Washington Square

Washington Square

Washington Square

Originaltitel: Washington Square - Regie: Agnieszka Holland - Drehbuch: Carol Doyle, nach dem Roman "Die Erbin vom Washington Square" von Henry James - Kamera: Jerzy Zielinski - Darsteller: Jennifer Jason Leigh, Albert Finney, Ben Chaplin, Maggie Smith, Judith Ivey, Betsy Brantley, Arthur Laupus, Jennifer Garner, Robert Stanton, Betsy Brantley, Nancy Daly, Sara Ruzicka u.a. - 1997; 115 Minuten

Inhaltsangabe

Der Arzt Dr. Austin Sloper konnte nicht verhindern, dass seine Frau Catherine kurz nach der Geburt einer Tochter starb. Der verbitterte Vater hütet sich davor, das Mädchen ungerecht zu behandeln. Einmal allerdings entschlüpft ihm der Satz: "Wie obszön: Deine Mutter musste ihr Leben lassen, damit du deinen Platz auf dieser Erde einnehmen kannst." ...

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Kritik

Aus dem Roman von Henry James hat die aus Polen stammende Regisseurin Agnieszka Holland neben dem Vater-Tochter-Drama vor allem einen auch heute aktuellen Aspekt herausgearbeitet: den Kampf einer jungen Frau um ihre Selbstachtung in einer von Konventionen und vom Besitzdenken der Männer beherrschten Welt.
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Dr. Austin Sloper (Albert Finney) verschaffte sich in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in New York einen hervorragenden Ruf als Arzt und vergrößerte das Vermögen, das seine Frau Catherine mit in die Ehe gebracht hatte. Er selbst stammte aus einfacheren Verhältnissen. Trotz seines medizinischen Wissens konnte er nicht verhindern, dass sein erstes Kind, ein Junge, im Alter von drei Jahren starb. Zwei Jahre später verschied Catherine kurz nach der Geburt einer Tochter, die der untröstliche Vater auf den Namen seiner toten Frau taufen ließ. Als das Kind zehn Jahre alt war, nahm Dr. Sloper seine verwitwete Schwester Lavinia Penniman (Maggie Smith) mit in sein Haus auf.

Umsorgt von Lavinia Penniman wächst Catherine (Sara Ruzicka / Jennifer Jason Leigh) zu einer verhuschten, linkischen und etwas einfältigen jungen Dame heran. Ihren Vater hält sie für den klügsten und stattlichsten Mann auf der Welt. Sie liebt ihn und fürchtet ihn zugleich. Austin Sloper wäre gern stolz auf seine Tochter, aber er findet nichts, worauf er stolz sein könnte. Dabei hütet er sich davor, sie aus Verbitterung über den Tod seiner geliebten Frau ungerecht zu behandeln. Einmal allerdings entschlüpft ihm der Satz: „Wie obszön: Deine Mutter musste ihr Leben lassen, damit du deinen Platz auf dieser Erde einnehmen kannst.“

Im Alter von 22 Jahren lernt Catherine im Haus ihrer Tante Elizabeth Almond (Judith Ivey) einen ungefähr zehn Jahre älteren, gut aussehenden Mann kennen, der sich jahrelang in der Welt herumtrieb und dabei sein bescheidenes Erbe verbrauchte. Catherine ist überwältigt, als Morris Townsend (Ben Chaplin) ihr den Hof macht. Lavinia ist ebenfalls von ihm hingerissen und begeistert über die Aussicht auf eine romantische Liebesaffäre ihrer Nichte. Austin Sloper dagegen hält Morris Townsend für einen Nichtsnutz, der es auf das Vermögen seiner Tochter abgesehen hat. Als der Bewerber behauptet, er halte Catherine für ein reizendes Mädchen, entgegnet er: „Ich zögere nicht, Ihnen zu versichern, dass es mir nie in den Sinn gekommen ist, sie für ein reizendes Mädchen zu halten, und ich habe auch nie von jemand anderem erwartet, dass er das tut.“ Dr. Sloper sucht Mrs. Montgomery (Betsy Brantley) auf, die Schwester von Morris Townsend, eine Witwe, die fünf Kinder zu versorgen hat. Obwohl sie nichts Ungünstiges über ihren Bruder verrät, findet Austin Sloper doch seinen Verdacht bestätigt: Der charmante junge Mann lebt auf Kosten seiner Schwester. Daraufhin weigert er sich kategorisch, seinen Segen für die von den jungen Leuten beabsichtigte Eheschließung zu geben. Catherine muss sich zwischen der Loyalität gegenüber ihrem Vater und der Liebe zu Morris Townsend entscheiden.

