Arthur Miller : Der Tod des Handlungsreisenden

Der Tod des Handlungsreisenden

Arthur Miller

Der Tod des Handlungsreisenden

Drama in zwei Akten und einem Requiem Originaltitel: "Death of a Salesman" Uraufführung: New York, 10. Februar 1949 Der Tod des Handlungsreisenden auch: Tod eines Handlungsreisenden Deutschsprachige Erstaufführung: Wien 1950
Buchbesprechung

Inhaltsangabe

Seit 36 Jahren arbeitet Willy Loman als Handlungsreisender. Inzwischen ist er 63 und hat es immer noch nicht zu Erfolg und Anerkennung gebracht. Als ihm das Unternehmen dann auch noch kündigt, flüchtet er sich in Tagträume. Von seinem älteren Sohn mit den Tatsachen konfrontiert, verfällt er auf den Gedanken, seinem Leben durch eine letzte Handlung doch noch einen Sinn zu geben ...
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Kritik

Willy Loman zerbricht an einem inhumanen Wirtschaftssystem, in dem es nur auf den materiellen Erfolg ankommt. Arthur Miller entlarvt in "Der Tod des Handlungsreisenden" den "American Dream" als Trugbild, denn die Tragödie des Protagonisten steht für eine gescheiterte Gesellschaftsordnung.
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Seit sechsunddreißig Jahren arbeitet Willy Loman als Handlungsreisender. Inzwischen ist er dreiundsechzig und hat es immer noch nicht zu Erfolg und Anerkennung gebracht – anders als sein Bruder Ben, ein reich gewordener Abenteurer. Mit seinen jüngeren Kollegen kann Willy Loman nicht mehr mithalten. Weil er überanstrengt am Steuer sitzt, überfährt er einmal beinahe eine Frau. Als ihm das Unternehmen dann auch noch unerwartet kündigt, ist Willy Loman nicht in der Lage, sein Scheitern einzugestehen, sondern er versucht verzweifelt, den Schein aufrechtzuerhalten und tut gegenüber seinen Söhnen so, als wäre er weiterhin ein tüchtiger und allseits beliebter Verkäufer. Um sein angebliches Gehalt zeigen zu können, leiht er sich sogar Geld. Insgeheim flüchtet er sich in Tagträume und hängt seinen Wunschvorstellungen aus der Vergangenheit nach.

Aus dieser Perspektive verachtet Willy Loman seinen jüngeren Sohn Happy, aus dem ein angepasster kleiner Angestellter und verantwortungsloser Schürzenjäger geworden ist, denn er hält ihn für einen Schwächling und Verlierer. Für Biff, den älteren der beiden Söhne, war Willy Loman früher ein Vorbild gewesen – bis er ihn bei einem Ehebruch ertappt hatte. Da brach Biffs Weltbild zusammen, und statt ein erfolgreicher Football-Spieler zu werden, verkam er zu einem Gelegenheitsarbeiter.

Biff hat seinem Vater den Seitensprung nicht verziehen, liebt ihn jedoch unbewusst noch immer und täuscht darüber mit aggressivem Verhalten hinweg. Obwohl er von seiner liebevollen Mutter Linda erfährt, dass der Vater arbeitslos geworden ist und Selbstmordgedanken geäußert hat, deckt er rücksichtlos dessen Lebenslüge auf. Dadurch kann Willy Loman sich schließlich nicht länger über sein Scheitern sowohl als Vater als auch im Beruf hinwegtäuschen.

Um seinem Leben doch noch einen Sinn zu geben, verfällt er auf den Gedanken, sich durch einen vorgetäuschten Autounfall zu töten. Wenn die Familie dann das Geld von der Lebensversicherung ausgezahlt bekommt, so stellt Willy Loman es sich vor, werde sie ihn endlich anerkennen. Und mit dem Startkapital könne Biff eine Traumkarriere machen.

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Der Handelsvertreter Willy Loman zerbricht an einem inhumanen Wirtschaftssystem, in dem es nur auf den materiellen Erfolg ankommt. Arthur Miller (1915 – 2005) entlarvt den „American Dream“ als Trugbild, denn die Tragödie des Protagonisten steht für eine gescheiterte Gesellschaftsordnung. Das Bühnenstück „Der Tod des Handlungsreisenden“ ist ein Appell, nicht nur auf den beruflichen und finanziellen Erfolg zu starren, sondern sich auf Werte wie Liebe, Familie, Solidarität und Mitmenschlichkeit zu besinnen – auch wenn dies nicht gesellschaftskonform ist.

Für das am 10. Februar 1949 in New York uraufgeführte Drama „Der Tod des Handlungsreisenden“ erhielt Arthur Miller den Pulitzer-Preis.

Das Bühnenstück wurde 1951 von Laszlo Benedek mit Fredric March in der Hauptrolle verfilmt „Tod eines Handlungsreisenden“. Nach einer gefeierten Broadway-Inszenierung von 1984, in der Dustin Hoffman mehr als zweihundertfünfzig Mal als Willy Loman zu sehen war, taten sich Volker Schlöndorff, Arthur Miller und Dustin Hoffman zusammen und schufen ein Remake des Films: „Tod eines Handlungsreisenden“.

1992 inszenierte Arthur Miller selbst noch einmal eine Aufführung seines Dramas in Stockholm.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2005

Volker Schlöndorff: Tod eines Handlungsreisenden

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