränderte Figur ansprechen, behauptet sie, krebskrank zu sein; die Cortisonbehandlung schwemme ihren Körper auf.

Um ihr Geheimnis wahren zu können, lässt sie sich von einer Ärztin (Marina Tomé) im Nachbarort krankschreiben. Und weil ihr Hobby das Sticken ist, bewirbt sie sich bei der Haute-Couture-Stickerin Madame Mélikian (Ariane Ascaride) als Hilfskraft. Madame Mélikian lebt allein in ihrem Haus und trauert um ihren einzigen Sohn, der bei einem Motorradunfall ums Leben kam. Luciles Bruder Guillaume (Thomas Laroppe), der bei dem Unfall verletzt wurde, gibt sich die Schuld am Tod seines Freundes.

So wie Claire sich von anderen abschottet, lässt auch die einsame Perlenstickerin niemanden an sich heran.

Claire ist gerade einmal zwei Wochen bei Madame Mélikian beschäftigt, als sie ihre Arbeitgeberin leblos am Boden liegend vorfindet: Sie hat sich vergiftet [Suizid]. Gerade noch rechtzeitig wird sie ins Krankenhaus eingeliefert.

Obwohl Madame Mélikian keine Besucher im Krankenhaus empfangen möchte und der Weg in die Stadt weit ist, fährt Claire jeden Tag zu ihr und bringt schließlich auch Guillaume mit.

Als Madame Mélikian wieder zu Hause ist, arbeiten sie und Claire weiter als Perlenstickerinnen. Ohne darüber zu reden, verstehen sie sich, und aus Distanz wird Freundschaft. Während Madame Mélikian durch Claire wieder ins Leben zurückfindet, befreit Guillaume sich von seinen Schuldgefühlen und verliebt sich in die Heranwachsende, die seine Gefühle erwidert und beschließt, ihre Tochter nach der Geburt mit Guillaume gemeinsam aufzuziehen.

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„Die Perlenstickerinnen“ handelt von Geburt und Tod, Verlust und Freundschaft. Eléonore Faucher erzählt einfühlsam, bedächtig und konzentriert von zwei Frauen: einer Witwe, die ihren Sohn verloren hat und durch die Annäherung der jüngeren wieder ans Leben zu glauben beginnt, und einer Heranwachsenden, die beschlossen hat, ihre Schwangerschaft zu verheimlichen und das Kind nach der Geburt zur Adoption wegzugeben, die jedoch durch die Begegnung mit der älteren Frau zu sich selbst findet und sich am Ende zu ihrem Baby bekennt.

„Die Perlenstickerinnen“ ist ein ernster, hoffnungsvoll endender Film. Das Entstehen und Wachsen der Freundschaft zwischen Madame Mélikian und Claire sowie die Selbstfindung der Siebzehnjährigen spiegeln sich auch in der Optik: Während zu Beginn grobe Ackerschollen und Kohlköpfe zu sehen sind, überwiegen am Ende Bilder von filigranen, kunstvoll mit Perlen bestickten Schleiern. Claire versteckt ihren Bauch nicht mehr unter dem Mantel, sondern zeigt ihre Schwangerschaft und kleidet sich fröhlicher. Parallel dazu werden die Farben heller.

Vieles bleibt unausgesprochen. Eléonore Faucher betont das Schweigen und verlässt sich auf die ausdrucksstarken Bilder von Pierre Cottereau.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2008

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