Der blinde Fleck

Der blinde Fleck

Der blinde Fleck

Originaltitel: Der blinde Fleck – Regie: Tom Zenker – Drehbuch: Tom Zenker – Kamera: Frank Meyer – Schnitt: Sarah J. Levine – Darsteller: Jan Gregor Kremp, Nina Petri, Henriette Schmidt, Jakob Diehl, Hans-Uwe Bauer, Josef Heynert, Joachim Kappl, Lukas Weerts u.a. – 2008, 90 Minuten

Inhaltsangabe

Zwei Streifenpolizisten werden mit ihren Dienstwaffen erschossen. Noch in der Nacht verhaftet man die Abiturientin Laura König und findet eine der beiden Pistolen bei ihr. Ihr Begleiter, der vermutlich die andere Pistole hat, kann entkommen. Lauras Vater Eckhard ist selbst Streifenpolizist und kannte die beiden Opfer gut. Er will nicht glauben, dass seine Tochter etwas mit dem Doppelmord zu tun hat ...
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Kritik

"Der blinde Fleck" beginnt mit einem Doppelmord, aber nicht die Aufklärung der Tat steht im Mittelpunkt des Films von Tom Zenker, sondern der Vater der Tatverdächtigen, der versucht, das Bild von der intakten Familie um jeden Preis aufrechtzuerhalten.
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Stromausfall. Jemand hat einen Pfeil über die Hochspannungsleitung geschossen und dadurch einen Kurzschluss ausgelöst. Zwei Streifenpolizisten, die in der Nacht ein verdächtiges Paar kontrollieren wollen, werden ihrer Dienstwaffen beraubt und durch Schüsse verletzt; der eine ist sofort tot, der andere stirbt einige Tage später auf der Intensivstation im Krankenhaus. In der Nähe des Tatorts verhaftet man die Abiturientin Laura König (Henriette Schmidt) und findet eine der beiden Dienstwaffen bei ihr. Ihr Begleiter, der vermutlich die andere Pistole hat, kann entkommen.

Hauptkommissar Markus Dietz (Hans-Uwe Bauer) leitet die Ermittlungen. Er ist mit Lauras Vater Eckhard König (Jan Gregor Kremp) befreundet. Eckhard ist selbst Streifenpolizist und kannte die beiden Opfer gut. Er will nicht glauben, dass seine Tochter etwas mit dem Doppelmord zu tun hat. Stattdessen nimmt er an, dass Lauras neuer Freund Max (Jakob Diehl) die beiden Kollegen erschoss. Seine Frau Marianne (Nina Petri), die im Krankenhaus als Pflegerin arbeitet, blendet die Möglichkeit, dass ihre Tochter zumindest mitschuldig sein könnte, jedoch nicht aus.

Durch die Freundschaft mit dem Philosophie-Studenten und fanatischen Kritiker des bestehenden Gesellschaftssystems veränderte sich Laura. Sie versteigerte ihr Fernsehgerät bei Ebay, weil sie sich nicht länger von den Medien manipulieren lassen wollte. Bei der einzigen Begegnung mit Lauras Eltern verbarg Max nicht, dass er Polizisten verachtet, und als Eckhard den beiden jungen Leuten sein Auto lieh, bekam er es verschrammt und verbeult zurück.

Was geschah in der Mordnacht? Laura, die in Untersuchungshaft genommen wurde, verweigert jede Aussage und schweigt auch beharrlich, als ihre Eltern sie im Gefängnis besuchen. Alle zwei Wochen gibt es eine halbe Stunde Besuchszeit. Einmal geht Marianne allein hin, weil in ihr der Verdacht aufkeimte, dass Eckhard sich an seiner Tochter vergangen haben könnte und Laura sich dafür an einem anderen Polizisten rächte. Eckhard ist entsetzt, als Marianne ihm von dem Gedanken erzählt. Er misstraut ihr ebenfalls, seit Laura vor einiger Zeit während eines Streits beim Abendessen behauptet hatte, Marianne habe eine Affäre.

Eckhards Kollegen halten seine Tochter für schuldig und meiden ihn deshalb. Es kommt zum Streit. Eckhard schlägt einen Kollegen nieder. Dafür wird er vom Dienst suspendiert.

Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.

Nachdem Eckhard seinen Freund Markus Dietz aus dem Büro gelockt hat, dringt er dort ein und blättert hastig in der Ermittlungsakte. Offenbar gibt es keinen überzeugenden Beweis, dass Laura geschossen hat.

In seiner Schrebergarten-Laube stößt Eckhard unerwartet auf Max, der sich dort versteckte. Eckhard überwältigt ihn, nimmt ihm die Pistole ab und zwingt ihn, ins Auto einzusteigen. Er will ihn zum Polizeirevier bringen.

Während der Fahrt behauptet Max, er sei damals mit den beiden Streifenpolizisten in Streit geraten, die seine Papiere sehen wollten. Laura habe plötzlich einem der Beamten die Dienstwaffe entrissen und auf seinen Kollegen geschossen, als dieser seine Pistole zog. Auch der andere Polizist sei von Laura niedergestreckt worden.

Eckhard hält abrupt an, drückt Max die Pistole in die Hand, die er ihm in der Laube abnahm und fordert ihn zum Aussteigen auf. Panisch vor Angst rennt Max ins Feld. Eckhard holt seine Dienstwaffe aus dem Kofferraum, hält sie nach oben und feuert einen Schuss ab. Da dreht Max sich um, zielt auf Eckhard und drückt ab. Es klickt nur, denn Eckhard hatte die Waffe unbemerkt entladen. Im nächsten Augenblick wird Max von einem Schuss des suspendierten Polizisten getroffen und bricht tot zusammen. Mit einem Tuch in der Hand nimmt Eckhard der Leiche die Waffe ab, vertauscht das leere Magazin gegen ein gefülltes und legt die Pistole in die Hand des Toten zurück.

Beim Verhör behauptet Eckhard, Max in Notwehr erschossen zu haben.

Aufgrund seiner Aussage, dass Max die beiden Morde gestanden habe, wird Laura freigesprochen.

Sie kehrt nach Hause zurück. Ihre Eltern haben ihr Zimmer wieder hergerichtet und die Spuren der Durchsuchung beseitigt, aber nichts ist mehr wie früher …

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„Der blinde Fleck“ ist eine Mischung aus Thriller und Familiendrama. Es geht um einen Doppelmord, aber nicht die Aufklärung der Tat steht im Mittelpunkt des Films; Tom Zenker konzentriert sich stattdessen auf die Familie der Tatverdächtigen. Er leuchtet hinter die Kulissen der scheinbar intakten Familie, zeigt, wie sich Laura von ihren Eltern entfernte und deutet Konflikte zwischen den Ehepartnern an. Ohne die Entwicklung psychologisch zu analysieren, veranschaulicht Tom Zenker, wie Eckhard König alles verdrängt, was das Bild von der heilen Welt beschädigen könnte und versucht, die verlogene Idylle um jeden Preis aufrechtzuerhalten.

Die finstere Geschichte wird aus Eckhards Sicht erzählt. Seine Erinnerungen an Schlüsselszenen in der jüngsten Vergangenheit sehen wir in Form von Rückblenden.

Bei „Der blinde Fleck“ handelt es sich um die Abschlussarbeit von Tom Zenker (*1971) an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin. Er wurde dafür mit dem „First Steps Award“ ausgezeichnet, dem bedeutendsten Nachwuchsfilmpreis in Deutschland.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2008

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