Die Liebenden von Pont-Neuf

Die Liebenden von Pont-Neuf

Die Liebenden von Pont-Neuf

Die Liebenden von Pont-Neuf - Originaltitel: Les Amants du Pont-Neuf - Regie: Léos Carax - Drehbuch: Léos Carax - Kamera: Jean-Yves Escoffier - Schnitt: Nelly Quettier - Darsteller: Denis Lavant, Juliette Binoche, Klaus-Michael Grüber - 1991; 136 Minuten

Inhaltsangabe

Angeödet von der Welt, lebt der 28-jährige Feuerschlucker Alex als Clochard auf dem von 1989 bis 1991 wegen Renovierung geschlossenen Pont Neuf, der ältesten Brücke von Paris. Dort schläft eines Nachts auch die vier Jahre jüngere Offizierstochter Michèle Stelens, die sich aufgegeben hat, weil sie wegen einer Augenerkrankung nicht mehr malen kann ...
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Kritik

Bei dem brillant inszenierten Kinomärchen "Die Liebenden von Pont-Neuf" handelt es sich um die grandiose Liebesgeschichte eines Penner-Paares, das von Juliette Binoche und Denis Lavant überaus intensiv gespielt wird.
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Angeödet von der Welt, lebt der 28-jährige Feuerschlucker Alex (Denis Lavant) als Clochard auf dem von 1989 bis 1991 wegen Renovierung geschlossenen Pont Neuf, der ältesten Brücke von Paris. Dort schläft eines Nachts auch die vier Jahre jüngere Offizierstochter Michèle Stelens (Juliette Binoche), die sich aufgegeben hat, weil sie wegen einer Augenerkrankung nicht mehr malen kann. Ein Auge hat sie verbunden, und mit dem anderen sieht sie immer schlechter. In der Mappe, die sie bei sich hat, entdeckt Alex eine Zeichnung von sich: Offenbar beobachtete ihn Michèle, als er mit gebrochenem Knöchel auf der Straße lag.

Auf dem Pont Neuf hat der alte Penner Hans (Klaus-Michael Grüber) das Sagen. Er vertreibt das Mädchen. Alex läuft ihr nach und fragt sie nach der Zeichnung. Als Gegenleistung verlangt Michèle, dass er am Seineufer Modell für ein Porträt sitzt. Doch bevor die Zeichnung fertig ist, verliert sie das Bewusstsein. Alex bringt sie wieder auf die Brücke und überredet den Alten, sie ein paar Tage lang zu dulden, damit sie sich erholen kann. Hans verlangt allerdings, dass ihm das Mädchen nicht unter die Augen kommt und keinen Alkohol trinkt.

Alex schenkt Michèle ein rotes Kofferradio, das er im Müll findet. Er folgt ihr heimlich zu einer Metrostation. In einem der Durchgänge verscheucht er einen jungen Cellospieler. Gleich darauf kommt Michèle und fragt, ob er einen Cellospieler gesehen habe. Das Cello sei von einer dicken Frau gespielt worden, lügt Alex. Michèle sieht den Cellospieler, als dieser gerade in eine U-Bahn einsteigt. Im letzten Augenblick springt sie in den Zug.

Sie läutet bei ihrem früheren Geliebten Julien. Er blickt durch den Türspion, sieht jedoch nichts, weil sie den Lauf einer Pistole ihres Vaters dagegen hält. Vergeblich bittet sie ihn, zu öffnen. Sie schießt. Im nächsten Augenblick erwacht sie in der U-Bahn von ihrem Alptraum. Der Cellospieler ist inzwischen ausgestiegen.

