Obsession

Obsession

Obsession

Originaltitel: Obsession - Regie: Peter Sehr - Drehbuch: Peter Sehr und Marie Noëlle - Kamera: David Watkin - Musik: Micki Meuser - Darsteller: Heike Makatsch, Charles Berling, Daniel Craig, Seymour Cassel, Marie-Christine Barrault, Daniel Gelin, Inga Busch u.a. - 1997; 115 Minuten

Inhaltsangabe

John MacHale ist gerade aus Simbabwe nach Berlin gekommen, als er beobachtet, wie ein älterer Herr, der in einem Kaufhaus ein paar Knöpfe gestohlen hat, unbarmherzig gehetzt wird. Er will helfen, gerät dabei aber mit dem Detektiv und den Polizisten aneinander. Bei der Gerichtsverhandlung gegen John MacHale sagt die junge Berlinerin Miriam Auerbach zu seinen Gunsten aus ...
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Kritik

Peter Sehr inszenierte die melodramatische Dreiecksgeschichte voller Metaphern über die Suche von drei Menschen nach der richtigen Liebesbeziehung – und letztlich auch sich selbst. "Obsession" ist ein poetischer Unterhaltungsfilm, wie er nicht alle Tage zu sehen ist.

Ein elegant gekleideter älterer Herr steckt in einem Berliner Kaufhaus eine Packung Knöpfe ein und wird gleich darauf vom Ladendetektiv aufgehalten. Er stößt ihn beiseite und läuft davon, quer über die Straße. Autos fahren aufeinander. Von einem Taxi aus beobachtet der gerade aus Simbabwe angekommene John MacHale (Daniel Craig) den Vorgang. Wenig später erkennt er den Flüchtenden auf einem U-Bahnsteig wieder. Der Kaufhausdetektiv holt den Ladendieb ein, findet die Tüte mit den Knöpfen in einer Manteltasche und fragt ihn, warum er sie mitgenommen habe. „Weil die Knöpfe so schön glänzen“, antwortet er. John MacHale kann nicht verstehen, dass in Deutschland wegen ein paar billiger Knöpfe so ein Wirbel veranstaltet wird. Er reißt dem Detektiv die Tüte aus der Hand und will ihm das Geld dafür geben, aber darauf lässt sich dieser nicht ein. Der ältere Herr sinkt ohnmächtig zu Boden. Aufgeregt ruft John nach einem Arzt. Da packen ihn zwei Polizisten. Er wehrt sich und prügelt sich mit ihnen.

Bei der Gerichtsverhandlung gegen John MacHale sagt die junge Berlinerin Miriam Auerbach (Heike Makatsch) zu Gunsten des Beschuldigten aus. Sie hat gesehen, dass er dem älteren Herrn helfen wollte und schwört dem Richter, er sei von den Polizisten angegriffen worden. Aber sie kann nicht verhindern, dass John zu einer Haftstrafe auf Bewährung verurteilt wird und deshalb mit seiner Abschiebung rechnen muss. Da tröstet es zunächst nur wenig, dass sich der Kaufhausdieb Jacob Frischmuth und dessen jüngerer Bruder Simon (Seymour Cassel, Allen Garfield) herzlich bei ihm für die Hilfe bedanken und ihm die Adresse ihrer Schneiderei geben.

Miriam Auerbach spielt Trompete in der erfolgreichen Girlie-Band „Berlin United“ und nimmt Orgelunterricht. Sie hat stets einen kleinen Fotoapparat dabei, um Schnappschüsse festzuhalten. Ihr Freund ist der Franzose Pierre Moulin (Charles Berling), der an einem medizinischen Institut erforscht, wie ein Herz, das zu schlagen aufgehört hat, wieder angeregt werden kann. Damit will er gewissermaßen den Tod überlisten. Er selbst hält sich durch Marathonläufe und regelmäßiges Training fit.

