Stefan Weinfurter : Heinrich II.

Heinrich II.

Stefan Weinfurter

Heinrich II.

Heinrich II. Herrscher am Ende der Zeiten Verlag Friedrich Pustet, Regensburg 1999
Buchbesprechung

Inhaltsangabe

Nach dem Tod Ottos III. riss Heinrich II. die Königswürde an sich. Anders als sein Vorgänger konzentrierte er sich auf die Gebiete nördlich der Alpen und zog nur widerstrebend nach Italien, um sich krönen zu lassen (Mailand 1004, Rom 1014) und dem Papst – der eigens nach Bamberg gereist war, um ihn zu rufen – gegen die Byzantiner beizustehen (1021/22).
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Kritik

Stefan Weinfurter liefert ein farbiges, anschauliches und auf gründlicher Quellenkenntnis basierendes Bild von Kaiser Heinrich II. Der Autor ist einer der wenigen Wissenschaftler, die es verstehen, ihre Kenntnisse in einer auch für Laien spannenden Weise aufzubereiten.
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Nach dem Tod Ottos III. riss Heinrich II. (973 – 1024) die Königswürde an sich. Legitimiert war er zwar, weil es sich bei ihm – wie bei dem Verstorbenen – um einen Urenkel König Heinrichs I. handelte, aber es standen auch andere Bewerber bereit, gegen die er sich durchsetzte.

Da es keine geschriebenen Normen gab, die Ordnung also nur durch verbale bzw. symbolische Kommunikation „gelebt“ werden konnte, ritt Heinrich II. mit seinem Hof beinahe ständig durchs Land, um als zentrale Instanz die verschiedenen Ordnungskreise des Reiches zu koordinieren. Nach einer – für damalige Verhältnisse weit ausholenden – ersten Rundreise, bei der er sich huldigen ließ, besuchte er im zweiten Jahr seiner Regierung (1003) zahlreiche Bistümer und Abteien, um seine besondere Verbindung mit der Kirche zu demonstrieren, denn er betrachtete das religiöse Grundverständnis als Fundament der gesellschaftlichen Ordnung und fühlte sich deshalb z.B. auch für die Ergebnisse von Synoden verantwortlich. In Bamberg errichtete er 1007 ein besonderes und eng mit dem Königtum verbundenes Bistum. Vor allem das Mönchtum nach der Benediktinerregel förderte er nach Kräften.

Wie ein neuer Moses sah er sich beauftragt, dafür zu sorgen, dass die Gebote Gottes Grundlage und Inhalt des Lebens aller Menschen seines Volkes würden.

Während die Bischöfe den König, der in Hildesheim, Freising und Regensburg ein profundes theologisches Wissen erworben hatte, beinahe für einen der ihren hielten, tat sich der Reichsadel schwer mit ihm, denn Heinrich verlangte bedingungslose Unterwerfung und ging ebenso intolerant wie rücksichtlos und undiplomatisch zum Beispiel gegen Ehen zwischen Verwandten vor.

Anders als sein Vorgänger konzentrierte sich Heinrich II. auf die Vorgänge nördlich der Alpen und zog nur widerstrebend und halbherzig drei Mal nach Italien (1004, 1014, 1021/22). Um seine Ansprüche zu verdeutlichen, ließ er sich 1004 in Pavia zum König der Lombarden wählen – ein Amt, das Arduin von Ivrea seit 1002 bekleidete. Obwohl ihm gerade auch zur Untermauerung seines Anspruchs auf das italienische Königreich dringend zur Kaiserkrönung geraten wurde, wartete er zehn Jahre, bis er sich 1014 von Papst Benedikt VIII. in Rom zum Kaiser krönen ließ. (Arduin zog sich schließlich in ein Kloster zurück und starb Ende 1015.)

Heinrichs Gemahlin Kunigunde wurde an seiner Seite zur Kaiserin gekrönt. Wie Theophanu beteiligte sie sich an der Regierung und spielte vor allem im Herzogtum Bayern – wo über sie und ihre Familie ein Netz von Vertrauten aufgebaut worden war – eine maßgebliche Rolle. Sie gehörte nicht nur zu dem engen Kreis, der den Zugang zum Monarchen kontrollierte, sondern sie übernahm auch politische Missionen im Reich.

Als die Byzantiner Papst Benedikt VIII. immer heftiger von Süditalien her bedrängten, zog dieser im Frühjahr 1020 nach Bamberg, um die Hilfe des Kaises zu erbitten. Aber der kaiserliche Feldzug von 1021/22 erwies sich als Schlag ins Wasser, weil die Byzantiner einer Entscheidungsschlacht auswichen und nach dem Abzug des kaiserlichen Heeres wieder nachdrängten.

1024 erlag Heinrich II. im Alter von 51 Jahren einem chronischen Steinleiden. Mit ihm erlosch die Dynastie der Sachsenkaiser. Papst Eugen III. sprach ihn 1146 heilig. Kunigunde, die ihn um fast neun Jahre überlebt hatte, wurde 1200 heiliggesprochen.

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Von dem faszinierenden mittelalterlichen Herrscher Heinrich II. zeichnet Stefan Weinfurter ein farbiges, anschauliches und auf gründlicher Kenntnis sowohl der Quellen als auch der neuen Forschungsansätze basierendes Bild. Der Autor ist einer der wenigen Wissenschaftler, die es verstehen, ihre Kenntnisse in einer auch für Laien spannenden Weise aufzubereiten.

Mit Heinrich II. begeben wir uns in die Zeit der ersten Jahrtausendwende. Um „seine Welt“ wird es in den folgenden Darstellungen gehen, um sein Reich, die darin lebenden Menschen, ihre Ordnung und ihre Ordnungsvorstellungen. Heinrich wird stets den Mittelpunkt bilden, aber nicht im strengen Sinne einer Biographie. Nicht seine Lebenschronologie wird die einzelnen Abschnitte bestimmen, sondern der Funktionszusammenhang, in dem Heinrich als König und Kaiser stand. Der Blick richtet sich auf die Voraussetzungen und die Grundlagen seiner Königsherrschaft, auf die Ideen und die Konzeption seines Königtums, auf die Rituale und Inszenierungen königlicher Autorität und auf die Herrschaftsführung dieses Königs im Verbund mit den Großen des Reiches. Stets wird damit die Frage verknüpft sein, wie er selbst die Funktion seines Herrscheramtes auffasste und wie er den damit verbundenen Aufgaben gerecht zu werden suchte. Aus all dem soll sich schließlich ein Bild von der Persönlichkeit dieses Herrschers zusammenfügen.

Diese Zeilen stehen am Beginn der Einleitung von Stefan Weinfurter. Besser kann man den Inhalt des ausgezeichneten Buches nicht zusammenfassen.

Nach Lehrtätigkeiten in Eichstätt, Mainz und München übernahm Stefan Weinfurter (*1945) 1999 den Lehrstuhl für Mittelalterliche Geschichte und Historische Hilfswissenschaften in Heidelberg.

 

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2002
Textauszüge: © Verlag Friedrich Pustet

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