Tommy Jaud : Hummeldumm

Hummeldumm

Tommy Jaud

Hummeldumm

Hummeldumm Originalausgabe: Scherz Verlag, Frankfurt/M 2010 ISBN: 978-3-502-11037-8, 303 Seiten, 13.95 € (D)

Inhaltsangabe

Matze und Sina sind seit 7 Jahren ein Paar. In Köln, wo sie leben, haben sie eine Eigentumswohnung entdeckt, die ihnen so gut gefällt, dass sie den Kaufvertrag unterschreiben wollen. Vorher nehmen sie aber noch an einer zweiwöchigen Gruppenreise durch Namibia teil. Die wird zum Albtraum, nicht nur weil Matze die anderen Teilnehmer nicht ausstehen kann, sondern vor allem, weil er vergaß, die Reservierungsgebühr zu bezahlen. Das muss er nun nachholen, trotz leerer Akkus und gestohlener Telefondrähte ...
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Kritik

"Hummeldumm" ist der vierte Roman des Comedy-Preisträgers Tommy Jaud. Handlung und Figuren dienen nur als Vehikel für Situationskomik und Pointen. Wer nichts anderes erwartet, wird gut unterhalten, denn einige der Einfälle sind wirklich originell und lustig.
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Sitzreihe 12 war die letzte, die zwischen Tortellini und Hühnchen wählen durfte. Ich saß in Reihe 13. Schon auf dem Hinflug hätte ich also ahnen können, dass der Jahresurlaub zum Albtraum wird.

Matthias („Matze“) Klein fliegt mit seiner Freundin Sina nach Windhoek. Sie nehmen an einer zweiwöchigen Gruppenreise durch Namibia teil, die im Prospekt unter dem Titel „Zwischen Sand und Seidenkissen“ angepriesen wurde. Sina suchte sie aus. Sie arbeitet bei einer Drogeriekette im Marketing. Matze wuchs zwar in Euskirchen auf und lebt mit Sina in Köln, aber während der Woche hat er als „Teilprojektleiter fürs Testmanagement in einem Softwareprojekt“ in Frankfurt am Main zu tun. Kurz vor der Reise entdeckten Matze und Sina, die seit sieben Jahren ein Paar sind, in Köln eine kleine Eigentumswohnung mit Blick auf den Rhein, die ihnen so gut gefällt, dass sie gleich nach der Rückkehr aus Afrika den notariellen Kaufvertrag unterschreiben wollen.

Als Matze im Flughafen von Windhoek die sieben anderen Touristen sieht, die zur Gruppe gehören, will er umkehren, aber das lässt Sina nicht zu. Da sind Brenda Schiller, die Wetterfrau von N24, und ihr großspuriger Begleiter Max Breitling, ein Immobilienmakler aus Düsseldorf Mitte fünfzig, der Sina und Matze gleich zu einem Glas Champagner einlädt. Kevin Schnabel aus Weimar ist allein. Eigentlich hatte er die Reise für sich und seine Freundin gebucht, aber sie verließ ihn kurz vor dem Abflug. Der Zweiundvierzigjährige isst kein Fleisch, raucht nicht und trinkt keinen Tropfen Alkohol. Dreißig Stunden in der Woche trainiert er seinen Körper. Stolz erzählt der Athlet, er habe beim Ironman Hawaii den 1011. Platz belegt. Dass er „no“ statt „ja“ sagt, verwirrt die Mitreisenden anfangs. Bei Pepi Gruber handelt es sich um einen pensionierter Latein- und Geschichtslehrer aus Wien, der keine Gelegenheit auslässt, einen Kalauer loszuwerden. So sagt er auch gleich:

„Was haltet’s ihr davon, wenn wir uns a bisserl weniger förmlich ansprechen? Also i bin der Herr Professor Gruber – aber das Gruber könnts ihr weglassen, ha, ha!“

Seine Ehefrau heißt Käthe. Trixie Sipp arbeitet bei einer Möbelkette in Zürich, kommt jedoch eigentlich aus Hannover. Es fehlt ihr an Selbstvertrauen, sie ist schusselig und wundert sich, dass der Speicherchip ihrer neuen Digitalkamera schon mit sechsunddreißig Bildern voll ist. Der Rentner Karl-Heinz Seppelpeter aus Bamberg ist der älteste Teilnehmer. Ihn sieht man nie ohne seine Videokamera, und er kündigt den anderen Gruppenmitgliedern auch gleich ungefragt an, dass er ihnen allen nach dem Urlaub eine DVD schicken werde.