John MacHale ist von Beruf Steinmetz und findet eine Anstellung bei Restaurierungsarbeiten. Er ist nach Berlin gereist, weil er hofft, hier einen alten Film zu finden, der vor einem halben Jahrhundert von einem Drahtseilakt über den Niagarafällen aufgenommen wurde. Warum das eine Bedeutung für ihn hat? Seine Großmutter wurde von ihrem Ehemann erschossen, der anschließend auch alles verbrannte, was ihr gehört hatte. Nur einen Zeitungsausschnitt übersah er, auf dem ein Seiltänzer mit einer zweiten Person auf der Schulter über den Niagarafällen abgebildet ist.

Warum hatte sie das Foto ausgeschnitten? Die Frage treibt John MacHale seit Jahren um.

Weil er die Abschiebeverfügung missachtet, verfolgt ihn die Polizei, aber es gelingt ihm, zu entkommen. Die beiden jüdischen Brüder Jacob und Simon Frischmuth helfen ihm. Als John einer Kundin Ella Beckmann (Marie-Christine Barrault) ein Kleid bringt, sieht er, dass in der Wohnung Unmengen alter Filme lagern. Sie stammen von Ella Beckmanns verstorbenen Mann. Die Witwe erlaubt John, sich in ihrem Haus eine Ecke einzurichten und die aufbewahrten Filme zu sichten. Einmal zeigt er ihr, wie ein hilflos im Geschirr hängender Elefant mit einem Kran auf ein Schiff verladen wird. Aber was er sucht, findet er nicht.

John hat sich in die mutige Zeugin verliebt und passt sie ab, als sie mit der S-Bahn zum Orgelunterricht fährt. Miriam fühlt sich zu John hingezogen, aber sie liebt auch Pierre und möchte keinen der beiden Männer verletzen. Sie weiß bald nicht mehr, was sie tun soll. Als sie John klarmacht, sie werde bei Pierre bleiben, stellt er sich der Polizei und lässt sich nach Simbabwe abschieben. Aber er kann sie nicht vergessen und ruft sie von dort aus an. Schließlich kehrt er nach Berlin zurück – und bringt dadurch Miriam in noch größere Verwirrung.

John folgt ihr und Pierre nach Frankreich. Als Pierre erfährt, dass John sein Rivale ist, prügeln sich die beiden Männer. Danach will Pierre wissen, wie es weitergehen soll, aber John weiß es ebenso wenig wie Miriam, die ihnen gesteht: „Je mehr ich darüber nachdenke, desto weniger weiß ich, was mit mir los ist.“

Längst hat John aufgehört, die Filme in Ella Beckmanns Wohnung zu sichten, aber Jacob und Simon Frischmuth setzen die Suche stillschweigend fort, finden schließlich den Film und führen in John vor. Endlich sieht er die Personen auf dem Seil von vorn. Es handelt sich nicht um einen Mann mit einer Frau auf den Schultern, wie er annahm, sondern um eine Seiltänzerin, die einen Mann über die Niagarafälle trägt. Es erkennt seine Großmutter Rose! John begreift, was geschehen war: Die Frau hatte zwei Männer geliebt und war deshalb von ihrem eifersüchtigen Ehegatten erschossen worden.

Am Ende trifft John in Paris den Geliebten seiner Großmutter, seinen wirklichen Vater, der seinen Lebensunterhalt als Straßenkünstler verdient. John versichert ihm, wer werde bei ihm bleiben, aber der alte Mann rät ihm: „Ich habe in meinem Leben einen Fehler gemacht. Im entscheidenden Moment habe nicht um Rose gekämpft. Mach du nicht den gleichen Fehler!“ In diesem Augenblick kommen Miriam und Pierre mit dem Auto vorbei. Johns Vater bittet darum, mit seinem Sohn einsteigen zu dürfen. Unterwegs räumt er das Handschuhfach aus und wirft alles Überflüssige aus dem Fenster. Das sei nur Ballast, meint er. Miriam, John und Pierre folgen seinem Beispiel. Können sie sich von den Konventionen befreien? Hat die Liebe zu dritt doch eine Chance?

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2002

J. M. Coetzee - Der Junge
Diese wie von einem Unbeteiligten erzählte Autobiografie überzeugt durch die schnörkellose, teilweise kühle Betrachtung. Trotzdem ist die Beschreibung der Kindheitsgeschichte voller Emotion und gut beobachteter Details.
Der Junge

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