Die Spielerin

Die Spielerin

Die Spielerin

Originaltitel: Die Spielerin – Regie: Erhard Riedlsperger – Drehbuch: Erhard Riedlsperger, nach Motiven aus dem Roman "Der Spieler" von Dostojewski - Kamera: Frank Brühne - Schnitt: Moune Barius - Musik: Karim Sebastian Elias – Darsteller: Hannelore Elsner, Erwin Steinhauer, Nina Petri, Frank Giering, Gesine Cucrowski u.a. - 2005; 95 Minuten

Inhaltsangabe

Polina Sieveking, eine wohlhabende Mitfünfzigerin, lernt zufällig den Rechtsanwalt Friedrich Mühlbichler kennen, der sie aufgrund ihres Horoskops überredet, für ihn Roulette zu spielen. Während er in U-Haft genommen wird, weil in seiner Kanzlei Mandantengelder veruntreut wurden, verfällt Polina der Spielleidenschaft und verliert ihr gesamtes Vermögen ...
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Kritik

"Die Spielerin" ist das beklemmende Psychogramm einer Spielleidenschaft. Hannelore Elsner stellt die von ihrer Sucht getriebene, verzweifelte und sich selbst belügende Spielerin ohne große Gesten nuanciert und glaubwürdig dar.
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Als Polina Sieveking (Hannelore Elsner), eine wohlhabende geschiedene Frau Mitte fünfzig, ihr Zimmer im Hotel Atlantic in Hamburg betritt, schläft ein fremder, ungefähr gleichaltriger Mann in ihrem Bett. Er zeigt ihr, dass auch seine Türkarte passt, entschuldigt sich dann jedoch und geht mit seinem unausgepackten Koffer hinaus, angeblich, um sich ein anderes Zimmer geben zu lassen. Doch statt sich an die Rezeption zu wenden, verlässt er das Hotel.

Am anderen Morgen setzt er sich zu Polina an den Frühstückstisch. Er heißt Friedrich Mühlbichler (Erwin Steinhauer) und ist Rechtsanwalt. Es sei kein Zimmer mehr frei gewesen, lügt er. Deshalb habe er in einem anderen Hotel schlafen müssen. Die beiden verbringen ein paar Stunden gemeinsam in der Stadt. Als Polina abends allein ins Hotel zurückkommt, reicht ihr der Portier eine Nachricht: Friedrich Mühlbichler teilt ihr mit, er habe inzwischen weiterreisen müssen. Durch die Adresse auf einem Zettel, den er bei ihr liegen gelassen hatte, findet Polina ihn jedoch als Gast in einem schäbigen Hotel in Hamburg.

Am nächsten Tag wird Polina von Friedrich bestürmt, ins Spielcasino zu gehen und genau 30 Minuten für ihn Roulette zu spielen. Aufgrund ihres Horoskops sei er überzeugt, dass sie gewinnen werde. Polina zögert, denn sie war noch nie in einem Spielcasino, aber sie lässt sich überreden, die 4100 Euro, die er ihr gibt, einfach nach ihrer Intuition zu setzen – und kehrt mit einem Vielfachen des Einsatzes zurück.

Kurz darauf fährt er mit ihr im Taxi nach Travemünde und drückt ihr vor dem Spielcasino 35 000 Euro in die Hand. Während er vor dem Gebäude auf sie wartet, soll sie wieder genau 30 Minuten lang spielen. Aber sie kommt schon früher zurück, denn sie hat das gesamte Geld verspielt. Für die Rückfahrt nach Hamburg nehmen sie den Zug.

Friedrich gesteht Polina, dass in seiner Kanzlei 2,1 Millionen Euro, die im Auftrag eines Klienten von der Schweiz nach Deutschland transferiert werden sollten, verschwunden sind und er deshalb vor dem beruflichen und finanziellen Ruin steht. Er vermutet, dass seine Mitarbeiterin Annegret Reuther (Gesine Cucrowski), die sich in der Schweiz aufhält, das Geld veruntreute, aber für die fehlende Summe muss er selbst gegenüber seinem Mandanten geradestehen.

Nach einer gemeinsamen Nacht mit Polina gibt Friedrich vor, in die Schweiz reisen zu wollen, um Annegret Reuther zur Rede zu stellen. Als er sich längere Zeit nicht mehr bei ihr meldet, fragt Polina in seinem Hotel nach ihm, aber dort steht nur noch sein Koffer. Sie bezahlt die offene Hotelrechnung für ihn und bringt ihm den Koffer in seine Kanzlei.

