Ich. Darf. Nicht. Schlafen.

Ich. Darf. Nicht. Schlafen.

Ich. Darf. Nicht. Schlafen.

Ich. Darf. Nicht. Schlafen. – Originaltitel: Before I Go to Sleep – Regie: Rowan Joffé – Drehbuch: Rowan Joffé, nach dem Roman "Ich. Darf. Nicht. Schlafen." von Steve Watson – Kamera: Ben Davis – Schnitt: Melanie Oliver – Musik: Ed Shearmur – Darsteller: Nicole Kidman, Colin Firth, Mark Strong, Anne-Marie Duff, Adam Levy, Dean-Charles Chapman u.a. – 2014; 90 Minuten

Inhaltsangabe

Eine Frau wacht nackt neben einem ihr unbekannten Mann auf. Er erklärt ihr, sie sei Christine Lucas und er ihr Ehemann Ben. Aufgrund eines Verkehrsunfalls vor zehn Jahren leide sie an einer Amnesie. Später ruft Dr. Nasch an und weist Christine darauf hin, dass er sie seit einiger Zeit behandele und sie zu diesem Zweck ein Videotagebuch führe. Die Kamera findet sie nach seinen Angaben im Kleiderschrank. Als Dr. Nasch statt von einem Verkehrsunfall von einer fast tödlichen Prügelattacke spricht, horcht die verstörte Frau auf ...
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Kritik

"Ich. darf. nicht. schlafen.", die Verfilmung eines Romans von S. J. Watson durch Rowan Joffé, kreist um den Zusammenhang von Identität und Erinnerungen. Nicole Kidman und Colin Firth können nicht verhindern, dass die Handlung konstruiert wirkt.
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London 2013. Eine 40-jährige Frau (Nicole Kidman) wacht nackt neben einem ihr unbekannten Mann (Colin Firth) im Bett auf. Er erklärt ihr, sie sei Christine Lucas und er ihr Ehemann Ben. Sie seien seit 1999 verheiratet. Aufgrund einer Kopfverletzung bei einem Verkehrsunfall vor zehn Jahren leide sie an einer Amnesie: Tagsüber speichere sie zwar in ihrem Kurzzeitgedächtnis Eindrücke ab, aber sie wache jeden Morgen aufs Neue ohne Erinnerung an ihr Leben nach dem 25. Lebensjahr auf.

Christine erfährt auch noch, dass sie Geschichte studierte, aber seit Jahren keinen Beruf mehr ausgeübt hat. Ben ist Chemielehrer. Nachdem er das Haus verlassen hat, klingelt das Telefon. Der Neuropsychologe Dr. Nasch (Mark Strong) erklärt Christine, dass er sie seit einiger Zeit ohne Wissen ihres Mannes behandele. Zur Therapie gehört auch ein Videotagebuch. Jeden Morgen weist er seine Patientin durch einen Anruf auf die in einem Schuhkarton im Kleiderschrank versteckte Kamera hin, die er ihr dafür vor zwei Wochen zur Verfügung stellte, und er trifft sich täglich mit ihr.

Der Film springt zwei Wochen zurück. Wir sehen, wie Dr. Nasch seiner Patientin die Kamera übergibt und Christine mit dem Videotagebuch beginnt.

Als Dr. Nasch erwähnt, dass ein Überfall auf Christine vor zehn Jahren die Ursache der Amnesie sei, erinnert Christine sich daran, dass Ben ihr an diesem Morgen von einem Verkehrsunfall erzählte. Sie fragt nach, und Dr. Nasch legt ihr Zeitungsartikel vor, aus denen hervorgeht, dass Christine vor zehn Jahren im Renaissance Hotel am Flughafen fast totgeschlagen wurde, sich noch ins Freie retten konnte und dort zusammenbrach. Dr. Nasch fährt mit ihr zu einem Lagerhaus hinter dem Hotel, und ein Angestellter (Ben Crompton) berichtet, wie er Christine auffand: Sie lag nackt und schwerverletzt unter einem blutigen Bettlaken auf dem Boden.

Hat Ben gelogen, um Christine zu schonen, weil ein Verkehrsunfall psychisch leichter zu verkraften ist als eine fast tödliche Prügelattacke? Dass Christine sich in dem Hotel mit einem Liebhaber traf, kann sie sich nicht vorstellen, denn sie hält sich für eine treue Ehefrau.

Dr. Nasch zeigt Christine eine Reihe von Fotos. Sie reagiert auf die Aufnahme einer Frau, die Claire (Anne-Marie Duff) heißt, und Christine erinnert sich nicht nur daran, dass das ihre engste Freundin war, sondern auch an eine Schwangerschaft.

Zur Rede gestellt, behauptet Ben, Claire habe den Kontakt zu Christine abgebrochen, weil sie es nicht länger ertrug, dass ihre beste Freundin sie für eine Fremde hielt. Sie sei weggezogen, vermutlich nach Kanada. Ben bestätigt auch die Erinnerung an die Schwangerschaft, erklärt aber, ihr am 4. August 1999 geborener gemeinsamer Sohn Adam sei drei Wochen vor seinem neunten Geburtstag an einer Hirnhautentzündung gestorben. Christine habe sich schon mehrmals an ihn erinnert und jedes Mal aufs Neue um den toten Sohn getrauert. Um ihr das zu ersparen, spreche er das Thema von sich aus nicht an.

Während Christine mit Dr. Nasch im Auto sitzt, glaubt sie sich daran zu erinnern, wie er sie damals angriff und zusammenschlug. Entsetzt rennt sie fort. Der Arzt holt sie ein und injiziert ihr ein Sedativum. Später erklärt er ihr, dass es sich bei ihrer falschen Erinnerung um eine Konfabulation gehandelt habe.

