Geschichten aus dem Wiener Wald

Geschichten aus dem Wiener Wald

Geschichten aus dem Wiener Wald

Originaltitel: Geschichten aus dem Wiener Wald - Regie: Maximilian Schell - Drehbuch: Christopher Hampton und Maximilian Schell, nach dem Volksstück "Geschichten aus dem Wiener Wald" von Ödön von Horváth - Kamera: Klaus König - Schnitt: Dagmar Hirtz - Musik: Toni Stricker, Johann Strauß Sohn - Darsteller: Birgit Doll, Hanno Pöschl, Helmut Qualtinger, Jane Tilden, Adrienne Gessner, Götz Kauffmann, André Heller, Norbert Schiller, Eric Pohlmann, Robert Meyer, Martha Wallner, Walter Schmidinger, Elisabeth Epp, Lil Dagover, Vadim Glowna, Vera Borek, Gerry Kronberger, Maria Engelstorfer, Heinrich Starhemberg, Manuela Dutter, Elisabeth Wiener u.a. - 1979; 90 Minuten

Inhaltsangabe

Mariannes Vater erwartet, dass sie ihm wie eine Dienstmagd die Sockenhalter sucht und den Mann heiratet, den er aus wirtschaftlichen Gründen für sie ausgesucht hat. Sie versucht, aus der Bevormundung auszubrechen und glaubt, sich an der Seite eines anderen Mannes selbst verwirklichen zu können. Aber der naive Emanzipationsversuch scheitert ...
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Kritik

"Geschichten aus dem Wiener Wald" ist eine bitterböse, tragikomische Gesellschaftssatire von Ödön von Horvath, die Maximilian Schell mit erstklassigen Schauspielern fürs Kino adaptiert hat.
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In einer Wiener Straße befinden sich die Puppenklinik und Spielwarenhandlung des „Zauberkönigs“ Leopold (Helmut Qualtinger), eine von Oskar (Götz Kauffmann) und seinem Gehilfen Havlitschek (Gerry Kronberger) betriebene Fleischerei und die Tabak-Trafik der Kanzleiobersekretärswitwe Valerie (Jane Tilden). Der Zauberkönig ist ebenfalls Witwer; seine Frau starb vor einiger Zeit an Brustkrebs. Seither lässt er sich von seiner Tochter Marianne (Birgit Doll) wie von einer Dienstmagd bedienen.

Als Marianne 22 Jahre alt ist, will ihr Vater sie mit dem derben Metzger von nebenan verheiraten, dessen Geschäft recht gut läuft. Die Verlobung soll bei einem Picknick am Ufer der Donau erfolgen, an dem auch Erich (Robert Meyer) teilnimmt, ein nationalsozialistisch gesinnter Neffe des Zauberkönigs aus Kassel. Valerie bringt ihren sehr viel jüngeren Geliebten Alfred (Hanno Pöschl) mit, der sich von ihr aushalten lässt. Mit den Worten „Meine lieben Freunde!“ wendet der Zauberkönig sich an die kleine Gesellschaft. „Zu guter Letzt war es ja schon ein öffentliches Geheimnis, dass meine liebe Tochter Marianne einen Blick auf meinen lieben Oskar geworfen hat.“ Doch während er die Verlobung bekannt gibt, hat Marianne nur Augen für Alfred, der sie umschleicht und sich deshalb mit Valerie überworfen hat, die daraufhin Erich umgarnt.

Als der Zauberkönig seine Tochter bei einem heimlichen Kuss mit Alfred ertappt, bekennt Marianne sich mutig zu ihrer neuen Beziehung: „Gott hat mir im letzten Augenblick diesen Mann zugeführt!“ Der Zauberkönig verstößt sie.

Marianne zieht zu ihrem Geliebten in ein möbliertes Zimmer. Alfred versucht sich als Vertreter für Kosmetikartikel, aber er ist zu bequem, um dabei Erfolg zu haben. Lieber setzt er geliehenes Geld bei Pferdewetten und hofft auf das Glück.

Nach einem Jahr – Marianne und Alfred haben inzwischen einen kleinen Sohn mit Namen Leopold – lässt Alfred sich von seiner Großmutter (Adrienne Gessner) bestechen, die immer noch an seine Zukunft glaubt und deshalb möchte, dass er sich von seiner Geliebten und dem ungewollten Kind trennt. Mit Hilfe seines zwielichtigen Freundes Ferdinand Hierlinger (André Heller) bringt Alfred Marianne zu einer älteren Baroness (Elisabeth Epp), die mit der blinden Musikerin Helene (Lil Dagover) zusammenlebt und bereit ist, die junge Frau zur Tänzerin für ein Tingeltangel auszubilden. Den kleinen Leopold vertraut Marianne der Mutter (Martha Wallner) und der Großmutter Alfreds an, die bei einer Burgruine in der Wachau leben.