Um Catherine auf andere Gedanken zu bringen, nimmt Austin Sloper sie auf eine Europareise mit, und als er nach sechs Monaten merkt, dass sie immer noch entschlossen ist, Morris Townsend zu heiraten, verlängert er den Aufenthalt um ein weiteres halbes Jahr. Am Ende meint er sarkastisch: „Dein Wert ist jetzt doppelt so groß durch all die Kenntnisse und den Geschmack, die du dir erworben hast. … Wir haben das Schaf für ihn gemästet, bevor er es umbringt.“ Er hat seine Meinung nicht geändert, und seine Tochter gibt ebenso wenig nach. Als erwachsene und selbstsichere Frau kehrt Catherine Sloper mit ihrem Vater nach New York zurück.

Dort erfahren sie unabhängig voneinander, dass sich Lavinia beinahe täglich mit Morris Townsend getroffen hat. Vor einer Woche ging er eine Partnerschaft mit einem Kommissionskaufmann ein, verfügt also jetzt über eine berufliche Tätigkeit und ein Einkommen. Deshalb will er erneut bei Dr. Sloper um Catherines Hand anhalten. Sie bringt ihn jedoch davon ab, es habe keinen Zweck, erklärt sie ihm. Nichtsdestotrotz ist sie nach wie vor bereit, ihn zu heiraten. Die Ablehnung dieser Eheschließung durch ihren Vater bereite ihr kein Kopfzerbrechen mehr, versichert sie. Morris Townsend ist sich klar darüber, dass Catherine von ihrem Vater enterbt wird, wenn sie ihn gegen dessen Willen heiratet, und er versucht ihr zu erläutern, dass er ihr nicht auf diese Weise schaden dürfe. Schließlich kündigt er ihr an, aus geschäftlichen Gründen für einige Zeit nach New Orleans zu müssen und sie nicht mitnehmen zu können. Da fühlt sich Catherine tief verletzt und es kommt ihr vor, als falle eine Maske von seinem Gesicht. Ohne ihre Briefe zu beantworten, verlässt er New York.

Obwohl sich einige Herren um sie bewerben, bleibt Catherine unverheiratet. Niemals spricht sie von Morris Townsend — bis Austin Sloper viele Jahre später sagt, er sei jetzt 68 Jahre alt und müsse in naher Zukunft mit dem Tod rechnen. Deshalb bitte er sie um das Versprechen, auch nach seinem Ableben niemals Morris Townsend zu heiraten. Damit hätte er seine Tochter früher in Gewissensnöte gestürzt. Jetzt aber empfindet sie eine solche Forderung als Anmaßung, und obwohl sie ihrem Vater versichert, kaum noch an Morris Townsend zu denken, verweigert sie ihm die gewünschte Zusage. Das ist sie ihrer Würde schuldig.

Ein Jahr danach erkältet sich Austin Sloper und stirbt nach dreiwöchiger Krankheit. Seinem ursprünglichen Testament zufolge sollte seine Tochter den größten Teil seines beträchtlichen Vermögens erben. In einem erst kürzlich verfassten Zusatz strich er Catherines Anteil auf ein Fünftel zusammen und vermachte das meiste Geld verschiedenen Krankenhäusern und medizinischen Fakultäten.

Wieder vergehen viele Jahre. Da beginnt Lavinia Penniman, die seit dem Tod ihres Bruders allein mit ihrer Nichte im Haus wohnt, erneut von Morris Townsend zu sprechen. Mit seinen Geschäften hat er nicht viel Erfolg gehabt. Nun ist er wieder in New York und möchte sie unbedingt sprechen. Catherine Sloper weigert sich, aber ihre Tante ermutigt den inzwischen etwa 45 Jahre alten Morris Townsend, eines Abends seine Aufwartung zu machen. Catherine sieht ihn an: Dieser Mann, der einmal alles für bedeutete, ist ihr gleichgültig. Enttäuscht und verärgert zieht sich der Besucher nach einer Weile zurück.

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Aus dem Roman „Washington Square“ von Henry James hat die aus Polen stammende Regisseurin Agnieszka Holland neben dem Vater-Tochter-Drama vor allem einen auch heute aktuellen Aspekt herausgearbeitet: den Kampf einer jungen Frau um ihre Selbstachtung in einer von Konventionen und vom Besitzdenken der Männer beherrschten Welt.

Der Film wurde im Fernsehen unter dem Titel „Die Erbin vom Washington Square“ ausgestrahlt.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2002

Henry James: Die Erbin vom Washington Square

Adolf Muschg - Von einem, der auszog, leben zu lernen
Adolf Muschg beschäftigt sich mit den drei Reisen, die Johann Wolfgang von Goethe in die Schweiz unternahm, aber es geht ihm nicht um faktenreiche Reiseberichte, sondern er verknüpft damit erbauliche Betrachtungen über Goethes Versuche, Klarheit über sich selbst zu gewinnen und "leben zu lernen".
Von einem, der auszog, leben zu lernen

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