Else Lasker-Schüler


Elisabeth („Else“) Schüler wurde am 11. Februar 1869 in Elberfeld als jüngstes von sechs Kindern einer assimilierten jüdischen Familie geboren. Ihr Vater Aron Schüler (1825 – 1897), ein reicher Privatbankier, war heiter und unkompliziert, während ihre Mutter Jeanette (1838 – 1890) als kapriziert galt.

Es heißt, Else Schüler habe die Schule bereits mit elf Jahren verlassen. Auf jeden Fall war sie in der Klasse eine Außenseiterin, die sich nicht anpasste und sich für etwas Besonderes hielt.

Am 15. Januar 1895 heiratete sie den acht Jahre älteren Arzt Berthold Lasker, einen Bruder des Mathematikers und späteren Schachweltmeisters Emanuel Lasker. Das Paar zog nach Berlin. Aus Langeweile nahm Else Lasker-Schüler Malstunden und ließ sich von ihrem Mann ein Atelier einrichten.

Über ihren Lehrer Simon Goldberg lernte sie auch andere Künstler kennen, die sie in die „Neue Gemeinschaft“ mitnahmen, einen Szenetreff von mehr oder weniger exzentrischen Malern, Musikern und Schriftstellern. In dieser Bohemien gefiel es ihr weit besser als bei ihrem gutbürgerlichen Ehemann. Der galt zwar offiziell als Vater ihres am 24. August 1899 geborenen Sohnes Paul, da aber die Ehe nur noch auf dem Papier bestand, wäre der tatsächliche Vater wohl eher unter den Künstlerfreunden Else Lasker-Schülers zu suchen gewesen.

Weil Berthold Lasker sie nicht mehr unterstützte, musste Else Lasker-Schüler selbst für ihren Unterhalt sorgen. Auch wenn sie hin und wieder eines ihrer Bilder verkaufte, reichten die Einnahmen oft nicht für das Nötigste.

Ihr 1902 veröffentlichter Gedichtband „Styx“ wurde von den Kritikern abgelehnt. Aber davon ließ sie sich nicht entmutigen.

Schließlich lernte sie den knapp zehn Jahre jüngeren Kunsthistoriker Georg Levin kennen, der unter dem Namen Herwarth Walden komponierte und schrieb, Vorträge, Lesungen und Konzerte organisierte und von 1910 bis 1932 die Zeitschrift „Der Sturm“ herausgab. Kurz nach ihrer Scheidung, am 30. November 1903, heiratete Else Lasker-Schüler den engagierten Künstler. Ihren Sohn schickte sie – vermutlich auf Kosten von Berthold Lasker – in verschiedene Internate.

Herwarth Walden trennte sich 1911 wegen der Schwedin Nell Rosslund von Else Lasker-Schüler. Am 1. November 1912 wurde die Ehe geschieden.

Die verlassene Dichterin verliebte sich 1912 in den Arzt und Dichter Gottfried Benn (1886 – 1956), der zwar nicht auf Dauer mit der Exzentrikerin zusammenleben wollte, aber zeitlebens ein verlässlicher Freund blieb.

Befreundet war sie übrigens auch mit Wieland Herzfelde, George Grosz, Oskar Kokoschka, Franz Marc, René Schickele und Karl Kraus.

Am 7. Juli 1921 veröffentlichte die „Weltbühne“ eine Parodie über eine fiktive Begegnung von Else Lasker-Schüler und Hedwig Courts-Mahler.

Empört verlangte die Dichterin den Abdruck eines Leserbriefes – auf den Ludwig Thoma am 22. Juli mit einem Artikel im „Miesbacher Anzeiger“ reagierte: „Sie schreibt: ‚Ich frage Sie, wollen Sie meine Antwort abdrucken wörtlich?‘ […] Die erste Dichterin Deutschlands scheint zu besitzen nichts von der Sprache Deutsch. […] Wir drucken es ab, damit der wirkliche Deutsche sieht, wie die Saubande sogar mit seiner Sprache Schindluder treibt.“

Als Adolf Hitler Reichskanzler wurde, emigrierte Else Lasker-Schüler in die Schweiz. Am 14. Juli 1938 entzogen ihr die Behörden die deutsche Staatsbürgerschaft. Aber auch in der Schweiz konnte sie nicht bleiben: Im April 1939 musste sie das Land verlassen. Im Alter von 70 Jahren siedelte sie nach Palästina über. Sie starb verarmt und vereinsamt am 22. Januar 1945 in Jerusalem.

Eine kritische Gesamtausgabe der Werke von Else Lasker-Schüler erscheint seit 1996 in dem zum Suhrkamp Verlag gehörenden Jüdischen Verlag.

Else Lasker-Schüler: Bibliografie (Auswahl)

  • Die Nächte Tino von Bagdads (1907)
  • Die Wupper (1909)
  • Mein Herz (1912)
  • Hebräische Balladen (1913)
  • Der Malik (1919)
  • Arthur Aronymus und seine Väter (1932)
  • Ichundich (1980)
  • Briefe 1937 – 1940 (2009)

Literatur über Else Lasker-Schüler

  • Sigrid Bauschinger: Else Lasker-Schüler. Biografie
  • Kerstin Decker: Mein Herz – Niemandem. Das Leben der Else Lasker-Schüler
  • Iris Hermann: Raum – Körper – Schrift. Mythopoetische Verfahrensweisen in der Prosa Else Lasker-Schülers
  • Jakob Hessing: Else Lasker-Schüler. Biographie einer deutsch-jüdischen Dichterin
  • Magnus Klaue: Poetischer Enthusiasmus. Else Lasker-Schülers Ästhetik der Kolportage
  • Erika Klüsener: Else Lasker-Schüler (Rowohlt Bildmonographie)
  • Judith Kuckart: Im Spiegel der Bäche finde ich mein Bild nicht mehr. Gratwanderung einer anderen Ästhetik der Dichterin
  • Monika Lindinger: Glitzernder Kies und Synagogengestein. Kindheit und Erinnerung in Else Lasker-Schülers Prosa
Adriana Altaras - Doitscha
In ihrem Roman "Doitscha" entwickelt Adriana Altaras keine Handlung im engeren Sinn, sondern reiht Episoden locker aneinander. Den wechselnden Ich-Erzählern gemeinsam ist der lockere Plauderton.

Doitscha

Adriana Altaras

Doitscha

Meine vor 18 Jahren selbstgestrickte Website wurde im Juli durch einen professionellen Neubau ersetzt. Aber das Informationsangebot bleibt kostenlos und werbefrei.

Alte Homepage: