Trügerische Stille

Trügerische Stille

Trügerische Stille

Trügerische Stille - Originaltitel: The Deep End - Regie: Scott McGehee und David Siegel - Drehbuch: Scott McGehee und David Siegel, nach dem Thriller "The Blank Wall" von Elisabeth Sanxay Holding - Kamera: Giles Nuttgens - Schnitt: Lauren Zuckerman - Musik: Peter Nashel - Darsteller: Tilda Swinton, Goran Visnjic, Jonathan Tucker, Peter Donat, Josh Lucas, Raymond J. Barry, Tamara Hope, Jordon Dorrance, Heather Mathieson, Holmes Osborne, Richard Gross u.a. - 2001; 100 Minuten

Inhaltsangabe

Um das Verhältnis ihres 17-jährigen Sohnes Beau mit Darby, dem Betreiber einer Schwulenbar, zu beenden, bietet Margaret Hall dem Mann 5 000 $ – und löst ungewollt eine Kettenreaktion aus: Beau und Darby geraten dadurch in Streit, und als Margaret am Morgen danach Darbys Leiche findet, nimmt sie an, ihr Sohn habe ihn umgebracht. Um Beau zu schützen, versenkt sie die Leiche im See. Der Mordfall ruft jedoch zwei Erpresser auf den Plan ...
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Kritik

"The Deep End. Trügerische Stille" ist ein vor allem durch Tilda Swintons schauspielerisches Können überzeugendes Remake von Max Ophüls Film "Schweigegeld für Liebesbriefe" (1949). In beiden Fällen handelt es sich um Adaptationen des Thrillers "The Blank Wall" (1947) von Elisabeth Sanxay Holding.
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Margaret Hall (Tilda Swinton) lebt mit ihrem Schwiegervater Jack (Peter Donat) und ihren Kindern Beau (Jonathan Tucker), Page (Tamara Hope) und Dylan (Jordon Dorrance) in einem Haus am Lake Tahoe in Nevada. Ihr Ehemann Tom ist Captain bei der US-Navy und oft monatelang auf See.

Auf dem Rückweg von einer Schwulenbar in Reno fährt Margarets ältester Sohn, der siebzehnjährige Beau, seinen Wagen zu Schrott. Dadurch erfährt Margaret von seinem Verhältnis mit Darby Reese (Josh Lucas), dem dreißig Jahre alten Betreiber der Bar. Weil Tom irgendwo im Nordatlantik unterwegs ist, muss sie allein handeln. Sie fährt nach Reno und redet mit Darby. Der verlangt 5000 Dollar dafür, dass er seine Beziehung mit Beau beendet.

Vergeblich versucht Margaret, auch mit Beau ein Gespräch zu führen. Er weiß zwar, dass er einen Fehler machte, als er sich alkoholisiert ans Steuer setzte, aber er will seinen Geliebten nicht aufgeben und ist schockiert, als seine Mutter ihm sagt, dass Darby für Geld bereit sei, mit ihm Schluss zu machen.

In der Nacht weckt Darby seinen Freund, indem er Steinchen an dessen Fenster wirft. Beau will ihn wegschicken, aber Darby überredet ihn, sich aus dem Haus zu stehlen und mit ihm im Bootshaus zu gehen. Dort geraten sie wegen Darbys Abmachung mit Margaret in einen heftigen Streit und prügeln sich. Als Beau ins Haus zurückkehrt, begegnet er seiner Mutter, die Geräusche hörte und feststellte, dass er nicht in seinem Zimmer war. Sie erschrickt über die Schrammen und Hämatome in seinem Gesicht, aber Beau sagt nichts.

Am nächsten Morgen stößt Margaret auf Darbys Leiche. Jemand hat ihm einen Anker in die Brust gerammt. In der Annahme, ihr Sohn habe sich mit Darby geprügelt und ihn dabei umgebracht, zerrt Margaret die Leiche in ihr Boot und versenkt sie mit dem Anker in einer abgelegenen Bucht des Lake Tahoe.

Nachdem Page und Dylan für den Schulbesuch abgeholt wurden, fällt Margarets Blick auf den leuchtend blauen Sportwagen, der ein paar Meter vom Haus entfernt geparkt ist. Der kann nur dem Barbesitzer gehören. Um ihn wegbringen zu können, fährt Margaret noch einmal auf den See hinaus, taucht nach der Leiche und holt Darbys Autoschlüssel herauf. Danach stellt sie den auffälligen Wagen auf einem Parkplatz in Reno ab.

Die Leiche wird noch am selben Tag entdeckt, und am nächsten Morgen erfährt Beau aus der Zeitung, dass Darby am Lake Tahoe ermordet wurde.

Ein Fremder taucht auf. Er weiß, dass Darby in der Mordnacht hier war und führt Margaret ein Video vor, auf dem Darby und Beau beim Sex zu sehen sind. Er droht damit, das Band der Polizei zuzuspielen und verlangt 50 000 Dollar.

Verzweifelt versucht Margaret, einen Kredit zu bekommen. Dafür wäre die Unterschrift ihres Ehemanns erforderlich. Dem kann sie jedoch auf dem Flugzeugträger nur die Nachricht hinterlassen, sie habe angerufen.