Geführt wird die Gruppe von dem Namibier Bahee Mutima aus Otjosongombe bei Okakarara in Otjozondjupa. Er ist zugleich auch der Fahrer des Kleinbusses.

Käthe Gruber sichert sich sofort den Sitzplatz vorne rechts – ohne zu merken, dass sie das Lenkrad vor sich hat, weil in Namibia links gefahren wird.

Während der Stadtbesichtigung in Windhoek erklärt Bahee, dass die Bewohner eine Chipkarte benötigen, um an öffentlichen Brunnen Wasser abfüllen zu dürfen.

„Wenn die Chipkarte leergepumpt ist, ne, dann musst du dann mal zur Stadtverwaltung latschen und die neu aufladen, sonst bleibt die Whirlpool trocken, ne.“
Gelächter im Bus. Und natürlich wollte es sich Witzprofessor Pepi Gruber nicht nehmen lassen, noch einen draufzusetzen. „Und wenn die Kartn leer is, können die sich dann was puumbn?“

Matzes Laune ist auf dem Tiefpunkt. Da bekommt er auch noch eine SMS der Immovest-Maklerin:

Hallo Herr Klein, denken Sie noch an die Reservierungsgebühr, bevor Sie verreisen? Beste Grüße, Heidrun Metzger

Er vergaß, die 5000 Euro zu überweisen! Davon darf Sina nichts mitbekommen!

Der Akku seines Smartphones ist leer. Ohne das Gerät wüsste er nicht einmal die Telefonnummer von Immovest. Er muss also warten, bis sie im Hotel sind.

Ich hatte ungefähr zwanzig Ladekabel mitgenommen: Kabel für mein Notebook, Kabel für meine Digitalkamera und Kabel für mein Handy, für die Stirnlampe, den Rasierer und natürlich die elektrische Moskitofalle. Außerdem hatte ich so ziemlich alle Verbindungskabel dabei, die der Weltmarkt hergab, von USB 1 bis 3, Ethernet, Firewire und sogar ein HDMI-Kabel, schließlich wusste man ja nie. Das Wichtigste war natürlich der brandneue Reiseadapter, mit dessen Hilfe all meine kleinen und großen Geräte in die seltsamen namibischen Steckdosen passten.

Auf der Verpackung des Adapters steht, dass er in 149 Ländern passt. Namibia ist jedoch offensichtlich nicht darunter.

Um dennoch kurz mit dem Smartphone telefonieren zu können, verbindet Matze es mit dem Notebook. Nach ein paar Minuten ist der Akku des Rechners leer, aber der Ladezustand des Mobiltelefons beträgt immerhin 7 Prozent. Matze ruft die Sparkasse Euskirchen an, bei der er seit seiner Erstkommunion Kunde ist. Der Bankberater Bernhard Pfingst kennt ihn seit Jahren. Es wird kein Problem sein, die Überweisung per Telefon in Auftrag zu geben. Allerdings kann Herr Pfingst gerade nicht ans Telefon kommen, denn die Sparkasse hat zu einem Immobilientag eingeladen, und er backt für die Gäste Waffeln.

Entsetzt stellt Matze am Abend fest, dass die Gruppe an einem großen Tisch sitzt. Er würde lieber mit Sina allein essen, aber sie scheut vor einem Affront der anderen zurück. Für Matze wird das Abendessen zur Tortur, zumal Pepi Gruber zu Beginn ein Gedicht über den ersten Reisetag vorträgt.

Am nächsten Tag meint Käthe Gruber:

„Sagt’s amal, versteht’s ihr den Bahee? Weil – i versteh gor nix. I moan, I versteh er’m schon, aber i was net, was er sagt.“

Immer wieder schimpft sie über den Guide, den sie für „hummeldumm“ hält. Matze stimmt ihr als Einziger zu, aber auch nur, weil er erfahren hat, dass Käthe einen passenden Adapter für ihren Fön dabei hat. Als sie das merkt, zieht sie ihr Versprechen zurück, ihm den Adapter zu leihen.

