Take Shelter

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Take Shelter

Take Shelter. Ein Sturm zieht auf – Originaltitel: Take Shelter – Regie: Jeff Nichols – Drehbuch: Jeff Nichols – Kamera: Adam Stone – Schnitt: Parke Gregg – Musik: David Wingo – Darsteller: Michael Shannon, Jessica Chastain, Tova Stewart, Shea Whigham, Katy Mixon, Natasha Randall, Ron Kennard, Scott Knisley, Robert Longstreet, Heather Caldwell, Sheila Hullihen, John Kloock, Marianna Alacchi, Jacque Jovic, Bob Maines, Charles Moore, Pete Ferry, Molly McGinnis, Angie Marino-Smith, Ken Strunk u.a. – 2011; 120 Minuten

Inhaltsangabe

Die LaForches sind eine intakte amerikanische Arbeiterfamilie – bis Curtis von apokalyptischen Albträumen heimgesucht wird. Man hält ihn für verrückt, weil er für seine Familie einen Schutzbunker baut und dabei alles zu zerstören droht, was er bewahren möchte: Er überschuldet sich, verliert seinen Job und damit auch die Krankenversicherung, die eine wichtige Operation für seine Tochter bezahlt hätte, überwirft sich mit seinem Freund und riskiert, dass seine Frau sich von ihm trennt ...
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Kritik

Ist "Take Shelter. Ein Sturm zieht auf" ein Familiendrama oder ein Endzeit-Thriller? Jedenfalls handelt es sich nicht um einen oberflächlichen Katastrophenfilm. Jeff Nichols lässt sich viel Zeit, das Panorama einer Gesellschaft in der Krise zu entwickeln.
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Curtis LaForche (Michael Shannon) lebt mit seiner Frau Samantha (Jessica Chastain) und der sechsjährigen Tochter Hannah (Tova Stewart) in einem Haus außerhalb einer Kleinstadt in Ohio. Das Geld für den Lebensunterhalt und die Tilgung des Hypothekenkredits verdient er als Arbeiter eines Unternehmens zur Sandgewinnung, und Samantha verkauft auf Trödelmärkten selbst hergestellte Kissen und Decken, um das Familieneinkommen aufzubessern. Curtis und Samantha lieben sich und ihre Tochter. Dewart (Shea Whigham) findet, dass sein Freund und Kollege Curtis ein gutes Leben führt.

Weil die Firma, für die Curtis und Dewart arbeiten, sehr gute Krankenversicherungen für ihre Mitarbeiter abgeschlossen hat, erhalten die LaForches die Möglichkeit, ihrer gehörlosen Tochter ein teures Implantat einsetzen zu lassen, mit dem sie wahrscheinlich hören wird. In sechs Wochen soll die Operation stattfinden.

Trotz allem wird Curtis von Albträumen heimgesucht. Er sieht einen gewaltigen Gewittersturm aufziehen, es regnet eine Flüssigkeit wie Motorenöl, ein Tornado bedroht das Haus. Der friedliche Hund reißt sich los und zerfleischt Curtis‘ Arm. Dewart geht mit einer Spitzhacke auf ihn los, Samantha mit einem Küchenmesser. Auch tagsüber hört Curtis als Einziger das Grollen des Donners, er sieht riesige Vogelschwärme über den Himmel ziehen, und einmal prasseln tote Vögel herab.

Samantha wundert sich darüber, dass Curtis den Hund nicht mehr ins Haus lässt. Dass er schweißgebadet aufwacht, macht sie besorgt, aber er erklärt ihr, die Ursache sei eine harmlose Erkältung. Er wagt es nicht, sich seiner Frau anzuvertrauen, nicht zuletzt, weil er sie nicht beunruhigen möchte.