Marianne bereut, dass sie mit einem Mann in Sünde gelebt hat und geht zur Beichte. Der Priester (Vadim Glowna) verlangt von ihr, auch die Geburt ihres unehelichen Kindes zu bereuen, aber dazu ist sie nicht bereit, und der Beichtvater verweigert ihr daraufhin die Absolution.

Während eines feucht-fröhlichen Abends in einer Heurigen-Gartenwirtschaft werden der Zauberkönig, Valerie, Oskar, ein Rittmeister (Norbert Schiller) – bei dem es sich um einen guten Kunden der Metzgerei handelt –, sowie ein aus Wien stammender, aber in die USA ausgewanderter Freund des Rittmeisters (Eric Pohlmann) vom Regen überrascht. Sie beschließen deshalb, ins „Maxim“ auszuweichen.

Während auf der Bühne „lebende Aktbilder“ dargestellt werden, klingelt beim Zauberkönig das Tischtelefon: Eine Frau, die sich „Mausi“ (Elisabeth Wiener) nennt, lädt ihn ein, zu ihr zu kommen. Der Zauberkönig amüsiert sich prächtig. Das lebende Bild „Die Jagd nach dem Glück“ wird angekündigt. Obwohl Valerie bereits betrunken ist, erkennt sie in der halbnackten Hauptdarstellerin Marianne und ruft nach ihr. Es kommt zu einem Skandal, und die Aufführung wird abgebrochen.

Wieder bekleidet, kommt Marianne von der Bühne herunter und fragt ihren Vater, warum er ihre drei Briefe ungeöffnet zurückgeschickt habe. Ihr und seinem Enkel gehe es schlecht. Da sie nichts anderes gelernt habe, sei sie auf ihren Verdienst im „Maxim“ angewiesen. Der Zauberkönig will jedoch nichts von ihr wissen.

Der Amerikaner passt Marianne in einem Augenblick ab, in dem er mit ihr allein ist, holt seine prall gefüllte Brieftasche heraus und drückt ihr 100 Schilling in die Hand, aber als er Marianne begrapscht, weist sie ihn zurück. Da beschuldigt er sie lauthals, ihn bestohlen zu haben, und Marianne wird festgenommen. Ihr Vater erleidet vor Scham und Schreck einen Schlaganfall.

Nachdem Valerie und Erich ihre Affäre beendet haben, wendet Alfred sich an Oskar, damit dieser ihm hilft, sich wieder mit Valerie zu versöhnen. Die beiden Männer sind sich einig, dass Alfred an der Affäre mit Marianne nicht Schuld war; sie sind überzeugt, dass die Frauen gar nicht so passiv sind, wie es den Anschein hat, sondern in Wirklichkeit die Fäden ziehen.

Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.

Nur Valerie zeigt Verständnis für Marianne, als diese gedemütigt aus dem Gefängnis kommt und im Interesse ihres Kindes zu ihrem Vater will. Der Zauberkönig verzeiht Marianne, und Oskar wäre immer noch bereit, sie zu heiraten. Allerdings weigert er sich, das Kind mit aufzunehmen.

Der Zauberkönig, Marianne, Oskar sowie Valerie und Alfred, die aufs Neue zusammen sind, brechen zu einem Besuch in die Wachau auf. Dort möchte der Zauberkönig seinen Enkel sehen. Aber den hat Alfreds Großmutter inzwischen umgebracht. Da hadert Marianne mit Gott. Sie kann nicht mehr. Triumphierend trägt Oskar die Ohnmächtige fort.

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Bei seiner gelungenen Verfilmung des 1931 uraufgeführten Volksstücks „Geschichten aus dem Wiener Wald“ von Ödön von Horváth hat Maximilian Schell sich eng an die Vorlage gehalten und Dialoge teilweise wörtlich übernommen. Allerdings beginnt der Film nicht in der Wachau wie das Theaterstück, sondern vor einer von Wanderkomödianten in Wien aufgestellten Bühne. Auf dem Vorhang steht „Geschichten aus dem Wienerwald“ von Ödön von Horváth. (Der Titel ist falsch geschrieben; es muss heißen: „Geschichten aus dem Wiener Wald“.) Ein Komödiant (André Heller) albert vor den Zuschauern herum und läuft dann einem Mann aus dem Publikum nach, der gelangweilt fortgeht. Als die Kamera dem Mann mit einem Schwenk folgt, werden im Vordergrund leere Notenständer sichtbar. An dieser Stelle wurde also gerade erst ein Musikstück aufgeführt. – Nach diesem Vorspann befinden wir uns in der Straße vor Oskars Metzgerei, der Spielwarenhandlung des „Zauberkönigs“ und Valeries Tabak-Trafik, und die eigentliche Handlung beginnt.