Zum Glück gibt es auf der Farm Gariganus beim Köcherbaumwald einen Festanschluss. Matze lässt sich von der Auskunft die Telefonnummern von Immovest und der Sparkasse Euskirchen geben. Dann ruft er die Maklerin an. Frau Metzger sagt ihm, sie habe schon seit zwei Tagen vergeblich versucht, ihn zu erreichen. Er sei in Afrika, erklärt Matze und gesteht ihr, dass er vergaß, die Reservierungsgebühr zu bezahlen. Sie gibt ihm einen Tag Zeit, weist ihn aber darauf hin, dass es noch andere sympathische Interessenten für die begehrte Wohnung gebe. Anschließend telefoniert Matze mit der Sparkasse Euskirchen. Wie am Vortag meldet sich Frau Lauer. Herr Pfingst sei bereits nach Hause gegangen, um seinen Auftritt beim Sparkassenfest am nächsten Tag zu proben, teilt sie Matze mit. Als er ihr erklärt, von seinem Konto müssten dringend 5000 Euro überwiesen werden, schlägt ihm Frau Lauer vor, eine Online-Überweisung durchzuführen. Das sei so einfach, sagt sie, dass sogar ihr neunundsechzig Jahre alter Vater damit gut zurechtkomme. Und sie bietet Matze an, ihm eine CD mit der Software zu schicken. Entnervt gibt der IT-Experte auf. Er hofft, am nächsten Tag Bernhard Pfingst erreichen zu können.

Sina ist verärgert, weil Matze sich nicht für die Sehenswürdigkeiten interessiert, stattdessen herumnörgelt, nervös ist und immer wieder heimlich telefoniert. Dass sie anfängt, sich mit Kevin Schnabel zu unterhalten, macht Matze eifersüchtig. Das verschärft den Konflikt.

Unterwegs hält der Bus an einer Apotheke. Matze benötigt etwas gegen Nasenbluten. Der Apotheker fragt ihn:

„Wohin seid ihr auf Pad?“
„Auf was?“, fragte ich zurück.
„Wohin ihr dallat?“
„Dallert?“
„Welche Lodge?“
„Ach so. Also, das weiß ich ehrlich gesagt gar nicht, ich bin mit einer Gruppe hier.“
Der Apotheker zog die Stirn kraus und blickte an mir vorbei nach draußen an den Bus.
„Jenne, mit diesen Oukies trävellst du?“

Auf dem Weg zur Canyon Village Lodge am Gondwana Canyon Park fällt Matze auf, dass die Drähte zwischen den Telefonmasten fehlen. Da seien Kupferdiebe am Werk gewesen, erklärt Bahee. Die Lodge ist zur Zeit ohne Telefonanschluss. Also benötigt Matze Käthes Adapter, um sein Smartphone aufzuladen.

„Jetzt leih’n ihm holt über die Nocht!“, versuchte Speckhut [Matzes Spitzname für Pepi Gruber] zu vermitteln.
„Jedem andern. Ihm net!“, spie sie zurück.
„Käthe, ich brauch das Ding wirklich dringend!“, flehte ich, „ich muss mein Handy aufladen, den iPod und die Kamera!“
„Lauter unnötiges Klumpert in der Wildnis.“

Bahee stellt Matze schließlich sein Handy zur Verfügung, und Heidrun Metzger gewährt ihm eine Fristverlängerung um einen Tag.

Während Bahee am nächsten Tag an einer Tankstelle hält, läuft Matze zur Hotelrezeption auf der anderen Straßenseite.

„You … do you … do you speak German?“, fragte ich kraftlos. Der junge Mann drehte sich ein wenig erschrocken um und lächelte […]
„Ja, klar. Was kann ich denn für Sie tun?“
„Phone! Have you got phone?“
Der Pilzkopf hinter dem Tresen sah mich verwundert an. „Wie gesagt: Wir können auch deutsch sprechen.“
„Good. Okay. Again then: Have you got a phone? Or is it broken, stolen …“
Ich bemerkte, dass sich die Verwirrung des langhalsigen Rezeptionisten noch steigern ließ. „Nee, geht alles und steht im Foyer. Internet haben wir auch. Sie können gerne beides benutzen.“
„Really?“
„Ja!“
[…] „Kommen Sie einfach mal mit, ich zeig Ihnen alles.“

Auf einem Tisch stehen ein eingeschalteter PC, ein Tastentelefon, ein Printer und eine Ladestation. Matze öffnet die Website der Sparkasse Euskirchen. Das Design ist neu. In einem Pop-up-Fenster werden die User gebeten, an einer Meinungsumfrage dazu teilzunehmen. Endlich gelingt es Matze, das Pop-up-Fenster zu schließen, seine Kontonummer und das Passwort einzugeben. Vom Hupen des Busses lässt er sich nicht beirren. Bankleitzahl und Kontonummer von Immovest? Matze ruft Frau Metzger an und fragt danach. Rasch noch den Betrag. Ein Foto der TAN-Liste hat er auf seinem Handy gespeichert. Gerade als Matze die Überweisung abgeschlossen hat, kommen Bahee und Sina herein. Sie fordern ihn verärgert auf, endlich zum Bus zu kommen.