Als er zehn Jahre alt war, vergaß seine Mutter, ihn nach dem Einkaufen mitzunehmen. Eine Woche später wurde sie aufgegriffen, während sie in Mülltonnen nach Essen wühlte. Seit damals lebt sie in einem Heim. Curtis befürchtet, ebenfalls geisteskrank zu werden und besucht sie, um sich zu erkundigen, wie die Schizophrenie bei ihr anfing. Aber sie kann sich nicht an Albträume erinnern, stattdessen fühlte sie sich verfolgt. Der Hausarzt (Ken Strunk) verschreibt ihm Beruhigungsmittel, für die Curtis in der Apotheke 49 Dollar zuzahlen muss, und rät ihm, einen Psychiater zu konsultieren. Weil dessen Praxis jedoch zu weit entfernt ist und die Behandlung wohl auch zu teuer wäre, nimmt Curtis mit der Psychotherapeutin Kendra (LisaGay Hamilton) des örtlichen Gesundheitsamtes vorlieb, die ihm wenigstens zuhört. Außerdem leiht er sich in der öffentlichen Bibliothek Bücher über Psychopathologie.

Weil Curtis glaubt, es könne sich bei seinen Albträumen und Visionen um Ankündigungen einer Apokalypse handeln, hält er es für seine Pflicht, Schutz für die Familie zu schaffen. Dewart hilft ihm am Wochenende, neben dem alten Sturmschutzbunker ein Loch zu graben. Dazu leiht Curtis sich ohne Genehmigung einen Bagger und einen Lastwagen der Firma. Für die geplante Vergrößerung und bessere Ausstattung des Bunkers benötigt er Geld. Einen weiteren Kredit von der Bank erhält er jedoch nur gegen variable Zinsen, und obwohl ihn der Bankangestellte vor den Risiken warnt, unterschreibt Curtis den Vertrag.

Samantha ist entsetzt, als sie das Loch im Garten sieht und erfährt, dass er einen neuen Kredit aufgenommen hat. Erst jetzt gesteht er ihr, dass er von Albträumen und Vorahnungen geplagt wird.

Er kann nicht anders. Der Ausbau des Bunkers wird zur Obsession für ihn. Nachdem er in dem Loch einen Stahlcontainer versenken ließ, legt er Versorgungsleitungen und richtet eine Entlüftungsanlage ein. Curtis kauft Gasmasken und Vorräte in Dosen.

Weil Curtis sich aufgrund seiner Albträume von seinem Freund bedroht fühlt, bittet er seinen Vorgesetzten Jim (Robert Longstreet) um Dewarts Versetzung, ohne mit dem Betroffenen darüber gesprochen zu haben. Die Freundschaft zerbricht endgültig, als Jim erfährt, dass die beiden heimlich einen Bagger und einen Lastwagen für private Zwecke verwendeten. Dewart kommt mit zwei Wochen unbezahltem Urlaub davon, aber Curtis muss die Firma verlassen. Damit verliert er nicht nur den Arbeitsplatz, sondern auch die Versicherung, die Hannahs Operation bezahlt hätte.

Bei einem Nachbarschaftsfest kommt es zu einer Prügelei zwischen Dewart und Curtis, der schließlich wie ein besessener Prophet einen gewaltigen Sturm ankündigt, auf den niemand außer ihm vorbereitet sei.

Als er zur nächsten Therapiestunde geht, findet er in Kendras Büro einen Unbekannten vor. Die Psychotherapeutin habe sich versetzen lassen, erklärt der Fremde, aber er habe sich bereits seine Akte angesehen. Da begreift Curtis, dass ihm hier nicht geholfen wird, und er verlässt grußlos den Raum.


Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.


Nachts heulen die Tornado-Sirenen. Familie LaForche sucht den Bunker auf. Curtis legt Hannah eine Sauerstoffmaske an und besteht darauf, dass Samantha ebenso wie er eine Gasmaske aufsetzt. Sie schlafen auf zwei Pritschen. Am nächsten Morgen wagt Curtis es nicht, den Ausgang aufzuschließen, denn er glaubt, noch immer den Sturm zu hören. Samantha versichert ihm, draußen sei es still. Sie lehnt es ab, den Schlüssel zu nehmen und fordert ihn auf, sich seiner Angst zu stellen. Widerstrebend öffnet Curtis die Tür. Draußen scheint die Sonne. Arbeiter sind dabei, abgebrochene Äste wegzuräumen und heruntergerissene Stromleitungen zu reparieren. Die Sturmschäden sind verhältnismäßig gering.