Marianne wächst in einer patriarchalischen Umgebung auf. Ihr Vater – der „Zauberkönig“ – erwartet, dass sie ihm gehorcht, ihm wie eine Dienstmagd die Sockenhalter sucht und den Mann heiratet, den er aus wirtschaftlichen Gründen für sie ausgesucht hat. Wenn die Frau einmal finanziell unabhängig vom Mann wäre, sei das der letzte Schritt zum Bolschewismus, behauptet der Zauberkönig. Sie versucht, aus der Bevormundung durch ihren Vater auszubrechen und die Fremdbestimmung in der Ehe zu vermeiden. An der Seite Alfreds glaubt sie, sich selbst verwirklichen zu können. Aber der naive Emanzipationsversuch scheitert. Allerdings beweisen Valerie und Alfreds Großmutter, dass es Frauen durchaus gelingen kann, sich in diesem patriarchalischen Milieu zu behaupten.

Bei dem bornierten Geistlichen in der katholischen Kirche findet Marianne weder Mitleid noch auf Verständnis.

Die Kleinbürger, um die es in „Geschichten aus dem Wiener Wald“ geht, kommunizieren vor allem durch Floskeln miteinander. Mit ihrer biederen Heuchelei versuchen sie, ihren Egoismus und ihren Materialismus zu verbergen. Auf der „Jagd nach dem Glück“ – so der Titel eines der „lebenden Bilder“ auf der Bühne des „Maxim“ – treten sie sich gegenseitig nieder.

Am Schluss ist eigentlich alles wieder so wie zu Beginn.

„Geschichten aus dem Wiener Wald“ ist eine bitterböse, tragikomische Gesellschaftssatire, die Maximilian Schell mit erstklassigen Schauspielern fürs Kino adaptiert hat. Einige der sorgfältig komponierten Bilder – Szenen am Ufer der Donau und in der Wachau – wirken wie Gemälde.

Andere Verfilmungen des Volksstücks „Geschichten aus dem Wiener Wald“ von Ödön von Horváth:

G’schichten aus dem Wienerwald – Regie: Georg Jacoby – Drehbuch: Mary Stephans, nach dem Volksstück „Geschichten aus dem Wiener Wald“ von Ödön von Horváth – Kamera: Werner Brandes – Musik: Willy Schmidt-Gentner – Darsteller: Magda Schneider, Wolf Albach-Retty, Leo Slezak, Georg Alexander, Truus Van Aalten, Oscar Sabo, Henry Lorenzen u. a. – 1934; 90 Minuten

Geschichten aus dem Wienerwald – Regie: Erich Neuberg – Drehbuch: nach dem Volksstück „Geschichten aus dem Wiener Wald“ von Ödön von Horvath – Kamera: Ernst Huber, Peter Jasicek, Harald Windisch – Schnitt: Walter Sihorsch – Darsteller: Hans Moser, Johanna Matz, Walter Kohut, Jane Tilden, Helmut Qualtinger, Paula Nefzger, Lotte Lang, Michael Janisch, Hans Unterkircher u. a. – 1961; 120 Minuten. (Von Erich Neuberg gibt es auch eine Fernsehfassung aus dem Jahr 1964 mit Karl Hackenberg, Walter Kohut, Lotte Lang, Helmut Lohner, Hans Moser, Paula Nefzger, Helmut Qualtinger, Jane Tilden u. a.)

Geschichten aus dem Wiener Wald – Regie: Martin Kusej – Drehbuch: nach dem Volksstück „Geschichten aus dem Wiener Wald“ von Ödön von Horvath – Kamera: Martin Baer, Beate Häring, Peter Heim, Kurt-Oskar Herting, Christina Kirchner, Manuel Stahl, Ursula-Nicoline Zeyfang – Schnitt: Gerhild Schneider-Funke – Darsteller: Sylvia Rohrer, Dietmar König, Christoph Bantzer, Hildegard Schmahl, Werner Wölbern, Victoria Trauttmansdorff, Elisabeth Schwarz, Björn Grundies, Jürgen Stössinger, Jan Schütte, Sabine Haupt, Benjamin Utzerath, Sona Cervená, Nicki von Tempelhoff, Peter Maertens, Tobias Johannes Hansen u. a. – 1999 (Fernsehfilm)

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2006

Ödön von Horváth: Geschichten aus dem Wiener Wald

Hugo Claus - Der Schwertfisch
Aus dreizehn Szenen – Vor- und Rückblenden, inneren Monologen und Andeutungen – montiert Hugo Claus den Roman "Der Schwertfisch". Nicht mitfühlend, sondern sarkastisch wirkt die ebenso spannende wie bedrückende Darstellung.
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