Zurück auf dem Pont-Neuf betrinken sich Alex und Michèle mit Rotwein. Der Alte, der sie dabei ertappt, schimpft: „Es wiederholt sich immer wieder!“ Plötzlich wird der Himmel anlässlich des Nationalfeiertages von einem riesigen Feuerwerk erleuchtet. Trunken vor Wein und Glück tanzen Alex und Michèle auf der Brücke. Alex schlägt mit dem linken Fuß so lange gegen das Betongeländer, bis der Gipsverband zerbricht. Michèle holt die Pistole ihres Vaters hervor und bittet Alex, zu prüfen, ob eine Patrone fehlt. Nein, das Magazin ist voll. „Ich habe Lust, zu schießen“, sagt Michèle und feuert sieben Schüsse ab, während um die Brücke herum Raketen hochzischen und Böller krachen. Alex schießt ebenfalls sieben Mal in die Luft. Eine Patrone heben sie „für die Zukunft“ auf. Einen müden Polizisten, der die Polizeiboote bewacht, setzt Alex durch einen Schlag auf den Kopf außer Gefecht. Mit einem festlich beleuchteten Polizeiboot zieht Alex Michèle auf Wasserskiern über die Seine. Bevor Michèle auf der Brücke einschläft, gibt sie Alex die Pistole und bittet ihn, sie ins Wasser zu werfen. Alex steckt sie in den Hosenbund und wirft stattdessen einen seiner beiden Schuhe über das Geländer.

„Du also auch. Du suchst die Liebe, wie die anderen“, sagt der Alte zu Alex. „Dazu braucht man Schlafzimmer. Das verträgt keinen Wind. Das gibt es hier nicht. Sie muss weg.“

Michèle erzählt dem alten Clochard, dass sie im Museum war, um sich noch einmal ein bestimmtes Bild anzusehen, bevor sie völlig erblindet ist. Aber man hat dort eine Neonröhre installiert, und das grelle Licht schmerzte sie in den

Augen. Hans war 30 Jahre lang Wärter und hat alle Schlüssel aufgehoben. Auch der für das Museum ist dabei. Er bietet ihr an, nachts mit ihr hinzugehen, damit sie das Gemälde bei Kerzenlicht betrachten kann. Erstaunt nimmt Michèle zur Kenntnis, dass Hans nicht schon immer auf dem Pont Neuf gelebt hat. Auch für ihn gab es ein Leben davor. Er erinnert sich an seine Frau Florence. Als die Tochter starb, bohrte sich der Schmerz zwischen ihn und Florence. Eines Tages ging sie fort. Wochen später fand er sie: Sie lebte jetzt auf der Straße und sah mit ihren 33 Jahren wie eine Fünfzigjährige aus. Als sie starb, warf er ihre Leiche ins Wasser. Noch einmal beschwört Hans das Mädchen, wegzugehen und wieder zu leben.

Um einschlafen zu können, benötigt Alex ein starkes Schlafmittel, das er von Hans erhält. Eine Handvoll der Ampullen stiehlt Michèle dem schlafenden Alten. Dann setzt sie sich in Straßencafés, träufelt die Flüssigkeit unachtsamen Männern ins Glas und raubt ihnen das Geld.

„Hast du schon mal das Meer und den Horizont gesehen?“, fragt sie Alex. „Nein, aber es muss nicht sein“, erwidert er. Sie fährt mit ihm ans Meer und legt sich am Strand mit ihm schlafen. „Vor allem bin ich stolz darauf, dir das Schlafen beigebracht zu haben“, murmelt sie. Das sei ein Liebesbeweis. Sie merkt nicht, dass Alex heimlich eine Ampulle aus ihrer Tasche nimmt, sobald sie eingeschlafen ist.

10 000 gestohlene Francs bewahren sie schließlich in einer Blechschachtel auf. Als Michèle auf dem Pont Neuf ein paar Gymnastikübungen macht, schiebt Alex die Schachtel auf dem Brückengeländer näher zu ihr. Mit einer unachtsamen Armbewegung schlägt Michèle das Geld ins Wasser.

Es wird dunkel. Alex sucht auf der Brücke nach Michèle. Sie hat sich von Hans in das Museum führen lassen. Er nimmt sie auf die Schultern und hält eine Kerze hoch, damit sie das Gemälde – einen Rembrandt – betrachten kann. Als sie wieder auf die Brücke kommt, schlägt Alex auf sie ein; sie prügeln sich. Dann beschwört sie ihn: „Versuch‘ nicht so zu leiden!“ An seinem Bauch entdeckt sie die Narben zahlreicher Messerstiche.

Der Alte geht inzwischen zur Seine hinunter, wirft die Schlüssel weg und ertränkt sich.