Samantha hält zu ihrem Mann. Sie will sich eine Arbeitsstelle suchen und geht davon aus, dass er auch rasch wieder Geld verdient. Damit werden sie nicht nur Hannahs Operation bezahlen, sondern auch einen kompetenten Psychiater (Jeffrey Grover). Auf die geplanten Ferien in Myrtle Beach will Samantha aus finanziellen Gründen verzichten.

Sie begleitet Curtis zum Psychiater. Der rät erst einmal dazu, doch in die Ferien zu fahren, um von dem Schutzbunker wegzukommen, um den Curtis‘ Denken kreist. Danach werde eine stationäre Behandlung erforderlich sein, meint er.

Am Strand baut Curtis mit Hannah eine Sandburg. Plötzlich schaut das Kind auf den Ozean hinaus und erschrickt. Curtis folgt Hannahs Blick und sieht einen gewaltigen Sturm aufziehen. Samantha tritt aus der Tür des Ferienhauses und wundert sich über die Regentropfen, die wie Motorenöl aussehen. Die Windhosen mehrerer Tornados ziehen heran. Dass sich das Meer zurückzieht, kündigt einen Tsunami an, vor dem es kein Entrinnen gibt. Und diesmal sieht Curtis das Unheil nicht allein.

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Bei den LaForches handelt es sich um eine intakte amerikanische Arbeiterfamilie – bis Curtis von Albträumen und Vorahnungen einer Apokalypse heimgesucht wird. Niemand außer ihm nimmt das Menetekel wahr. Man hält ihn für verrückt, weil er für seine Familie einen Schutzbunker baut und dabei alles zu zerstören droht, was er bewahren möchte: Er überschuldet sich, verliert seinen Arbeitsplatz und damit auch die Krankenversicherung, die eine wichtige Operation für seine Tochter bezahlt hätte, überwirft sich mit seinem Freund und riskiert, dass seine Frau sich von ihm trennt.

Ob Curtis unter Wahnvorstellungen leidet oder prophetische Visionen erlebt, bleibt erst einmal offen. Wir fragen uns: Ist „Take Shelter. Ein Sturm zieht auf“ ein Familiendrama oder ein Endzeit-Thriller? Kurz vor dem Ende scheint die Frage geklärt zu sein. Aber dann kippt alles noch einmal um.

Jeff Nichols evoziert eine bedrohliche Atmosphäre, die an „Shining“ erinnert. Wird es auch in „Take Shelter. Ein Sturm zieht auf“ zu einem Gewaltausbruch kommen? Jeff Nichols lässt sich viel Zeit, die Geschichte zu erzählen. „Take Shelter. Ein Sturm zieht auf“ ist kein oberflächlicher, auf Action und Special Effects setzender Katastrophenfilm, sondern eine psychologische Studie und das Panorama einer Gesellschaft in der Krise.

Diese Gesellschaftskrise zeigt sich zum einen im Sicherheitswahn nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 und zum anderen in der globalen Finanzkrise seit 2008. Gerade Familien, die etwas zu verlieren haben, werden durch die beängstigenden Entwicklungen verunsichert. Dass Curtis vermutlich psychisch krank ist, beweist nicht, dass der Weltuntergang, den er vorauszusehen glaubt, nicht tatsächlich stattfinden wird.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2012

Robert Harris - Ghost
"Ghost" ist ein furioser, spannender und witziger Politthriller. Robert Harris zeigt uns hier ein pointiertes, zynisches Bild von Politik und Moral. Gleichzeitig nimmt er den Literaturbetrieb aufs Korn.

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