Hunter Davies : The John Lennon Letters

The John Lennon Letters

Hunter Davies

The John Lennon Letters

Originalausgabe: The John Lennon Letters Weidenfeld & Nicolson, London 2012 The John Lennon Letters. Erinnerungen in Briefen Übersetzung: Helmut Dierlamm, Werner Roller Piper Verlag, München 2012 ISBN 978-3-492-05555-0, 414 Seiten, 128 € (D) ISBN 978-3-492-05523-9, 414 Seiten, 39.99 € (D)
Buchbesprechung

Inhaltsangabe

Hunter Davies beschränkt sich bei seiner Sammlung von Selbstzeugnissen John Lennons nicht auf Briefe und Karten, sondern zeigt auch Zettel, Notizen und Skizzen. Viele davon sind als Faksimile abgebildet, und parallel dazu ist der ins Deutsche übersetzte Text in gedruckter Form zu lesen. Das gesammelte Material ordnet Hunter Davies mehr oder weniger chronologisch an, und den 23 Kapiteln stellt er Erläuterungen voran. Die ältesten Dokumente stammen aus John Lennons Kindheit, das letzte vom Tag seiner Ermordung.
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Kritik

Hunter Davies ermöglicht uns in "The John Lennon Letters" einen facettenreichen Blick auf den widersprüchlichen Charakter John Lennons. Der Pazifist konnte durchaus zornig werden; geistreich riss er philosophische Themen an, gab sich aber auch albern.

1968 veröffentlichte der britische Autor Hunter Davies (* 1936) die bisher einzige authorisierte Biografie der Beatles: „The Beatles. The Authorised Biography“ („Alles, was du brauchst, ist Liebe. Die Story der Beatles“, Übersetzung: Werner von Grünau, Droemer Knaur, München / Zürich 1968, 335 Seiten, seit 1978 unter dem Titel „Die Geschichte der Beatles“). Nach John Lennons Ermordung schlug er der Witwe Yoko Ono vor, Briefe des Ermordeten zu sammeln und zu veröffentlichen, aber sie wollte das nicht. Erst als Hunter Davies sie im Herbst 2010 noch einmal darauf ansprach, erklärte sie sich damit einverstanden. Und ins fertige Buch schrieb Yoko Ono Lennon am 17. März 2012: „Hunter, das hast Du gut gemacht.“

Als Hunter Davies anfing, nach Briefen und anderen schriftlichen Äußerungen John Lennons zu suchen, erwartete er, auf umfangreiche Sammlungen zu stoßen.

Aber zu seiner Überraschung fand er meistens nur einige wenige Dokumente im Besitz einer Person. In der Einführung zu seinem Buch „The John Lennon Letters“ schildert er einige kuriose Fälle, so zum Beispiel warum Ron Ellis 1963 absichtlich eine Notiz von John Lennon zerschnitt. Eine Gruppe von Schülerinnen entdeckte bei ihm durch Zufall einen Zettel, auf dem John Lennon aufgelistet hatte, welche amerikanischen Platten er haben wollte. Um möglichst vielen von ihnen eine Freude machen zu können, zerschnipselte Ron Ellis die Liste.

Hunter Davies beschränkte sich nicht auf Briefe und Karten, sondern sammelte auch Notizen, Skizzen, Einkaufszettel und andere Selbstzeugnisse von John Lennon. E-Mails und Tweets gab es damals noch nicht.

John Lennon war nicht nur einer der Beatles und Friedensaktivist, sondern schrieb auch von klein auf Gedichte und Geschichten. In den Sechzigerjahren veröffentlichte er zwei Bücher mit Kurzgeschichten: „In His Own Write“ (1964, „In seiner eigenen Schreibe“, Übersetzung: Wolf D. Rogosky, 1965) und „A Spaniard in the Works“ (1965, „Ein Spanier macht noch keinen Sommer“, 1966). John Lennon war also nicht nur Musiker, sondern auch Schriftsteller.