Als das Ultimatum verstreicht, ohne dass Margaret am vereinbarten Treffpunkt in Reno erscheint, fährt der Erpresser – er heißt Alek Spera (Goran Visnjic) – erneut zum Lake Tahoe. Dylan steigt gerade aus dem Schulbus, als Alek eintrifft. Das arglose Kind nimmt den Gangster mit ins Haus. Im Wohnzimmer liegt Jack Hall nach einem Herzanfall bewusstlos am Boden. Statt nach dem Geld zu fragen, hilft Alek Margaret bei den Wiederbelebungsversuchen, bis die Sanitäter eintreffen und Jack Hall ins Krankenhaus bringen.

Am nächsten Tag kehrt Alek zurück und verlangt noch einmal die 50 000 Dollar, doch als Margaret ihm klar macht, dass sie das Geld nicht aufbringen kann, verspricht er aus Mitleid, mit seinem „Partner“ zu reden.

Tatsächlich steht Alek unter dem Druck seines Komplizen Carlie Nagle (Raymond Barry), der das Video unbedingt zu Geld machen will. Alek ruft Margaret an und drängt sie, wenigstens 25 000 Dollar zu besorgen; er selbst verzichtet auf seinen Anteil. Margaret versetzt einen Ring, aber sie hat erst 12 000 Dollar, als sie sich mit Alek in Reno trifft. Da die Polizei inzwischen den mutmaßlichen Mörder von Darby Reese verhaftet hat und das Video deshalb an Wert verloren hat, hofft Alek, dass Carlie sich damit zufrieden gibt. Margaret hält den Festgenommenen jedoch für unschuldig und erzählt Alek, sie habe den Barbesitzer getötet. Alek kann das nicht glauben.

Carlie Nagle ist zu keinem Kompromiss bereit, fährt verärgert selbst zum Lake Tahoe, zerrt Margaret ins Bootshaus und ohrfeigt sie. Alek eilt ihr zu Hilfe. In einem Kampf auf Leben und Tod erwürgt er seinen Komplizen. Margaret will zur Polizei gehen, den Mord an Darby Reese gestehen und bezeugen, dass Alek in Notwehr gehandelt habe. Der wirft stattdessen die Leiche in den Kofferraum des Toten und fährt damit los. Margaret soll ihm in seinem Wagen folgen. Mit der Schaltung kommt sie nicht zurecht und bittet deshalb Beau, der gerade aus dem Haus kommt, sich ans Steuer zu setzen.

Nach ein paar Kilometern sehen sie Carlies Auto, das von der Straße abkam und sich am Abhang überschlug. Margaret klettert hinunter. Alek ist in dem Wrack eingeklemmt und stirbt, während sie bei ihm ist.

Zu Hause bricht Margaret in Tränen aus. Beau versucht, sie zu trösten.

Endlich ruft auch Tom vom Flugzeugträger aus zurück …

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Eine Kurzfassung des Thrillers „The Blank Wall“ von Elisabeth Sanxay Holding erschien erstmals 1947 im „The Ladies‘ Home Journal“. Max Ophüls verfilmte den Roman 1949 unter dem Titel „Schweigegeld für Liebesbriefe“.

Schweigegeld für Liebesbriefe – Originaltitel: The Reckless Moment – Regie: Max Ophüls – Drehbuch: Mel Dinelli, Henry Garson, Robert E. Kent und Robert Soderberg, nach dem Thriller „The Blank Wall“ von Elisabeth Sanxay Holding – Kamera: Burnett Guffey – Schnitt: Gene Havlick – Musik: Hans J. Salter – Darsteller: James Mason, Joan Bennett, Geraldine Brooks, Henry O’Neill,
Shepperd Strudwick, David Blair, Roy Roberts u.a. – 1949; 85 Minuten

In ihrem spannenden Remake – „The Deep End. Trügerische Stille“ – machten Scott McGehee und David Siegel aus Lucia Harper Margaret Hall und aus dem ermordeten Liebhaber von Lucias Tochter Bea den Besitzer einer Schwulenbar, der mit Margarets Sohn Beau ein Verhältnis hat. Am Anfang einer Kettenreaktion steht nach wie vor eine Mutter, die annimmt, eines ihrer Kinder habe einen Mord begangen und die Bluttat deshalb zu vertuschen versucht. Wie weit geht eine Mutter, um ihre Familie zu schützen? Weil Margaret glaubt, mit niemandem über ihre Ängste und Sorgen reden zu dürfen, spielt sich das Geschehen vorwiegend in ihrem Kopf ab. Tilda Swinton muss sich in „The Deep End. Trügerische Stille“ also vor allem nonverbal ausdrücken. Und das gelingt ihr vorzüglich.

An Margaret liebe ich am meisten, dass sie so unexotisch ist. Die Herausforderung für mich bestand darin, sie im Bereich des Gewöhnlichen zu halten. Wenn sie ihre Familie vor Erpressung und Mordverdacht schützt, ist das einfach Teil ihres Jobs, und sie tut das in der gleichen Weise, wie sie Geschirr spült oder die Kinder von der Schule abholt.
(Tilda Swinton, zit.: Süddeutsche Zeitung, 21. Februar 2002)

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2005

Eva Menasse - Vienna
In "Vienna" sind Eva Menasse einige brillante Miniaturen mit funkelndem Sprachwitz gelungen, aber dem teilweise autobiografischen Familienroman fehlt es an einer überzeugenden Struktur.
Vienna

Eva Menasse

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