Insider

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Insider – Originaltitel: The Insider – Regie: Michael Mann – Drehbuch: Eric Roth, Michael Mann, nach dem Artikel "The Man Who Knew Too Much" von Marie Brenner – Kamera: Dante Spinotti – Schnitt: William Goldenberg, David Rosenbloom, Paul Rubell – Musik: Pieter Bourke, Lisa Gerrard – Darsteller: Al Pacino, Russell Crowe, Christopher Plummer, Diane Venora, Philip Baker Hall, Lindsay Crouse, Debi Mazar, Stephen Tobolowsky, Colm Feore, Bruce McGill, Gina Gershon, Michael Gambon, Rip Torn u.a. – 1999; 155 Minuten

Inhaltsangabe

Als Jeffrey Wigand, Vize-Präsident bei einer Tabakfirma, seine Bedenken gegen Zusatzstoffe in Zigaretten vorträgt, wird er fristlos entlassen. Seine Familie muss deshalb in ein billigeres Haus umziehen. Als Wigand sich trotz der Verschwiegenheits-klausel in seinem Arbeitsvertrag mit einem Journalisten trifft, kommt es zu Morddrohungen, und seine Frau verlässt ihn mit den Kindern. Er verliert alles, wird Opfer einer Rufmordkampagne, und seine Enthüllungen werden unterdrückt ...
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Kritik

Mit dem Politthriller "Insider" kritisiert Michael Mann ruhig und sachlich nicht nur verantwortungslose Industriekonzerne, sondern auch Medienunternehmen, die sich korrumpieren lassen.
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Jeffrey Wigand (Russell Crowe) ist bei Brown & Williamson in Louisville, Kentucky, einem Unternehmen der British American Tobacco, als Vize-Präsident für die Forschungsabteilung verantwortlich. Seine Aufgabe ist es, Zusatzstoffe zu entwickeln, die dem Zigarettentabak beigefügt werden können, um die Wirkung des Nikotins zu beschleunigen. Weil diese Stoffe die Suchtgefahr erhöhen und karzinogen sein könnten, hat Wigand Bedenken. Diese fasst er in einem Memo zusammen, das er dem Präsidenten Thomas Sandefur (Michael Gambon) schickt. Daraufhin wird ihm am 24. März 1993 fristlos gekündigt.

Liane Wigand (Diane Venora) ist entsetzt, als sie von der Entlassung ihres Mannes erfährt. Wovon sollen sie nun die Krankenversicherung für sich und die beiden Töchter Barbara und Deborah (Hallie Kate Eisenberg, Renee Olstead) bezahlen, die so wichtig ist, weil Deborah schwer an Asthma leidet? Außerdem muss die Familie in ein billigeres Haus umziehen. Wigand findet zwar Arbeit als Chemielehrer in Louisville, aber die Auszahlung seiner Abfindung wird von Brown & Williamson blockiert, weil er nicht bereit ist, nachträglich eine verschärfte Version der ohnehin gültigen Verschwiegenheitsklausel zu unterschreiben.

Als Lowell Bergman (Al Pacino), der Produzent der CBS-Nachrichtensendung „60 Minutes“, anonym ein Paket mit Unterlagen über eine Brandschutzprüfung bei Philip Morris zugeschickt bekommt, wendet er sich an Jeffrey Wigand mit der Bitte, ihm den Inhalt der Dokumente zu erläutern. Der Forscher ist zunächst nur bereit, über Sachverhalte zu reden, die Brown & Williamson nicht betreffen. Erst nachdem Bergmann sein Vertrauen gewonnen hat, erwähnt er den Grund für seine Kündigung.

Der Kontakt zwischen Wigand und Bergman bleibt nicht unbemerkt. Der ehemalige Forscher erhält anonyme Morddrohungen, findet eine Patrone in seinem Briefkasten und entdeckt Fußabdrücke im Blumenbeet. Bergman rät ihm, das FBI einzuschalten. Die Beamten durchsuchen daraufhin rücksichtslos das Haus und konfiszieren Wigands Computer. Liane hält das Mobbing nicht länger aus, verlässt mit den Töchtern ihren Mann und reicht die Scheidung ein.

Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.

Nach einiger Zeit gelingt es Bergman, Wigand zu einem Fernsehinterview mit Mike Wallace (Christopher Plummer), dem Chefredakteur von „60 Minutes“, zu überreden. Es wird am 4. Februar 1996 in New York aufgenommen – aber nicht ausgestrahlt, weil die Geschäftsführerin Helen Caperelli (Gina Gershon) nach Rücksprache mit der Rechtsabteilung befürchtet, dass Brown & Williamson aufgrund des Verstoßes gegen die Verschwiegenheitsklausel in Wigands Arbeitsvertrag eine Milliardenklage gegen den Sender einreichen könnte.