John Lennon reagierte auf die meisten Dinge, ob sie nun mit Freude oder Zorn, Angst oder Abscheu verbunden waren, indem er schrieb. Er reagierte mit Worten, nicht nur mit Musik. Wann immer er einen Einfall hatte, einen Gedanken oder einen Wunsch äußern wollte, war es für ihn etwas ganz Normales, zu Papier und Stift zu greifen.

Viele der Dokumente, die Hunter Davies für das Buch „The John Lennon Letters“ zusammengetragen hat, sind als Faksimile abgebildet, und parallel dazu ist der Text in gedruckter Form zu lesen. Für die deutsche Ausgabe wurde der gedruckte Text übersetzt.

Das gesammelte Material ordnet Hunter Davies in „The John Lennon Letters“ mehr oder weniger chronologisch in 23 Kapiteln an.

  1. Die frühen Jahre, 1951–1958
  2. Hamburg, 1960–1962
  3. Die Beatlemania beginnt, 1963
  4. Werke und Widmungen, 1964
  5. Familie und Freunde, 1965–1966
  6. Freddie ist wieder da, 1967–1968
  7. Indien, 1968
  8. Auftritt Yoko Ono, 1968
  9. Bed-in für den Frieden, 1969
  10. Apple Dramen, 1969
  11. Ur- und Aufschreie, 1970
  12. Anliegen und Klagen, 1971
  13. Probleme mit Paul, 1971
  14. 1971
  15. Amerika und neue Probleme, 1972–1973
  16. Spaß und Spiele, 1973–1974
  17. Familienangelegenheiten, 1975
  18. Todesfälle, 1975–1976
  19. Die Green Card: Ticket in die Freiheit, 1976–1977
  20. Briefe an Derek Taylor, 1973–1978
  21. Allein zu Haus, 1977–1978
  22. Immer noch zurückgezogen, 1979
  23. Double Fantasy, 1980

Den einzelnen Kapiteln hat Hunter Davies Erläuterungen vorangestellt.

Ich habe versucht, die Briefe so anzuordnen, dass sie die Geschichte von Johns Leben erzählen, als fortlaufender Bericht, ohne durch inhaltliche Sprünge künftige Ereignisse vorwegzunehmen, auch wenn die meisten von uns heute wissen, was die Zukunft für ihn bereithielt. Ich habe außerdem versucht, wo immer dies möglich war, die Person, für die der Brief bestimmt war, und ihre Geschichte zu beschreiben.

Im Alter von elf Jahren schrieb John Lennon mit der Hand das Buch „A Treasury of Art and Poetry“, ein oder zwei Jahre später bastelte er eine Zeitung, und um 1955 kritzelte der 15-Jährige auf einen Zettel eine Nachricht, die vermutlich für seine Tante Harriet bestimmt war: „Harry, I have taken Davids bike. I will return it tomorrow (so as not to break into the £ 1). John“. Beim letzten in „The John Lennon Letters“ veröffentlichten Dokument handelt es sich um ein Autogramm von John Lennon und Yoko Ono für Rebeah Love, eine Telefonistin der Record Studios in New York. Es ist vom 8. Dezember 1980. Noch am selben Abend wurde John Lennon von Mark Chapman erschossen.

Die meisten Dokumente werden in „The John Lennon Letters“ zum ersten Mal veröffentlicht.

John Lennon war ein geistreicher Autor. Er riss politische und philosophische Themen an, gab sich aber auch albern. Manchmal war er liebenswert, erlaubte sich jedoch auch maliziöse Scherze und konnte ein Fiesling sein. Er propagierte Liebe und Friedfertigkeit, war mitunter aber auch hasserfüllt. „The John Lennon Letters“ ermöglicht einen facettenreichen Blick auf den widersprüchlichen Charakter John Lennons.

Hunter Davies hat seiner Sammlung von „Erinnerungen in Briefen“ – so der Untertitel – außer einer Einführung eine kurze Biografie John Lennons vorangestellt. Der Anhang bietet eine Bibliografie und ein umfangreiches Register.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2013
Textauszüge: © Piper Verlag

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