Die Kaperung der Maersk Alabama


Am 8. April 2009 wurde die mit Hilfsgütern beladene MV Maersk Alabama auf der Fahrt von Salala in Oman nach Mombasa in Kenia in 310 Seemeilen Entfernung von der somalischen Küste von vier Piraten angegriffen. An Bord des 1998 in Taiwan gebauten Containerschiffs der zur dänischen A. P. Møller-Mærsk gehörenden amerikanischen Reederei Mærsk Line Limited waren Kapitän Richard Phillips und 19 weitere Besatzungsmitglieder.

Richard Phillips war vor Piratenangriffen gewarnt worden, hatte aber die Empfehlung, einen Mindestabstand von 600 Seemeilen zur somalischen Küste einzuhalten, ignoriert.

Kurz bevor die Piraten das Containerschiff enterten, wies Phillips die Besatzung an, sich unter Deck zu verstecken, während er mit drei Offizieren auf der Brücke blieb. Den vier Piraten, die an Bord kamen, trat der Kapitän unbewaffnet

entgegen. Während die Seeräuber nach den anderen Seeleuten suchten, schalteten diese die Systeme einschließlich des Notstromgenerators ab. Schließlich gelang es der Besatzung, einen der Piraten zu überwältigen und unter Deck festzusetzen. Weil das Motorboot der Piraten beim Entern verloren gegangen war, bot ihnen Kapitän Phillips als Gegenleistung für ihr Verschwinden außer der Freilassung der Geisel das Rettungsboot an und erklärte sich bereit, ihnen Treibstoff, Proviant und 30 000 Dollar Bargeld aus dem Tresor mitzugeben.

Die Piraten ließen sich darauf ein, behielten Kapitän Phillips jedoch als Geisel, obwohl ihr Mann freigelassen wurde.

In der Nacht zum 9. April erreichte der Zerstörer USS Bainbridge unter dem Kommando von Frank Castellano die Maersk Alabama, die dem Freifallrettungsboot gefolgt war, und eine Lockheed P-3 Orion überflog den Ort, um die Situation aufzuklären.

Als die Amerikaner mit den Piraten Kontakt aufnahmen, versuchten diese, die Millionen, die sie mit der Kaperung des Containerschiffs hatten erpressen wollen, für die Freilassung des Kapitäns zu bekommen.

Am 10. April setzte die Maersk Alabama die Fahrt nach Mombasa fort.

Richard Phillips gelang es, aus dem Rettungsboot ins Wasser zu springen. Aber bevor er zu dem Kriegsschiff schwimmen konnte, holten ihn die Seeräuber zurück.

Kurz darauf traf die Fregatte USS Halyburton ein.

In der Nacht zum 12. April 2009 wurde eine Spezialeinheit der United States Navy SEALs mit Fallschirmen abgesetzt und von der Bainbridge aufgenommen. Die Amerikaner wollten verhindern, dass die Seeräuber die Küste erreichten, denn an Land wäre eine Befreiung der Geisel kaum noch möglich gewesen.

Als das kleine Rettungsboot in Seenot geriet, ließen die Piraten sich von der Bainbridge in Schlepp nehmen, und einer von ihnen – Abdiwali Abdiqadir Muse – kam an Bord des Zerstörers, um eine Handverletzung behandeln zu lassen und mit den Amerikanern über eine Lösegeldzahlung zu verhandeln.

Scharfschützen der SEALs lauerten auf eine Gelegenheit, alle drei Piraten auf dem Rettungsboot gleichzeitig zu erschießen. Das geschah am Abend des 12. April. Danach holten die Amerikaner den Kapitän auf die inzwischen ebenfalls eingetroffene USS Boxer, ein amphibisches Angriffsschiff der Navy, und versorgten ihn medizinisch.

Abdiwali Abdiqadir Muse, der einzige überlebende Pirat, wurde noch an Bord der Bainbridge verhaftet und 2011 in New York zu 33 Jahren und neun Monaten Haft verurteilt.

Elf der Besatzungsmitglieder klagten später gegen die Reederei wegen angeblich unzureichender Sicherheitsmaßnahmen und weil Kapitän Richard Phillips den empfohlenen Sicherheitsabstand zur somalischen Küste nicht eingehalten hatte.

Mehrere Beteiligte schrieben Bücher über die Kaperung der Maersk Alabama. Außerdem machten mehrere Augenzeugen bei der Fernseh-Dokumentation „Somali Pirate Takedown. The Real Story“ (2009) mit. Das 2010 von Richard Phillips und Stephan Talty veröffentlichte Buch „A Captain’s Duty. Somali Pirates, Navy SEALS, and Dangerous Days at Sea“ („Höllentage auf See. In den Händen von somalischen Piraten, gerettet von Navy Seals“, Übersetzung: Karlheinz Dürr und Norbert Juraschitz, Heyne Verlag, München 2013, 333 Seiten, ISBN 978-3-453-20062-3) wurde von Paul Greengrass verfilmt: „Captain Phillips“.

© Dieter Wunderlich 2014

Paul Greengrass: Captain Phillips

William Gaddis - J R
In dem Roman "J R" gibt es weder Kapitel noch einen Erzähler; "J R" besteht fast ausschließlich aus Dialogen, aus einem Chor von zwei Dutzend Stimmen, wobei sich die Identitäten der Figuren nur aufgrund einer eventuellen Anrede bzw. an sprachlichen Eigenheiten erkennen lässt. Das liest sich wie unredigierte Protokolle von Tonbandmitschnitten.
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