Am Tag als Bobby Ewing starb

Am Tag als Bobby Ewing starb

Am Tag als Bobby Ewing starb

Originaltitel: Am Tag als Bobby Ewing starb - Regie: Lars Jessen - Drehbuch: Lars Jessen, Ingo Haeb, Kai Hensel - Kamera: Andreas Höfer - Schnitt: Elke Schloo - Musik: Jakob Ilja, Paul Rabiger, Element of Crime - Darsteller: Peter Lohmeyer, Gabriela Maria Schmeide, Franz Dinda, Nina Petri, Richy Müller, Luise Helm, Rocko Schamoni, Eva Kryll, Peter Heinrich Brix, Jens Münchow, Burkhart Lühmann u.a. - 2005; 95 Minuten

Inhaltsangabe

Nach dem Scheitern ihrer Ehe zieht Hanne mit ihrem 17-jährigen Sohn Niels 1986 von Bremen in die Wilster Marsch, in eine Landkommune, deren Mitglieder die Fertigstellung des AKW Brokdorf verhindern wollen. Während Hanne diesen Schritt als Befreiung erlebt, fühlt Niels sich unwohl in der neuen Umgebung, und er rebelliert zusammen mit der gleichaltrigen Tochter des Bürgermeisters. Als der friedfertige Kommunarde Peter den beiden eine Standpauke halten will, trifft die Nachricht von der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl ein …
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Kritik

"Am Tag als Bobby Ewing starb" ist eine retroromantische Tragikomödie von Lars Jessen über den Prozess der Abnabelung eines Jugendlichen von seiner Mutter vor dem Hintergrund der Anti-Atomkraft-Bewegung und des Reaktorunglücks in Tschernobyl.
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Als Hannes Mann sich mit Immobilien verspekulierte, zerbrach die Ehe. Weil das eigene Haus in Bremen versteigert werden musste, zieht Hanne (Gabriela Maria Schmeide) mit ihrem siebzehnjährigen Sohn Niels (Franz Dinda) 1986 zu ihrem früheren Freund Peter (Peter Lohmeyer), der inzwischen der Vordenker einer Landkommune in der Wilster Marsch ist. Bauer Hein müsste in ein Heim, wenn Peter, Eckhard (Richy Müller), Elli (Eva Kryll), Gesine (Nina Petri) und Walter nicht mit ihm auf seinem heruntergekommenen, mit einem aufgemalten Regenbogen verzierten Bauernhof leben würden.

Hanne und Niels treffen am Vormittag ein. Die Kommunarden laufen gerade splitternackt über den Hof, um sich gemeinsam im Zuber zu waschen. Hanne empfindet den Umzug in die Kommune als Befreiung. Niels vermisst dagegen elektrischen Strom; die vegetarischen Gerichte schmecken ihm nicht, und die endlosen Diskussionen nerven ihn. Er wäre lieber wieder in Bremen.

Bei einer missglückten Demonstration vor der Baustelle des AKW Brokdorf lernt er Martina (Luise Helm) kennen, die gleichaltrige Tochter des Gastwirts und Bürgermeisters Prestin (Peter Heinrich Brix). Der Dorfraudi „Rakete“ (Jens Münchow) verspottet die „Müslis“ und warnt Niels davor, sich Martina zu nähern, aber die beiden befreunden sich trotzdem.

Zufällig werden Niels und Martina Zeugen, wie zwei Atomkraftgegner nachts einen Starkstrommast sprengen. Beim Frühstück prahlt Niels gegenüber den anderen Kommunarden, er sei bei der Zerstörung einer Stromleitung dabei gewesen. Hanne ist so entsetzt darüber, dass sie auf der Stelle abreisen möchte, aber Peter hält sie zurück und meint, sie müsse Geduld und Verständnis für den Heranwachsenden aufbringen.

Von „Rakete“ angestachelt, wirft Prestin den neuen Freund seiner Tochter aus der Gaststätte. Martina zieht daraufhin ebenfalls in die Kommune. Nicht aus Überzeugung, sondern um gegen die Erwachsenen zu rebellieren, fährt sie mit Niels nach Brokdorf und stiftet ihn dazu an, mit ihr über den Zaun der Baustelle zu klettern, LKW-Reifen zu zerstechen und Scheiben einzuwerfen.

Peter, der sich dem gewaltfreien Protest gegen Atomkraftwerke verschrieben hat, will mit den beiden Jugendlichen reden und setzt sich mit ihnen an einen Tisch. In diesem Augenblick überbringt Elli die Schreckensmeldung, dass Bobby Ewing, der Erdölprinz aus der Seifenoper „Dallas“, gestorben ist. Und ein paar Minuten später trifft die Nachricht von der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl ein. Dadurch wird die Bedrohung durch Atomkraftwerke plötzlich real. Das bringt alles durcheinander.

Martina kehrt zu ihrer kranken Mutter zurück. Niels gerät mit Hanne und Peter in Streit. Dann holt er einen von Eckhard vorbereiteten Molotow-Cocktail aus einer Kiste und fährt damit nach Brokdorf, aber als „Rakete“ vorbeikommt, zertrümmert er die Brandbombe, ohne sie angezündet zu haben.

Die Kommune löst sich auf. Peter geht nach Portugal.

Niels nabelt sich von seiner Mutter ab und meldet sich zum Wehrdienst.

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Bei Bobby Ewing handelt es sich um eine Figur aus der Fernsehserie „Dallas“. In Folge 184 sieht es so aus, als sei er gestorben, aber in Folge 216 stellt sich heraus, dass es sich dabei nur um einen Traum seiner Ex-Frau Pam handelte.

„Am Tag als Bobby Ewing starb“ ist eine retroromantische Tragikomödie über den Prozess der Abnabelung eines Jugendlichen von seiner Mutter vor dem Hintergrund der Anti-Atomkraft-Bewegung und der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl.

Lars Jessen (*1969) kennt das Milieu, denn er zog selbst als Zehnjähriger mit seiner Mutter in ein „alternatives Wohnkollektiv“ bei Brokdorf.

Komisch ist vor allem Peter Lohmeyer in der Rolle des friedfertigen, langhaarigen Kommunarden.

Das Atomkraftwerk Brokdorf wurde übrigens im Oktober 1986 in Betrieb genommen. Die Proteste der Atomkraftgegner und deren Großdemonstrationen im November 1976, Februar 1977 und Januar 1981 konnten daran nichts ändern.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2006

Kernspaltung
Reaktorkatastrophe in Tschernobyl

T Cooper - Lipshitz
In seinem Roman "Lipshitz" spielt T Cooper mit Fiktion und Wirklichkeit, indem er eine Familiensaga, von der wir nicht wissen, wieviel davon authentisch ist, mit Fakten u.a. über Charles Lindbergh verknüpft.

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