Nun kann Matze den Urlaub genießen. Auf der Weiterfahrt macht er die anderen auf jedes Tier aufmerksam, das er laufen sieht. Dieser Stimmungsumschwung kommt Sina nicht geheuer vor.

Von der Tokkie Farm aus geht es für drei Tage in die Wüste. Dort übernachtet die Gruppe unter freiem Himmel. Sina und Brenda schlafen neben Kevin, der sich abseits von den anderen hingelegt hat. Matzes Eifersucht wächst.

Er erhält eine SMS:

Hallo Herr Klein, Ihre Überweisung in Höhe von 5 Euro können wir nicht ganz nachvollziehen. Bitte melden Sie sich, Gruß, H. Metzger

Aufgeregt simst er zurück:

Sorrx, wad ejn Versegen, kzmmer micg! Gruc, M. Kltib

Obwohl sein Smartphone nur zu 4 Prozent geladen ist und die Sparkasse Euskirchen längst geschlossen hat, hofft er, die Überweisung über die Hotline in Auftrag geben zu können. Ein Herr Dachwitz fragt nach dem Telefon-Banking-Kennwort. Das weiß Matze nicht, und für diesen Dienst ist er auch gar nicht freigeschaltet. Herr Dachwitz bietet an, ihm am nächsten Tag die Antragsformulare zu schicken. Matze tobt, bis Herr Dachwitz bereit ist, seine Identität durch eine Reihe von Fragen (Geburtsdatum, Name des Bankberaters, Öffnungszeiten der Tiefgarage usw.) zu prüfen. Nach einer Weile ist Herr Dachwitz überzeugt, tatsächlich mit Matthias Klein zu sprechen. Bevor Matze jedoch die Daten für die Überweisung durchgeben kann, ist der Akku wieder leer.

Von nun an besteht Sina in den Lodges auf einem eigenen Zimmer. Sie redet nicht mehr mit ihm, und Matze argwöhnt, dass sie mit Kevin geschlafen hat. Was aber soll er ohne Freundin mit einer Eigentumswohnung? Nachdem er in der Sossusvlei Lodge einen passenden Adapter erhalten und sein Smartphone geladen hat, hinterlässt er Heidrun Metzger deshalb auf ihrem Anrufbeantworter die Nachricht, dass er nicht mehr an der Reservierung interessiert sei.

Überzeugt davon, dass Sina auch in dieser Nacht mit Kevin schlafen wird, versteckt Matze sich bei dem Athleten im Schrank. Kevin kommt, duscht, sieht fern, liest. Aber Sina taucht nicht auf. Nach mehreren Stunden erträgt Matze die Hitze im Schrank nicht mehr.

Ich öffnete die Schranktür und trat einfach heraus. Schnabel tat das, was er immer tat: Er starrte mich wortlos an. Meine Exit-Strategie für einen halbwegs erträglichen Abgang hatte ich mir in der letzten Stunde bereits zusammengebastelt.
„Du, Kevin, was ich fragen wollte: Wann ist denn noch mal Frühstück morgen?“
„Um sechs.“
„Weiß ich Bescheid, gute Nacht.“
„No!“

In Swakopmund entdeckt Matze ein Internetcafé. Nachdem er für eine halbe Stunde bezahlt hat, merkt er, dass er weder E-Mails lesen oder verschicken noch etwas nachschauen will.

Statt mit der Gruppe zu essen, sondern Matze, Max Breitling und Pepi Gruber sich ab. In einer Kneipe trinken sie, bis Bahee sie findet – und sich zu ihnen gesellt. Er zeigt den anderen ein „Foddo“ von seiner Freundin Novy. Die Afrikanerin wuchs in Sachsen-Anhalt auf. Jetzt arbeitet sie als Maintenance Manager im Warehouse Theatre in Windhoek. Bahee lernte sie wenige Tage vor Beginn der Gruppenreise im El Cubano kennen. Breitling schleppt Frauen an. Für Matze hat er eine südafrikanische Touristin namens Ariane. Sie küsst Matze.