Dr. Nasch findet heraus, dass Ben sich vor vier Jahren scheiden ließ. Zu Hause spricht Christine ihren Mann darauf an. Er gibt die Scheidung zu, weist aber zugleich darauf hin, dass er zu Christine zurückgekehrt sei.

Christine gelingt es, wieder Kontakt zu Claire aufzunehmen, die nach wie vor in London lebt. Die beiden Frauen verabreden sich am Royal Greenwich Observatory. Claire berichtet, dass Christine 2007 von Ben aus dem Pflegeheim geholt wurde, in dem sie bis dahin gelebt hatte. Claires Briefe an Christine seien ungeöffnet zurückgekommen. Christine habe Ben damals tatsächlich mit einem anderen Mann betrogen, sagt sie. Und sie gesteht, dass sie später einmal mit dem verzweifelten Ben im Bett war, allerdings nur ein einziges Mal.


Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.


Von der offensichtlichen Fürsorge ihres Mannes gerührt, bereut Christine ihr Misstrauen ihm gegenüber. Am Abend zeigt sie ihm die Kamera, spielt ihm das Videotagebuch vor und berichtet von Dr. Naschs Therapie. Daraufhin schlägt er sie so brutal ins Gesicht, dass sie zu Boden stürzt, und stürmt aus dem Haus. Entsetzt ruft Christine ihre Freundin an. Claire glaubt, Ben zur Vernunft bringen zu können und verspricht Christine, ihn sofort anzurufen. Kurz darauf meldet sie sich wieder bei ihrer Freundin und teilt ihr mit, dass Ben sagte, er habe Christine seit vier Jahren weder gesehen noch gesprochen. Argwöhnisch lässt Claire sich den Mann beschreiben, mit dem Christine zusammenlebt – und schließt daraus, dass es nicht Ben sein kann.

Obwohl die Haustüre und der Hinterausgang zugesperrt sind, gelingt es Christine, das Haus zu verlassen. Draußen wird sie von dem Mann, den sie für Ben hielt, abgefangen und betäubt.

Am nächsten Morgen – es ist derselbe wie in der Eingangsszene des Films – wacht Christine erneut neben ihm auf, ohne sich an etwas zu erinnern.

Am Abend nimmt er sie mit in ein Zimmer des Renaissance Hotels am Flughafen. Er ist all der Lügen und Täuschungen überdrüssig und will, dass sie sich am Tatort an den Abend vor zehn Jahren erinnert. Er ist Mike, ihr damaliger Geliebter. Weil er von Christine verlangte, ihrem Ehemann die Wahrheit zu sagen, gerieten sie in Streit, und Mike rastete aus. Später ertrug er es nicht, dass Ben sie in ein Pflegeheim abgeschoben hatte. Deshalb gab er sich als ihr Ehemann aus, holte sie aus dem Heim und kümmerte sich seither um sie. Vor ihren Augen löscht er ihr Videotagebuch und fordert sie dann auf, mit ihm ohne Lügen und Täuschung weiter zusammenzuleben. Aber dazu ist Christine nicht bereit. Es kommt erneut zu einem Streit, der in einen mörderischen Kampf übergeht. Christine schlägt Mike schließlich mit einem Bügeleisen nieder und drückt im Korridor den Feuermelder ein.

In einem Krankenhaus kommt sie wieder zu sich. Dr. Nasch tritt an ihr Bett. Mike sei festgenommen worden, sagt er, und müsse mit einer langen Haftstrafe rechnen. Claire werde sie in Kürze abholen und sich um sie kümmern. Dann holt er Ben (Adam Levy) und Adam (Dean-Charles Chapman) herein. Als Christine ihren Sohn erblickt, der gar nicht tot ist, erinnert sie sich an gemeinsame Erlebnisse mit ihm. Sie scheint ihre Amnesie überwinden zu können.

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2011 veröffentlichte der Brite Steve Watson unter dem Autorennamen S. J. Watson (* 1971) seinen Debütroman: „Before I Go To Sleep“ („Ich. darf. nicht. schlafen.“, Übersetzung: Ulrike Wasel und Klaus Timmermann, 2011). Ridley Scott erwarb sogleich die Filmrechte. Rowan Joffé schrieb das Drehbuch für die Verfilmung und führte Regie.

„Ich. darf. nicht. schlafen.“ kreist um den Zusammenhang von Identität und Erinnerungen. Was ist ein Mensch ohne Erinnerungen? Was macht seine Identität aus? Verliert er sie bei einer Amnesie (oder Demenz)? Parallel dazu geht es in „Ich. darf. nicht. schlafen.“ um die Frage des Vertrauens zwischen Lebensgefährten.

In dem verstörenden Psychothriller „Ich. darf. nicht. schlafen.“ ist nichts wie es ist. Die Suche der Zuschauer nach den wahren Zusammenhängen wird durch überraschende Wendungen torpediert. Allerdings wirkt die Geschichte konstruiert, und die Handlung lässt sich nicht (psycho-)logisch nachvollziehen. Das Ende ist kitschig wie das einer Seifenoper.

Nicole Kidman spielt die verstörte, verzweifelt nach ihrem eigenen Ich suchende Frau sehr überzeugend. Sie lässt die Zuschauer die Verletzlichkeit dieser schutzlosen Person spüren. Ein Mensch, der sich an nichts erinnert und selbst bei der Ich-Findung vollkommen von anderen Menschen abhängig ist, wäre im Innersten erschüttert. Diese Rolle gibt das Drehbuch jedoch nicht her.

Colin Firth gelingt es, einen Mann darzustellen, der seine Frau liebt und umhegt, bei dem allerdings schon bald auch abgründige Charaktereigenschaften zu erkennen sind.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2015

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