Schultze gets the blues

Schultze gets the blues

Schultze gets the blues

Originaltitel: Schultze gets the blues - Regie: Michael Schorr - Drehbuch: Michael Schorr - Kamera: Axel Schneppat - Schnitt: Tina Hillmann - Musik: Thomas Wittenbecher - Darsteller: Horst Krause, Harald Warmbrunn, Karl-Fred Müller, Ursula Schucht, Hannelore Schubert, Wolfgang Boos, Rosemarie Deibel, Wilhelmine Horschig, Anne V. Angelle, Hannelore Schubert, Alozia St. Julien u.a. - 2003; 110 Minuten

Inhaltsangabe

Nachdem der 59-jährige Bergarbeiter Schultze in den Vorruhestand geschickt wurde, weil es mit dem Kali-Bergbau in Sachsen-Anhalt vorbei ist, versucht er, die Zeit irgendwie totzuschlagen. Zufällig hört er im Radio Cajun-Musik. Da holt er sein Akkordeon und ahmt das Gehörte nach. Und als New Braunfels, Texas, einen Bürger der Partnerstadt Teutschenthal zum Wurstfest einlädt, schickt der örtliche Musikverein Schultze nach Amerika ...
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Kritik

"Schultze gets the blues" ist eine unkonventionelle Tragikomödie, in der wenig gesprochen wird und scheinbar nicht viel passiert. Die Kamera hält sich wie ein stiller Beobachter zurück.
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Weil sich der Kali-Bergbau in Sachsen-Anhalt nicht mehr lohnt, werden die in Teutschenthal bei Halle lebenden Kumpel Schultze (Horst Krause), Jürgen (Harald Warmbrunn) und Manfred (Karl- Fred Müller) mit je einer Salzkristall-Lampe als Andenken in den Vorruhestand geschickt.

Schultze putzt erst einmal seine Gartenzwerge, trifft sich mit Jürgen und Manfred in der Dorfkneipe, angelt mit ihnen von einer Eisenbahnbrücke aus in der Saale, schaut Schachspielern zu; kurz: Er versucht, die Zeit irgendwie herumzukriegen. Hin und wieder besucht er auch seine an Altersdemenz erkrankte Mutter (Loni Frank) im Pflegeheim, aber sie nimmt ihn nicht wahr.

Eines Nachts, als er wegen seines chronischen Hustens, den er sich unter Tage zugezogen hat, nicht schlafen kann, hört er im Radio erstmals Cajun-Musik. Die geht ihm nicht mehr aus dem Sinn: Er nimmt sein Akkordeon und ahmt das Gehörte nach.

Beim nächsten Volksfest des Musikvereins in Teutschenthal spielt Schultze keine Polka wie in all den Jahren davor, sondern das, was er für Cajun hält. Das kommt im Publikum allerdings nicht gut an: Proteste gegen diese „Negermusik“ werden laut.

Doch als New Braunfels, Texas, einen Bürger aus der Partnerstadt Teutschenthal zum traditionellen Wurstfest einlädt, fällt die Wahl auf Schultze: Zum 60. Geburtstag überreicht ihm eine Abordnung des Musikvereins das Flugticket.

In New Braunfels stellt Schultze fest, dass es dort nicht sehr viel anders zugeht, als bei einem Volksfest in Teutschenthal. Statt – wie geplant – dort Polka zu spielen, mietet er ein Motorboot, fährt damit zum Golf von Mexiko und durch die Bayous von Louisiana, wo die Natur immer stärker wuchert und die Cajuns leben. Dort trifft er auf Aretha (Anne V. Angelle) und deren Tochter Shareen (Danielle Krause), die ihn auf ihrem Hausboot freundlich zum Essen einladen.

Schultzes Reise endet in Louisiana. Einige Zeit später wird sein nach Deutschland überführter Leichnam in Teutschenthal zu Grabe getragen.

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„Schultze gets the blues“ ist eine unkonventionelle Tragikomödie, in der wenig gesprochen wird und scheinbar nicht viel passiert. Dafür ist die Bildsprache umso ausgefeilter. Man wundert sich nicht, wenn man erfährt, dass Michael Schorr (* 1965) Dokumentarfilme gedreht hat, denn auch in „Schultze gets the blues“ hält sich die Kamera (Axel Schneppat) wie ein stiller Beobachter zurück. Zumeist verharrt sie längere Zeit in einer bestimmten Position und nimmt eine – allerdings sorgfältig komponierte – Totale auf. Schultze fährt mit dem Fahrrad und einem Anhänger von rechts nach links durchs Bild, und erst als er längst schon nicht mehr zu sehen ist, endet die Einstellung. Schwenks sind selten, und Zooms kommen, glaube ich, überhaupt nicht vor. Auf „Einschübe“ und „Nebensätze“ wurde verzichtet. Dieser Erzählmodus erinnert an die Schwarz-Weiß-Filme, die Rainer Werner Fassbinder in seiner ersten Phase gedreht hatte.

Dass alle Rollen bis auf die von Schultze, Jürgen und Manfred mit Laien besetzt sind, verstärkt den Eindruck der Authentizität. Horst Krause wirkt auch nicht wie ein Schauspieler, sondern er geht in der Rolle auf, und es gelingt ihm, den einfachen Charakter Schultze pointiert darzustellen, ohne irgendwie zu übertreiben. Dafür wurde er 2004 mit dem „Deutschen Filmpreis“ ausgezeichnet.

Ursprünglich beabsichtigte Michael Schorr, den ersten Teil der Handlung nicht in Sachsen-Anhalt, sondern im Saarland spielen zu lassen.

Gedreht wurde 2002 in Sachsen-Anhalt, Texas und Louisiana.

Die Cajuns (von Acadiens) stammen von keltischen Siedlern in Akadien (Kanada) ab. Als die Engländer 1755 ihre Ansiedlungen zerstörten, sammelten sich einige der versprengten Überlebenden im damals zu Frankreich gehörenden Louisiana. Dort vermischten sich die zumeist armen Farmer und Handwerker mit den Kreolen und entwickelten eine besondere Kultur, zu der auch ihre auf keltischen und karibischen Grundlagen basierende, mit Fiedel, Akkordeon, Gitarre und Tuba gespielte Musik gehört, die für die Identität der Cajuns sehr bedeutsam ist.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2006

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