Alfred Andersch


Alfred Andersch wurde am 4. Februar 1914 in München geboren. Nach dem Abbruch des Gymnasiums in der Untertertia absolvierte er eine Buchhändlerlehre. Gegen seinen Vater, einen nationalistisch eingestellten Offizier, rebellierte er, indem er 1930 KPD-Mitglied wurde und sich 1932/33 als Jugendfunktionär engagierte. Deshalb sperrten ihn die Nationalsozialisten 1933 ein halbes Jahr im Konzentrationslager Dachau ein. 1940/41 war Alfred Andersch bei der Wehrmacht. Nach seiner Entlassung arbeitete er als Büroangestellter, bis er 1943 erneut zum Kriegsdienst musste und sich von seiner Ehefrau Angelika scheiden ließ.

Im Jahr darauf desertierte er an der Arno-Front in Italien und geriet in amerikanische Kriegsgefangenschaft. Im Lager lernte er Hans Werner Richter kennen, mit dem zusammen er nach der Freilassung die literarisch-politische Wochenzeitschrift „Der Ruf“ herausgab, bis diese 1947 von der amerikanischen Besatzungsmacht wegen ihrer nonkonformen Grundhaltung verboten wurde.

1947 gehörte Alfred Andersch zu den Gründungsmitgliedern der „Gruppe 47“. Von 1948 bis 1958 leitete er Sendereihen bei mehreren deutschen Rundfunkanstalten, und von 1955 bis 1957 editierte er die literarische Zweimonatsschrift „Texte und Zeichen“. 1950 heiratete er Gisela Dichgans. 1952 veröffentlichte Alfred Andersch den autobiografischen Bericht „Die Kirschen der Freiheit“ und fünf Jahre später den Roman „Sansibar oder Der letzte Grund“.

Um sich von der zunehmenden Kommerzialisierung des Literaturbetriebs in der Bundesrepublik Deutschland zu distanzieren, zog Alfred Andersch 1958 in die Schweiz. (1972 erhielt er die Schweizer Staatsbürgerschaft.)

Am 21. Februar 1980 starb Alfred Andersch in Berzona bei Locarno.

Im Mittelpunkt der Romane, Erzählungen und Hörspiele von Alfred Andersch stehen häufig Außenseiter, und zumeist geht es um die Frage der Freiheit des Einzelnen.

Anderschs Werk […] ist durchgängig von seinem Glauben an die Möglichkeiten existenzieller Entscheidungsfreiheit des Individuums und an die Kunst als Ort und Verkörperung einer Freiheitsutopie geprägt. Damit stellt sich Andersch in deutliche Nähe zum französischen Existenzialismus, für dessen Rezeption im Nachkriegsdeutschland er sich energisch einsetzte […] Der historisch präzisierte Kontext erscheint […] als austauschbare Modellsituation für eine philosophische Reflexion über das Zusammenspiel von Freiheit, Notwendigkeit und Zufall im menschlichen Handeln, die Andersch im Rückgriff u. a. auf Spinoza und Marx historisch vertieft. (Harenbergs Lexikon der Weltliteratur, Dortmund 1989, Band 1, Seite 138)

Eine kommentierte Gesamtausgabe der Werke von Alfred Andersch in zehn Bänden wurde von Dieter Lamping im Diogenes Verlag herausgegeben.

Alfred Andersch: Bibliografie (Auswahl)

  • Die Kirschen der Freiheit (autobiografischer Bericht, 1952)
  • Sansibar oder der letzte Grund (Roman, 1957)
  • Geister und Leute (Erzählungen, 1958)
  • Fahrerflucht (Hörspiel, Regie: Marcel Wall-Ophüls, 1958)
  • Der Tod des James Dean (Feature, Regie: Friedhelm Ortmann, Musik: Miles Davis, 1959)
  • Die Rote (Roman, 1960; Neufassung: 1972)
  • Wanderungen im Norden (Reisebericht, 1962)
  • Ein Liebhaber des Halbschattens (Erzählungen, 1963)
  • Efraim (Roman, 1967)
  • Mein Verschwinden in Providence (Erzählungen, 1971)
  • Winterspelt (Roman, 1974 / 1977)
  • Der Vater eines Mörders. Eine Schulgeschichte (autobiografische Erzählung, 1980)

Literatur über Alfred Andersch

  • Maria Elisabeth Brunner: Der Deserteur und Erzähler Alfred Andersch. „Dass nichts dunkel gesagt werden darf, was auch klar gesagt werden kann“ (1997)
  • Michael Hesse: Kunst als fraktales Spiel. Potentiale der Kommunikation in den Romanen Alfred Anderschs (2004)
  • Rüdiger Heßling: Autobiographie in Erzählungen. Studien und Interpretationen zu den Franz-Kien-Geschichten von Alfred Andersch (2000)
  • Bernhard Jendricke: Alfred Andersch (Rowohlt-Bildmonografie)
  • Marcel Korolnik, Annette Korolnik-Andersch (Hg.): Sansibar ist überall. Alfred Andersch. Seine Welt in Texten, Bildern, Dokumenten (2008)
  • Friedhelm Niggemeier: Alfred Andersch, Sansibar oder der letzte Grund (2 Bände mit Materialien und Informationen für Lehrerinnen und Lehrer, 2010)
  • Friedhelm Niggemeier: Begegnungen Alfred Andersch und Ernst Barlach. Sansibar oder der letzte Grund und der Lesende Klosterschüler (2010)
  • Stephan Reinhardt: Alfred Andersch. Eine Bibliographie (1996)
  • Ursula Reinhold: Alfred Andersch. Politisches Engagement und literarische Wirksamkeit (1988)

© Dieter Wunderlich 2006 / 2008

Alfred Andersch: Sansibar oder der letzte Grund
Alfred Andersch: Die Rote

Patricia Highsmith - "Small g" – eine Sommeridylle
Die Handlung ist unspektakulär. Bei "'Small g' – eine Sommeridylle" handelt es sich wohl kaum um Patricia Highsmiths bestes Werk, aber um eine leichte, unterhaltsame Lektüre und ein Plädoyer für Toleranz und Solidarität.
„Small g“ – eine Sommeridylle

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