Ich ließ das mal so geschehen, aus dem einzigen Grund, weil besoffen küssen weniger Kraft kostet, als sich besoffen gegen Küssen zu wehren.

Da tauchen Sina, Brenda und Käthe auf.

Am nächsten Morgen erwacht Matze mit einem Kater.

Es dauerte eine Weile, bis ich die letzten beiden Hirnzellen, die ich noch nicht weggesoffen hatte, überzeugen konnte, dass ich der Systemadministrator war und verdammt nochmal Zugriffsrechte zu allen Speicherbereichen hatte.

Sina versöhnt sich schließlich mit Matze und meint:

„Und nach dem Urlaub fangen wir noch mal von vorne an in unserer schönen neuen Wohnung, ja?“
„Absolut!“

Matze kann nur hoffen, dass die Eigentumswohnung noch nicht verkauft ist. In der Erongo Wilderness Lodge schleicht er sich zur Rezeption und telefoniert mit Heidrun Metzger. Es gebe zwar eine Reihe von Interessenten, sagt sie, aber wenn er die Gebühr sofort überweise, könne sie die Immobilie für ihn reservieren. Bevor Matze die Sparkasse Euskirchen anrufen kann, findet Sina ihn. Statt mit den anderen den Sonnenuntergang zu bewundern, will sie mit ihm ins Bett. Auf dem Weg zu ihrer Hütte fordert sie ihn auf, die Aussicht zu genießen. Bei einem Puls von 150 und zwei Stunden vor Bernhard Pfingsts Dienstschluss ist das nicht einfach. Nach dem Sex stiehlt Matze sich davon. Die Rezeption ist für zwei Stunden geschlossen. Das Mobiltelefon ist nur zu 2 Prozent geladen. Um es benutzen zu können, dringt Matze kurz entschlossen beim Ehepaar Gruber ein und durchwühlt alles, bis er den Adapter findet. Dann telefoniert er mit Bernhard Pfingst, der ihm versichert, unverzüglich 4995 Euro an Immovest zu überweisen.

Die Verbindung ist noch nicht unterbrochen, als die anderen auftauchen und Matze als Einbrecher beschimpfen.

In diesem Augenblick wusste ich, dass ich nun zwar eine Wohnung, vielleicht aber keine Freundin mehr hatte.

Die Gruppe grenzt ihn aus. Matze muss allein zu Abend essen.

Trixie Sipp tritt versehentlich das im Restaurant am Boden schlafende Erdmännchen Carlos tot.

Am nächsten Tag versichert Kevin Matze, dass er zwar mit Brenda, nicht jedoch mit Sina Sex hatte. Weil viele Frauen zwar an einem One-Night-Stand mit ihm interessiert sind, aber nicht an einer dauerhaften Beziehung, will er sein Leben ändern und etwas weniger athletisch aussehen. Er hat sich vorgenommen, nicht mehr dreißig Stunden pro Woche zu trainieren, und ab sofort isst er Fleisch, raucht und trinkt Alkohol.

Während einer kurzen Wanderung klingelt Bahees Telefon. Er geht abseits. Nach einer Weile merkt die Gruppe, dass er verschwunden ist. Auch der Bus ist weg. Das Gepäck steht in der Sonne.


Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.


Die neun Touristen tragen ihre Sachen zum Henno Martin Shelter und setzen sich dort in den Schatten.

Was ist passiert? Warum hat Bahee sie verlassen?

„Brunzblöde Fraachen könnden ihn genervd ham!“, knarzte Seppelpeter.
Brenda, die den Ernst der Lage noch nicht ganz begriffen zu haben schien, hakte nach: „Wieso? Wer stellt die denn?“

Pepi Gruber erfährt, dass er meistens der Einzige ist, der seine Kalauer lustig findet.

„Is scho recht. Ihr werdet’s nix mehr von mir hören“, stieß Speckhut kleinlaut aus, „i hob trotzdem des G’fühl, dass i ned des einzige Orschloch bin.“

Das scheinheilige Getue ist vorbei. Die Gruppenmitglieder sagen sich gegenseitig die Meinung. Matze gesteht Sina, dass er vergessen hatte, die Reservierungsgebühr zu bezahlen und deshalb während der Reise versuchen musste, es nachzuholen.

