Lina Braake

Lina Braake

Lina Braake

Originaltitel: Lina Braake oder Die Interessen der Bank können nicht die Interessen sein, die Lina Braake hat – Regie: Bernhard Sinkel – Drehbuch: Bernhard Sinkel – Kamera: Alf Brustellin – Schnitt: Heidi Genée – Musik: Joe Haider – Darsteller: Lina Carstens, Fritz Rasp, Herbert Bötticher, Ellen Mahlke, Benno Hoffmann, Rainer Basedow, Erica Schramm, Walter Sedlmayr, Oskar von Schab, Gustl Datz, Ellen Frank, Wilfried Klaus, Teseo Tavernese u.a. – 1975; 85 Minuten

Inhaltsangabe

Eine Bank in München beschließt, ein von ihr übernommenes Mietshaus abzureißen, um Platz für einen Neubau zu schaffen. Der 81-jährigen Mieterin Lina Braake, die keine Angehörigen mehr hat, bleibt nichts anderes übrig, als sich in ein Altersheim aufnehmen zu lassen. Dort überzeugt der drei Jahre ältere Mitbewohner Gustaf Härtlein sie davon, dass sie sich nicht aufgeben darf. Gemeinsam schmieden sie einen Plan, wie sie sich an der Bank rächen können ...
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Kritik

In den Hauptrollen dieser Mischung aus Sozialsatire und Gaunerkomödie von Bernhard Sinkel überzeugen Lina Carstens und Fritz Rasp. "Lina Braake" war der erste große Publikumserfolg des Neuen Deutschen Films.
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Herr Wenzel (Wilfried Klaus), ein Prokurist der Deutschen Boden- und Kreditbank in München, fordert die einundachtzig Jahre alte Witwe Lina Braake (Lina Carstens) auf, die Wohnung zu räumen, in der sie seit Jahrzehnten lebt. Lina Braake verweist darauf, dass ihr der inzwischen verstorbene frühere Besitzer, Herr Rohrer, in seinem Testament ein lebenslanges Wohnrecht zugesichert habe. Darauf glaubt sie sich nach wie vor verlassen zu können. Aber Herr Wenzel erklärt ihr, die Erbengemeinschaft, der das Mietshaus nach dem Tod Herrn Rohrers gehörte, habe die Immobilie nun der Bank verkauft, und das Gebäude werde demnächst abgerissen, um Platz für einen Neubau zu schaffen.

Erst ein Gerichtsverfahren überzeugt Lina Braake, dass sie keine Chance hat, sich gegen den Abriss des Hauses zu wehren. Da sie keine Angehörigen mehr hat, lässt sie sich notgedrungen in ein Altenheim außerhalb der Stadt aufnehmen. Dort muss sie sich das Zimmer mit zwei anderen Frauen teilen. Sie verfällt in eine Altersdepression.

Aus der Apathie holt sie der drei Jahre ältere frühere Bankkaufmann Gustaf Härtlein (Fritz Rasp). Der Vierundachtzigjährige, der nach betrügerischen Geldgeschäften entmündigt wurde, überzeugt Lina Braake davon, dass sie sich nicht aufgeben darf.

Im Salon der Friseurin Lene Schoener (Erica Schramm) lernt Lina Braake den sardischen Gastarbeiter Ettore Falconi (Teseo Tavernese) kennen, dem es in der kaltherzigen deutschen Gesellschaft zwar nicht gefällt, der hier jedoch so lange arbeiten will, bis er sich das Geld für einen Bauernhof auf Sardinien zusammengespart hat.

Das bringt Lina Braake und Gustaf Härtlein auf eine Idee. Sie wollen Ettore ein Stück Land auf Sardinien verschaffen, dorthin ziehen und sich zugleich an der Deutschen Boden- und Kreditbank in München rächen. Jawlonski (Benno Hoffmann), der Hausmeister des Altersheims, unterstützt sie bei dem Vorhaben, denn er hofft, dass der scheinheilige Heimleiter Johannes Koerner (Herbert Bötticher) am Ende wegen Verletzung seiner Aufsichtspflicht in Schwierigkeiten kommt.