Kurz darauf wird er vor ihren Augen verhaftet. Man beschuldigt ihn, die fehlenden 2,1 Millionen Euro selbst unterschlagen zu haben. Polina besucht Friedrich in der Untersuchungshaft. Weil er befürchtet, dass man auch seine bei dem Anwalt Dietrich Schröder (Frank Giering) deponierte „eiserne Reserve“ pfänden könnte, steckt er Polina bei einem ihrer Besuche heimlich eine Vollmacht zu, mit der sie das Geld abholen und bei sich aufbewahren soll.

Polina spielt inzwischen aus eigenem Antrieb. Sie macht sich vor, es nur zu tun, um mit dem erwarteten Gewinn eine Kaution für ihren neuen Freund stellen zu können. Aber sie verspielt nicht nur Friedrichs Geld, sondern auch ihr Barvermögen, ihr Aktiendepot, ihre Gemälde und ihr Haus. Als sie für das Spielcasino kein Geld mehr hat, versucht sie ihr Glück Euro für Euro an Spielautomaten. Einmal stiehlt sie sogar eine Damenhandtasche, um an weiteres Geld zu kommen.

Als sich herausstellt, dass Annegret Reuther die 2,1 Millionen Euro in Zürich abhob, wird der Haftbefehl gegen Friedrich Mühlbichler vorläufig ausgesetzt. Nach der Entlassung aus dem Gefängnis findet er Polina in der billigen Pension, in die sie nach der Zwangsräumung gezogen war. Die Adresse nannte ihm der Gerichtsvollzieher. Er weiß bereits, dass sie alles verspielt hat. Um sie von der Spielleidenschaft abzubringen, geht er mit ihr ins Spielcasino, wo sie sich für ein halbes Jahr für alle Casinos in Deutschland und Österreich sperren lässt. Polina glaubt, auf diese Weise ihre Spielsucht unter Kontrolle halten zu können.

Während Friedrich sich vor Gericht verantwortet, sucht sie jedoch ein illegales Spielcasino in Hamburg auf. Dort findet Friedrich sie. Sie hat wieder kein Glück. Er setzt ihre letzten Chips – und gewinnt in zwei Spielen 136 000 Euro. Daraufhin will er begeistert weitermachen, aber jetzt ist es Polina, die ihn vom Spieltisch wegzerrt, weil sie befürchtet, er könne so wie sie von der Spielleidenschaft gepackt werden.

Im Verlauf der mehrtägigen Gerichtsverhandlung stellt sich heraus, dass nicht Friedrich Mühlbichler, sondern Annegret Reuther die 2,1 Millionen Euro veruntreut hat. Er wird freigesprochen.

Danach eilt er zu dem illegalen Spielcasino und fragt nach Polina. Sie sei gerade gegangen, heißt es. Im Treppenhaus hört er sie schluchzen. Ihre Handtasche liegt am offenen Fenster. Sie hatte sich in die Tiefe stürzen wollen, war dann aber doch davor zurückgeschreckt. Friedrich führt sie die Treppe hinunter.

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Das Drehbuch zu seinem packenden Fernsehdrama „Die Spielerin“ schrieb Erhard Riedlsperger (*1960) nach Motiven aus dem Roman „Der Spieler“ (1867) von Fjodor Michailowitsch Dostojewski (1821 – 1881). Es handelt sich um das beklemmende Psychogramm einer Spielleidenschaft. Hannelore Elsner stellt die von ihrer Sucht getriebene, gedemütigte, verzweifelte und sich selbst belügende Spielerin ohne große Gesten nuanciert und glaubwürdig dar. Wieder einmal beweist sie ihr großes Können als Charakterdarstellerin.

„Die Spielerin“ wurde erstmals am 17. Juni 2005 von „Arte“ ausgestrahlt.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2005

Primo Levi - Wann, wenn nicht jetzt?
Indem Primo Levi historische Ereignisse aus dem Zweiten Weltkrieg an fiktiven Romanfiguren festmacht, ermöglicht er es den Leserinnen und Lesern, das tatsächliche Schicksal von Juden in Russland beispielhaft nachzuvollziehen.
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