Boys Don't Cry

Boys Don’t Cry

Boys Don't Cry

Originaltitel: Boys Don't Cry – Regie: Kimberly Peirce – Drehbuch: Kimberly Peirce, Andy Bienen – Kamera: Jim Denault – Schnitt: Tracy Granger, Lee Percy – Musik: Nathan Larson – Darsteller: Hilary Swank, Chloë Sevigny, Peter Sarsgaard, Brendan Sexton III, Alicia Goranson, Jeanetta Arnette, Alison Folland, Rob Campbell, Matt McGrath u.a. – 1999; 115 Minuten

Inhaltsangabe

Die 20-jährige, in Lincoln, Nebraska, aufgewachsene Kleinkriminelle Teena Brandon will Frauen erobern, aber nicht als Lesbierin, sondern wie ein Mann. Durch Zufall kommt sie nach Falls City, ein Provinznest, in dem sie keiner kennt. Dort wird sie von Tom und John als neuer Kumpel aufgenommen und verliebt sich in Lana, die ahnungslos ihre Gefühle erwidert. Teena scheint ihrem Ziel nahe zu sein ...
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Kritik

"Boys Don't Cry" ist ein aufwühlender, auf einer wahren Begebenheit basierender Film. Kimberly Peirce fokussiert auf die Psychologie der Hauptfigur, die von Hilary Swank eindrucksvoll, nuanciert und überzeugend verkörpert wird.
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Lincoln, Nebraska 1993. Die zwanzigjährige Teena Brandon (Hilary Swank) lebt bei ihrem homosexuellen Freund Lonny (Matt McGrath) im Wohnwagen. Weil sie lieber ein Mann wäre, bandagiert sie sich den Oberkörper, stopft die Unterhose vorn mit einem Paar Socken aus, trägt das Haar kurz geschnitten und zieht zur Bluejeans grobe Männerhemden aus Baumwolle an. In dieser Verkleidung macht sie sich beispielsweise auf einer Rollschuhbahn an Nicole (Cheyenne Rushing) heran, flirtet mit ihr den ganzen Abend und bringt sie dann nach Hause. Als Nicole auch bei einem heftigen Abschiedskuss nicht merkt, dass eine Frau sie im Arm hält, fühlt Teena sich bestätigt. Doch ein paar von Nicoles Freunden haben sie durchschaut. Sie halten Teena für eine Perverse und jagen sie, bis sie Lonnys Wohnwagen erreicht. Als Schwuler weiß Lonny, was gesellschaftliche Diskriminierung bedeutet, aber es gelingt ihm nicht, Teena von ihrem Vorhaben abzubringen, sich als Mann selbst zu verwirklichen.

Kurz darauf wird Teena Brandon alias Brandon Teena in einer Bar von der jungen Fabrikarbeiterin Candace (Alicia Goranson) angesprochen – und kriegt Ärger mit einem Trucker, der ihn als Rivalen ansieht. Es kommt zu einer heftigen Schlägerei. Candace flüchtet mit ihren Freunden John Lotter (Peter Sarsgaard) und Marvin Thomas („Tom“) Nissen (Brendan Sexton III) aus der Kneipe, und sie nehmen Teena mit. Aufgedreht fahren sie nach Falls City.

Dort wacht Teena am nächsten Morgen im Haus ihrer neuen Freundin Candace auf. Stolz befühlt sie die von der Schlägerei zeugenden Blessuren. Sie beschließt, in Falls City ein neues Leben anzufangen.

In dem langweiligen Provinznest sorgt der schüchterne Neuankömmling mit seiner positiven Einstellung für etwas Abwechslung. John fordert ihn heraus, beim „Pick-up-Surfen“ mitzumachen. Bei der Mutprobe holt Brandon sich weitere Schrammen. Er schließt sich der Clique von John und Tom an, zu der auch die allein erziehende Mutter Candace sowie Lana (Chloë Sevigny) und deren Freundin Kate (Alison Folland) gehören.