Käthe Gruber ruft den Reiseveranstalter Kalahari Unlimited an und verkündet dann, dass ein neuer Guide unterwegs sei.

Schließlich taucht Töne Piepenbring auf, der Besitzer des Reiseunternehmens. Die Frage, was mit Bahee geschehen sei, erstaunt ihn. Die Gruppe habe doch seit Tagen seine Ablösung verlangt und mit dem Abbruch der Reise gedroht. Es stellt sich heraus, dass Käthe Gruber sich mehrmals telefonisch über Bahee beschwerte und dabei vorgab, im Namen der Gruppe zu sprechen.

In Windhoek bringt Piepenbring die Gruppe im besten Hotel unter. Außerdem zahlt er 10 Prozent vom Reisepreis zurück und sorgt beim Rückflug für einen Upgrade in die Business Class. Dafür erwartet er, dass die Touristen zu Hause nichts Schlechtes über die Reise erzählen.

Sie fühlen sich wie gekauft und deshalb schlecht, zumal Bahee von Kalahari Unlimited keine Touren mehr kriegen soll. Piepenbring gibt Bahees Privatadresse nicht heraus. Matze erinnert sich, dass Bahee vom El Cubano sprach. Ein Sammeltaxi bringt sie alle bis auf Käthe Gruber hin. Der Klub hat noch geschlossen. Während sie warten, kommt eine hübsche Afrikanerin aus dem benachbarten Warehouse Theatre. Anhand des Fotos, das Bahee herumzeigte, erkennt Matze sie. Es ist Novy. Sie nennt ihm die Adresse ihres Freundes.

Bahee entschuldigt sich dafür, dass er die Gruppe im Stich ließ. Aber er sei verärgert gewesen, dass sich die ganze Gruppe hinter seinem Rücken beim Reiseveranstalter über ihn beschwert habe. Erst jetzt erfährt er, dass dies das Werk einer einzelnen Teilnehmerin war.

Ein Geländewagen hält. Töne Piepenbring und Käthe Gruber steigen aus. Die Wienerin entschuldigt sich bei Bahee. Er ist rehabilitiert. Die Gruppe drängt ihn, sie am nächsten Tag, wie ursprünglich geplant, zum Flughafen zu bringen.

Dort tauschen sie ihre Tickets um und lassen sich die Differenz zwischen Business und Economy in bar auszahlen. Das Geld schenken sie Bahee. Für ihn ist das ein halbes Jahresgehalt; für sie bedeutet es lediglich, ein paar Stunden etwas enger sitzen zu müssen.

Sina gesteht Matze, dass sie gar nicht mehr umziehen möchte. Sie meint, die Wohnung sei viel zu wichtig geworden. Ob er die Reservierung rückgängig machen könne?

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Tommy Jaud (* 1970) war Headwriter der „Wochenshow“ und Creative Producer der Comedy-Serie „Ladykracher“ (beides: Sat.1). 2009 wurde er mit dem Deutschen Comedy-Preis ausgezeichnet. „Hummeldumm“ ist nach „Vollidiot“ (2004), „Resturlaub“ (2006) und „Millionär“ (2007) der vierte Roman von Tommy Jaud.

Der Comedy-Sound prägt auch die Bücher. „Hummeldumm“ ist weder formal noch inhaltlich ein anspruchsvoller Roman. Die aus der Perspektive des IT-Spezialisten Matthias Klein erzählte Handlung – eine zweiwöchige Namibia-Gruppenreise – und die klischeehaften Figuren dienen nur als Vehikel für Situationskomik und Pointen. Wer nichts anderes erwartet, wird gut unterhalten, denn einige der Einfälle sind wirklich originell und lustig.

Den Roman „Hummeldumm“ gibt es auch als Hörbuch, gelesen von Tommy Jaud (Regie: Oliver Versch, Berlin 2010, 5 CDs, ISBN 978-3-8398-1002-6).

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2011
Textauszüge: © S. Fischer Verlag

Kerstin Decker - Lou Andreas-Salomé. Der bittersüße Funke Ich
Kerstin Decker schreibt literarisch anspruchsvoll. Das Porträt, das sie in "Lou Andreas-Salomé. Der bittersüße Funke Ich" entwirft, ist farbig und lebendig. Außerdem weist es Tiefe auf.

Lou Andreas-Salomé. Der bittersüße Funke Ich

Kerstin Decker

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