Dass das Interview zurückgehalten wird, kann Wigand nicht fassen. Er hat alles verloren, und nun soll das auch noch umsonst gewesen sein! Während Mike Wallace sich den Anordnungen des Managements fügt, weil er nicht riskieren will, dass CBS ruiniert wird, kämpft Bergman weiter um die Veröffentlichung des Interviews.

Auch die Gegenseite schläft nicht: Mit einem 500 Seiten dicken Dossier und einer Rufmordkampagne soll die Glaubwürdigkeit Wigands vorsorglich erschüttert werden. Man stellt ihn als Lügner dar, behauptet, er sei wegen Ladendiebstahls vorbestraft und habe Unterhaltszahlungen für seine inzwischen an Multipler Sklerose erkrankte erste Ehefrau (Linda Hart) verweigert. Bergmans Empörung richtet sich auch gegen Wigand, weil dieser ihn nicht auf die möglichen Vorwürfe hinwies, aber der ehemalige Forscher beteuert, dass es hinsichtlich der Unterhaltszahlungen nur vorübergehend zu Streit gekommen sei und er lediglich vergessen habe, einen Dosenöffner zu bezahlen.

Bergman bittet Charlie Phillips (Paul Butler), einen Redakteur der „Washington Post“, das gegen Jeffrey Wigand zusammengestellte Dossier zu überprüfen. Dabei stellt sich die Haltlosigkeit der Anschuldigungen heraus, und die Zeitung berichtet kritisch über die Rufmordkampagne. Dann lässt Bergman einen Kollegen von der „New York Times“ wissen, dass bei CBS ein Interview unterdrückt wird und erreicht auf diese Weise einen groß aufgemachten Artikel des Blattes über die ganze Geschichte. Dem Sender bleibt daraufhin nichts anderes übrig, als das Interview am 4. Februar 1999 endlich auszustrahlen.

Trotz des Erfolgs kündigt Lowell Bergman anschließend, denn er befürchtet, dass nach dem Bekanntwerden des Schicksals von Jeffrey Wigand kein potenzieller Informant mehr bereit sein würde, sich ihm restlos anzuvertrauen. Und das war die Grundlage für seine Enthüllungsstories.

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In dem Politthriller „Insider“ von Michael Mann werden Industriekonzerne angeprangert, die ihr Geschäftsinteresse über alles stellen und nicht einmal vor krank machenden Substanzen in ihren Produkten zurückschrecken. Die Kritik des Films richtet sich aber auch gegen Medienunternehmen, die sich von mächtigen Konzernen einschüchtern lassen und deshalb Informationen zurückhalten. Den „Insider“ Jeffrey Wigand gab es tatsächlich, und das Drehbuch basiert zum Teil auf einem im Maiheft 1996 von „Vanity Fair“ von Marie Brenner über ihn veröffentlichten Artikel mit der Überschrift „The Man Who Knew Too Much“. Die ruhig und sachlich erzählte Geschichte entspricht also zum großen Teil tatsächlichen Ereignissen. Im Mittelpunkt stehen zwei grundverschiedene Männer: Ein schüchterner, unsicherer Familienvater und ein durchsetzungsstarker, von bestimmten Werten und Grundsätzen überzeugter Journalist, der unbeirrbar seinem Weg geht.

„Insider“ wurde in sieben Kategorien für einen „Oscar“ nominiert (Film, Regie, Drehbuch, Kamera, Schnitt, Ton, Hauptdarsteller), ging jedoch am Ende leer aus.

„The Insider“, sieben Mal für den „Oscar“ nominiert, ist Michael Manns bisher reifster Film: sparsamer, seiner Mittel sicherer als je zuvor. Es gibt keine Schießereien, keine Verfolgungsjagden, keine Sequenzen, die für sich allein glänzen wollen. Die Gewalt ist keine physische, sondern eine feinvernetzte, kaum definierbare – und doch nimmt sie den Figuren den Atem. (Tobias Kniebe, Süddeutsche Zeitung, 26. April 2000)

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2009

Jeffrey S. Wigand (Kurzbiografie)

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Ingeborg Bachmann - Malina
Eine Handlung im herkömmlichen Sinn gibt es in "Malina" nicht; Ingeborg Bachmann hat den verstörenden Roman aus inneren Monologen und Reflexionen, Albträumen, Dialogen und nicht abgeschickten Briefen sprachgewaltig komponiert.
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