Als sie wieder einmal alle zusammen unterwegs sind und Brandon das Auto fährt, geraten sie mit den Insassen eines anderen Wagens in Streit. John hetzt Brandon zu einer halsbrecherischen Verfolgungsjagd auf, aber nachdem sie die anderen überholt haben, werden sie von einem Streifenwagen gestellt. Brandon, auf dessen Ausweis der Name „Charles Brandon“ steht, kommt mit einer Verwarnung davon. Aber John, der um sein Leben fürchtete und wegen seiner Vorstrafen jeden Kontakt mit der Polizei scheut, ist wütend auf Brandon.

John und Tom waren bereits im Gefängnis. John erzählt, dass er während der Haft regelmäßig Briefe von der damals dreizehnjährigen Lana bekam, und als er entlassen wurde, nahm Lanas Mutter (Jeanetta Arnette) ihn in ihrem Haus auf. Auch seine kleine Tochter April (Stephanie Sechrist) hat dort ihr Zuhause. Brandon kommt ebenfalls dort unter. Zwischen ihm und Lana Tisdel, die von seiner Sensibilität und Aufmerksamkeit angetan ist, entwickelt sich eine zarte Liebesbeziehung – argwöhnisch beobachtet von John, der sich wie ein großer Bruder für Lana verantwortlich fühlt, aber zugleich eifersüchtig wird.

Teenas Glück wird getrübt, als sie wegen schweren Autodiebstahls von einem Gericht in Lincoln vorgeladen wird. Per Anhalter fährt sie hin, doch als ihr Fall aufgerufen wird, bleibt sie sitzen und gibt sich nicht zu erkennen. Daraufhin wird der Stempel „Failure to appear“ auf ihre Akte gedrückt.

Mit einem gestohlenen Moped kehrt Brandon nach Falls City zurück und bringt Lana dazu, ihren Arbeitsplatz in der Fabrik vorzeitig zu verlassen. Auf einer Wiese zieht er sie aus und bringt sie durch Cunnilingus zum Orgasmus. Lana wundert sich zwar über den Brustansatz, den sie kurz sieht, als er sich über sie beugt, aber sie glaubt an die Liebe.

Sie kündigt in der Fabrik und träumt davon, mit Brandon nach Memphis, Tennessee, zu ziehen. Brandon wäre fürs Erste schon zufrieden, in Falls City einen Campingplatz zu eröffnen und mit Lana zusammen in einem Wohnwagen zu leben. Das erforderliche Geld versucht er durch einen Scheckbetrug zu beschaffen, wird aber noch in der Bank verhaftet.

Durch Zeitungsberichte über die Festnahme der Kleinkriminellen Teena Brandon wird Brandon enttarnt. Lana hält zu ihr, besucht sie im Frauentrakt des Gefängnisses und holt sie heraus, indem sie die Kaution bezahlt. Im Fonds eines Autos lieben sie sich, aber entkleiden lässt Brandon sich nicht.

Zurück in Falls City werden Lana und Brandon von Mrs Tisdel, John, Tom und Kate als Perverse beschimpft. Lanas Mutter will „dieses Etwas“ nicht länger im Haus haben. Lana behauptet, Brandon habe einen Penis und sei ein Mann, aber Tom und John packen ihn bzw. sie und reißen Teena die Hosen herunter. Kurz darauf überfallen sie die junge Frau, zerren sie in ihr Auto und fahren mit ihr zu einem verlassenen Fabrikgelände. Dort wird Teena von den beiden Männern nacheinander vergewaltigt und zwischendurch geschlagen. Dann bringen Tom und John die Geschundene zurück ins Haus von Lanas Mutter, aber sie flieht durch ein Fenster.

Sie muss ins Krankenhaus. Als die Ärztin bei der Untersuchung feststellt, dass Teena vergewaltigt wurde, alarmiert sie die Polizei, die das Opfer vernimmt. Einige Tage später werden Tom und John von der Polizei vorgeladen.

Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.