Als Einsatz opfert Lena Braake ihre gesamten Ersparnisse, 2800 D-Mark, und eine alte Truhe, die ihr der Antiquitätenhändler Fink (Rainer Basedow) für 1500 DM abkauft. Damit werden der Deutschen Boden- und Kreditbank regelmäßige Mieteinahmen von Lena Braake vorgetäuscht. Der vermeintlichen Mietshausbesitzerin gewährt die Bank schließlich 20 000 DM als Darlehen. Damit reist Lena Braake nach Sardinien. Dort löst sie auch noch einige Schecks ein und kauft schließlich für die Familie Falconi ein Stück Land mit einem Bauernhof. Als Gegenleistung lässt sie sich ein lebenslanges Wohnrecht garantieren. Nachdem sie ihr Ziel erreicht hat, kehrt sie erst einmal zu Gustaf Härtlein ins Altersheim bei München zurück.

Es dauert nicht lang, bis die Bank den Betrug entdeckt. Lina Braake wird aufgrund ihres Verhaltens entmündigt. Deshalb kann sie allerdings nicht mehr vor Gericht gestellt werden, und die Bank muss das Geld verloren geben. Das Wohnrecht für Lina Braake auf Sardinien bleibt bestehen.

Im folgenden Jahr will Lina Braake mit Gustaf Härtlein zusammen nach Sardinien ziehen und davon Gebrauch machen.

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„Lina Braake oder Die Interessen der Bank können nicht die Interessen sein, die Lina Braake hat“ ist eine Mischung aus Sozialsatire und Gaunerkomödie von Bernhard Sinkel. Die skurrile Handlung dreht sich um zwei alte Menschen, die sich nicht aufgeben, sondern ihr Leben tatkräftig weiterführen. Zugleich hält Bernhard Sinkel der von finanziellen Interessen geprägten bundesdeutschen Gesellschaft den Spiegel vor. In den Hauptrollen des unsentimentalen Films überzeugen die beiden über achtzig Jahre alten Schauspieler Lina Carstens (1892 – 1978) und Fritz Rasp (1891 – 1976).

„Lina Braake oder Die Interessen der Bank können nicht die Interessen sein, die Lina Braake hat“ war der erste große Publikumserfolg des Neuen Deutschen Films. Für die Komödie gab es 1975 den Deutschen Filmpreis in Silber, und Lina Carstens wurde mit dem Deutschen Filmpreis in Gold ausgezeichnet.

Leander Haußmann drehte 2009 ein Remake von „Lina Braake oder Die Interessen der Bank können nicht die Interessen sein, die Lina Braake hat“:

Originaltitel: Dinosaurier. Gegen uns seht ihr alt aus! – Regie: Leander Haußmann – Drehbuch: Mark Kudlow, nach dem Drehbuch „Lina Braake“ von Bernhard Sinkel – Kamera: Hagen Bogdanski – Schnitt: Peter R. Adam – Musik: James Last – Darsteller: Eva-Maria Hagen, Ezard Haußmann, Walter Giller, Nadja Tiller, Horst Pinnow, Daniel Brühl, Tom Gerhardt, Ralf Wolter, Heinz Meier, Ingrid van Bergen, Ignaz Kirchner, Steffi Kühnert, Leander Haußmann, Hans Teuscher, Maria Wardzinska, Iris Geister-Haußmann, Simon Böer, Bernhard Schütz, Benno Fürmann, Sylvia Schwarz u.a. – 2009; 105 Minuten

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2011

Robert Harris - Angst
In dem komplexen, routiniert geschriebenen Thriller "Angst" beschäftigt sich Robert Harris mit der Parallelwelt der Finanzmärkte. Auch als Satire auf den Turbokapitalismus kann "Angst" gelesen werden.
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