Michèle erblindet mehr und mehr. „Willst du mein Treppengeländer sein, mein Blindenhund?“, fragt sie Alex in einem Durchgang der Metro. Er tollt vor ihr herum, bis er ein Plakat mit dem Bild Michèles entdeckt. Sie wird gesucht, weil es inzwischen eine Möglichkeit gibt, sie zu heilen. Er zerfetzt den Anschlag. Doch als er um die nächste Ecke kommt, bemerkt er Dutzende solcher Plakate an den Wänden. Die zündet er alle an. Im Freien verfolgt er einen Plakatkleber und setzt dessen Fahrzeug in Brand. Der Mann kommt in den Flammen um.

Zurück auf dem Pont Neuf nimmt Alex Michèle in die Arme: „Halt mich fest. Ich habe Angst gehabt.“ Das rote Kofferradio ist eingeschaltet, und plötzlich ist die Suchmeldung zu hören. Auf diese Weise erfährt Michèle nun doch von ihrer neuen Chance.

Noch einmal trinken sie zusammen auf der Brücke Rotwein. Am anderen Morgen ist Michèle verschwunden. Alex liest am Brückengeländer: „Ich liebe dich nicht mehr. Vergiss mich.“ Da nimmt der die Pistole und schießt sich einen Finger ab.

Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.

Wegen fahrlässiger Tötung des Plakatklebers wird er zu drei Jahren Haft verurteilt. Im Gefängnis arbeitet er als Schweißer. Zwei Jahre später besucht ihn Michèle. Ihre Augen sind geheilt. Alex hinkt nicht mehr. Die Hand mit dem fehlenden Finger versteckt er in der Hosentasche. Am Vortrag war Michèle am Pont Neuf. Die Renovierung ist abgeschlossen. Michèle will Alex nun häufiger besuchen, aber er schlägt stattdessen vor, dass sie sich in einem halben Jahr, wenn er wieder frei ist, in der Silvesternacht auf dem Pont Neuf treffen.

An Silvester schneit es. Um Mitternacht steigt Michèle auf dem Pont Neuf aus einem Taxi. Auf der anderen Straßenseite wartet Alex auf sie. Michèle wird beinahe von einem Auto überfahren; Alex gleitet auf dem Schnee aus und rutscht ihr vor die Füße. Michèle zeichnet nun endlich sein Porträt. Sie trinken Champagner. Als Michèle das 3-Uhr-Läuten hört, will sie sich verabschieden. Sie müsse nach Hause. Da ahnt Alex, dass sie mit einem anderen Mann zusammenlebt. (Es ist der Augenarzt Dr. Destouches, der sie vor dem Erblinden bewahrte.) „Alles Lüge!“, knurrt Alex, packt Michèle und stürzt sich mit ihr von der Brücke.

Von einem Lastkahn werden sie aufgefischt. Der gehört einem alten Ehepaar. „Wir handeln nicht, wir machen nur Transporte“, erklärt die Frau. Es ist die letzte Fahrt, die sie und ihr Mann unternehmen. Sie geht „bis ans Ende“, nach Le Havre. Da wollen Alex und Michèle auch hin. Voller Lebensfreude laufen sie über die Sandhaufen nach vorne und beugen sich weit über den Bug hinaus. (Ein Bild, das James Cameron später in „Titanic“ berühmt machte.)

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Diese grandiose Liebesgeschichte eines Penner-Paares wird von Juliette Binoche und Denis Lavant überaus intensiv gespielt.

Drei Jahre lang dauerten die Dreharbeiten an dem brillant inszenierten und fotografierten Kinomärchen „Die Liebenden von Pont-Neuf“. Zwei Produktionsfirmen trieb Léos Carax nahezu in den Bankrott. Erst unter dem dritten Produzenten konnte er das Werk vollenden. Da wegen der Verzögerungen nicht alles während der Renovierung des Pont Neuf gefilmt werden konnte, ließ der besessene Regisseur die Brücke, den Fluss und das Stadtpanorama in der Camarque als Kulissen errichten.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2002

Léos Carax: Die Nacht ist jung
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B. S. Johnson - Albert Angelo
"Albert Angelo" ist eine originelle Satire von B. S. Johnson auf die Gesellschaft. Das Lesevergnügen resultiert hier nicht aus einer spannenden Geschichte, sondern aus der eigenwilligen Art der Darstellung, einer Art Collage.
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