Lana besucht Teena in dem kleinen Nebengebäude des Hauses von Candace, in dem sie Unterschlupf gefunden hat. Diesmal möchte sie, dass auch Teena sich auszieht und sie sich als Frauen lieben. Nachdem Teena ihr den Wunsch erfüllt hat, schlägt sie vor, zusammen Falls City zu verlassen, aber Lana zögert und kehrt erst einmal nach Hause zurück.

Dort tauchen Tom und John auf. Sie suchen Teena. Mrs Tisdel warnt sie zwar vor einer weiteren Straftat, verrät ihnen aber das Versteck. In der Hoffnung, das Schlimmste verhindern zu können, steigt Lana zu den beiden Männern ins Auto. Verzweifelt versucht sie, John davon abzuhalten, das Haus von Candace zu betreten. Er schlägt sie zu Boden. Sie steht wieder auf und folgt den Männern ins Haus. John erschießt Teena aus wenigen Zentimetern Entfernung. Dann wirft er die Pistole auf den Boden. Tom hebt sie auf und tötet damit Candace, die mit ihrem Baby hereingekommen ist. Als er auf Lana zielt, reißt John ihm in dem Augenblick, in dem er abdrückt, den Arm hoch.

Lana muss ihren Traum, nach Memphis zu fahren, allein verwirklichen.

John Lotter wird zum Tod verurteilt, Marvin Thomas Nissen aufgrund seiner Kooperation mit der Staatsanwaltschaft zu lebenslanger Haft. Lana bringt in Memphis eine Tochter zur Welt und kehrt mit ihr nach Falls City zurück.

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„Boys Don’t Cry“ ist eine Mischung aus Milieustudie, Road Movie und Selbstfindungsdrama, ein aufwühlender Film über eine junge Frau, die lieber ein Mann wäre, aber an der Intoleranz einer konservativen Provinzgesellschaft und der Fragilität des Selbstbewusstseins anderer Männer scheitert. Als sich herausstellt, dass Brandon in Wirklichkeit eine Frau ist, glauben zwei Kleinkriminelle, die auf die Verkleidung hereinfielen, sie bestrafen und die Ordnung wiederherstellen zu müssen.

Die Tragödie basiert auf einer wahren Begebenheit in Nebraska: Teena Brandon wurde am 31. Dezember 1993, knapp drei Wochen nach ihrem 21. Geburtstag, ermordet. Kimberly Peirce (* 1967) drehte darüber zunächst einen Kurzfilm, 1999 dann mit einer anderen Besetzung ihren ersten abendfüllenden Film: „Boys Don’t Cry“.

Kimberly Peirce stellt mit „Boys Don’t Cry“ eine in Traditionen verhaftete ländliche Gesellschaft an den Pranger, aber sie tut das ohne explizite Wertungen, mehr beobachtend als kommentierend, und sie fokussiert auf die Psychologie der Hauptfigur, die von Hilary Swank so eindrucksvoll verkörpert wird, dass man darüber zunächst gar nicht merkt, dass die Handlung in der ersten Hälfte des Films aus einer Aneinanderreihung von Episoden besteht und auch nicht sonderlich einfallsreich ist.

„Boys Don’t Cry“ reißt die Zuschauer mit, weil es Hilary Swank gelungen ist, die schwierige Rolle nuanciert, überzeugend und fern von Klischees zu spielen. Die damals Fünfundzwanzigjährige soll sich auf die Dreharbeiten vorbereitet haben, indem sie sich einen Monat lang als Mann ausgab. Für die großartige schauspielerische Leistung wurde sie mit einem „Oscar“ ausgezeichnet. Nominiert hatte man auch Chloë Sevigny in der Kategorie „Beste Nebendarstellerin“.

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Inhaltsangabe und Filmkritik: © Dieter Wunderlich 2009

Teena Brandon (Kurzbiografie)

Jo Nesbø - Die Larve
Souverän meistert Jo Nesbø die Herausforderungen, denen er sich durch den komplexen Aufbau des spannenden Thrillers "Die Larve" stellte. Die verschiedenen Handlungsstränge greifen wie gut geölte Zahnräder ineinander.

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